Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 47: Neulich saß ich wieder mal vor dem Fernseher…

Sehnsucht nach einer anderen Welt: Der transzendente Blick

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Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 46: Homely Office

Ich habe bei meiner digitalen Lektüre keine Chance…
…obwohl ich analoge Köder gelegt habe!

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Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 45: Warum ich so ein guter Pädagoge bin

Friedrich Nietzsche hat sich gelegentlich (Ecce Homo) in ähnlicher Weise selber gelobt, vermutlich um der radikalen Wahrheit willen, die selbst von denjenigen ausgesprochen werden muss, die sich durch diesen Vorgang in ein ungünstiges Licht setzen…

Bei meiner Gruft-Lektüre von Thomas Manns Jahrhundert-Roman „Joseph und seine Brüder“ stieß ich im Zweiten Hauptstück ABRAHAM auf folgende Stelle:

Kinder sind ja nicht unaufmerksam, wenn ihre Lehrer sie scheltend so nennen; sie sind nur aufmerksam auf andere, vielleicht wesentlichere Dinge, als die Sachlichkeit der Bildenden wünschen mag.

Nun, ich habe solche Träumer immer liebevoll schweigend gewähren lassen, entschuldigend über sie hinweggesehen und mich von jeder Schelte ferngehalten.

(Hier wurde gegenüber einer früheren Version ein Absatz gestrichen, da man leicht falsche Schlüsse hätte ziehen können…)

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Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 44: Techno und Mode der 90er…

Im Kunstplast in Düssedorf sind im Augenblick zwei bemerkenswerte Ausstellungen zu besichtigen, die beide in meinen Augen etwas damit zu tun haben, dass Discos geschlossen sind und modegeile Augen in abgeschotteten Zeiten von Corona arg frustriert worden sind. In einer kleinen Fotogalerie werde ich von diesen Ausstellungen skizzenhaft berichten. Vorweg aber dieses Foto, das Naomi Campbell zeigt, die hier nicht nur ihre Achselhöhlen glättet, sondern, bevor sie auf den Catwalk geht, schnell noch mal Fieber misst. Vorbildlich… AHA, auch Models zeigen Verantwortung, selbst auf dem Klo.

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Te-Ping Chen: Ist es nicht schön hier

Te-Ping Chen ist eine junge amerikanische Autorin mit Wurzeln in China, die ein paar Jahre in Peking als Korrespondentin des Wall Street Journals gearbeitet hat. Diese erste Sammlung von Kurzgeschichten basiert im Wesentlichen auf ihren genauen Beobachtungen aus ihrer Zeit in China. Sie beschreibt alltägliche Ereignisse und typische Schicksale, denen meistens nicht einmal der Geruch von etwas Außergewöhnlichem anhaftet. Was macht dann aber dieses 2021 erschienene Buch dennoch so lesenswert?

Die Antwort darauf befindet sich hier.

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Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 43: Scherz der Woche und Große Zapfenstreichelei

Tagesthemen am 2. Dezember 2021: es geht um die Schwierigkeiten, eine massive G2-Regelung im Alltag durchzusetzen und zu kontrollieren. OB Michael Müller bemerkt dazu:

Die Leute halten ja schliesslich auch vor einer Roten Ampel. Da muss nicht immer gleich ein Polizist daneben stehen.

Micha, mein Micha, das tut richtig weh…

Grosser Gott, wir loben Dich. Aber schütze uns vor solchen Politikern. Und lass ruhig ein paar rote Rosen regnen… Ach Hildegard, auch Du fehlst uns ein wenig… Wenn Du wiederkämest, – wir würden Dich glatt zur nächsten Bundeskanzlerin machen.

