TV war gestern/電視是昨天的事了。

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Chinas Märkte: Einblicke in Tradition und Fortschritt

Genauer gesagt: Tradition und tehnologischer Fortschritt. Das geht wohl nirgends so handinhand wie in China. Das folgende Bild stammt von einem Markt in Südchina, auf dem ich vor mehr als 10 Jahren schon einmal gewesen bin. Heute ist noch alles genau so wie damals, wahrscheinlich wie vor 100 Jahren. Mit einer Ausnahme: Die vielen QR-Codes (für WeChat) sind neu. Auf diesem Markt kommt man ohne Bargeld aus.

Die Hühnchenbeine da unten strecken sich himmelwärts, buy me! Der QR-Code da oben ist das Einfallstor für das irdische Tauschverhältnis. Über virtuelles Geld werden sich die Beinchen und das Drumherum in ein schmackhaftes Menu verwandeln. Und das alles ohne jeden (realen) Cent und Pfennig.

Brauchen wir überhaupt die Wirklichkeit noch?

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Erwin Ditzner und das Freejazzkonzert in Saarbrücken

Am 26. April fand ein Konzert statt im Theater im Viertel in Saarbrücken, zu dem die Saxophonistin Cordula Hamacher als Kuratorin den Ausnahmeschlagzeuger Erwin Ditzner aus Ludwigshafen eingeladen hatte, um mit ein paar Saarbrücker Jazzmusikern zu spielen. Das Ensemble bot Freejazz vom Feinsten, und ich werde versuchen, dem mit einem gewissen literarischen Freestyle gerecht zu werden.

Ich fand einen Platz zwischen meinem Freund P., soeben noch Vorstand eines Saarbrücker Unternehmens und nun also Rentner, und einer sehr kommunikationsfreundlichen Dame mittleren Alters, die vor der Veranstaltung dauernd auf mich einredete, obwohl sie mich ja überhaupt nicht kannte, und nach der Veranstaltung sehr, sehr laut klatschte und auch vielfach BRAVO rief, wofür ich ihr Respekt zolle, da ich mich nicht traute, meinem nach Ausdruck drängenden positiven Gefühl so deutlich nachzugeben.

Rückblende: P. und ich waren mit dem Bus gekommen, und da der Vorstand seit 30 Jahren nicht mehr mit dem Bus gefahren war, verzögerte sich die Abfahrt in Dudweiler ein wenig, da er anfing, mit dem Busfahrer zu diskutieren, warum er denn als Rentner keine Ermäßigung erhielt. Der genervte Busfahrer händigte ihm schließlich ein Tagesticket aus mit den Worten: „Schmeißen Sie das nicht weg, das können Sie noch für die Rückfahrt benutzen.“ Angeblich hat mein Freund dem Busfahrer darauf hin gesagt: „Schmeißen Sie mein Geld nicht weg, das können Sie noch bei der Abrechnung benutzen.“

Das Konzert also wurde bestritten von vier Musikern, Erwin Ditzner, der mit seiner Pferdekippa (Baseballcap ohne Schild) und seinem weißen langen Bart wie ein Imam aussah, aber beim Schlagen auf sein Zeug alles andere als koranisch wirkte; Cordula Hamacher, die in Ratingen bei Düsseldorf ihre Kindheit verbrachte, mir als altem Düsseldorfer also auch schon viel früher über den Weg hätte laufen können und übrigens seit 2020 die Big Band Windmachine der Uni Saarbrücken leitet; Kaori Nomura, 1982 In Kyoto geboren und mit 4 Jahren bereits Klavierunterricht erhielt und infolgedessen 2013 den Master in Jazzpiano an der Hochschule für Musik des Saarlandes mit Bestnote bestand; Stefan Scheib schließlich, Bassist, der auch an vielen Hörspielen Anteil hatte und 2024 den Günter-Eich-Preis erhielt und sein Wissen und Können als Lehrbeauftragter an der HfM Saar weitergibt.

Was kann man nun aber über ein solches Freejazzkonzert sagen oder schreiben? Man sitzt da und wartet, was passiert. Zuerst meldet sich der Bass, dann reibt Erwin mit dem Daumen über ein Becken, klopft auf eine Drum. Dann meldet sich das Saxophon mit ein paar Tönen, die sich bald zu Kaskaden vermehren. Das Klavier wird bespielt, zuerst noch konventionell, dann kriecht Kaori unter das Klavier und macht sich dort zu schaffen oder reibt an den oberen Saiten mit einer Hanfschnur, so dass Rauchwölkchen aufsteigen. Inzwischen traktiert Stefan seinen Bass handgreiflich oder mit Bogen, der jedoch auch eher handgreiflich benutzt wird. Das Ganze endet also in einem gewissen Chaos, den die Musiktheoretiker Freejazz nennen.

