Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 35: Mutmache

Jean Paul hat in seinem Roman Titan Geschehenszusammenhänge dargestellt, die in ihrer Detailversessenheit und ausufernden Metaphorik kaum zu überbieten sind. Dreimal habe ich dieses Buch in die Hand genommen, zweimal wieder ins Regal gestellt. Beim dritten Anlauf hat etwas Bum gemacht. Irgendwann zwischen Seiten 750 und 800, kurz nachdem Albano, der glänzende Held der Veranstaltung, dahinter kommt, dass sein Freund seine (Albanos) Verlobte eines Nachts dadurch verführen konnte, dass er ihre Nachtblindheit ausnutzte und ganz auf seine Stimme setzte, die der des Freundes sehr ähnlich war, hat es auch bei ihm Bum gemacht. Das liest sich bei Jean Paul so:

Als er so über sich und die stille dunkle Wüste seines Lebens hinsah: so war ihm auf einmal, als würde sein Leben pötzlich erleuchtet und ein Sonnenblick fiele auf den ganzen Wasserspiegel der verflossenen dunklen Zeit; es sprach zu ihm:

Wie wird das bei uns in einem Jahr vielleicht aussehen? Wir schauen zurück auf eine dunkle Zeit. Und wir würden uns doch auch wünschen, dass es uns so ähnlich geschieht wie dem Albano bei Jean Paul: Wir schauen zurück auf all diese Lockdowns und Entbehrungen , und es wäre doch zu schön, wenn wir das alles hinwegfegen könnten mit einem positiven Gedanken, der sich auf die Zukunft richtet und uns neue Kraft verleiht.

Was ist denn da gewesen? Menschen – Träume – blaue Tage – schwarze Nächte – ohne mich hergeflogen, ohne mich fortgeflogen, wie fliegender Sommer, den die Menschenhand weder spinnen noch befestigen kann.

Alles, was da hinter uns liegt, hat eigentlich nie in unserer Hand gelegen. Sicher, wir haben uns „angestrengt“. Aber alles hätte ganz, ganz schief laufen können. Wir bestimmen nicht unser Schicksal, das Schicksal bestimmt uns.

Was ist dageblieben? Ein weites Weh über das ganze Herz – aber das Herz auch – Es ist freilich leer, aber fest – unzerrüttet – heiß – Die Geliebten sind verloren, nicht die Liebe, die Blüten sind herunter, nicht die Zweige – Ich will ja noch, wünsche noch, die Vergangenheit hat mir die Zukunft nicht gestohlen – Noch hab‘ ich die Arme zum Umfassen, und die Hand, um sie ans Schwert zu legen, und das Auge zum Schauen der Welt – –

Angesichts der vielen Verlusterlebnisse weist der Erzähler des Titan darauf hin, dass wir bei allen Verlusten UNS ja nicht verloren haben, mit all den wesentlichen Eigenschaften, die uns als Menschen auszeichnen. Packen wir’s an!

Aber was untergegangen ist, wird wieder kommen und wieder fliehen, und nur das wird dir treu bleiben, was verlassen wird – du allein. –

Jean Paul ist an Schopenhauer geschulter Dialektiker. Alles kommt und vergeht, du kannst von allem verlassen werden. Aber eines bleibt: Du! – Dieser Gedanke wird im Folgenden (übernächsten Abschnitt) noch etwas genauer ausgeführt.

Freiheit ist die frohe Ewigkeit, Unglück für den Sklaven ist Feuersbrunst im Kerker – –

Diesen Satz verstehe ich, ehrlich gesagt, noch nicht. Kann mir ja jemand helfen?

Nein, ich will sein, nicht haben.

Genau, das sagt auch Schopenhauer in seiner Ethik. Alles, was wir haben, können wir verlieren. Aber was wir sind, nicht. – Der nächste und von mir als letzter zitierte Absatz klingt zunächst für heutige Ohren etwas (zu) romantisch. Aber seht, wie man ihn verstehen kann!

