Ein Dokument aus längst vergessenen Zeiten. Aus einem Fitness-Center übrigens. Obwohl die Rechtschreibung eher vermuten lässt, dass hier ein Schüler oder eine Schülerin aus dem homegeschoolten Corona-Jahrgang 2020/2021 am Werke war. Wohin führt uns das noch? Die Wirtschaft hält sich ja ganz gut. Aber was ist mit der Orthographie? Brot war immer schon wichtiger als das „scharfe S“.
Damit haben wir aber ganz unbeabsichtigt ein heißes Thema angeschnitten.
Die Filmemacher, die Intendanten, die Schauspieler rufen:
Rettet die Kultur! Denn die macht den Menschen erst zum Menschen!
Was aber ist mit den vielen Millionen, wahrscheinlich Milliarden Menschen, die ums Überleben kämpfen? Die keine Zeit für Kino oder Kunst haben. Sind das keine vollwertigen Menschen?
Ja, dann geht jetzt zu den Menschen, geht dahin, wo Ihr gebraucht werdet. Geht in die Krankenhäuser und die Altenheime, wo Personal fehlt. Und redet nicht von Kultur, wenn’s ums Überleben geht.
Kultur könnte ohne Subventionen nicht gedeihen. Das heißt, die Gesellschaft tut was für Euch. Nun tut mal was für die Gesellschaft – außer Beinchen schwingen oder ein Gesicht in die Kamera halten.
Denn wir leben in außergewöhnlichen Zeiten. Mitten in einer Jahrhundertkatastrophe, gell?
Von der viele aber kaum was merken würden, wenn man es sub specie aeternitatis betrachtete. Das Leben ist beschwerlicher als früher, sicher. Aber es fallen keine Bomben, und niemand muss in den Luftschutzkeller. Wir leben in schweren Zeiten, aber wenn wir einen größeren Maßstab anlegen, können wir immer noch sagen:
Es ist eine privilegierte Katastrophe.
Was mich betrifft. Was uns betrifft. Hier in Deutschland.
Auf meinen vorletzten Beitrag, FCK 2020, erhielt ich mehrere Zuschriften, die mich zu folgender Antwort bewogen haben, die ich aber nicht allein dem Friedhof der Kommentare überlassen möchte:
Was will mir diese Leiterin einer Schweizer Klinik in diesem Brief zum Neuen Jahr sagen? Aller Anfang ist schwer. Auch so ein Briefanfang. Aber ist aller Anfang neu? Na klar, man braucht das also gar nicht so zu betonen. Aber offenbar ist Frau Dr. Wiechel ja so über den „neuen Anfang“ froh, weil sie nie im Leben so gedemütigt worden ist wie im vergangenen Jahr. Leider verrät sie uns nicht, was genau sie denn so gedemütigt hat. Das Virus? Die Einstellung all der Menschen, die die Pandemie ernst genommen haben und ihr, der Ärztin, partout nicht glauben wollten, dass die Pandemie das Machwerk der vielen verschuldeten Staaten sei, die von ihren Problemen ablenken wollen? Das jedenfalls behauptet sie an einer späteren Stelle ihres Schreibens.
Apodiktisch scheinbar dann der Satz: „Niemand bezweifelt die Existenz von Covid 19.“ Als ich das beim ersten Mal las, habe ich gedacht, die Argumentation werde nun in klaren Bahnen verlaufen und einigermaßen nachvollziehbar sein. Denn hier scheint es sich ja nicht um jemanden zu handeln, der Covid 19 leugnet. Falsch gedacht! Denn im folgenden Satz steht ja, dass es eine virale Bedrohung gar nicht gegeben hat! (Der Satz „Niemand bezweifelt…“ ist also kein Statement, keine Feststellung einer Tatsache, sondern stellt eine Entrüstung dar oder ist sogar Ausdruck einer Verzweiflung wie „Niemand liebt mich!“ Man kann sich hier Frau Dr. Wiechel vorstellen, wie sie wütend mit dem rechten Fuß aufs teure Holzparkett der Klinik stampft…) Und warum wird dann aber die Existenz von Covid 19 (von den meisten Menschen) nicht bezweifelt? Weil die Pandemie eine von der Politik erzeugte Erfindung ist, ein Werkzeug eben, um von etwas (den Staatsschulden) abzulenken.
Hier erkennen wir den Nukleus einer Verschwörungstheorie, die im Verlauf dieser fröhlichen Post auf Vitamin D als Heilsbringer und Krebs als das andere große Instrument aus dem Werkzeugkasten der Panikmacher zu sprechen kommt.
