Corona-Irrsinn

Im Nachtmagazin der ARD sagte heute ein Experte auf die Frage, wer denn nun zuerst geimpft werden sollte, wenn denn Mitte Dezember ein Impfstoff zur Verfügung stehe:

„Zuerst wohl die 90-jährigen und die 85-jährigen, die 60- und 70-jährigen Alten wohl noch nicht sofort.“

Ich mache folgende Rechnung auf: Wird ein 90-jähriger geimpft, überlebt er die Pandemie trotzdem nicht, da er, statistisch gesehen, schon 10 Jahre tot ist.  Wird dagegen ein 60-jähriger geimpft, überlebt er die Pandemie und stirbt, wenn er Glück hat, erst nach gut zwanzig  Jahren.

Ein 30-jähriger würde übrigens noch circa 50 Jahre leben.

Ein 60-jähriger könnte also noch 20 Kinder zeugen, ein 30-jähriger 50. Wenn sie monogam veranlagt sind. Wenn sie das nicht sind, – nicht auszudenken, wieviel Kinder sie noch in die Schöne Neue Welt setzen könnten…

In diesem Post wurde natürlich ausgeblendet, dass das Alter eine Rolle spielen kann, wenn es darum geht, die Gefährdung zu bestimmen.  Dass das Alter u.U. ausgeblendet werden kann, macht der Fall eines Arztes klar, der mit 34 Jahren schwer an  Corona erkrankte und in der Sendung von Maischberger Zeugnis ablegte.

 

 

 

 

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„Can American democracy survive Donald Trump?“

Brief an einen Freund, der mir den Link zu einem sehr interessanten Artikel von Sarah Churchwell in The Guardian zugemailt hat:

Hallo Wolfgang,
wie schon gesagt: Ein sehr interessanter Artikel. Hast Du denn schon für den GUARDIAN gespendet?
Lügen – Paranoia – Verschwörungstheorien: Ja, das führt zur Wissenskrise. Nicht mehr unterscheiden können zwischen Wahr und Falsch. Die Indifferenz der Gesellschaft dem einzelnen gegenüber, die auf deren Vielfältigkeit beruht, wird als Missachtung erlebt, für die doch jemand geradestehen muss (die Regierung, der Staat, die Juden, etc.), und dann gibt es da „eine starke Persönlichkeit“, die das mal klar ausspricht. Voila, nun haben wir den Salat, sprich den Faschismus.
Aber wenn sich nun Corona-Gegner mit Anne Frank vergleichen oder mit Sophie Scholl, ist das nicht einfach nur Dummheit? Punkt! Wer sagt denn, dass die meisten Menschen nicht dumm sind? Kann doch sein,  oder? Und wenn dann die Dummen bei Wahlen alle ihre Stimme abgeben, ist doch demokratisch, oder? 
Aber in den USA scheint es doch nun so zu sein, dass die Republikaner hoffnungslos in der Minderheit sind. Und da sie so die Dummen sind, bleibt ihnen nichts übrig, als mit Hilfe autoritärer Strukturen (Richterstellen besetzen auf Teufel komm raus) oder sinistrer Manöver (Leugnen, was das Zeug hält) wieder an die Macht zu kommen.
Und wenn sich Dummheit mit Lügennarrativ verbindet? So bei Tommy Tuberville, frisch gewählter Senator aus Alabama, der behauptet, sein Vater habe im 2. Weltkrieg Europa vom Sozialismus errettet. Nun sind aber die Demokraten die Sozialisten, und der 2. Weltkrieg würde ja nichts genutzt haben, wenn die jetzt wieder – und sogar in den USA – an die Macht kämen. 
Was für ein Sumpf!!!
Ich weiß übrigens nicht, ob ich nicht den Pence für den noch Gefährlicheren halten sollte. Siehe dazu die Ausführungen zu „Totalitarismus – Theokratie“. Recht hat Sarah Churchwell, wenn sie betont, es gehe in den USA nicht um politische, sondern um existentielle Opposition. Was ja bedeutet, dass wir uns dort wieder im Naturzustand befinden (Hobbes, Locke), was ja angesichts der teilweise schwer bewaffneten Trump-Anhänger auch bedeutet, dass es sich hier nicht um eine abstrakte Theorie handelt. Und das Tantra der ungebrochenen starken Demokratie in den USA (George Washington verzichtete auf eine 3. Präsidentschaft: DAS ist die eigentliche Wiege der amerikanischen Demokratie!) ist nichts anderes als eine Beschwörung dessen, was man glauben möchte, aber längst nicht mehr glauben kann.
Schnitt.
Ich habe gerade das Buch „WUHAN DIARY – Tagebuch aus einer gesperrten Stadt“ von Fang Fang zu Ende gelesen. Hochaktuell diesmal, meine Lektüre. Ich habe zu diesem Buch auch einen „Lesebericht“ unter Reflexe und Reflexionen veröffentlicht. Vielleicht kannst Du mir in einem Punkt weiterhelfen. Fang Fang hat unter 10 Jahren Kulturrevolution gelitten (Sie hat während dieser Zeit als Packer arbeiten müssen.) und danach Literatur studiert. Sie ist wohl eine der angesehensten Schriftstellerinnen Chinas. Ihr Tagebuch, das sie auf Umwegen im Netz geschrieben hat, wurde heftig von „Linksextremisten“ attackiert, die ihr vorwarfen, nur die schmutzigen Sachen zu beschreiben, nicht aber die sauberen, also die Verdienste der Partei. Sie erwähnt aber auch die Rechtsextremisten, von denen sie auch gar nichts hält. Ihren eigenen Standpunkt umreißt sie mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit von Reformen und Öffnung. Damit kann sie ja wohl nicht Xi Jinping meinen, oder? Was sind in China heutzutage die „Linksextremisten“, was sind die „Rechtsextremisten“?
Im vorletzten Kapitel (23. März) sagt sie, dass das Tagebuch anders geworden sei als ursprünglich konzipiert. Und ihr letzter Satz in diesem Kapitel lautet: „Ich habe im wahrsten Sinne des Wortes ‚den anfänglichen Traum vergessen‘“. In einer Fußnote steht dazu: „Anspielung auf ein zum politischen Slogan gewordenes Zitat von Xi Jinping („den anfänglichen Traum nicht vergessen“), das wiederum den Dichter Bai Juyi (772-846) zitiert. 
Ich vermute sehr stark, dass Fang Fang den letzten Satz des Kapitels 23. März mit einem Augenzwinkern versehen hat. Sie sagt damit: Schaut mal her, ich halte mich offenbar nicht an das, was der Große Vorsitzende für geboten erklärt Aber ist doch hier gar nicht so schlimm, oder? Sie spielt mit Opposition, dabei meint sie es todernst und verarscht den Großen Vorsitzenden en passant – so locker und gelassen, wie das nur Chinesen können, die in China leben…

Ende Januar habe ich mich in der Nähe von Nanning aufgehalten. Als am 26. und 27. Januar die gemeldeten Todeszahlen immer weiter anstiegen, haben wir uns entschlossen, den nächsten Flug nach Deutschland zu nehmen. Oben also ein paar Bildchen und weiter unten der ausführliche Bericht zum Buch von Fang Fang.

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That’s the way the world ends:

not with a bang, but with a whimper.

An diese Worte von T.S.Eliot (The Waste Land) habe ich heute gedacht, als ich die Bilder sah von Trump im gepanzerten Auto auf dem Weg zum Golfspielen, draußen schrien sich 10.000 Unverbesserliche die rote (republikanische) Seele aus dem Leib, und ein paar tausend Meilen, im entfernten Hanoi, wird zur gleichen Zeit der größte Freihandelsvertrag aller Zeiten unter Führung von China unterzeichnet. Dem Mann ist nicht mehr zu helfen. Ist ein bisschen Mitleid erlaubt?

Im Folgenden nun ein weiteres Zitat aus dem schon öfter genannten Buch von H. Brogan, in dem ich lediglich drei Wörter ersetzt habe:

Trump was at his loss. The inner light had failed. For it had told him that anything was allowed to the President of the United States and that anything was allowable which helped a man to win an election. It was the faith on which he had acted all his adult life, the faith he had divised from watching the imperial actions of Franklin Roosevelt, Harry Truman and the rest, all of whom had from time to time taken chances with the Constitution. He would see no difference between their cases and his, and so went whining into exile in the luxurious golf facility he had created for himself (partly with taxpayers‘ money) in Florida.