Wie, kannn der heilige Sturm der Töne nur ein Stäubchen rücken, indes die roh‘ bewegte Luft Aschenberge versetzt? Nur wo gleiche Töne und Saiten und Herzen wohnen,, da bewegen sie sanft und ungesehen. So klinge nur fort, frommes Saitenspiel des Herzens, aber wolle nichts ändern an der rohen, schweren Welt, die nur den Winden gehört und gehorcht, nicht den Tönen.

Für die Töne hat der Mensch ein Organ, für den Wind jedoch zumindest kein spezifisches. Denn der Ton gehört dem Menschen allein, der Wind steht für die bedrohliche Natur. Ein Ton bewegt im Bild, das Jean Paul benutzt, allenfalls ein Stäubchen, der Wind kann aber „Berge“ versetzen. Aber: Der Mensch besitzt offenbar eine Fähigkeit, die Dinge „im großen Stile“ zu bewegen, in der Kraft so, wie der Wind, aber unvergleichlich subtiler. Und diese Fähigkeit kommt zum Tragen, wenn sich die Töne verbinden, wenn die Menschen sich vereinigen. Aber dieser gemeinsame Klang kann nichts am Naturspiel verändern oder bewegen, kann allenfalls etwas beim Menschen bewegen. In unserer heutigen Sprache würde ich das so formulieren: Menschliche Solidarität macht das Leben auf der Erde erträglich, selbst wenn es von Zeit zu Zeit einmal sehr kritisch werden kann. Die Gesetze der (rohen) Welt kann der Mensch nicht ändern, aber er hat eine Chance, sich in dieser Welt menschlich einzurichten.

Wie sagte Tegtmeier? „Immer Mensch bleiben!“

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Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 34: „Die seelische Inzidenz steigt.“

Der Ratsvorsitzende der EKD benutzte diesen Ausdruck bei einer Ansprache zu Ostern, und ich habe sofort gedacht: Hier versucht jemand, die mancherorts geplanten, aber von der Regierung abgelehnten Öffnungen der Kirchen an Ostern zu rechtfertigen. Weit gefehlt. Es folgte eine sehr ausgewogene Stellungnahme, die erkennbar von einer Sorge um die Menschen getragen war.

In der Vergangenheit gab es allerdings immer wieder Forderungen, soziale Beschränkungen zu lockern, damit nicht unverhältnismäßig viel psychologischer Schaden entsteht. Der Teufel sitzt im Detail, hier in dem Wörtchen „unverhältnismäßig“. Denn korrekter müsste es hier heißen, dass die Vermeidung oder Verminderung psychischer (und sozialer und wirtschaftlicher) Schäden, die durch Lockerungen erreicht werden könnte, unvermeidlich zu einem Anstieg der Todesfälle führen würde. Man würde also mehr Menschen sterben lassen, um den Rest psychisch gesund(er) bleiben zu lassen.

Bedford-Strohm hat übrigens dafür plädiert, dass wir uns mehr um die „seelischen“ Belange (so sprechen Pfarrer halt) der Menschen kümmern. Wenn man darunter nicht nur gemeinsames Beten in der Kirche versteht, ist das eine sehr vernünftige und tatsächlich bisher weitgehend vernachlässigte Sache. 2015 war die Bereitschaft bei vielen Menschen da, den Flüchtlingen zu helfen, und es wurden zahlreiche Initiativen ins Leben gerufen und viel gespendet. Über ein vergleichbares Engagement für die Corona-Häftlinge sollte also nachgedacht werden.