Ich hatte die Frau Dr. Wiechel ja vor fast 10 Jahren kennengelernt. Doch als ich diese Mail las, habe ich mir wahrlich die Augen gerieben. Donnerwetter, die Frau hatte damals doch einen vernünftigen Eindruck gemacht! Und nun dieser Verschwörungswirrwar! Ich erspare mir hier Spekulationen darüber, wie die Leiterin einer Schweizer Privatklinik, die vor gut 10 Jahren aus dem rauhen Berlin in die schönen Schweizer Alpen berufen worden war, dazu kam, vom nüchternen Norden in diesen schwülen Verschwörungsdschungel zu gelangen. Und nun in einer Klinik festsitzt, bei der die reiche Kundschaft ganzheitlicher Spezialbehandlungen es sich wohl zweimal überlegt, in Pandemiezeiten einen medizinisch unterfütterten Erholungsurlaub zu genießen.
Ich habe ihr indes zurückgeschrieben:
Sehr geehrte Frau Dr. Wiechel,,
Sie gehören also zu den Verschwörungstheoretikern, die in diesen schweren Zeiten zwar keine Panik verbreiten, sondern nur lauter Unsinn.
Ihr Brief ist sprachlich und gedanklich sehr unsauber, und ich mache mir nicht die Mühe, dies an Beispielen zu belegen, da meine Kritik bei Ihnen auf Granit stoßen würde. Ja, ich habe dieses „Vorurteil“, dass man mit Verschwörungstheoretikern in der Regel nicht reden kann.
Auf eine Behauptung möchte ich allerdings eingehen. Sie beschreiben Finnland als eine Oase des Glückes, da es nicht verschuldet sei und sich daher entspannt zurücklehnen könne, andeutend, dass es mit Covid 19 klar komme. Beides ist eindeutig falsch. Finnland hat ein Staatsdefizit in 2019, Deutschland nicht. In Finnland gibt es außerdem einige Regionen mit einem hohen Anteil an Corona-Kranken, so dass es einige sehr präzise Reisewarnungen gibt. Aber das gehört ja Ihrer Ideologie nach zur Kategorie der Panikmache.
Meine im Jahr 2014 verstorbene Frau und ich waren im Frühjahr 2009 in Ihrer Klinik, ich glaube, das war in einer Woche, in der es hauptsächlich um die Leber ging. Ein paar Monate später wurde bei meiner Frau ein Leber-Gallenkarzinom im fortgeschrittenen Zustand diagnostiziert. Trotz der bei Ihnen vorgenommen aufwändigen Untersuchungen erhielten wir keinen Hinweis darauf, dass mit der Leber etwas nicht stimmte. Nur der damals bei Ihnen praktizierende Südtiroler Klangguru hat bei ihr im Inneren etwas gehört, was ihm nicht gefiel, weigerte sich aber zu sagen, um was es sich da handelte.
Nachdem ich in diesem Scheiben schon auf einen gewissen Mangel an klarem Denken hingewiesen habe, kann ich Ihnen nunmehr auch nicht verhehlen, dass ich schon vor längerer Zeit Zweifel an Ihren Diagnosefähigkeiten hatte, die zu äußern ich aber erst ermutigt wurde durch Ihre nicht nachvollziehbare Stellungnahme zur Pandemiesituation. Einem Arzt oder einer Ärztin, der oder die sich so schwammig wie Sie zur gegenwärtigen Pandemie äußert, würde ich in medizinischer Hinsicht nicht über den Weg trauen.
„Der Tourismus bildet einen unangenehmen Gegensatz zu einer anderen Migrationsform, die durch die Globalisierung ausgelöst wurde und die wir unverhohlen für problematisch halten. Einerseits öffnen wir die Grenzen äußerst gastfreundlich für die Ausländer, die bei uns Geld ausgeben wollen, andererseits schließen wir sie für jene Ausländer, die bei uns Geld verdienen wollen. Geschmacklos wird es, wenn beide Migrationsformen aufeinandertreffen, wenn also beispielsweise die Touristen im Mittelmeer schwimmen. Denn dann schwimmen sie in einem Massengrab. Die Griechen haben 2015 nur deshalb so sehr auf eine rasche Lösung der Flüchtlingskrise gedrängt, weil die Anwesenheit der Flüchtlinge die Touristen von den Stränden fernhielt.“
Zitat aus: Ilja Leonard Pfeijffer, Grand Hotel Europa, Piper Verlag, München 2020 (Wird demnächst hier besprochen.)