Nixon hatte übrigens ein home in California. Ansonsten ist die Übereinstimmung auf den ersten Blick überwältigend. Aber schaut man genauer hin, werden Differenzen sichtbar. Natürlich geht es Trump nicht um Roosevelt oder Truman. Er dürfte sich eher Lukaschenko oder Putin angeschaut haben. Und die Frage bleibt: Geht er wirklich endgültig Golf spielen? Die medialen Möglichkeiten heutiger autokratischer Psychopathen dürfen nicht unterschätzt werden. Wenn Fox News umschwenkt, steht ein anderer Sender bereit zu übernehmen. Und es stehen mehr als 70 Millionen Amerikaner bereit, die ihn gewählt haben. Viele davon bewaffnet. Ein weites Feld für dystopische Brütereien. Den meisten Republikanern scheint es ausschließlich darum zu gehen, die Mehrheit im Senat zu erhalten. Sie nehmen damit durchaus die Möglichkeit eines Bürgerkriegs.2 in Kauf.

(For my American friends:
Nixon, by the way, had a home in California. Otherwise, the accordance is overwhelming at first glance. But if you take a closer look, differences become apparent. Of course, Trump is not about Roosevelt or Truman. He may have looked more at Lukashenko or Putin. And the question remains: Is he really going to play golf for good? The media possibilities of today’s autocratic psychopaths must not be underestimated. If Fox News turns around, another channel is ready to take over. And there are more than 73 million Americans who voted for him. Many of them armed. A wide field for dystopian hatcheries. Most Republicans seem to be all about getting a majority in the Senate. They certainly accept the possibility of civil war.2.)

For my Chinese friends:

順便說一下,尼克森在加利福尼亞有個家。否則,協定乍一看是壓倒性的。但是,如果你仔細看看,差異變得明顯。當然, 特朗普與羅斯福或杜魯門有關。他可能更看盧卡申科或普京。問題依然存在:他真的要打高爾夫球嗎?不能低估當今專制精神病患者的媒體可能性。如果福克斯新聞轉過來,另一個頻道準備接手。有7000多萬美國人投了他的票。他們中的許多人攜帶武器。反烏托邦孵化場的寬闊田野。大多數共和黨人似乎都想在參議院獲得多數席位。他們當然接受內戰的可能性。

(This Chinese translation is not exactly what I wanted, but it will do. Translating German-Chinese always means: You will never get what you want!)

 

 

 

 

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Demagogie

Eine der übelsten Figuren in der Geschichte der Vereinigten Staaten war der Senator Joseph R. McCarthy, der im 2. Weltkrieg im Pazifik Bürodienst getan hat, besoffen eine Treppe runterfiel und sich danach als kriegsversehrten Veteranen, sozusagen als Kriegsheld,  in politische Ämter wählen ließ. Am 9. Februar 1950 zog er während einer Rede in Wheeling, West Virginia, eine Liste mit Namen zahlreicher Kommunisten, die dem Außenminister bekannt seien, hervor. Das war der Beginn einer beispiellosen „Hexenjagd“ (Arthur Miller).  Hugh Brogan schreibt in seiner immer noch lesenswerten „History of the United States of America“ über ihn:

He did enormous damage to his country, both abroad and at home, not all of which has yet been repaired. He was not, it must be repeated, the only scoundrel to take advantage of public nervousness to drum up a Red scare for his own ends. But he was incomparably the most able. Not that he was a cold calculator; rather, his genius (for that it undoubtedly was) lay in a certain hot, instinctive cunning which told him how to win power, headlines and a passionately loyal following by manipulating the worst impulses and most entire weaknesses of his fellow-countrymen. He was a liar on a truly awesome scale, telling so many lies, so often, and in such a tangled fashion that Hercules himself could note have completed their refutation, for new falsehoods sprouted faster than old ones could be rebutted. …

McCarthy knew nothing about communism or the State Department, but he did know that mud sticks, especially if you throw a lot of it

Das Letzte Mal – in Burbach dabei. Noch mal in die Hände spucken, dann ab ins Narrenschiff.