Wahrscheinlich gibt es das schon längst, und ich habe das in meinem Kerker noch gar nicht mitbekommen…

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Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 33: Etappensieg

Heute war ich in Halle 1 des Saarbrücker Messegeländes, um mich das erste Mal gegen Corona impfen zu lassen. Geparkt habe ich in der Nähe des Geländes, habe die Zufahrt zur Autobahn überquert, die beiden Wächter am Eingang gefragt, wo es zum Impfen geht. Zum Gebäude da, dahinter rechts, wurde mir beschieden. Der Zugang ist offenbar für größere Menschenmengen ausgelegt, mit Warteschleusen, Abstandsmarkierungen und gelegentlichen Bänken für die, die nicht so lange stehen können. Dann der Empfang. Eine freundliche junge Frau, die fragt, ob es mir gut geht. Sie nimmt meine Daten auf, misst meine Temperatur und versieht mich mit einem weißen Armbändchen mit einem Nümmerchen. Beim Scannen des QR-Codes auf meinem iPhone kommt es zu einer kleinen Anspannung, die leicht zu einem kleinen Streit hätte führen können. Zum Scannen nahm sie mir das iPhone aus der Hand und hielt es unter das an der Wand befindliche Lesegerät. Ich weise sie höflich darauf hin, dass der Scanvorgang doch wohl besser in einer Weise erfolgen sollte, die eine Fremdberührung meines Handys vermeiden würde. „Ich desinfiziere hinterher immer meine Hände,“ sagt sie. „Das hilft mir aber nicht,“ sage ich. Als sie anfängt, ihr Verhalten zu rechtfertigen („Früher haben wir das anders gemacht, da hatten wir ein mobiles Handgerät, das wir ans Handy halten konnten.“), sage ich schnell, ich wolle ja gar keinen Stress machen und würde von ihr auch keine persönliche Rechtfertigung verlangen… Sie schickt mich dann zur nächsten Station. Am Eingang Nr. 7 werde ich von einem Mann bedient. Er händigt mir ein paar Papiere aus, die ich ausfüllen soll, überreicht mir ein Schreibpad mit ein paar Formularen, auf das auch mein Impfpass geklemmt wird. Scannt meinen Personalausweis, notiert sich meine Krankenversicherungsdaten und bedeutet mir, ich solle jetzt da rechts weitergehen zum Wartesaal Nr. 1. Da nehme ich auf einem Stuhl Platz und verfolge die Nummern auf einer Tafel, die beständig erneuert werden. Meine Nummer erscheint, 295-1895, ich werde in die Kabine 16 gewiesen. In Kabine 16 taucht bald danach ein junger Arzt auf, der mich als Kollegen begrüßt. Nicht genau Kollege, sage ich. Und wie viele Ärzte in einer solchen Situation will er nun genau wissen, mit wem er es denn dann zu tun hat, wenn nicht mit einem Arzt. Und wie immer in einer vergleichbaren Situation empfinde ich diese Ausfragerei als lästig, gebe ihr aber nach. Der junge Arzt erklärt mir noch ein wenig dies und das, kann zu einer Anschwellung am Oberarm kommen, evtl. Kopfschmerzen. Paracetamol. Der Arzt ist indes nur für die Aufklärung zuständig. Die Spritze verabreicht ein etwas älterer Mann ohne Namensschild. Von dem Einstich merke ich gar nichts. Ich sage ihm, er könnte das gern nochmal machen. „Ich kann das so oft machen, bis Sie was davon merken!“ sagt er mir. Und schickt mich in den Wartesaal 2, wo ich noch 15 Minuten auf einem der breit verteilten blauen Stühle warten soll. Die meisten Stühle sind leer. Die Impfung scheint insgesamt gut organisiert zu sein. Neben älteren Menschen wie ich sind auffallend viele jüngere hier. Pflegepersonal oder Vordrängler? Nach sieben oder acht Minuten stelle ich mich in einer Schlange an vor einem der Check-out-Stellen. Nach insgesamt 40 Minuten bis ich wieder am Auto und fahre mit einem guten Gefühl nach Hause: Erste Impfung, ein kleiner Etappensieg.

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Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 32: Starren, aber wohin?