Im Nachtmagazin der ARD sagte heute ein Experte auf die Frage, wer denn nun zuerst geimpft werden sollte, wenn denn Mitte Dezember ein Impfstoff zur Verfügung stehe:
„Zuerst wohl die 90-jährigen und die 85-jährigen, die 60- und 70-jährigen Alten wohl noch nicht sofort.“
Ich mache folgende Rechnung auf: Wird ein 90-jähriger geimpft, überlebt er die Pandemie trotzdem nicht, da er, statistisch gesehen, schon 10 Jahre tot ist. Wird dagegen ein 60-jähriger geimpft, überlebt er die Pandemie und stirbt, wenn er Glück hat, erst nach gut zwanzig Jahren.
Ein 30-jähriger würde übrigens noch circa 50 Jahre leben.
Ein 60-jähriger könnte also noch 20 Kinder zeugen, ein 30-jähriger 50. Wenn sie monogam veranlagt sind. Wenn sie das nicht sind, – nicht auszudenken, wieviel Kinder sie noch in die Schöne Neue Welt setzen könnten…
In diesem Post wurde natürlich ausgeblendet, dass das Alter eine Rolle spielen kann, wenn es darum geht, die Gefährdung zu bestimmen. Dass das Alter u.U. ausgeblendet werden kann, macht der Fall eines Arztes klar, der mit 34 Jahren schwer an Corona erkrankte und in der Sendung von Maischberger Zeugnis ablegte.
Leo Läufer versucht, den Boulevard ins Arbeitszimmer zu holen. (Man kann sich das Virus durchaus als eine Art Polyphem vorstellen. Wir sitzen in unserer Höhle, und wenn wir versuchen, da rauszukommen, schlägt es blind zu.) Dass ich mich hier ansonsten im Bademantel zeige, ist doch kein „peinlicher und dummer Fehler“, oder? – Aber es könnte ja so aussehen, als hätte ich das alles schon hinter mir… Das Ölgemälde von Friedrich Nietzsche im Hintergrund ist übrigens nur rein zufällig in diesen Beitrag geraten. Obwohl – sein Arzt soll ihm geraten haben, nicht zuviel zu onanieren. Jeffrey Toobin hat wahrscheinlich nur das Pech, an die falschen Ärzte geraten zu sein. Wir wünschen ihm jedenfalls für die Zeit, da er freigestellt ist und also viel Zeit hat, alles Liebe und Gute. Woody Allen würde sagen: Hey, der hat doch bloß Sex mit jemandem, den er liebt…
And this is for my friends in the USA and in China:
Leo Läufer tries to bring the boulevard into the study.
(You can think of the virus as a kind of polyphem. We are sitting in our cave and if we try to get out of there it will strike blindly.)
The fact that I show myself in a bathrobe is not an „embarrassing and stupid mistake“, is it? – But it could look as if I had all this behind me …
The oil painting of Friedrich Nietzsche in the background only got into this article by chance. Although – his doctor is said to have advised him not to masturbate too much. Jeffrey Toobin is probably just unlucky enough to have gotten to the wrong doctors. In any case, we wish him all the best for the time he is released and therefore has a lot of time. Woody Allen would say: Hey, he’s just having sex with someone he loves …
Bin ich im Delir? Habe ich das Corona-Symptom, von dem bislang kaum jemand etwas wusste? Delirium, Aussetzer, punktuelle Orientierungslosigkeit? Das fängt schon damit an, dass ich mich dauernd vertippe, nein, damit, dass auf dem Bildschirm Buchstaben erscheinen, die ich im Leben nicht in die Tastatur gehauen habe. Oder liegt das an meinem neuen iMac mit der superschnellen SSD-Festplatte? Machen wir mal die Plobe aufs Exempel. Ich schreibe jetzt mal was, ohne dass ich etwas korrigiere. Und siehe da: alles erscheint, wie e sein sollte. Fast. Versuchen wirs nochmal. Beschreib eichj doch einfach mal, was ich gesteren gemaht habe. Kastanien nicht aus dem Feuer geholt, sondern im Wald gesucht. Dabei ist man ja auf die Abfälle angewiesen, also das, was agefallen ist und dann da am Boden liegt, meist zeimlich gut verpacktk inn einmer icken Schale mit spiten Stacheln. Kum mich herum fünf Chinesen. Die alle Chinesisch sprechen und keinen Mundschutzt tdrdagen. Ich habe mich also bald lvom Ackekrek gemacht, heißt, bin nach Hause gagangnen. Habe eine Frasche Loten aufgemacht und auf alle Kastanien deer Welt angestooßen. Jetezt will ich doch mal chekcen, was aus meinmem Selbfstversuch wegen des Delil rausgekommen ist. Das Delir hate eine Farbe, die Falbe Rot. Plost.