Er hat seinem Land im Ausland und im Inland enormen Schaden zugefügt, von dem noch nicht alles repariert wurde. Er war nicht der einzige Schurke, der die öffentliche Nervosität ausnutzte, um, eine Furcht vor den Roten für seine eigenen Zwecke anzustacheln. Aber er war der unvergleichlich Fähigste. Nicht dass er eiskalt berechnend war; vielmehr lag sein Genie (so kann man das zweifellos nennen) in einer gewissen instinktgetriebenen Verschlagenheit, die ihm sagte, wie er Macht, Schlagzeilen und eine leidenschaftlich treue Gefolgschaft gewinnen konnte, indem er die schlimmsten Impulse und die größten Schwächen seiner Landsleute manipulierte. Er war ein wirklich großartiger Lügner, der so oft und so verworren so viele Lügen erzählte, dass selbst ein Herkules mit deren Widerlegung nicht hätte nachkommen können, denn neue Unwahrheiten entstanden schneller als alte widerlegt werden konnten…

McCarthy verstand nichts von Kommunismus oder vom Außenministerium, aber er wusste sehr wohl, dass Schlamm kleben bleibt, besonders wenn man viel davon schleudert. (Translation by Google, enhanced by Leo Läufer)

Lieber Hugh Brogan!

Du hast das Buch und also diese Worte vor 35  Jahren geschrieben. Der heutige Leser kann diese Charakterzeichnung problemlos in ein gewisses Social-Media-Profil der Gegenwart übertragen und muss enttäuscht feststellen, dass das, was er heutzutage miterlebt und vielleicht für  Niedagewesen hielt (und schaudernd glaubte, Zeuge eines in der Geschichte einmaligen Vorgangs zu sein), dass das also nichts als ein historischer Wiedergänger ist. Mein Großvater hat schon gesagt: Die Menschen ändern sich nicht. Jedenfalls hilft mir dieser Spruch, mich nicht mehr so sehr über die Psychopathen diese Welt, seien sie in der Politik oder auch in der Wirtschaft (aber vielleicht auch schon im Kindergarten) aufzuregen.


			

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Die „Großvater-Klausel“

“Das Auge des Gesetzes sitzt im Gesicht der herrschende Klasse.“ Ich habe mich erst kürzlich wieder an diesen Satz von Ernst Bloch aus „Naturrecht und menschliche Würde“ erinnert, den ich vor vielen Jahren einmal gelesen habe. Der Satz hätte mir eigentlich einfallen können, als ich mich mit einigen Auswirkungen der Corona-Krise befasste und z.B. las, dass der Schulbetrieb in der ganzen Bundesrepublik dann halbwegs sicher und gesichert aufrecht erhalten werden könne, wenn für alle Klassenzimmer virenabsorbierende Entlüftungsgeräte angeschafft würden. Das würde aber etwa eine Milliarde Euro kosten, und das erscheint zu teuer. Gleichzeitig wird jedoch kein Hehl daraus gemacht, dass man die Wirtschaft mit über 20 Milliarden Euro unterstützt, um ihr zu helfen, über die Runde zu kommen. Was das mit Bloch zu tun hat? Nun, gegen die reichen Onkels aus der mächtigen Wirtschaft kommen natürlich unsere Kleinen nicht an.

Aber vielleicht ist der Zusammenhang von Gesetz und ökonomischer Macht bei diesem Beispiel denn doch etwas zu kompliziert und erscheint als etwas abstrakt.

Ich kann jedoch mit einem konkreteren Beispiel aufwarten, das ich im 14. Kapitel der „History of the United States of America“ von Hugh Brogan entdeckt habe. In diesem Kapitel geht es um die Reconstruction der Südstaaten nach dem Bürgerkrieg, also um die Zeit von 1865 bis 1877. In diesem Kapitel entdeckte ich u.a. eine ganze Reihe von Ereignissen, die mir aus dem heutigen Amerika sehr bekannt vorkamen. Damals waren die Republikaner die Guten, die Demokraten im Süden die Bösen. Oder umgekehrt. Das kam und kommt immer auf den Standpunkt an. Im folgenden Abschnitt geht es um die Präsidentschaftswahlen im Jahr 1876, also 140 Jahre vor der denkwürdigen Wahl im Jahre 2016