Der Oberbürgermeister von Rostock sagte heute bei Maybrit Illner zum abgesagten Osterruhelockdown: „Sollen die Leute zu Hause auf dem Sofa sitzen und die Decke anstarren?“

Ich lese in dieser Zeit sehr viel. Und ziehe mich in einer Lesepause aufs Sofa zurück und an einer Zigarre und starre auf Adonis, den völlig entspannten Platzhalter.

Man könnte in diesen Zeiten fast neidisch werden auf meine Hausfreunde, die, wenn ich dann wieder lese, entspannt in der Sofaecke pennen.

Ach, wäre ich doch eine Art chronologisch reduziertes Dornröschen, das nicht 100 Jahre, aber wenigstens 1 Jahr schlafen würde, um dann von einer geimpften Prinzessin geweckt zu werden mit den getesteten Worten: „Alles ist gut!“ Frau Käsmann, Theologin, erklärte bei Illner nüchtern: „Der Mensch braucht Hoffnung. Den Ostergottesdienst brauchen wir der seelischen Gesundheit willen!“ Ja, ja. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Er braucht auch mal was Flüssiges oder Flüchtiges wie die Hoffnung. Ich werde mir jedenfalls noch eine Flasche Wein aus dem Keller holen. Da unten lagern noch viele Hoffnungsträger. Andere horten Klopapier. Das ist nicht nur unsozial, sondern auch nicht zielführend. Corona verlangt intelligente Lösungen (das behauptet jedenfalls Herr Lindner von der FDP – und der hatte sich für dieses Statement extra wieder eine Krawatte umgehängt -), keine Papiertiger.

Der Abend bei Illner ließ jedenfalls Fragen offen. Ich frage mich indes, ob Jens Spahn demnächst Privatinsolvenz anmelden muss. Kann er sich dieses 4.3 Mio teure Einfamilienhäuschen in Berlin wirklich noch leisten, wenn er in absehbarer Zeit nicht Bundeskanzler wird?

Offen blieb auch die Frage, ob das saarländische Hänschen, Tobias Hans, Ministerpräsident, mit seinem „Modellprojekt“ für Lockerungen einen mutigen Schritt tat oder schlicht sich nicht an das hält, was vereinbart worden war. Hans präsentiert sich sehr überzeugend. So wie Jens Spahn seinerzeit. Kann man bei jenem auch höhere Ambitionen vermuten?

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Auf ein Wort… (Spruchspieß No 1)

Jean Paul: Titan, 68. Zykel

 

Solang‘ ein Weib liebt, liebt es in einem fort – ein Mann hat dazwischen zu tun -.

 

只要女人戀愛了,她就會永遠愛男人-男人不時忙於其他事情-.

 

As long as a woman is in love, she loves through and through – a man has to do something in between -.

 

Tant qu’une femme aime, elle aime tout le temps – un homme doit faire quelque chose entre les deux -.

 

Amíg egy nő szeret, mindig szeret – a férfinak közben valamit tennie kell -.

 

Zolang een vrouw liefheeft, heeft ze altijd lief – een man moet in de tussentijd iets doen -.

 

Oder bildlich dargestellt:

Weib: _______________________________________

Mann: —vvv—vvv—vvv—vvv—vvv—vvv—vvv—vvv—vvv—

Des Weibes Liebe stellt sich also dar wie die Todeslinie auf dem Vitaldatenmonitor  einer Intensivstation, die des Mannes wie das Versmaß lebendiger Poesie. 

Was können wir daraus schließen? Man war zumindest im 18. Jahrhundert der Auffassung: Zuviel Liebe kann erdrückend sein (Siehe auch: „Ihre Liebe nahm ihm den Atem!“ Man sollte solche vermeintlichen Sprüche endlich ernst nehmen! – Wir sollten endlich anfangen, die Weiber umzuerziehen.) Oder lieben unsere Frauen heutzutage ganz anders? Dann sollten die Männer ein Verständnis für die Intervalle (haha) entwickeln!  Und lernen, sich zu synchronisieren… Wie’s jenen gefällt.