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Christian Lindner wird nervös

Die Lage ist bedrohlicher als 2020. Warum gibt es keinen Lockdown? Wenn der nicht „verhältnismäßig“ ist, wie kann man dann rechtfertigen, dass es ihn 2020 gegeben hat? Alle Politiker sagen: Wir müssen etwas tun. Es wird aber nicht gehandelt. Ich habe den Verdacht, die Tatsache, dass nun die FDP mit im Regierungsboot sitzt, ist schuld daran. Grüne und FDP passten nicht zusammen. Aber eine Regierung, die nicht aus einer Großen Koalition bestehen sollte, konnte es nur mit Grünen und FDP im Boot geben. Wie sollte das aber gehen? Indem man die Legende erfand, es gehe um das Große Ganze, um die Zukunft. Und behauptete, man sehe sehr wohl die Gegensätze, aber sehe gerade darin eine Chance, da man gelernt habe, voneinander zu lernen. Habeck, glaube ich, sagte in einer Talkshow, wo der eine eine 9 sehe, sehe der andere vielleicht eine 6. Offenbar üben die Koalitionäre sich im Kopfstand, und siehe da: Die Dinge werden so gleich, wie sie sein müssen, um eine gemeinsame Politik zu machen. Natürlich ist das Quatsch, das Bild ist logisch nicht nachvollziehbar, denn niemand steht ja normalerweise auf dem Kopf, und die Äußerung kleistert etwas zu, was beim leisesten Druck auseinander fallen wird. Habt Ihr beobachtet, wie neulich bei Anne Will Frau Baerbock immer wieder den lieben Christian ansprach, und der Christian etwas verhaltener Ansprache nahm an die liebe Annalena? Sehr verhalten aber eigentlich. Denn er war schon ziemlich verschnupft darüber, dass Anne Will und Melanie Amann vom SPIEGEL ihn nachdrücklich in die Zange nahmen und ihm vorwarfen, sich „ideologisch“ zu gebärden, wenn er immer wieder einen Lockdown ausschloss und sich dabei auf formaljuristische Gründe oder Finten verließ. Das RECHT kann ganz schön als Waffe benutzt werden, juristische Argumente geraten leicht zu Totschlagargumenten, die dem Muster gleichen: Befehl ist Befehl, da kann man nichts machen! Das weiß natürlich auch der kluge Herr Lindner. Und er weiß, dass es sehr schwer ist, ein solches Totschlägerimage wieder loszuwerden, wenn die Wirklichkeit anbrandet. Und deshalb wirkte er wohl auch bei Anne Will etwas gereizt und nervös. 

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Murphys Gesetz

Jonathan Franzen: Crossroads. Rowohlt, Hamburg 2021

Murphys Gesetz lautet bekanntlich: „Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“ Jonathan Franzens Buch ist ein über mehr als 800 Seiten sich ausbreitender Beleg für die Gültigkeit dieses Prinzips.

Wir befinden uns in einem kleinen Ort namens New Prospect im Mittleren Westen (in der Nähe von Chicago), und es ist einer der letzten Tage im Advent des Jahres 1971. Wir lernen in je verschiedenen Perspektiven eine Pfarrersfamilie kennen, er, Russ, ist der „zweite Pfarrer“ der Gemeinde, seine Frau, Marion, ist Hausfrau und kümmert sich um ihre vier Kinder, Clem, der brillante Älteste, geht aufs College, seine Schwester Becky, zu der er ein inniges Verhältnis hat, ist der unbestreitbare Schönheitsstar auf der Highschool, Perry ist genialisch veranlagt, vom Kleinsten, dem Bruder Judson, ist noch nicht viel Rede in diesem Buch. Dessen Charakter wird wohl erst in den beiden folgenden Bänden des als Trilogie angekündigten Werkes entfaltet werden. 

Eine furchtbar nette Familie also, so könnte man meinen, wenn da nicht diese Zwiespältigkeit wäre, die das Leben und also auch unseren Roman erst so spannend macht. Und die kündigt sich gleich im einleitenden Abschnitt des Romans an, den ich hier zitieren will:

Der von kahlen Eichen und Ulmen durchbrochene Himmel, an dem zwei Frontensysteme die grauen Köpfe zusammensteckten, um New Prospect weiße Weihnachten zu bescheren, war voll feuchter Verheißung, als Russ Hildebrandt wie jeden Morgen in seinem Plymouth-Fury-Kombi zu den Bettlägerigen und Senilen der Gemeinde fuhr. Eine gewisse Person, Mrs. Frances Cotrell, die ebenfalls zur Gemeinde gehörte, wollte ihm am Nachmittag dabei helfen, Spielzeug und Konserven zur Community of God zu bringen, und obwohl er wusste, dass er nur als ihr Pastor das Recht hatte, sich über diesen Akt des freien Willens zu freuen, hätte er sich kein schöneres Weihnachtsgeschenk wünschen können als vier Stunden mit ihr allein.