If the Democrats won the Presidency the South could be sure that Reconstruction would be at an end: the last garrisons would be withdrawn, and the last carpetbag governments would fall. In the event it was a close-run thing: votes were stolen on both sides, but if the popular vote had been honestly counted the Democratic candidate, Samuel Tilden of New York… would have been elected President with a majority of about twenty electoral votes.
    The Republicans, however, refused to let power slip from their hands so easily. The carpetbag governments in Louisiana and South Carolina announced that Rutherford B. Hayes (1822-93), the Republican candidate, had carried those states and was therefore elected President by a margin of one electoral vote. It was the most outrageous piece of election-rigging in American history (which is saying something) and for a moment it looked as if it might precipitate a renewal of civil war. The Northern Democrat, after sixteen years in opposition, were ready to use any means to regain the power that was rightfully theirs – or so they threatened.

 

Wer denkt hier nicht an Donald Trump und die Bürgerwehren, die – Sturmgewehre im Anschlag – bereitstehen, für diesen Clown zu kämpfen, wenn es hart auf hart kommt.

Im amerikanischen Bürgerkrieg ging es, zumindest in der Hauptphase, um die Befreiung der Sklaven. Im Süden herrschten vor dem Krieg und auch noch danach aristokratische Verhältnisse. Die reichen Plantagenbesitzer, die dank der Sklavenarbeit reich und mächtig geworden waren, dachten nicht daran, irgendetwas wesentlich zu verändern. Es wurden also Gesetze erlassen, die verhindern sollten, dass die („befreiten“)Afro-Amerikaner („freedmen“) politische Macht erlangen konnten. Da die fast 4 Millionen ehemaligen Sklaven bitter arm waren, erfand man geschwind eine poll-tax: Wer wählen wollte, musste vorher dafür zahlen. Und das konnten sich die „befreiten“ Sklaven natürlich nicht leisten. Allerdings entdeckt man bald, dass man damit auch die Klasse der armen weißen Farmer von den Wahlen ausschloß, die die poll-tax auch nicht bezahlen konnten. Das wäre den reichen Plantagenbesitzern im Grunde ziemlich egal gewesen, hätte aber gewiss zu Unruhen oder gar Aufständen geführt, da es ja im Wesentlichen diese weißen Kleinfarmer waren, die für den Süden in den Bürgerkrieg gezogen waren. 

Was tun?

In sechs Südstaaten wurde eine Klausel in die Verfassung geschrieben, der zu Folge auch diejenigen, die das Wahl-Geld nicht zahlen konnten, wählen durften, wenn ihre unmittelbaren Vorfahren im Jahre 1867 zur Wahl gehen konnten. Das traf natürlich auf die Weißen zu. Und so hatte man eine Gesetzeslage geschaffen, durch die trennscharf genau die schwarze Bevölkerung von den Wahlen ausgeschlossen wurde.

Die Klausel in den Verfassungen von 1877 wird allgemein als „grandfather clause“ bezeichnet.

Fußnote:

Ein Fall also von verfassungsmäßig abgesicherter schwerer Diskriminierung. Im Amerika von heute, und nicht nur in Amerika, würde man in vergleichbaren Fällen wahrscheinlich von „struktureller Gewalt“ sprechen. Und im übrigen wird hier auch deutlich, dass eine gewisse Unverfrorenheit, mit der der jetzige Präsident der Vereinigten Staaten lügt und diskriminiert, schon vor 150 Jahren Bestandteil des politischen Arsenals der herrschenden Klassen war. Trump scheint in der politischen Historie der Vereinigten Staaten von Amerika keine Ausnahmeerscheinung zu sein. Das Neue ist die mediale Aufgeblasenheit dieser Erscheinung.

Translations

“The eye of the law sits in the face of the ruling class.” I recently remembered this sentence by Ernst Bloch from “Natural Law and Human Dignity”, which I read many years ago. The sentence could actually have occurred to me when I was dealing with some of the effects of the Corona crisis and e.g. read that school operations in the whole of Germany could then be maintained reasonably safely and securely if virus-absorbing ventilation devices were purchased for all classrooms. But that would cost around a billion euros, and that seems too expensive. At the same time, however, no secret is made of the fact that the economy is being supported with over 20 billion euros to help it get by. What does that have to do with Bloch? Well, of course, our little ones cannot compete with the rich uncles from the mighty economy.