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Treue (in Corona-Zeiten kein Problem, oder?)

Marco Missiroli: Treue.Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2021

Christine Westermann hat vor ein paar Wochen auf WDR 2 im Buchtipp ein aus dem Italienischen von Esther Hansen übersetztes, bei Klaus Wagenbach 2021 erschienenes Buch des Italieners Marco Missiroli besprochen, von dem mir ein von der Rezensentin aufgegriffener Gedanke in Erinnerung geblieben ist, nämlich ein dem Buch entnommener Satz, dass man, um sich treu bleiben zu können, gelegentlich auch mal untreu sein müsse. Leider wird dieser Gedanke, von dem ich zuerst dachte, dass er sehr abenteuerlich sei und ich gerne wissen wollte, wie denn dessen Ausführung gestaltet werden könnte, im Buch zwar wie ein leiser Paukenschlag in einer ansonsten gemäßigten Oper aufgeführt, ohne indes verfolgt zu werden und der Leser sich im Großen und Ganzen mit Fragen ehelicher Treue, also relativ banalen Gegenständen, die Lesezeit vertreiben muss.

Die vollständige Rezension kann man in Reflexe und Reflexionen lesen.

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Drei Knödel für ein Halleluja

Kanton-Ente ist die Monstranz chinesischer Kochkunst.

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Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 31: Leben

 

Unser Leben erleben –

oder einfach nur leben?

In Zeiten wie diesen

entscheide ich mich

für den zweiten

Lebensweg

(Was für ein Scheißselbstbetrug!)

 

Experience our life –

or just live?

In times like this

I choose

for the second

Life path

(What a shitty self-deception!)

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Biedermann und die Brandstifter

„Biedermann und die Brandstifter“ ist ein Drama von Max Frisch aus dem Jahre 1953, also schon etwas in die Jahre gekommen. Es ist eine Burleske, ich würde sagen: eine Posse, und diese Posse passt zu den possierlichen Ereignissen rund um ein Gartengrundstück in Saarbrücken-Dudweiler. Dudweiler war einmal das größte Dorf Deutschlands, bis es eingegliedert wurde. Das hat aber nichts genützt. Denn solche Dinge passieren halt immer noch, wo einmal Land war. Auf dem Land also.  Schaut mal:

Hier sehen wir einen ganz gewöhnlichen Gartenzaun aus ansehnlichen Holzelementen mit einer Eingangstür, an der drei Elemente befestigt sind: Ein Hängeschloss, ein Willkommens-Kranz und eine Klingel. Was man also nicht sehen kann, ist hinter dem Zaun: Eine Menge Blumen- und Gemüsebeete, auch kleine Treibhäuser, Beerensträucher, ein paar Hühner rund um einen richtigen Hühnerstall. Ein ausgedienter Wohnwagen dient als Gartenhäuschen, also zum Verschnaufen. Ein paar Solarzellen liefern Strom für die Weihnachtsbeleuchtung. In einem ausgeklügelten System wird Regenwasser in Behältnisse geleitet. Rosen ranken sich an Pergolas und einem Pavillon, denn wer viel arbeitet, hat ja auch mal eine Pause verdient. Diese mit viel Know-How, Kreativität und Fleiß gestaltete Gartenanlage soll den beiden Pächtern, einem Pärchen aus den Weiten der russischen Taiga, vielleicht etwas von dem ersetzen, was sie hinter sich gelassen haben, nachdem es sie in eine Dudweiler Etagenwohnung verschlagen hatte.

Wie viele Sachen, hat auch die Straße, an der das Gartengrundstück liegt, ihre Kehrseite, also eine andere Seite, eine ganz andere Seite. Schaut wieder:

Hier wohnen die Menschen alle in einer Etagenwohnung, und ohne Garten dreht der eine oder die andere da schon mal durch, wie mir scheint. Wie ist es sonst zu erklären, dass im 4. OG dieser Wohnanlage ein älterer Herr regelmäßig auf dem Balkon steht und mit einem Fernglas in den Garten gegenüber starrt (also hinter den Zaun blickt, wo sonst niemand hinschauen kann oder will) und schließlich der Hausverwaltung mitteilt, man müsse gegen die da gegenüber was unternehmen. Denn man wolle ja schließlich keinen Campingplatz vor der Haustür.

