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Feministischer Soft-Porno?

Lisa Taddeo: three women – drei frauen. Piper, München 2020

Auf der Rückseite des Umschlags sind sechs Lobgesänge auf dieses Buch verzeichnet. So schreibt z.B. eine 25-jährige deutsche Moderatorin, Sophie Passmann:

Männer werden dieses Buch lesen und bestürzt den Kopf schütteln, Frauen werden wissend nicken. Three Women – Drei Frauen ist wahr, tieftraurig und Gott sei Dank auch noch großartig geschrieben.“

Liebe Sophie Passmann, ich bin ein Mann, habe dieses Buch gelesen (man könnte auch sagen: mich da durchgequält) und zwischendurch immer wieder mal bestürzt den Kopf geschüttelt über die Tatsache, dass ich mir das antat. Ob Frauen wissend nicken, kann ich nicht beurteilen. Ja, wahre Geschichten sind das, aber wie die Autorin im Nachwort selber betont: aus der Sicht der Frauen, deren Leben hier ausschnittweise dokumentiert wird. Für tieftraurig halte ich die Geschichte der drei Frauen auch nicht, allenfalls für ein wenig dröge erzählt, wodurch der Leser gelegentlich vielleicht tieftraurig wird und sich wundert, wie eine wortgewaltige junge deutsche Moderatorin und Autorin zu der Auffassung gelangen kann, das Buch sei großartig geschrieben…

Weiterlesen bei Leo Läufer unter: Reflexe und Reflexionen!

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Bettine von Arnim: Letzte Liebe (2019) – Stefanie Sargnagel: Statusmeldungen (2017)

Spätestens seit dem 18. Jahrhundert und dann bis ins 20. Jahrhundert war Briefe Schreiben eine der Lieblingsbeschäftigungen der gebildeten Schichten. Mit der Erhöhung der “Taktfrequenz” gegen Ende des 18. Jahrhunderts, als es schließlich tägliche Postverbindungen zwischen den Städten gab, gewann das Briefe Schreiben noch einmal an erheblicher Bedeutung, konnten Briefe doch nun in täglichem Wechsel geschrieben und beantwortet werden. Dies kam dann vor allem einem „romantischen“ Mitteilungsbedürfnis in dieser Zeit entgegen. Was heute von den Social Media geleistet wird, wurde in jener Zeit von literarischen Journalen gefördert und durch den brieflichen Austausch über das, was in diesen geboten wurde, noch einmal intensiviert. Man mag heute über die täglichen Ergüsse und Stoßseufzer auf Facebook & Co die Nase rümpfen, so bleibt doch unbestritten, dass durch diese Art der Kommunikation offenbar ein soziales Bedürfnis nach Nähe oder Selbstoffenbarung befriedigt wird, von dem man annehmen darf, dass es das auch schon vor ein paar hundert Jahren gegeben hat, nur eben in einer uns heute weitgehend unbekannten medialen Vermittlung: durch Briefe. (Siehe auch Kurt Fassmann: Briefe deutscher Klassiker, Rezension Nr. 31)

Glaubte man unter Fachleuten, dass alle wesentlichen Briefe aus jenen Zeiten bekannt seien……..  Den vollständigen Text der Rezension findet man unter Reflexe und Reflexionen.

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Wider die Winterlichkeit

Bitte auf ein Bild klicken, um die Diashow zu starten…

Blick nach Thüringen… Wo sich soeben ein Ministerpräsident kompostiert hat im anblühenden Alter

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Älter werden… Und was dann?

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6. Februar 2020 · 21:24

Donna Tartt: The Goldfinch

Theodore Decker, der Protagonist dieses Romans, beweist in seinen jungen Jahren Selbstbewusstsein und Menschenkenntnis, die ihn sein Leben lang begleiten und ihn zu einem reichen Mann machen. Während eines Terroranschlags im Metropolitan in New York, bei dem seine Mutter getötet wird, stiehlt er ein sehr, sehr wertvolles Gemälde, The Goldfinch, das ihm zum Schicksal wird. In Las Vegas trifft er auf einen verwahrlosten Jungen ukrainischen Ursprungs, zusammen saufen sie, nehmen Drogen, stehlen, bis Theodore nach dem Tod seines Vaters mit dem Hund des Ukrainers zurück nach New York fährt und bei einem Antiquitätenrestaurateur in die Lehre geht, zusammengebastelte Möbelstücke als echt verkauft und schließlich seinen Freund Boris wiedertrifft…. —-> Reflexe und Reflexionen

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Heinrich Heine (Allee) in Schräglage

Neulich hatte ich in der U-Bahnstation „Heinrich-Heine-Allee“ in Düsseldorf folgende Erscheinung:

Zum Vergrößern bitte anklicken!

Die junge Frau wirkte auf mich hundertprozentig authentisch.Und dann fiel mir ein Gedicht von Heinrich Heine ein, „Das Hohe Lied“, und mir wurde plötzlich klar, dass wir es hier mit zwei Welten zu tun haben. Der Blick auf die junge Frau in dem Bild und Heines Blick auf die Frau an sich, ironisch gebrochen, aber hinter der Ironie ein klares Frauenbild erkennbar, offenbaren eine Zeitenwende. Übrigens wäre Heines Gedicht heute ein Fall für #MeToo, würden manche Eiferer und Eiferinnen sagen. Aber das würde zu kurz greifen und die historische Dimension außer Acht lassen.

Heine Heinrich

Das Hohelied

Des Weibes Leib ist ein Gedicht,
Das Gott der Herr geschrieben
Ins große Stammbuch der Natur,
Als ihn der Geist getrieben.
Ja, günstig war die Stunde ihm,
Der Gott war hochbegeistert;
Er hat den spröden, rebellischen Stoff
Ganz künstlerisch bemeistert.
Fürwahr, der Leib des Weibes ist
Das Hohelied der Lieder;
Gar wunderbare Strophen sind
Die schlanken, weißen Glieder.
O welche göttliche Idee
Ist dieser Hals, der blanke,
Worauf sich wiegt der kleine Kopf,
Der lockige Hauptgedanke!
Der Brüstchen Rosenknospen sind
Epigrammatisch gefeilet;
Unsäglich entzückend ist die Zäsur,
Die streng den Busen teilet.
Den plastischen Schöpfer offenbart
Der Hüften Parallele;
Der Zwischensatz mit dem Feigenblatt
Ist auch eine schöne Stelle.
Das ist kein abstraktes Begriffspoem!
Das Lied hat Fleisch und Rippen,
Hat Hand und Fuß; es lacht und küßt
Mit schöngereimten Lippen.
Hier atmet wahre Poesie!
Anmut in jeder Wendung!
Und auf der Stirne trägt das Lied
Den Stempel der Vollendung.
Lobsingen will ich dir, O Herr,
Und dich im Staub anbeten!
Wir sind nur Stümper gegen dich,
Den himmlischen Poeten.
Versenken will ich mich, o Herr,
In deines Liedes Prächten;
Ich widme seinem Studium
Den Tag mitsamt den Nächten.
Ja, Tag und Nacht studier ich dran,
Will keine Zeit verlieren;
Die Beine werden mir so dünn –
Das kommt vom vielen Studieren.

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