Aber eines ist mir und auch dem ehemaligen Vorstand aufgefallen: Wenn Musiker zusammenspielen, schauen die sich ja normalerweise gelegentlich danach um, was denn der andere da gerade macht. Hier aber gab es so gut wie keinen Blickkontakt. Das heißt aber: Die Verständigung, die ja bei einem jeden Zusammenspiel notwendig ist, geschieht hier allein über die Tonalität. Das ist die große Erkenntnis, die ich heute hatte. Punkt. Es bedarf hier keiner Gestik, keiner Blicke, und schon gar nicht einer Sprache. Die Musik ist alles. Im Grunde hätte mir das schon vor dem Konzert klar werden können, als Erwin nach Cordulas Begrüßung sagte: „Ich wurde gebeten, auch noch was zu sagen. Viel Spaß!“

Nach dem Konzert trank ich mit P. noch ein Bier im „Foyer“, also vor der Kasse. Kaori stand mit einer japanischen Freundin auch dort. Da trat ein großer Mann, an den ich nur noch die Erinnerung habe, dass er vorwiegend in Rot gekleidet war und einen sehr, sehr dicken Bauch hatte, an die Pianistin heran und belobigte ihre Spiel. Es sagte etwas wie, machen Sie weiter so, legte seinen rechten Arm um sie, drückte sie an sich und ging dann weg. Kaori wandte sich wieder ihrer Freundin zu. Doch mir schien, sie wusste in diesem Augenblick nicht, was sie sagen sollte.

P. und ich gingen dann zum Rathaus, um dort einen Bus nach Dudweiler zu bekommen. Es gab noch eine kleine Verzögerung. P. hatte sein Ticket offenbar verloren. Rentner sein ist nicht ganz leicht. Ein wenig Übung macht auch hier den Meister.

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Nahrungskette

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NERO TRUMP

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Die Korrekturen: Ein Roman über Chaos und Familie

Jonathan Franzen, The Corrections. Fourth Estate, London 2001

Dieser Roman ist vollgepackt mit kleinen und großen Katastrophen. Ich bin aus dem Schmunzeln kaum rausgekommen.

Wie gut muss das erzählt sein!

Dreh- und Angelpunkt dieses Romans liegt in St. Jude, einem kleinen Ort im Mittleren Westen, wo Alfred und Enid immer noch in ihrem großen Haus wohnen, die drei Kinder sind längst ausgezogen, aber die beiden Alten wollen dieses Jahr noch einmal, wohl ein letztes Mal, ihre Kinder und Enkelkinder bei sich versammeln. Das zu bewerkstelligen ist alles andere als einfach, und so rankt sich eine Katastrophenkette um das halb misslungene Bemühen, dieses von Enid mit aller Machte herbeigesehnte Familienfest zustande zu bringen…

Bitte weiterlesen in Reflexe und Reflexionen!

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Die Verbindung von Rilke und moderner KI: Ein Gespräch

Ja, ich lese zur Zeit ein wenig Rilke, genauer: die Duineser Elegien in der Ausgabe der Manesse-Bücher der 50er Jahre mit den Erläuterungen von Katharina Kippenberg. Rilkes Elegien gehören anscheinend zum Kanon der großen Kunst, und Kippennbergs Erläuterungen erhalten ihre Autentizität durch ihre Nähe zum Autor. Sie war Zeugin seiner Dichterlesung im Chateau de Muzot und vermag deswegen angeblich, den genialisch verkürzten Bildwelten, sie innig verstehend, zu folgen.

Ich hatte vor circa 30 Jahren eine kurze Begegnung mit Rilke („Blaue Hortensie“) und habe dies auf meiner (veralteten) Homepage dokumentiert. Heute erfuhr ich in einer Fernsehsendung, dass die KI in einer großen Zahl von Fällen falsche Dinge von sich gibt, da sie sich nicht anders zu helfen weiß, wenn sie von etwas, das sie gefragt wird, keine Ahnung hat. Ich habe die KI nun mit meiner alten Begegnung mit Rilke konfrontiert, in der Annahme, dass ich ganz gut beurteilen könnte, ob das, was sie zu sagen hat, Hand und Fuß hat. Das Ergebnis ist erstaunlich. Wenn ich im Folgenden den Link zu diesem Austausch mit ChatGPT freigebe, dann mit einem Gefühl von Verlegenheit, denn es ist ja bekannt, dass die KI darauf programmiert ist, den menschlich Fragenden mächtig zu umschmeicheln. Nachdem dies nun aber klargestellt worden ist und ich hoffentlich glaubhaft versichern kann, dass es mir um die Sache geht, nicht um mich, gebe ich nun den Link zu meinem intimen Austausch mit der KI frei.