But perhaps the connection between law and economic power in this example is a bit too complicated and seems a bit abstract.

However, I can come up with a more concrete example that I discovered in Chapter 14 of the History of the United States of America by Hugh Brogan. This chapter deals with the reconstruction of the southern states after the civil war, i.e. around the period from 1865 to 1877. In this chapter I discovered, among other things, a whole series of events that seemed very familiar to me from America today. Back then the Republicans were the good guys and the South Democrats were the bad guys. Or the other way around. That came and always depends on the point of view. The following section looks at the presidential elections in 1876, 140 years before the memorable election in 2016:

Wenn die Demokraten die Präsidentschaft gewinnen würden, könnte der Süden sicher sein, dass der Wiederaufbau zu Ende sein würde: Die letzten Garnisonen würden zurückgezogen und die letzten Teppichbeutelregierungen würden fallen. Für den Fall, dass es eine enge Angelegenheit war: Stimmen wurden auf beiden Seiten gestohlen, aber wenn die Volksabstimmung ehrlich gezählt worden wäre, wäre der demokratische Kandidat Samuel Tilden aus New York … mit einer Mehrheit von etwa zwanzig Wahlstimmen zum Präsidenten gewählt worden. 

Die Republikaner weigerten sich jedoch, die Macht so leicht aus ihren Händen zu lassen. Die Teppichbeutelregierungen in Louisiana und South Carolina gaben bekannt, dass der republikanische Kandidat Rutherford B. Hayes (1822-93) in diesen Staaten geführt habe und daher mit einem Vorsprung von einer Wahlstimme zum Präsidenten gewählt wurde. Es war das empörendste Stück Wahlfälschung in der amerikanischen Geschichte (was etwas aussagt) und für einen Moment sah es so aus, als würde es eine Erneuerung des Bürgerkriegs auslösen. Die Norddemokraten waren nach sechzehn Jahren Opposition bereit, alle Mittel einzusetzen, um die Macht wiederzugewinnen, die ihnen zu Recht gehöre – oder drohten jedenfalls damit.

Who doesn’t think of Donald Trump and the vigilante groups – assault rifles at the ready – ready to fight for this clown when the going gets tough.

In the American Civil War, at least in the main phase, it was about the liberation of the slaves. In the south, aristocratic conditions prevailed before and after the war. The rich plantation owners, who had become rich and powerful thanks to slave labor, had no intention of changing anything significantly. So laws were passed to prevent the (“liberated”) Afro-Americans (“freedmen”) from gaining political power. Since the almost 4 million former slaves were bitterly poor, a poll tax was quickly invented: Those who wanted to vote had to pay for it beforehand. And of course the “freed” slaves couldn’t afford that. However, one soon discovers that this also excludes the class of poor white farmers from the elections who could not pay the poll tax either. The rich plantation owners would not have cared much about that, but it would certainly have led to unrest or even uprisings, since it was essentially these white small farmers who had gone into the civil war for the south.

What to do?

In six southern states, a clause was written in the constitution that allowed those who could not pay the election money to vote if their immediate ancestors could vote in 1867. That was true of the whites, of course. And so a legal situation was created through which precisely the black population was excluded from the elections.

The clause in the 1877 constitutions is commonly referred to as the „grandfather clause“.

Footnote:

So a case of constitutionally secured severe discrimination. In America today, and not just America, one would probably speak of „structural violence“ in comparable cases. And it also becomes clear here that a certain audacity with which the current President of the United States lies and discriminates was already part of the political arsenal of the ruling classes 150 years ago. Trump does not seem to be an exception in the political history of the United States of America. What is new is the media inflatedness of this phenomenon.

