Sein oder Nichts

Sein wohl letztes Werk von solchem Umfang – so der Autor Dieter Henrich (90) – trägt den Titel „Sein oder Nichts. Erkundungen um Samuel Beckett und Hölderlin“. Henrich attestiert Hölderlin die weitaus größere poetische Potenz, scheint aber – altersweise geworden – mit der Schwindsucht Becketts zu kokettieren. Natürlich ist dies eine völlig unzureichende, ja fatal falsche Kurzversion dessen, was in dem umfangreichen Buch dargelegt wird. Etwas mehr dazu findet sich in  Reflexe und Reflexionen von Leo Läufer, wo das Buch als neunzehntes aufgenommen wurde, obwohl es dort wegen seines exklusiv-abstrakten Charakters eine Ausnahmeposition innehält…

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Schräg gegenüber

fischhausDas Fischhaus in Düsseldorf, früher Maaßen, ist ein heller Ort, in dem es viel Fisch gibt. Frischen Fisch. Guten Fisch. Zur Straße hin ist die ganze Front durch Fenster ersetzt, so dass jeder, der draußen vorbei flaniert, hineinschauen kann, aber auch jeder, der drinnen sitzt, die Flaneure gut im Blick hat – egal, wo er sitzt. Neulich saß ich mittags an einem Sechsertisch, zur Theke hin. Ein älteres Ehepaar nahm an meinem Tisch Platz. Er setzte sich ans Fenster, die Frau auf den mittleren Stuhl schräg gegenüber. Es entspann sich folgender Dialog:

„Setz dich doch ans Fenster, da siehst du mehr!“

„Da fühle ich mich so eingeengt.“

Wenn ich mich recht besinne, waren das die letzten Worte, die ich von den beiden vernommen habe, während ich noch eine halbe Stunde dort verbrachte.

Wahrscheinlich hat die arme Frau ihr ganzes Leben lang all ihre Kraft darauf verwenden müssen, sich ein wenig Selbstbestimmung zu erobern. Im Fischhaus in Düsseldorf ist es ihr offenbar einmal gelungen. Schräg gegenüber…

 

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Gegenüber

Das Deutsche Tischtenniszentrum liegt GEGENÜBER vom Staufenplatz in Düsseldorf.

Woran denken Sie, wenn Sie BORUSSIA hören? Wahrscheinlich an Borussia Dortmund oder Borussia Mönchengladbach. Aber es gibt auch eine Borussia Düsseldorf, die sogar im diesjährigen Karnevalszug in Düsseldorf einen Namen davontrug. Insidern ist die Borussia Düsseldorf natürlich ein Begriff. Insidern, die sich für Tischtennis interessieren. Zu den Insidern zähle ich mich auch, da ich vor etwa dreißig Jahren meinen Sohn einmal die Woche zum Staufenplatz brachte, weil er dort bei Borussia trainierte.

Und genau vor der Borussia, vor ihrer neuen Trainingshalle, GEGENÜBER vom Staufenplatz, wurde heute eine Skulptur enthüllt, angesichts sonstiger Enthüllungen in unserer Zeit eine relativ harmlose Angelegenheit.

Und jetzt raten Sie mal, wie diese Skulptur heißt? Gut, Sie sind schon drauf gekommen: GEGENÜBER.

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Enthüllung, Umarmung

Ulrich Hassenpflug, der Künstler, nennt seine Skulptur GEGENÜBER aus genau diesem Grund. Erstens. Und zweitens, weil man sich beim Tischtennis GEGENÜBER steht. Und drittens – und diese Begründungsschiene habe ich eigentlich nicht so recht einordnen können –  weil für ihn die Kunst oder das Kunstwerk immer ein GEGENÜBER sei, nie ein von oben Herabschauen, und auch kein von unten Hinaufschauen, also immer das GEGENÜBER auf Augenhöhe im Blick.

Das Kunstwerk war zunächst unter einer schwarz-rot gestreiften Plane verborgen, am linken Rand kam allerdings so etwas wie ein rostiger Fuß zum Vorschein, der an einem langen rostigen Bein befestigt zu sein schien.

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Ulrich rennt, nicht Lola

Sollte sich am rechten Rand der Plane, der gut verdeckt war, ein ähnlich rostiges Drama bedeckt halten? Und worin würden dann diese rostigen Beine münden? Etwa in eine rostige….? Nicht auszudenken!

Auf die Idee, dass darauf zwei metallene Tischtennisschläger sich leicht bewegen könnten, bin ich nicht gekommen. Obwohl ich Ulrichs Skulpturen kenne und weiß, dass sein künstlerisches Thema ist: Schweres Metall zum Schwingen bringen.  Bravo Ulrich, Du hast es fertig gebracht, das superschnelle Tischtennistheater in diesen superlangsam sich drehenden Schwermetallschlägern mit Bällen künstlerisch zu zähmen.