Viel Spaß also mit den Anmerkungen zum Rilkeschen Ding-Gedicht und dem Leo-Läuferschen Dong dazu!

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Frühlingswetter und Literatur: Ein Spaziergang in Gedanken

Heute war wieder Frühlingswetter. Gehen wir spazieren? Fragte meine Frau. Da musste ich passen, da ich für solche Kurzwanderungen nicht mehr geeignet bin.

Ich habe mich nach dem Sonntagskrimi ins Arbeitszimmer begeben. Eine Davidoff No2 geraucht. Und fühle mich nun genau so ra(s)tlos wie gestern oder vorgestern. Werde mich bald mit The Corrections (Jonathan Franzen) ins Bett begeben. Das Buch hatte ich ja schon mal gelesen. Ich erinnere mich zwar nicht an Einzelheiten der Handlung. Habe aber den Verdacht, dass mein Unbewusstes sie noch kennt. Das trübt den Lesegenuss. Das Lesen fühlt sich an wie schales Bier Trinken. Es stillt den Durst, schmeckt aber nicht so richtig. Den Zauberberg habe ich ja auch zwei oder auch schon dreimal gelesen. Aber das fühlt sich an wie Champagner, der jedes mal anders den Gaumen kitzelt. Da steckt noch mehr Leben drin, es prickelt (d.h. immer neue Bläschen (Türen, Schichten, Perspektiven, etc.) erscheinen).

Aber vielleicht tue ich Jonathan Franzen hier ein großes Unrecht an. Was Thomas Mann angeht, bin ich nun mal sehr, sehr voreingenommen. Denn ich wurde ja durch seine Romane während meiner Zeit am Stiftisch-Humanistischen Gymnasium literarisch sozialisiert. Und als ich damals nach dem letzten Buch, das ich bei der Buchhandlung Boltze in Mönchengladbach auf der Hindenburgstraße gekauft hatte, herausfand, dass es keine „weiteren“ Bücher von diesem Mann gab, war ich richtig traurig.

Ach übrigens: Keine Wanderung, bitte. Aber wie wär‘s mit einem kleinen Ausritt?

Aladin ist mir gewachsen… Aber wieso verpasst die KI mir diesen Ehering?

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Rilke, Magier mit Gamaschen

Gunnar Decker: Rilke. Der ferne Magier. Eine Biographie. Pantheon Verlag, München 2025

Ich will ganz ehrlich sein. Neulich kam ich in die „Buchhandlung am Markt“ in Dudweiler, die gar nicht am Markt liegt, der ist ein paar hundert Meter weit weg. Aber das ist nicht das einzig Erstaunliche an dieser Buchhandlung, die bislang von drei sich ablösenden Männern unterhalten wurde, seit kurzem aber auch gelegentlich von einer Frau betreut wird. Das Erstaunlichste an ihr, also der Buchhandlung, ist, dass es sie überhaupt noch gibt. Denn die Fußgängerzone der Saarbrücker Straße ist längst verödet. EDEKA ist weg. Die alte Drogerie, in deren Tiefen es einfach alles gab, hat aus Altersgründen zugemacht. Das für Dudweiler Verhältnisse mondäne Café an der Ecke zur Rathausstraße ist schon lange geschlossen. Selbst ein Trödelladen, der erst vor kurzem aufgemacht hatte, ist weitergezogen, in die Trierer Straße, in deren Umfeld sich nun ein türkisches Geschäft neben das nächste reiht, im Mittelpunkt einer dieser türkischen Barber Shops mit den goldenen Spiegeln und den wuchtigen Kunstledersesseln. Das alte Schreibwarengeschäft Meiser gibt es noch. Ich habe erlebt, wie zuerst die Frau des Inhabers erkrankte und im Geschäft schließlich ausfiel. Jahre später verschwand auch Meister Meiser, und einer von den drei Männern aus der Buchhandlung nebenan übernahm. Den kann ich aber nicht besonders leiden, weil der oft aus Langeweile in der Tür seines Ladens steht und mir hinterher mault, wenn ich mit der Vespa durch „seine“ Fußgängerzone fahre. Von den drei Buchladentypen ist er der ernsteste, der zweite machte gern Witze, habe ihn aber lange Zeit nicht mehr gesehen, und der dritte, der Chef, dessen Kopf von künstlerischer Hand über dem Eingang des Geschäftes plaziert wurde, ist immer freundlich, aber auch ein bisschen verhaltener geworden in letzter Zeit, krankenreif könnte man vermuten.

