INTERMEZZO UND IMBETTSO?

Alle, die jetzt glauben, ich habe die Orientierung verloren oder ich sei auf die schiefe Bahn der Wissenschaft geraten, möchte ich mit folgendem Limerick aufheitern, den ich vor vielen, vielen Jahren geschrieben habe, nachdem ich die Babysitterin meiner kleinen Tochter nach Hause gebracht hatte.

Hungarian Liquoriage

A Hung’rian girl named Rozi –
her boobs are so soft and cozy.
But each nippel a giant,
so to suck them I try and
I finally feel quite dozy.

Ach, ich trauere immer noch der verpassten Gelegenheit nach, wenn ich daran denke, wie schüchtern ich ihr noch aus dem Auto nachgewunken habe, als sie die Haustür aufschloss, wobei sie mir über die Schulter noch einmal zulächelte und dann für immer verschwand…

Aber hey, Leute, in Zeiten von Corona ist das doch gar nicht schlecht. Schreibt Gedichte, statt zu ficken. Oder macht‘s wie der folgende Ratgeber:

  • Gerade für Singles oder Menschen mit wechselnden (Sex-)Partnerinnen und (Sex-)Partnern bedeutet Corona oft einen größeren Einschnitt in ihr Liebesleben. Da man persönliche Treffen einschränken sollte, heißt das auch, dass man womöglich auf Sex mit anderen Menschen verzichtet. Man kann sich in dieser Zeit jedoch auch auf sich und seine eigene Sexualität fokussieren. Denn auch »Sex mit sich selbst« kann spannend, lustvoll und reizvoll sein. Du kannst deinen Körper entdecken und herausfinden, was dir wie am besten gefällt, ob du beispielsweise Sextoys magst oder nicht. Und es besteht bei Selbstbefriedigung kein Risiko für eine Infektion mit dem neuartigen Corona-Virus! (Liebesleben.de)

Also Leute, legt Hand an (Euch)!

Aber übertreibt es nicht. Denn das führt nach alter Weisheit zur Verblödung.

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Umwertung aller Werte… (na ja, einiger…)

Die Bäder von Lucca: Motto und Widmung

Schwul sein und rassistisch – vor 200 Jahren und heute:

Damals durfte man nicht schwul sein, aber rassistisch schon. Der Haß auf Juden war nichts Anrüchiges, sondern in Deutschland weit verbreitet.

Heute darf man schwul sein, aber Rassismus ist verpönt, wie die letzten 14 Tage eindrucksvoll gezeigt haben.

Aber ist die Stimmung wirklich kreuzweise gekippt?

In einem neuen Beitrag in den Reflexen und Reflexionen bereite ich die Analyse zweier Kapitel aus Heinrich Heines Die Bäder von Lucca vor, in denen Heine eine Art  Solo-Shitstorm vollführt: Der Dichter Platen hasst Heine, weil er Jude ist. Und Heine outet im Gegenzug Platen als schwulen Möchtegerndichter.

Hier füge ich ein paar Xenien von Karl Immermann ein, die Heinrich Heine in seinen Reisebildern weitgehend zustimmend zitiert hatte:

Östliche Poeten

Groß mérite ist es jetzo, nach Saadis Art zu girren,
Doch mir scheints égal gepudelt, ob wir östlich, westlich irren.

Sonsten sang, bei Mondenscheine, Nachtigall seu Philomele;
Wenn jetzt Bülbül flötet, scheint es mir denn doch dieselbe Kehle.

Alter Dichter, Du gemahnst mich als wie Hamelns Rattenfänger;
Pfeifst nach Morgen, und es folgen all die lieben, kleinen Sänger.

Aus Bequemlichkeit verehren sie die Kühe frommer Inden,
Daß sie den Olympus mögen nächst in jedem Kuhstall finden.

Von den Früchten, die sie aus dem Gartenhain von Schiras stehlen,
Essen sie zu viel, die Armen, und vomieren dann Ghaselen.

Diese Xenien gaben Anlass zu dem Streit, der mit den Kapiteln X und XI in Die Bäder von Lucca eskalierte. Goethe hatte 1819 im West-östlichen Divan Lyrik im orientalischen Stil (vor allem des Saadis und Hafis) publiziert. Lyrik in diesem Stil wurde zu einer Modeströmung, an dem sich auch die „kleinen Sänger“ Rückert und Platen beteiligten. Platen, der eine Vorliebe für Ghaselen hatte, erkannte sich in der letzten Zeile natürlich sofort wieder und war natürlich nicht gerade begeistert. Er, der adlige und sich selber mit Lorbeer schmückende Dichter, wurde hier dargestellt als ein Follower, der zu viel vom Fraß des Meisters genossen hatte und Ghaselen kotzt.

Mehr und Vorläufiges dazu unter Reflexe und Reflexionen. Heinrich Heine: Reisebilder. Beitrag Nr. 2

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Schwulen- und Religionsbashing bei Heinrich Heine?