Eines aber hat mich gestört, und dieses Eine kann ich nicht verhehlen, verschweigen, unter den Teppich kehren und aus meinem Kopf treiben: Jeder Tennisschläger ist perfekt (obwohl sich der rechte nicht so willig bewegen lässt, wie es schien). Aber waren das jetzt zwei Kunstwerke, wie Du angedeutet hast, oder war es nur eins? Für mich galt das als ein Werk. Aber dann fehlte etwas Verbindendes. Da stehen zwei Säulen mit je einem Schläger. Das Verbindende wäre eine Fläche, die, einer Tischtennisplatte gleich, erst andeutet, dass da nicht zwei für sich spielen, sondern mit einem GEGENÜBER.

Eine kleine Diashow von heute Morgen kann man hier besichtigen.

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Über Lüge in postfaktischen Zeiten

Was steckt dahinter, wenn der amerikanische Präsident „schnell mal“ eine falsche Kathastrophenmeldung in die Welt setzt, wie erst heute wieder über einen angeblichen Terroranschlag in Schweden?
Der britische Autor Ian McEwan macht in seinem neuesten Buch „Nutshell“ ein paar interessante Anmerkungen über das Lügen.
„The effective lie, like the masterly golf swing, is free of self-awareness.“
Ian McEwan: Nutshell, p. 170
Aber es gibt zwei Arten von Lügnern.
Trudy: „Only persuade herself and she’ll deceive with ease and consistency. Lies will be h e r truth.“
„Claude, unlike Trudy, owns his crime. This is a Renaissance man, a Machiavel, an old-school villain, who believes, he can get away with murder. The world doesn’t come to him through a haze of the subjective; it comes refracted by stupidity and greed, bent as through glass or water, but etched on a screen before the inner eye, a lie as sharp and bright as truth. Claude doesn’t know he’s stupid. If you’re stupid, how can you tell?“
Nutshell, pp. 147f.

nutshell

Eine Besprechung dieses Buches bald bei „Reflexe und Reflexionen“. Der Roman/die Novelle ist nichts anderes als eine zeitgemäße Version des „Hamlet“. „And the rest is chaos.“ We learn at the very end…

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Nietzsche für Anfänger

img_0240Heinrich Deterings Buch „Der Antichrist und der Gekreuzigte – Friedrich Nietzsches letzte Texte“ (2010) ist fürwahr kein Buch für Anfänger, selbst Fortgeschrittene dürften hier und da ins Stolpern geraten.

Aber hier ist meine Übersetzung.

Friedrich Nietzsche hat seine letzten Briefe (Januar 1889) mit so disparat erscheinenden Namen unterschrieben wie „Dionysos“ und „der Gekreuzigte“. Viele Interpreten des 20. Jahrhunderts haben dies als bloße Belege des Wahnsinns genommen. Detering zeigt nun akribisch (also gekonnt philologisch) auf, dass, selbst wenn das Wahnsinn war, es doch Methode hat (Polonius über Hamlet, II, 2). Der klinische Befund mag unumstritten sein. Dennoch kann in den letzten Werken und Äußerungen Nietzsches ein erzählerischer Zusammenhalt sichtbar gemacht werden (in dem geschichtliche Mythen, religiöse Motive und private Mythologien aufgehen), dessen Sichtbarmachung den scheinbar wahnsinnig-widersprüchlichen Äußerungen einen Sinn gibt.

Wenn Nietzsche ein „Feindbild“ hatte, so ist dazu im Wesentlichen die alte Zweiweltenlehre zu rechnen, zu der, was das Christentum angeht, vor allem das vom Apostel Paulus stammende Bild Jesu gehört, demzufolge dessen Tod ein Sühneopfer darstellte,was bedeutet, dass die dieser Lehre folgenden Christen nach ihrem Tod in den Himmel kommen sollen.

Nietzsche hat den Gegensatz von Diesseits und Jenseits aufs Schärfste bekämpft. Warum bedient er sich dann vor allem in seinen letzten Werken „Der Antichrist“ und „Ecce home“ christlicher Erzählfiguren? Die Antwort scheint nach Deterings scharfsichtiger Analyse relativ einfach: Er deutet Begriffe wie „Christus“ oder „Evangelium“ einfach um und baut mit Begriffen verschiedener Mythen, Kunstreligionen (Wagner) und Religionen eine eigene neue Kunstreligion auf, die in der „frohen Botschaft“ kulminiert, dass Gott a u f d e r E r d e ist.

Wie ist so etwas möglich?

Nun, dieser erzählerische Vorgang hat sich in drei Schritten/Werken vollzogen und findet einen äußerst konsequenten Abschluss in den „Wahnsinns-Briefen“ vom Januar 1889, den Tagen seines Zusammenbruchs.