Mit anderen Worten: Man befindet sich auf der Saarbrücker Straße, dem Dudweiler Fußgängerbereich, in der Todeszone dieses ehemals größten Dorfes Deutschlands. Man lebt nun schon seit etlichen Jahren in der Landeshaupt- und Universitätsstadt des Saarlandes, aber ist ein wenig an den Rand gedrängt. Obwohl es hier viel Platz gibt. Vor allem in dem rosa-rostig angestrichenen Einkaufszentrum am Markt, wo die meisten Geschäfte schon immer leer gestanden haben, wo aber seit kurzem in der ersten Etage eine noch deutlichere Leere herrscht, seitdem das China City dichtgemacht hat. Überhaupt das Kulinarische. Die Krumme Stubb ist längst zu, den Massimo in der Beethovenstraße hat’s in die City von Saarbrücken gezogen, wo ihm offenbar zum Verhängnis wurde, dass der Kellner für jeden Espresso die Treppen zum Keller, wo die Küche lag, runter- und wieder raufgehen musste. Es gibt noch ein Restaurant mit französischem Charme, zumindest Namen: Monsieur Hulot, und dann ist da noch ein Italiener, bei dem vor kurzem ein paar Monate lang die Kasse kaputt war und die Gäste daher nur in bar zahlen konnten. Vielleicht bin ich ein Neidhammel oder auch nur ein kleiner Kleinbürger, der brav seine Steuern zahlt, aber ein bisschen geärgert habe ich mich schon…

Ich könnte jetzt dieses Lamentieren über mein Heimatdorf weiter fortsetzen oder aber mich der Sache zuwenden, wegen der ich mich überhaupt an den Computer gesetzt habe. Was ich eigentlich sagen wollte: Auf dem Ausstellungstisch der Buchhandlung, die nicht am Markt liegt, aber diesen namentlich für sich vereinnahmt, stand ein frisches Buch: Rilke. Der ferne Magier. Nun habe ich zwar mal vor weit mehr als fünfzig Jahren in Heidelberg ein Seminar besucht, bei Prof. Michelsen über Rilkes Duineser Elegien, und bei mir im Arbeitszimmer liegt auch ein Band mit Gedichten von Rilke, den ich irgendwann einmal gekauft habe und dann zu Hause auf einen Platz gelegt, der signalisiert: Nicht vergessen, aber nicht so wichtig! Aber man sieht, Rilke hatte nicht so Priorität bei mir. Aber ich hatte gerade ein Büchlein von Ernst Tugendhat über Ethik zu Ende gelesen und war sozusagen frei. Außerdem wusste ich, dass Rilke einmal der Liebhaber von Lou Andreas-Salomé gewesen ist, die mir natürlich bei meinen Exkursionen in Nietzsches Wunderwelt begegnet ist. Nietzsche hat sie einmal in sein Elternhaus in Naumburg eingeladen, er war in sie verliebt, und er hat dort Tür an Tür mit ihr ein paar Tage oder Wochen verbracht, in höchster Anspannung, aber ohne die Chance einer Entspannung. Er hat sie geliebt, aber nie – wie sagt man? – besessen, obwohl er doch so besessen von ihr war. Und jetzt komme ich wieder zu meinem Faden: Dem Rilke hat sie sich offenbar hingegeben. Also was hat der Mann, was Nietzsche nicht hatte? Diese Frage hat mich schon ein wenig beschäftigt. Und ich glaube, deswegen habe ich an diesem Tag in der Dudweiler Todeszone diese neueste Biographie, die zu Rilkes 150. Geburtstag erschienen ist, gekauft.