Heinrich Heine: Reisebilder (1826 – 1830)

Heinrich Heine hat in seinen Reisebildern die politischen und religiösen Missstände seiner Zeit in einer äußerst witzigen Weise kommentiert und sich dabei auch auf einen Streit mit dem sich selber mit Lorbeer bekränzenden Dichter August von Platen, den er als Schwulen geoutet hat,  eingelassen, was ihm von einigen Zeitgenossen übel genommen wurde, was er aber auch selber zwischenzeitlich wohl nicht so witzig fand, da er vor neuen Auflagen daran gedacht hatte, die beiden einschlägigen Kapitel zu streichen. Das ist indes nicht geschehen.

Hieran anschließend kann man vortrefflich ein paar Gedanken anstellen, was unter „sexueller Diskriminierung“ zu verstehen ist vor 200 Jahren, oder heute. Wer ein harmloses Gedicht von Eugen Gomringer an einer Hauswand, in dem der Dichter auf die Beobachtung von Frauen auf einem Boulevard hinweist, als sexistisch ansieht, –  was muss der denken über Heines Invektiven gegen den schwulen Dichter August von Platen? Sollte man Heines Bücher deswegen heute „von der Hauswand entfernen“, also verbrennen?

Die Reisebilder entstanden in einer Zeit, als Heine noch versuchte, in Deutschland eine (An-)Stellung zu erhalten, die es ihm ermöglicht hätte, finanziell unabhängig zu sein, in denen er indes kompromisslos die literarischen und politischen Umstände in Deutschland darstellte, und zwar in einer ebenso ätzenden wie unterhaltsam-geistvollen Art und Weise. Diese Texte könnte man in Bezug auf ihren Stil und Ausdruckskraft durchaus mit einer gewaltigen Welle vergleichen, die die Selbstgewissheiten und Heiligtümer der Zeit hinweg spülte. Diese Eigentümlichkeit bringt es nun mit sich, dass man nur sehr schwer einzelne Beispiele aus diesem Wellenreigen herausreißen kann, ohne den gewaltigen Gesamteindruck zu mindern oder gar zu zerstören. Ein Wort ergibt bei Heine das andere, und ohne den Kontext mag das Eine oder Andere daher in seiner Isolation etwas merkwürdig oder gewollt erscheinen.

In meinen Reflexen und Reflexionen sollen in den nächsten Wochen zu den oben genannten Aspekten ein paar Anmerkungen gemacht werden, in lockerer Reihenfolge.

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Maja Göpel: Unsere Welt neu denken

Maja Göpels im März 2020 erschienenes Buch kann gelesen werden als eine Art wissenschaftliche Aufarbeitung der Anliegen von Greta Thunbergs Fridays for Future. Auf diese „größte Protestbewegung in der Geschichte der Menschheit“ weist die Autorin gleich zu Anfang ihres Buches hin, nachdem sie ausführlich eine Protestaktion von Mitgliedern von Extinction Rebellion schildert, die im Oktober 2019 in einer Londoner U-Bahn-Station durchgeführt wurde. In der morgendlichen Rushhour waren zwei Männer auf das Dach eines U-Bahn-Wagens geklettert und hatten ein Transparent entfaltet mit dem Schriftzug: „Business as usual = Death“, also Weitermachen wie bisher bedeutet den Tod. Und das Anliegen dieses Buches ist kein geringeres als wissenschaftlich zu belegen, dass diese Aussage todernst zu nehmen ist…. (Bitte in Reflexe-Reflexionen weiterlesen!)

https://leolaeufer.com/reflexe-reflexionen/

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Mitteilung aus der Kronen-Gruft 16: Noch ein Blick ins Brevier…

  • Die Hände habe ich gewaschen!

Aber wie war noch mal der Mindestabstand?

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Mitteilung aus der Kronen-Gruft 15: Zigarrenabend

Lieber Martin, lieber Stefan,

habt Ihr heute Abend mal in die Sportschau reingesehen? Ich glaube, es war das Spiel Hertha BSC gegen Hoffenheim, das mir in Erinnerung geblieben ist. Nach jedem Tor lagen sich alle in den Armen und bildeten sog. Jubelcluster.

Ich habe die Befürchtung, dass es uns auch so ergehen könnte, wenn wir bei einem ersten Treffen nach dem absoluten Lockdown etwas grillen würden oder Seranoschinken anschneiden. Ich sehe das plastisch vor mir: Einer holt ein gelungenes Grillgut vom Schwenker, und weil das so toll aussieht, liegen wir uns in den Armen. Oder Martin schneidet mit Handschuhen den Schinken, und nach jeder gelungenen dünnen Scheibe fallen wir ihm um den Hals.