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Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 22: Polyphemsex.0

Leo Läufer versucht, den Boulevard ins Arbeitszimmer zu holen.
(Man kann sich das Virus durchaus als eine Art Polyphem vorstellen. Wir sitzen in unserer Höhle, und wenn wir versuchen, da rauszukommen, schlägt es blind zu.)
Dass ich mich hier ansonsten im Bademantel zeige, ist doch kein „peinlicher und dummer Fehler“, oder? – Aber es könnte ja so aussehen, als hätte ich das alles schon hinter mir…
Das Ölgemälde von Friedrich Nietzsche im Hintergrund ist übrigens nur rein zufällig in diesen Beitrag geraten. Obwohl – sein Arzt soll ihm geraten haben, nicht zuviel zu onanieren. Jeffrey Toobin hat wahrscheinlich nur das Pech, an die falschen Ärzte geraten zu sein.  Wir wünschen ihm jedenfalls für die Zeit, da er freigestellt ist und also viel Zeit hat, alles Liebe und Gute. Woody Allen würde sagen: Hey, der hat doch bloß Sex mit jemandem, den er liebt…

And this is for my friends in the USA and in China:

Leo Läufer tries to bring the boulevard into the study.

(You can think of the virus as a kind of polyphem. We are sitting in our cave and if we try to get out of there it will strike blindly.)

The fact that I show myself in a bathrobe is not an „embarrassing and stupid mistake“, is it? – But it could look as if I had all this behind me …

The oil painting of Friedrich Nietzsche in the background only got into this article by chance. Although – his doctor is said to have advised him not to masturbate too much. Jeffrey Toobin is probably just unlucky enough to have gotten to the wrong doctors. In any case, we wish him all the best for the time he is released and therefore has a lot of time. Woody Allen would say: Hey, he’s just having sex with someone he loves …

LeoLäufer試圖將林蔭大道帶入研究。

(您可以將病毒視為一種多變的現象。我們坐在我們的洞穴中,如果我們設法從那裡逃脫,它將盲目地攻擊。)

我穿著浴袍。但這不是“尷尬而愚蠢的錯誤”,對嗎? 但似乎這一切都在我身後

弗里德里希·尼采的油畫是偶然進口的。雖然據說他的醫生建議他不要手淫過多。 Jeffrey Toobin可能被誤診了。無論如何,我們祝他在釋放期間一切順利,所以他有很多時間。伍迪·艾倫(Woody Allen)會說:嘿,他只是愛過一個他愛的人

 

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Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 21: Neues Corona-Symptom: Das Delir

Bin ich im Delir? Habe ich das Corona-Symptom, von dem bislang kaum jemand etwas wusste? Delirium, Aussetzer, punktuelle Orientierungslosigkeit? Das fängt schon damit an, dass ich mich dauernd vertippe, nein, damit, dass auf dem Bildschirm Buchstaben erscheinen, die ich im Leben nicht in die Tastatur gehauen habe. Oder liegt das an meinem neuen iMac mit der superschnellen SSD-Festplatte? Machen wir mal die Plobe aufs Exempel. Ich schreibe jetzt mal was, ohne dass ich etwas korrigiere. Und siehe da: alles erscheint, wie e sein sollte. Fast. Versuchen wirs nochmal. Beschreib eichj doch einfach mal, was ich gesteren gemaht habe. Kastanien nicht aus dem Feuer geholt, sondern im Wald gesucht. Dabei ist man ja auf die Abfälle angewiesen, also das, was agefallen ist und dann da am Boden liegt, meist zeimlich gut verpacktk inn einmer icken Schale mit spiten Stacheln. Kum mich herum fünf Chinesen. Die alle Chinesisch sprechen und keinen Mundschutzt tdrdagen. Ich habe mich also bald lvom Ackekrek gemacht, heißt, bin nach Hause gagangnen. Habe eine Frasche Loten aufgemacht und auf alle Kastanien deer Welt angestooßen. Jetezt will ich doch mal chekcen, was aus meinmem Selbfstversuch wegen des Delil rausgekommen ist. Das Delir hate eine Farbe, die Falbe Rot. Plost.

Ende gut, alles gut:

Übrigens, mein favourite song zu Corona ist immer noch „Tanz die soziale Distanz“ von Theodor Shitstorm.

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Atem-Los

USA…

und China…

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Dann doch lieber Masken-Mann

Und manchmal wird es ganz still hinter Maske…

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DEMASKIERT

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12. September 2020 · 0:24