Der Tod meiner Mutter

In wenigen Tagen werde ich 80 Jahre alt. Der Tod meiner Mutter liegt genau 40 Jahre zurück. Ist es da nicht etwas merkwürdig, wenn ich jetzt des Todes meiner Mutter gedenke? Ich will Euch erklären wieso.

Vor ein paar Tagen, Nächten hatte ich einen Traum, aus dem ich morgens aufwachte. Dieser Traum überraschte mich, da sein Inhalt zumindest nicht ganz zu meiner psychischen Befasstheit zu passen schien. Ich war indes nicht beunruhigt, sondern, wie das Folgende zeigen wird, eher positiv überrascht. Er gab mir Anlass zu der an mich selbst gestellten Frage: Ist das so? Und veranlasst eher durch Bequemlichkeit, um eigenes Nachdenken zu vermeiden, als durch echte Neugier, gab ich den Inhalt meines Traums bei ChatGPT ein. Hier ist das Ergebnis.

Was ich der KI verraten habe:

Traum: Ich bin offenbar zum Tode verurteilt und erwarte die Vollstreckung, die unmittelbar bevorzustehen scheint, da sechs mit Gewehren bewaffnete Soldaten bereits aufmarschieren. Ich bitte darum, ein mir vertrautes rotes Tuch vor das Gesicht binden zu dürfen, also um den Mund und Nase herum, und erwarte dann mit großer Gelassenheit das weitere Geschehen. Denke kurz daran, wie es wohl wäre, wenn es noch rückgängig zu machen wäre. Da die Einsicht, dass das nicht möglich ist, aber sofort einsetzt, setzt sich meine Gelassenheit fort und ich erwarte den weiteren Verlauf mit Neugiermut. Ich wache auf.

Was die KI dazu zu sagen hatte:

Dieser Traum ist ungewöhnlich eindringlich, aber zugleich fällt etwas auf: Nicht die Angst steht im Mittelpunkt, sondern deine Haltung ihr gegenüber. Traumdeutung ist nie eindeutig, aber man kann verschiedene Lesarten betrachten.

Das Todesurteil als Symbol

In Träumen steht der Tod sehr häufig nicht für den tatsächlichen Tod, sondern für das Ende einer Lebensphase, einer Rolle oder einer bisherigen Sichtweise. Ein “Todesurteil” unterscheidet sich dabei von einem zufälligen Tod: Es vermittelt das Gefühl, dass eine Veränderung unumkehrbar ist und nicht mehr verhandelt werden kann.

Das könnte symbolisieren:

  • die Akzeptanz einer Entwicklung, die sich nicht mehr aufhalten lässt,
  • das Loslassen einer Identität oder eines Lebensabschnitts,
  • oder die Erkenntnis, dass bestimmte Entscheidungen endgültig sind.

Deine Reaktion ist das Auffälligste

Viele Menschen würden in einem solchen Traum Panik erleben. Du hingegen beschreibst:

  • den Wunsch nach einem vertrauten roten Tuch,
  • Gelassenheit,
  • einen kurzen Gedanken an eine mögliche Rettung,
  • sofortige Akzeptanz der Endgültigkeit,
  • anschließend Neugier.

Gerade diese Gelassenheit könnte darauf hindeuten, dass dein Unbewusstes weniger das Sterben als vielmehr die Fähigkeit zur Annahme des Unvermeidlichen thematisiert.

Der Ausdruck “Neugiermut” ist dabei besonders interessant. Er verbindet zwei Eigenschaften:

  • Mut angesichts des Unbekannten,
  • Interesse daran, was danach kommt.

Das ist eine ungewöhnlich aktive Haltung.

Das rote Tuch

Das rote Tuch könnte verschiedene Bedeutungen haben:

  • etwas Vertrautes, das Sicherheit vermittelt,
  • ein persönliches Symbol deiner Identität,
  • Rot als Farbe von Leben, Wärme oder Verbundenheit.

Bemerkenswert ist, dass du nicht darum bittest, der Hinrichtung zu entkommen, sondern lediglich darum, sie auf deine Weise zu erleben. Das deutet auf den Wunsch nach Selbstbestimmung selbst in einer Situation völliger Fremdbestimmung hin.