Ihm wurde assistiert von (s)einer Frau, die  auf einer Eigentümerversammlung völlig außer Kontrolle geriet, wenn sie sagte: „Wenn die da unten in ihrem Campingwagen mit Gas heizen, sollen die sich doch selber umbringen. Wir wären das Problem jedenfalls los.“ (Man kann auf dem ersten Bild einen dünnen Stab auf dem Wohnwagen erkennen. An dem war mal eine Satellitenschüssel befestigt. Dieser Stab wurde für einen baurechtlich illegalen Schornstein  angesehen.)

Ich möchte zwei Zitate aus Wikipedia: „Biedermann und die Brandstifter“ hier anfügen. Sie haben keinen direkten Bezug zu dem Bisherigen. Jeder möge darüber denken, was er will.

 Er (Biedermann) behauptet bloß, „kein Unmensch“ zu sein: Seinem ehemaligen Mitarbeiter Knechtling lässt er zum Beispiel, nachdem dieser sich gegen seine Kündigung gewehrt hat, ausrichten, er solle sich doch „unter den Gasherd legen“, und wundert sich später, als dieser seinem Rat folgt.

Tatsächlich hat sich Biedermann nicht erst mit der Überreichung der Streichhölzer an die Brandstifter, sondern spätestens in dem Augenblick zu deren Komplizen gemacht, als er dem Polizisten gegenüber wahrheitswidrig angibt, die Fässer auf seinem Dachboden enthielten „Haarwasser“; eine dreiste Lüge, die zeigt, dass er im Leben keineswegs stets die Zehn Gebote eingehalten hat. Diese Verlogenheit Biedermanns ist jedoch nicht einzig nach außen gerichtet, sondern vor allem auch gegenüber ihm selbst vorhanden, was die Grundlage seiner Mentalität des feig-ängstlichen, sich geistig zurechtbiegenden und verdrängenden „Nicht sein kann, was nicht sein darf“ darstellt.

Jeder kann sich daraus was zurechtschneidern.

Die Anmerkung wegen der Vergasung war nicht possierlich und nicht witzig. Aber leider wohl auch nicht justiziabel. Aber skandalös ist doch, dass das so stehen blieb in der Versammlung.  Ein Haufen Biedermänner.

Zwei Russen machen Camping vor unserer Haustür? Nein, Danke!

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Herr Biedermann, der Brandstifter: Saarbrücker Possenspiel