Eine Kurzanalyse dieses Romanbeginns und eine Skizze der Begebenheiten können eingesehen werden bei Reflexe und Reflexionen.

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Der Butt grassiert…

„Jo kissed his wife and took the broom from her hands. „You go on and help her now,“ he said giving her butt a squeeze and a push as he sent her inside. It was the butt that had done it nineteen years ago, was still doing it now. He’d seen it coming around Strawberry Alley and had followed it four whole blocks. It was mesmerizing, the way it moved, independent of the rest of her body, as though operating under the influence of another brain entirely, one cheek knocking into the other cheek so that that cheek had to swing out before knocking back.“

„Jo küsste seine Frau und nahm ihr den Besen aus der Hand. „Du gehst und hilf ihr jetzt“, sagte er, drückte und schubste ihren Hintern, als er sie hineinschickte. Es war der Hintern, der es vor neunzehn Jahren getan hatte , tat es jetzt immer noch. Er hatte es um die Strawberry Alley herumkommen sehen und war ihm vier ganze Blocks gefolgt. Es war hypnotisierend, wie es sich unabhängig vom Rest ihres Körpers bewegte, als ob es unter dem Einfluss eines anderen Gehirns operierte vollständig, eine Backe schlug an die andere, so dass diese Backe ausschwingen musste, bevor sie zurückklopfte.“

Ausschnitt aus dem Roman von Yaa Gyasi: Homegoing (20217), über den ich unter Reflexe und Reflexionen mehr verrate…

Dank auch an Günter Grass, der mit seinem Roman „Der Butt“ dafür gesorgt hat, dass ich hier einen kauzigen Kaulauer loswerden konnte…

Yaa Gyasi im Jahr 2017. Da hat sie ihr fulminantes Debüt-Buch geschrieben.
Yaa Gyasi im Jahr 2021. Siehe mein Kommentar unter Reflexe und Reflexionen.

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Halloween

Es ist 19 Uhr, ich schreibe gerade an was. Da klingelt es. Ich nehme den Türsprech-Hörer ab, höre aufgeregte Kinderstimmen. Halloween! Hatte ich ganz vergessen. Ich stürze die Treppen hinunter und überlege: Was mache ich bloß? Habe ich irgendwo noch ein paar alte Spekulatius? Nichts da. Ich greife mir einen Plastikbeutel, neutral, und stopfe, so gut und so schnell es geht, ein mittelgroßes Paket Katzenfutter der Marke Kittyflair Extra Dry, das meine beiden Kater nicht mögen (ein Fehlkauf also), hinein. Ich wusste bisher nicht, wie ich dieses Paket ökologisch und moralisch verantwortbar entsorgen könnte. Ich stürze zur Haustür, verhalte kurz und atmet tief durch. Vor der Tür stehen etwa ein Dutzend Kinder in allen Größen. Ein paar von den größeren tragen schauerliche Masken. Ich schwinge meinen Beutel, aber so, dass dessen Gewicht quasi sichtbar wird. Ich sage aufgeräumt „Halloooo!“ und drücke dem kleinsten Mann, deutlich unter 1 Meter, wahrscheinlich gerade eingeschult, den Beutel in die Hand. Der freut sich, die Meute scheint ebenfalls sehr erfreut, einige murmeln sogar Danke, und sie verlassen meine Eingangstreppe.

Als ich wieder an meinem Schreibtisch sitze, höre ich draußen vor der Tür laute Kinderstimmen. Es wird offenbar heftig diskutiert. Ich öffne also leise ein Fenster und sehe, dass das Meter-Männlein von den anderen Gruselgestalten umringt wird. Sie wollen, dass der neutrale Plastikbeutel in die große Gemeinschaftstasche gesteckt wird, wollen zumindest Einsicht. Doch der Kleine hält seinen Schatz mit beiden Händen fest. Am Ende setzt sich der Zug wieder in Bewegung, vorne weg das Männlein mit dem Beutel, der neue Anführer.

Bleibt die Hoffnung, dass es bei dem kleinen Mann zu Hause einen großen Kater gibt, vielleicht sogar zwei, wie bei mir. Aus einer Verarschung würde am Ende noch eine – verantwortungsethisch gesehen – gute Tat…

Wir haben ein gutes Gefühl…

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