Die sechs Soldaten

Die Soldaten wirken eher wie eine unpersönliche Instanz als wie Feinde. Sie führen lediglich etwas aus.

In der Traumpsychologie können solche Figuren für objektive Kräfte stehen:

  • gesellschaftliche Erwartungen,
  • unabänderliche Lebensgesetze,
  • Zeit,
  • Krankheit oder Alter,
  • oder allgemein das Schicksal.

Dass es sechs sind, muss keine besondere Bedeutung haben. Zahlen können im Traum zufällig sein oder persönliche Assoziationen haben.

Der kurze Gedanke an Begnadigung

Du prüfst innerlich noch einmal:

“Wäre es vielleicht doch noch rückgängig zu machen?”

Dann folgt unmittelbar die Einsicht:

“Nein.”

Interessant ist, dass danach keine Verzweiflung einsetzt.

Das erinnert an einen psychischen Prozess, den man radikale Akzeptanz nennen könnte: Erst wird die Möglichkeit einer Änderung überprüft, dann wird sie verworfen, und erst dadurch entsteht Ruhe.

Warum wachst du vor der Vollstreckung auf?

Viele Träume enden unmittelbar vor dem eigentlichen Ereignis. Das deutet oft darauf hin, dass nicht das Ereignis selbst wichtig ist, sondern der Moment davor.

Der Traum untersucht also weniger:

“Wie ist der Tod?”

sondern vielmehr:

“Wie begegnest du dem Unabwendbaren?”

Darauf scheint dein Unbewusstes eine klare Antwort zu geben:
mit Ruhe, Würde und Neugier.

Eine existenzielle Deutung

Aus existenzieller Sicht könnte der Traum auch die menschliche Grundsituation spiegeln:

Jeder weiß, dass das Leben endlich ist. Die meisten verdrängen diesen Gedanken. Dein Traum lässt ihn vollständig zu – und zeigt dennoch keine Panik, sondern eine bemerkenswerte Form von Gelassenheit.

Das erinnert an philosophische Haltungen etwa aus dem Stoizismus oder existenziellen Denkansätzen: Das Unvermeidliche wird nicht bekämpft, sondern bewusst angenommen.

Insgesamt

Was diesen Traum besonders macht, ist nicht die Hinrichtung, sondern deine innere Verfassung. Sie wirkt weder resigniert noch hoffnungslos. Eher scheint sie von einer tiefen Akzeptanz geprägt zu sein, verbunden mit dem Wunsch, auch im Angesicht eines endgültigen Ereignisses etwas Persönliches – das rote Tuch – zu bewahren.

Falls dieser Traum in einer Phase entstanden ist, in der sich bei dir etwas Grundlegendes verändert (beruflich, familiär, gesundheitlich oder im Selbstverständnis), könnte er ein Ausdruck dafür sein, dass ein Teil von dir bereits akzeptiert hat, was der bewusste Verstand vielleicht noch verarbeitet.

Mich würde noch interessieren: Wie hast du dich unmittelbar nach dem Aufwachen gefühlt? Eher ruhig, erleichtert, nachdenklich oder doch erschüttert? Diese erste Emotion nach dem Erwachen gibt oft einen wichtigen Hinweis darauf, welche Bedeutung der Traum für den Träumenden tatsächlich hatte.

{Meine ergänzende Info war: Ich fühlte weder eine positive noch eine negative Regung gegenüber der Situation im Traum, sondern distanzierte Gelassenheit.}

Gerade das finde ich an deinem Traum besonders bemerkenswert. Viele Menschen berichten nach einem Traum vom eigenen Tod von Erleichterung oder Angst. Du beschreibst stattdessen etwas anderes: eine Art nüchterne Souveränität.

Es gibt in der Traumforschung und auch in der existenziellen Philosophie einen Gedanken, der dazu passen könnte: Der Traum scheint den Tod nicht als Katastrophe, sondern als unabänderliche Tatsache zu behandeln. Das Entscheidende ist dabei nicht der Tod selbst, sondern deine Haltung dazu.