So eine Biographie kann hier nicht angemessen dargestellt, wiedergegeben werden. Darum verzichte ich auf jeden Anspruch, den man an eine Rezension stellen müsste. Ich sage einfach: Leute, lest sie! Ob es sich lohnt, müsst ihr am Ende selber beurteilen. Aber nur soviel: Die Lektüre fiel mir anfangs etwas schwer, aber das Buch wurde spannender, was wohl einerseits mit den biographierten Fakten zusammenhängen mag, andererseits aber auch dem Umstand geschuldet werden könnte, dass der Autor sich erst mal warmschreiben musste und ab und an auch eine kluge eigene Reflexion plaziert. 

Rilke wurde und wird vielleicht als ein Genie angesehen. Er hatte Kontakt zu zahlreichen Literaten und Malern. Er setzt Reime mit unfassbarer Leichtigkeit und Sicherheit. Er wurde von vielen geachtet und hatte offenbar Charisma. Er war in seiner Widersprüchlichkeit ein Kind seiner Zeit. Aber: Wer ist denn nicht widersprüchlich? Wer ist denn nicht ein Kind seiner Zeit? Manches mag Blendwerk sein. Aber wer kann das denn beurteilen? Ich habe das Gedicht Der Panther oft gelesen, und es hat mir immer wieder eine ungeheuere Freude gemacht, mir diesen Panther vorzustellen. Rilke beobachtet etwas, er sieht schlicht etwas und übersetzt das in Sprache. Wozu braucht es da großer Deutung? Man kann so was einfach schön finden. Punkt.

Ich habe vor vielen, vielen Jahren einmal Aufsicht führen müssen bei einer Deutschklausur, bei der meine Kollegin den Schülern das Gedicht von Rilke mit dem Titel Blaue Hortensie vorgegeben hat. Dieses Gedicht habe ich während der Aufsicht nachgedichtet, mich an Reime und sogar ganze Verse gehalten, die Semantik also weitgehend intakt gelassen, es aber inhaltlich umgemünzt auf die Situation, in der sich diese Schüler, die da vor einem sitzen, befinden. Ich behaupte nun, rein formtechnisch steht mein Gedicht dem Rilkes nicht nach. Aber es gibt einen Unterschied. Das Rilke-Gedicht kann inhaltlich bedeutungsschwer interpretiert werden, die Farbe Blau, wofür steht sie, und diese und jede Verfärbung, wofür stehen sie? Für was, das man nicht sehen kann? Für was im Reich des Metaphysischen? Gedichte, bedeutet das, die Brücken sind aus unserer Welt in eine andere Welt, die nur ahnbar, aber nicht konkret erfahrbar ist, solche Gedichte sind hohe Kunst. Viele mögen an so etwas glauben…

Mein Gedicht, mein Persiflat, wie ich so etwas nenne, führt dagegen „zu den Sachen selbst“ (Edmund Husserl).

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THAT CRAZY

T. C. Boyle: No Way Home. Carl Hanser, München 2026

Übersicht mit KI

No Way Home“ handelt von dem Arzt Terry, der nach dem Tod seiner Mutter ein Haus in der Wüste Nevadas erbt und dort in eine gefährliche Dreiecksbeziehung mit der rätselhaften Bethany und ihrem eifersüchtigen Ex-Freund Jesse gerät, was zu einer hitzigen, toxischen Auseinandersetzung voller Machtspiele, Aggression und Gewalt in der trostlosen Wüstenlandschaft eskaliert, wobei die Charaktere mit ihren destruktiven Leidenschaften kämpfen, die sie an den Rand des Abgrunds treiben. 

Ja, ich habe diesen neuen Roman von T. C. Boyle in Deutsch gelesen, da ich ihn unbedingt lesen wollte und er in 2025 noch gar nicht in englischer Sprache erschienen ist. T. C. Boyle kommt sozusagen seinen Lesern entgegen, viele hat er offenbar in Deutschland, in den USA sieht’s bei solchen Themen im Augenblick nicht so gut aus. Die U.S. Umweltbehörde und das Ministerium für Energy sind bekanntlich in den Händen von strengen Verfechtern fossiler Brennstoffe. Wenn also ein solcher Roman von T. C. Boyle erst mal „ausgelagert“ wird, ist das ein weiteres alarmierendes Kennzeichen dafür, dass wir uns mitten in einem Kampf um die Oberhoheit über den Begriff der Meinungsfreiheit befinden. Amerikanische Behörden, libertinär unterwandert, werfen neuerdings europäischen Verfechtern des Schutzes der Meinungsfreiheit vor, eben diese zu unterdrücken. Mehr Abgrund geht nicht.

Die vollständige Rezension kann man unter Reflexe und Reflexionen einsehen.

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