  1. „Das betroffene Grundstück wird unsachgemäß, fast schon wie ein Campingplatz genutzt, wodurch für viele Bewohner des Anwesens z.T. nachhaltige Beeinträchtigungen entstehen (Verbrennen unterschiedlicher Gegenstände und Geräuschbelästigungen bis zeitweilig spät in die Nacht.“ (sic)
    So der Text in der Einladung zu einer ETV. Hoppenkamps outet sich auf der ETV als Eigentümer des Gartengrundstücks und weist die Vorwürfe zurück. Er weist darauf hin, dass ein Campingwagen auf einem Gartengrundstück, der als Gartenhaus dient, diesen Garten nicht zu einem Campingplatz macht, da die Pächter dort nie schlafen, keinen Strom und keine Heizung haben, keine Dusche da ist und keine Toiletten. Die HV weigert sich, die Namen derjenigen zu nennen, die sich in dieser Angelegenheit an die HV gewandt haben.
  2. Auf der ETV vom 06.06.2020 wird dann nach einer „teilweise kontroversen Diskussion“ beschlossen, die UBA mit einer Untersuchung zu beauftragen. „Gegenstand des Auftrags an die UBA soll insbesondere die Feststellung über die bestimmungsgerechte Nutzung des Grundstücks sein sowie die Überprüfung der Einhaltung der Feuerstättenverordnung.“ 
  3. Die UBA teilte mir am 27.01.2021 mit: „Der auf dem Grundstück abgestellte Wohnwagen …. dient augenscheinlich dauerhaften Aufenthaltszwecken (Wasserversorgung, Strom, Klingel, Solaranlage…). Das Abstellen von Wohnwagen bedarf einer Baugenehmigung nach § 60 LBO. Diese liegt nicht vor.“
  4. In einem Schreiben an die UBA habe ich dargelegt, dass die Indizien für einen „dauerhaften Aufenthaltszweck“ allesamt nicht zutreffen. Bis auf die Klingel dienen die aufgeführten Einrichtungen der Versorgung der Pflanzen. Insbesondere wurde darauf hingewiesen, dass es keinen Strom- und Wasseranschluss gibt.
  5. Zu meiner Überraschung teilte mir die UBA dann mit: „Im Ergebnis meiner Anhörung geht es darum, dass der Wohnwagen mit dem Vordach genehmigungspflichtig ist. Es spielt keine Rolle, ob dieser dauerhaft zu Aufenthaltszwecken genutzt wird…“
    Wenn das wirklich keine Rolle spielt, warum bemüht sich dann die UBA anhand von vier Indizien nachzuweisen, dass der Wohnwagen dauernden Aufenthaltszwecken dient?
  6. Das sieht danach aus, als ob die UBA nicht zurückrudern will. Sie zieht sich zurück auf die Position, der Wohnwagen sei an sich genehmigungspflichtig. 
    Wie konnte es zu dieser Volte kommen?
  7. Ich habe bei der UBA nachgefragt, was in dem Beschwerdeschreiben stand, dass diesen Vorgang ausgelöst hat. Der wesentliche Satz in diesem Schreiben ist: „Das dem Anwesen gegenüberliegende Grundstück wird ähnlich wie ein Campinggrundstück genutzt.“
    Von diesem Satz hat sich offenbar die Behörde leiten lassen. Und in die Irre führen lassen. Denn der Satz war ja längst in der ETV von mir widerlegt worden. 
  8. Offenbar hat aber die HV meine Widerlegung nicht ernst genommen und voll auf die ursprünglichen Anschuldigungen EINES notorischen „Blockwarts“ gesetzt. 
    Das Schreiben an die UKB spiegelt also nicht das wider, was laut Protokoll beschlossen worden ist. Es gibt lediglich die Ansicht/Meinung/Beschuldigung dessen wider, der es nicht ertragen kann, dass zwei Leute sich im Grundstück jenseits der Straße ein kleines Paradies eingerichtet haben. 
  9. Der Hausverwaltung ist vorzuwerfen, dass sie nicht unterscheiden kann zwischen dem, was einer behauptet, und dem, was sein könnte. Man könnte auch sagen: Sie glaubt dem ersten Besten. Selbst wenn das ein Arschloch ist. 
  10. Vor ein paar Tagen erhielt ich ein Schreiben derselben HV mit der Aufforderung, den Notausgang der Tiefgarage, den man ohne Weiteres von innen nach außen benutzen kann, aber nicht umgekehrt, nicht mehr zu benutzen. Jemand habe ihr, der HV, zugetragen, ich würde dort aus- und eingehen und jedesmal die Tür offen stehen lassen. 
    Das gleiche Muster wie oben: Jemand behauptet etwas, die HV glaubt dieser Behauptung und handelt kettenhundmäßig. Sie beißt den Beschuldigten. Blind. Da diese Tür von außen gar nicht geöffnet werden kann, beweist allein das, dass der Denunziant etwas gesehen haben will, was er gar nicht sehen konnte. Wahrscheinlich derselbe Brandstifter wie oben.

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