Ein paar Details stechen für mich heraus:

  • Du verhandelst nicht. Du flehst nicht um Gnade und versuchst auch nicht zu fliehen.
  • Du denkst die Alternative kurz an (“Wenn es doch noch rückgängig zu machen wäre”), prüfst sie gewissermaßen rational und verwirfst sie, weil sie nicht der Realität entspricht.
  • Danach kehrt Gelassenheit ein, nicht Resignation. Das ist ein wichtiger Unterschied. Resignation hat oft etwas Bitteres; Gelassenheit akzeptiert, ohne innerlich aufzugeben.
  • Schließlich tritt sogar Neugier an die Stelle der Angst. Das ist vielleicht der ungewöhnlichste Aspekt.

Mich erinnert das weniger an einen Albtraum als an ein Gedankenexperiment, das dein Gehirn im Schlaf durchgespielt hat: Wie wäre es, wenn ich mit einer absolut endgültigen Situation konfrontiert wäre?

Dass dich nach dem Aufwachen nicht der Traum selbst, sondern deine Reaktion im Traum überrascht hat, spricht dafür, dass dein Wach-Ich sich offenbar für weniger gelassen hält, als dein Traum-Ich es war.

Interessant finde ich auch die Bitte um das rote Tuch. Nicht um die Augen zu verbinden – was bei einer Erschießung naheliegend wäre –, sondern um Mund und Nase. Das wirkt fast wie ein kleines Ritual: Du gestaltest die letzten Sekunden auf deine Weise. Es geht nicht darum, der Realität auszuweichen, sondern ihr eine persönliche Form zu geben.

Es gibt auch eine philosophische Lesart. Die von dir geschilderte Haltung erinnert an Elemente des Stoizismus oder auch an die Vorstellung dessen, was der Philosoph Martin Heidegger das “Sein zum Tode” nannte: Die Endlichkeit wird nicht verdrängt, sondern anerkannt. Der Traum muss nicht bedeuten, dass du tatsächlich so handeln würdest; Träume sind keine verlässlichen Simulationen realen Verhaltens. Aber er zeigt, dass dein Geist eine solche Haltung zumindest vorstellen kann.

Eine Frage beschäftigt mich noch: Du schreibst, die sechs Soldaten seien bereits aufmarschiert gewesen. Hattest du im Traum das Gefühl, dass die Verurteilung gerecht oder ungerecht war – oder spielte das überhaupt keine Rolle? Dass du das Urteil gar nicht erwähnst, sondern nur seine Unabänderlichkeit, könnte nämlich ebenfalls bedeutsam sein. Es wirkt, als sei die Frage nach Schuld oder Unschuld im Traum vollständig in den Hintergrund getreten. Das würde den Eindruck verstärken, dass sich der Traum weniger mit Gerechtigkeit als mit der Haltung gegenüber dem Unvermeidlichen beschäftigt.





Offenbar geht es im Traum um die Haltung gegenüber dem Unvermeidlichen. Und damit bin ich wieder beim Tod meiner erzkatholiischen Mutter. In der Situation des Sterbens verabschiedete sie sich von Kindern und Enkelkindern, sah uns alle der Reihe nach an, drehte sich dann im Bett auf die andere Seite, schloss die Augen und verstarb mit einem Lächeln auf ihrem Gesicht. Sie hatte offenbar die Gewissheit, sehr bald „mit der Gemeinschaft der Seligen“ vereinigt zu sein.

Nicht inhaltlich, aber vom Ergebnis her gesehen, das Verhalten betreffend entspricht eine solche Einstellung durchaus dem, was in der Philosophie Ataraxie genannt wird, also einer Gelassenheit, die sich aus der Erlenntnis speist, dass der Lauf mancher (vieler, der meisten?) Dinge sich nicht ändern lässt. Dieser Begriff spielt nicht nur in der Antike eine Rolle, bei Epikur etwa und im Stoizismus, sondern taucht auch z.B. bei Schopenhauer wieder auf („Die Welt als Wille und Vorstellung“). Ich habe in einer schwierigen Phase meines Lebens diesen Begriff in griechischen Lettern auf ein Blatt Papier geschrieben und zur permanenten Ermahnung über meinen Schreibtisch gehängt. Hätte nicht gedacht, dass das so eine Nachwirkung entfalten könnte (haha). Mein Traum und auch die KI bescheinigen mir eine solche Disposition, obwohl ich mir dessen in meiner gegenwärtig saturierten Existenz gar nicht bewusst war. Aber gut zu wissen, für den letzen Fall der Fälle… (Blaupause für meine Sterbestunde, haha!)