Ich will jetzt nicht einmal von Risikogruppen sprechen und dergleichen Sprüchen, die nach Ausreden aussehen. Ich appelliere lediglich an die Merkelsche Vernunft und schlage vor, bei der Lockerung des Lockdowns nicht zu locker zu verfahren.

Meine Regeln: Jeder bringt mit, was er braucht (außer Getränke, die sind in Flaschen und also safe). Ich bereite einen Tisch vor mit drei Stühlen und drei Aschenbechern. Ihr kommt und verteilt Euch hygienisch einwandfrei, also mit Mundschutz und Abstand.

Und dann sitzen wir um einen Tisch, machen ein Loch in den Mundschutz wegen der Zigarre, geben uns distanziert, aber sind innerlich sehr verbunden, ich gieße Wasser, Rotwein und Brandy ein, während ihr 1 1/2 m zurücktretet. Wenn die Gläser voll sind, dürft Ihr Euch wieder setzen. Dann reden wir, besser: wir nuscheln, weil das angeblich gesünder ist…

Das ist der ultimative Lakmustest unserer Freundschaft. Wenn wir uns dann in zwei oder drei Jahren, nach der Einführung eines Impfstoffes, wieder einmal treffen sollten, ich würde hoffen, wir alle drei, dann werden wir uns bestimmt an diesen Abend erinnern und denken: Locker war das nicht!

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Mitteilung aus der Kronen-Gruft 14: Arthur Schopenhauer

Übrigens – bemerkenswert ist das – fasst sich Leo Läufer während seines Vortrags nur einmal ins Gesicht, genauer, an die Nase, nämlich als er von Durst spricht, wobei er das Wort Durst wiederholt (Doppelter Whiskey?).  Joe Biden soll sich während einer 10-minütigen Video-Ansprache aus seinem Keller in seinem Haus in Delaware (?) 6mal ins Gesicht gegriffen haben (weil ja sonst nichts Greifbares da war?). Unsere Corona-Reporter und US-Wahlkampf-Beobachter haben das gewissenhaft notiert.

PS: Ich habe am 3. Juli einen Termin bei Sebi, meiner Lieblingsfriseuse, bekommen!

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Mitteilung aus der Kronen-Gruft 13: Immanuell Kant

Dalwhinnie – Winter’s Gold. Das ist mein Lieblings Single Malt in dieser trockenen Zeit, in der Husten verboten und Hände Waschen geboten ist. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Oder doch? Ich habe mit Vergnügen Axel Milberg in einem Podcast der Süddeutschen Zeitung verfolgt, der fast täglich aus Werken der Weltliteratur vorlas. Heute hat er seine letzte Lesung gehalten. Aber das Leben muss ja weitergehen. Also lese ich nun etwas aus den Werken Leo Läufers, nicht als Podcast, sondern mit Hilfe von Photo Booth, und beginne mit einer Homage an Immanuel Kant, indem ich in wenigen Versen seine Philosophie erkläre. Viel Spaß!

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Mitteilung aus der Kronen-Gruft 12

Vielleicht ist dem einen oder der anderen ja aufgefallen, dass ich mein Profilbild vor ein paar Tagen geändert habe. Da war vorher viel Holz zu sehen. Holz vor der Hütte, im eigentlichen Sinne. Aber in diesen Corona-Zeiten tut man sich ja schwer mit Holz vor der Hütte, im uneigentlichen Sinne zumindest. Ich habe also das Bild ersetzt durch ein Naturwunder, sozusagen. Tränende Herzen sind da zu sehen. In diesen Zeiten öffnen sich die Herzen, jeder Mensch entdeckt wieder die solidarische Seele. Wir alle warten auf das Ende. Also auf den Anfang. Bald gibt es wieder Holz vor der Hütte. Ich werde das dann zu gegebener Zeit bildlich demonstrieren. Inzwischen ein Bild zum Thema: All you need is love.

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Der Baron auf den Bäumen

Italo Calvino: Der Baron auf den (Apfel-)Bäumen (dtv)

T. C. Boyle hat eine seiner Short Stories, die ich neulich gelesen habe, einem gewissen Italo Calvino gewidmet. Ich wurde neugierig und habe den Namen gegoogled, was mich auf eine schmerzliche Lücke meiner Kenntnis der europäischen Literatur aufmerksam machte. Dieser Italo Calvino ist nämlich einer der bekanntesten italienischen Schriftsteller, und mir wurde bald klar, warum Boyle ihm eine seiner Kurzgeschichten gewidmet hatte. Es ist diese unbändige Lust, Geschichten zu erzählen, die die beiden verbindet. Ich habe mir also einen Roman Calvinos besorgt, der typisch sein soll für dessen Erzählstil, obwohl ich angesichts des Titels einen gewissen Widerstand verspürte, konnte ich mir doch nicht vorstellen, wie jemand eine Geschichte von einem italienischen Baron des 18. Jahrhunderts durchziehen könnte, der sein Leben konsequent  auf Bäumen verbracht haben soll.

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