Zwei Bilder von meinem letzten Spanienurlaub (Andalusien) hängen in meiner Wohnung. Das eine lenkt den Blick in die Vergangenheit, das andere zeigt eine gnadenlose Gegenwart. Das erste Original hängt im Stadtmuseum von Sevilla und zeigt die berühmte, auch bei Thomas Mann leidenschaftlich nachgezeichnete Szene, in der Joseph versucht, der liebestollen Frau des ägyptischen Pharaos zu entkommen, während sie voller Lust und Leidenschaft nicht von dem Zipfel des Kleides lassen will, den sie erhascht hat. Das zweite ist in einem kleinen Museum in Córdoba zu finden, das einem Maler gewidmet ist, der seinen Pinsel am liebsten mit einem Plektrum getauscht hätte, da er den Flamenco so liebte.
Was hat das nun mit mir zu tun? Nun, das erste Bild erinnert mich an meine Zeit, da ich mich kaum der Frauen erwehren konnte, die mich zu haschen suchten. Im Mittelpunkt des zweiten Bildes steht ein demütiger Gitarrenspieler, der ganz in sein Instrument versenkt ist, während die Damen tanzen, deren Girren und Gurren er gar nicht bemerkt. Ich Jüngling – Ich alter Mann. Dazwischen ein ganzes Leben, das in Vergessenheit geraten ist. Denn was zählt, das sind die Extreme, Anfang und Ende, Lebensfrühling und Tod, Süßes und Saures. Auf die Zwischentöne verzichten wir gerne! Die sind nämlich nichts anderes als dieses scheißbürgerliche Leben, mit dem wir uns arrangiert haben. Wir sind wie Wasser. Wir suchen uns den Weg des geringsten Widerstandes. Wir sind Widerlinge.
Nachtrag
Meine chinesische Frau (die totale Sängerin), die diesen Beitrag auf meinem BLOG wohl schon gelesen hatte, rief mich soeben in meiner Düsseldorfer Wohnung an, in die ich zwischenzeitlich geflohen bin. Und sie sagte einen Satz in (fast) perfektem Deutsch.
„Hast Du Sie [sic] noch alle?“, fragte sie. Ich konnte ihr wie immer nicht widersprechen.
(In diesem Beitrag wird ja Thomas Mann explizit erwähnt. Indirekt erwähnt werden aber auch noch ein Komponist und ein Dramatiker. Aber wem sage ich das. Wer diesen BLOG liest, ist sowieso ziemlich gebildet.)
Wer von Euch altsprachlichen Humanisten erinnert sich denn noch an den GEMOLL, das Griechisch-Deutsche Schul- und Handwörterbuch aus den 60er Jahren? Das steht bei mir noch im Regal, in friedvoller Nachbarschaft zu einem Affen aus meiner Kinderstube in den 50er Jahren und einem Philosophischen Wörterbuch aus der DDR. Neulich habe ich diesen Gemoll in einer meiner koronaischen Mußestunden auf meinen Schreibtisch geholt – ja, so was gibt es bei mir noch neben Laptop und Desktop… Und ich habe was nachgeschlagen, weil ich mir der Schreibweise nicht mehr sicher war. Den Anlass dazu gab eine stille Episode mit meinen Katern, die verrückt vor Freude sind, weil ich das Haus kaum noch verlasse, also praktisch immer für sie da bin. Aber vielleicht hat diese gesuchte Nähe auch andere Gründe. Denn meine chinesische Frau hat zu einem eigenen Zeitvertreib gefunden. Mit Hilfe diverser Apps singt sie auf Chinesisch am laufenden Band und lässt ihre
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Gesänge anschließend von einer App bewerten. Es gibt die Note A (für „asozial“?) und dreimal die Note S (für „sozial“?), also SI, SII und SIII . Ihre Freundin Ling schafft es oft bis zur SIII, meine Frau hingegen kommt nie über SII hinaus. Und das ärgert sie, und so singt sie wieder, und immer wieder… Kein Wunder, dass die Kater meine Nähe suchen. Auf deren Zutraulichkeit und vertrauten Umgang bilde ich mir also gar nichts ein. Wir drei, Adonis, Aladin und ich, wir üben uns gemeinsam in ATARAXIA (siehe GEMOLL). Und wir beziehen da durchaus meine Frau in akustischen Gedanken mit ein, denn sie ist schließlich der Anlass für diese neue Männerfreundschaft, ja Schicksalsgemeinschaft.
Für meine chinesischen Freundinnen und Freunde hier die Übersetzung dieses Beitrags:
So wie das aussieht, könnte das im Chaos enden… Oder alles wird gut….
Der Fisch ist jedenfalls tot.
Also in Sicherheit.
Aber da scheint noch was zu sein.
Wir Menschen verschließen jedenfalls die Augen davor, dass alles noch schlimmer wird und ein Wort wie Chaos nicht ausreichen wird, um das, was wird, zu beschreiben.