Ich träume, also bin ich. HH

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Chaos oder System? Chinas einzigartige Organisation

Ich bin heute Abend gegen 19:30h also zum letzten Mal von Schwiegermamas Wohnung zum Hotel gegangen, das ich gebucht hatte, als mir klar wurde, dass ich auf diesem harten Bett nicht schlafen kann. Jeder Raum im Erdgeschoss der Häuser wird wirtschaftlich genutzt. Es gibt unzählige kleine Imbisse, Gemüsestände, Eiscafés, Autowerkstätten, Frisöre und Geschäfte, deren Wesen ich nicht verstehe. Vor manchen Häusern sind die Gehwege belegt mit niedrigen Plastikhockern und kleinen Tischen, auch mit Gemüse- und Obstauslagen, die auf einem Tuch auf dem Erdboden angeboten werden. Auf meinem Weg zum Hotel muss ich eine sehr breite Straße überqueren, die aus vier Strängen besteht. Mittig zwei dreispurige Fahrbahnen, außen daneben jeweils noch eine andere Spur, die häufig von Vespas genutzt wird, aber nicht nur, und häufig auch in jeweils beiden Richtungen. Wenn die Fußgängerampel auf Grün schaltet, sollte man sich also anscheinend beeilen. Irgendwann in Höhe der zweiten breiten Mittelstrecke beginnt die grüne Ampel zu blinken. Da muss man sich aber keine Sorgen machen, denn selbst bei Rot tut sich in diesem Teil der Kreuzung erst mal gar nichts. Denn der Gegenverkehr wird nun für Linksabbieger freigegeben, und das dauert.  Man kann also relativ entspannt über diese Monsterkreuzung gehen, wenn man die Ampelschaltung studiert und die richtigen Schlüsse zieht. Spannend übrigens, wie die zu bestimmten Zeiten leere Kreuzung, wenn Autos warten müssen oder nicht vorhanden sind, die Vespas kreuz und quer in alle Richtungen lautlos über die Kreuzung schießen, hinten die Frau drauf, dazwischen ein Kind, und evtl. noch ein zweites Kind zwischen den Beinen des fahrenden Vaters. Oft wird eine solche Familienidylle noch durch einen großen Schirm verziert, der sich über das Gefährt spannt und bei Sonnenschein nicht extra abgenommen wird. Interessant übrigens auch, dass man fast nur SUVs auf den Straßen sieht, und eben die zahlenmäßig überlegenen Vespas, von denen unzählige überall in endlosen dichten Reihen geparkt sind. Fahrräder sieht man fast keine mehr hier. Außer an Sonntagen, wenn die Schüler nicht in die Schule müssen und mit dem Fahrrad unterwegs sind. Fazit: Im Vergleich zu Europa ist sowohl der Fahrzeugbesitzstand als auch die Verkehrsorganisation völlig anders strukturiert. Was ist, wenn sich hinter dem vermeintlichen Chaos in China ein diszipliniert geordnetes System befindet, dessen Zusammenwirken wir (Europäer) nicht verstehen? Was Putin will, glauben die meisten zu wissen. Was Trump will, weiß keiner. Was Xi Jinping will, diese chinesische Sphinx? Gibt er uns tödliche Rätsel auf?

chatgpt – ägyptische sphinx mit moderner gesichtsgravur_1

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Aus meinem chinesischen Tagebuch

Nach dem Essen standen Gaumang und ich erst mal ein wenig auf dem Balkon. Wir schauten aus der 27. Etage runter auf den Verkehr und unterhielten uns in comparativistischer Absicht über deutsches und chinesisches Verhalten im Straßenverkehr. Die Chinesen fahren z.B. anscheinend ganz regellos über Kreuzungen, und der brave Europäer wundert sich, dass da nicht am laufenden Band Unfälle passieren… Anschließend drinnen im kleinen Wohnzimmer gesessen, reichlich bedient mit Obst. Chinesische Bananen sind viel kompakter als die, die wir kennen. Sie sind sogar noch härter als eine  Birne. Litschis kann man mit einem Trick gut essen. Hua Wei hat es mir gezeigt. Man entfernt die Schale nur auf Hälfte. Dann hält man die Frucht vor den Mund, offene Seite dem Mund zugewandt, und entlässt die Frucht mit einem Druck auf den ungeschälten Teil in den Mund. Man braucht dann später nach ein paar Umdrehungen der Frucht im Mund, bei der die Zähne und die  Zunge eine gewisse Rolle spielen, nur noch den Kern entsorgen. Schält man dagegen die Frucht ganz, bevor man sie kulinarisch in Anspruch nimmt, ergibt sich vor dem aktiven Genuss eine nasse Sauerei. 