Im „Antichrist“ wird Jesus als eine Figur stilisiert, die dem gängigen Bild vollkommen widerspricht. Er ist nicht der „Erlöser“ von allen irdischen Leiden, sondern derjenige, der um des Lebens willen den Tod auf sich nimmt. Nicht eines himmlischen Lebens, sondern eines Lebens in einem irdischen Paradies. Und genau das ist die Schnittstelle zu der Figur des Dionysos, deren Symbolkraft er seit seiner ersten Schrift immer schon verwendet hat. Jesus ist Dionysos, und Dionysos ist Jesus, die beiden Figuren werden in eine verschmolzen. Der Antichrist wendet sich also gegen den paulinischen Christus, verwandelt sich jedoch selber in den dionysischen Jesus, den jesuanischen Dinonysos!

Auf den „Antichrist“ folgte sogleich die autobiografische Schrift „Ecce homo“. Hier liegt das Schwergewicht auf einer weiteren „Umwertung“: Der „Gottessohn“ wird als sich vergöttlichender Mensch inszeniert. Anders gesagt: Gott ist nicht Mensch geworden, sondern er, der Mensch, der dies erzählt, wird Gott. Also ist Gott auf der Erde angekommen – im Mythos, also jenseits von Raum und Zeit. Nach Detering verschmilzt der Gekreuzigte mit Dionysos zu einem dionysisch verklärten Jesus. Die Unterschrift unter den letzten Brief lässt keinen Zweifel daran, wer dieser Erzähler ist: „Nietzsche“.

Zur gleichen Zeit wie die letzte Prosaschrift Nietzsches entstehen die „Dionysos-Dithyramben“. Die zeitliche Nähe unterstützt das interpretatorische Resümee zum „Ecce homo“. Damit scheint erwiesen, dass sich die in den „Wahnsinns-Briefen“ vom Januar 1889 für die Unterschrift gewählten Namen des Absenders nahtlos einfügen in die letzten Schriften, ja sich ergeben aus den Büchern, die Nietzsche im Jahr 1988 verfasst hat und die übrigens eine zentrale Rolle in der Rezeption im 20. Jahrhundert gespielt haben.

Nietzsches bewusstes Leben und dessen „Narration“ haben also ebenfalls in gewisser Weise „symbiotisch“ geendet. Und mehr als Gott Werden ist einfach nicht drin.

P.S.: Ich musste natürlich vieles auslassen, was das hier thesenhaft Referierte erst nachvollziehbar erläutern würde. Aber vielleicht folgt ja noch ein „Nietzsche für Fortgeschrittene“, dann aber auf der Seite „Reflexe und Reflexionen“.

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Blondinen…

…sollten wir nicht unterschätzen. Es gibt da zwei Blondies, denen nicht nur ihre Haarfarbe, sondern auch noch einiges sonst gemeinsam ist. Zum Beispiel Missbrauch von Menschen, genauer und also noch mal ungeheuerlicher: der Gesellschaft, um ganz persönliche Ziele zu erreichen.  Der eine macht Europa kaputt, der andere die ganze Welt, wenn er das umsetzt, was er heute verkündet hat. Vielleicht sollte man Blondies den Daumen abhacken. In Notwehr, sozusagen… (Upps. War das jetzt ein Aufruf zum Tyrannenmord?)

boris0

Boris Johnson, maßgeblich für den BREXIT verantwortlich

 

Donald Trump, President of the United States of America

Donald Trump, 45th President of the United States of America

GRAVE NEW WORLD

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Eiszeit

Ja, kalt war’s und Schnee gab’s. Und der Specksteinofen versorgte vor allem Aladin und Adonis mit wärmendem Geknister. Aber warum, zum Teufel, macht unser Butler den Ofen denn heute nicht an? Wir warten!
Ja, wir alle warten – auf den Einzug dieses Egomanen in ein weißes Haus, und wir alle werden uns noch sehr warm anziehen müssen, wir alle…
Im Weißen Haus ein Immobilienmogul und sein Schwiegersohn, das Gesetz zur Vetternwirtschaft gelte für den Präsidenten nicht, wurde heute gesagt. Immobil = unbeweglich, also Eiszeit. Wir müssen wieder lernen zu überwintern… Aber können wir uns das leisten?

kater-und-kalter-ofen

Oliver Welke hat in seiner Heute-Show auf einen Auftritt von Donald Trump Bezug genommen, in dem er einen behinderten Journalisten lächerlich machte, hat ihn satirisch bloßgestellt. Aber erst Meryl Streep hat in ihrer Rede zur Verleihung des Golden Globe für ihr Lebenswerk darauf eine ernsthafte Antwort gegeben und ihn politisch-menschlich-moalisch bloßgestellt. Wie hilflos-kindisch war Trump’s getwitterte Antwort: Mary Streep sei eine überschätzte Schauspielerin.

Eiszeit, wohin der Blick schweift: USA, Türkei, Syrien, Ungarn, Polen, Ukraine, etc.

Abgasskandal? Maut auf deutschen Autobahnen? Kalter Ofen? Peanuts!

Aber wieso werde ich den Verdacht nicht los, es könnte uns alle bald kalt erwischen?

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