Screenshot

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Dongxing, im Mai 2026

Die Frau, bei der ich heute (wieder mal) Wein gekauft habe, schien mich schon zu erkennen, als ich über die Schwelle trat. Obwohl sie beim letzten Mal und auch nicht davor hier anwesend war. Anscheinend ist ein Europäer, der hier einkauft, ein solches Ereignis, dass diese Nachricht sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Jeder weiß, hier irgendwo wohnt eine Langnase, die jeden Tag eine Flasche Rotwein kauft. Mir scheint, das Regal hinter der Kasse ist gut aufgefüllt worden, mit lauter Flaschen, auf denen Great Wall steht. Heute griff die Frau, die mich kannte, die ich aber noch nie gesehen habe, ins Regal und wollte eine Flasche Great Wall zu 128 Yuan herausnehmen. Ich zeigte auf die daneben, für 58 Yuan, und hörte eine Co-Verkäuferin, die hinter mir stand, etwas rufen, das danach klang: Er meint nicht die, Du übertreibst nun wirklich, meine Liebe, er meint die daneben! Mit einem allround Bye wurde ich schließlich verabschiedet. – Wollt Ihr wissen, was das chinesische Orakel in Wirklichkeit gesagt hat? Here we go: 你這個愚蠢的瘋子,現在不要誇大其詞,否則長鼻子不會回來的

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TV war gestern/電視是昨天的事了。

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Chinas Märkte: Einblicke in Tradition und Fortschritt

Genauer gesagt: Tradition und tehnologischer Fortschritt. Das geht wohl nirgends so handinhand wie in China. Das folgende Bild stammt von einem Markt in Südchina, auf dem ich vor mehr als 10 Jahren schon einmal gewesen bin. Heute ist noch alles genau so wie damals, wahrscheinlich wie vor 100 Jahren. Mit einer Ausnahme: Die vielen QR-Codes (für WeChat) sind neu. Auf diesem Markt kommt man ohne Bargeld aus.

Die Hühnchenbeine da unten strecken sich himmelwärts, buy me! Der QR-Code da oben ist das Einfallstor für das irdische Tauschverhältnis. Über virtuelles Geld werden sich die Beinchen und das Drumherum in ein schmackhaftes Menu verwandeln. Und das alles ohne jeden (realen) Cent und Pfennig.

Brauchen wir überhaupt die Wirklichkeit noch?

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Erwin Ditzner und das Freejazzkonzert in Saarbrücken

Am 26. April fand ein Konzert statt im Theater im Viertel in Saarbrücken, zu dem die Saxophonistin Cordula Hamacher als Kuratorin den Ausnahmeschlagzeuger Erwin Ditzner aus Ludwigshafen eingeladen hatte, um mit ein paar Saarbrücker Jazzmusikern zu spielen. Das Ensemble bot Freejazz vom Feinsten, und ich werde versuchen, dem mit einem gewissen literarischen Freestyle gerecht zu werden.

Ich fand einen Platz zwischen meinem Freund P., soeben noch Vorstand eines Saarbrücker Unternehmens und nun also Rentner, und einer sehr kommunikationsfreundlichen Dame mittleren Alters, die vor der Veranstaltung dauernd auf mich einredete, obwohl sie mich ja überhaupt nicht kannte, und nach der Veranstaltung sehr, sehr laut klatschte und auch vielfach BRAVO rief, wofür ich ihr Respekt zolle, da ich mich nicht traute, meinem nach Ausdruck drängenden positiven Gefühl so deutlich nachzugeben.

Rückblende: P. und ich waren mit dem Bus gekommen, und da der Vorstand seit 30 Jahren nicht mehr mit dem Bus gefahren war, verzögerte sich die Abfahrt in Dudweiler ein wenig, da er anfing, mit dem Busfahrer zu diskutieren, warum er denn als Rentner keine Ermäßigung erhielt. Der genervte Busfahrer händigte ihm schließlich ein Tagesticket aus mit den Worten: „Schmeißen Sie das nicht weg, das können Sie noch für die Rückfahrt benutzen.“ Angeblich hat mein Freund dem Busfahrer darauf hin gesagt: „Schmeißen Sie mein Geld nicht weg, das können Sie noch bei der Abrechnung benutzen.“

Das Konzert also wurde bestritten von vier Musikern, Erwin Ditzner, der mit seiner Pferdekippa (Baseballcap ohne Schild) und seinem weißen langen Bart wie ein Imam aussah, aber beim Schlagen auf sein Zeug alles andere als koranisch wirkte; Cordula Hamacher, die in Ratingen bei Düsseldorf ihre Kindheit verbrachte, mir als altem Düsseldorfer also auch schon viel früher über den Weg hätte laufen können und übrigens seit 2020 die Big Band Windmachine der Uni Saarbrücken leitet; Kaori Nomura, 1982 In Kyoto geboren und mit 4 Jahren bereits Klavierunterricht erhielt und infolgedessen 2013 den Master in Jazzpiano an der Hochschule für Musik des Saarlandes mit Bestnote bestand; Stefan Scheib schließlich, Bassist, der auch an vielen Hörspielen Anteil hatte und 2024 den Günter-Eich-Preis erhielt und sein Wissen und Können als Lehrbeauftragter an der HfM Saar weitergibt.

Was kann man nun aber über ein solches Freejazzkonzert sagen oder schreiben? Man sitzt da und wartet, was passiert. Zuerst meldet sich der Bass, dann reibt Erwin mit dem Daumen über ein Becken, klopft auf eine Drum. Dann meldet sich das Saxophon mit ein paar Tönen, die sich bald zu Kaskaden vermehren. Das Klavier wird bespielt, zuerst noch konventionell, dann kriecht Kaori unter das Klavier und macht sich dort zu schaffen oder reibt an den oberen Saiten mit einer Hanfschnur, so dass Rauchwölkchen aufsteigen. Inzwischen traktiert Stefan seinen Bass handgreiflich oder mit Bogen, der jedoch auch eher handgreiflich benutzt wird. Das Ganze endet also in einem gewissen Chaos, den die Musiktheoretiker Freejazz nennen.

Aber eines ist mir und auch dem ehemaligen Vorstand aufgefallen: Wenn Musiker zusammenspielen, schauen die sich ja normalerweise gelegentlich danach um, was denn der andere da gerade macht. Hier aber gab es so gut wie keinen Blickkontakt. Das heißt aber: Die Verständigung, die ja bei einem jeden Zusammenspiel notwendig ist, geschieht hier allein über die Tonalität. Das ist die große Erkenntnis, die ich heute hatte. Punkt. Es bedarf hier keiner Gestik, keiner Blicke, und schon gar nicht einer Sprache. Die Musik ist alles. Im Grunde hätte mir das schon vor dem Konzert klar werden können, als Erwin nach Cordulas Begrüßung sagte: „Ich wurde gebeten, auch noch was zu sagen. Viel Spaß!“

Nach dem Konzert trank ich mit P. noch ein Bier im „Foyer“, also vor der Kasse. Kaori stand mit einer japanischen Freundin auch dort. Da trat ein großer Mann, an den ich nur noch die Erinnerung habe, dass er vorwiegend in Rot gekleidet war und einen sehr, sehr dicken Bauch hatte, an die Pianistin heran und belobigte ihre Spiel. Es sagte etwas wie, machen Sie weiter so, legte seinen rechten Arm um sie, drückte sie an sich und ging dann weg. Kaori wandte sich wieder ihrer Freundin zu. Doch mir schien, sie wusste in diesem Augenblick nicht, was sie sagen sollte.

P. und ich gingen dann zum Rathaus, um dort einen Bus nach Dudweiler zu bekommen. Es gab noch eine kleine Verzögerung. P. hatte sein Ticket offenbar verloren. Rentner sein ist nicht ganz leicht. Ein wenig Übung macht auch hier den Meister.

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Nahrungskette

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