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Die Korrekturen: Ein Roman über Chaos und Familie

Jonathan Franzen, The Corrections. Fourth Estate, London 2001

Dieser Roman ist vollgepackt mit kleinen und großen Katastrophen. Ich bin aus dem Schmunzeln kaum rausgekommen.

Wie gut muss das erzählt sein!

Dreh- und Angelpunkt dieses Romans liegt in St. Jude, einem kleinen Ort im Mittleren Westen, wo Alfred und Enid immer noch in ihrem großen Haus wohnen, die drei Kinder sind längst ausgezogen, aber die beiden Alten wollen dieses Jahr noch einmal, wohl ein letztes Mal, ihre Kinder und Enkelkinder bei sich versammeln. Das zu bewerkstelligen ist alles andere als einfach, und so rankt sich eine Katastrophenkette um das halb misslungene Bemühen, dieses von Enid mit aller Machte herbeigesehnte Familienfest zustande zu bringen…

Bitte weiterlesen in Reflexe und Reflexionen!

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Frühlingswetter und Literatur: Ein Spaziergang in Gedanken

Heute war wieder Frühlingswetter. Gehen wir spazieren? Fragte meine Frau. Da musste ich passen, da ich für solche Kurzwanderungen nicht mehr geeignet bin.

Ich habe mich nach dem Sonntagskrimi ins Arbeitszimmer begeben. Eine Davidoff No2 geraucht. Und fühle mich nun genau so ra(s)tlos wie gestern oder vorgestern. Werde mich bald mit The Corrections (Jonathan Franzen) ins Bett begeben. Das Buch hatte ich ja schon mal gelesen. Ich erinnere mich zwar nicht an Einzelheiten der Handlung. Habe aber den Verdacht, dass mein Unbewusstes sie noch kennt. Das trübt den Lesegenuss. Das Lesen fühlt sich an wie schales Bier Trinken. Es stillt den Durst, schmeckt aber nicht so richtig. Den Zauberberg habe ich ja auch zwei oder auch schon dreimal gelesen. Aber das fühlt sich an wie Champagner, der jedes mal anders den Gaumen kitzelt. Da steckt noch mehr Leben drin, es prickelt (d.h. immer neue Bläschen (Türen, Schichten, Perspektiven, etc.) erscheinen).

Aber vielleicht tue ich Jonathan Franzen hier ein großes Unrecht an. Was Thomas Mann angeht, bin ich nun mal sehr, sehr voreingenommen. Denn ich wurde ja durch seine Romane während meiner Zeit am Stiftisch-Humanistischen Gymnasium literarisch sozialisiert. Und als ich damals nach dem letzten Buch, das ich bei der Buchhandlung Boltze in Mönchengladbach auf der Hindenburgstraße gekauft hatte, herausfand, dass es keine „weiteren“ Bücher von diesem Mann gab, war ich richtig traurig.

Ach übrigens: Keine Wanderung, bitte. Aber wie wär‘s mit einem kleinen Ausritt?

Aladin ist mir gewachsen… Aber wieso verpasst die KI mir diesen Ehering?

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Murphys Gesetz

Jonathan Franzen: Crossroads. Rowohlt, Hamburg 2021

Murphys Gesetz lautet bekanntlich: „Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“ Jonathan Franzens Buch ist ein über mehr als 800 Seiten sich ausbreitender Beleg für die Gültigkeit dieses Prinzips.

Wir befinden uns in einem kleinen Ort namens New Prospect im Mittleren Westen (in der Nähe von Chicago), und es ist einer der letzten Tage im Advent des Jahres 1971. Wir lernen in je verschiedenen Perspektiven eine Pfarrersfamilie kennen, er, Russ, ist der „zweite Pfarrer“ der Gemeinde, seine Frau, Marion, ist Hausfrau und kümmert sich um ihre vier Kinder, Clem, der brillante Älteste, geht aufs College, seine Schwester Becky, zu der er ein inniges Verhältnis hat, ist der unbestreitbare Schönheitsstar auf der Highschool, Perry ist genialisch veranlagt, vom Kleinsten, dem Bruder Judson, ist noch nicht viel Rede in diesem Buch. Dessen Charakter wird wohl erst in den beiden folgenden Bänden des als Trilogie angekündigten Werkes entfaltet werden. 

Eine furchtbar nette Familie also, so könnte man meinen, wenn da nicht diese Zwiespältigkeit wäre, die das Leben und also auch unseren Roman erst so spannend macht. Und die kündigt sich gleich im einleitenden Abschnitt des Romans an, den ich hier zitieren will:

Der von kahlen Eichen und Ulmen durchbrochene Himmel, an dem zwei Frontensysteme die grauen Köpfe zusammensteckten, um New Prospect weiße Weihnachten zu bescheren, war voll feuchter Verheißung, als Russ Hildebrandt wie jeden Morgen in seinem Plymouth-Fury-Kombi zu den Bettlägerigen und Senilen der Gemeinde fuhr. Eine gewisse Person, Mrs. Frances Cotrell, die ebenfalls zur Gemeinde gehörte, wollte ihm am Nachmittag dabei helfen, Spielzeug und Konserven zur Community of God zu bringen, und obwohl er wusste, dass er nur als ihr Pastor das Recht hatte, sich über diesen Akt des freien Willens zu freuen, hätte er sich kein schöneres Weihnachtsgeschenk wünschen können als vier Stunden mit ihr allein.

Eine Kurzanalyse dieses Romanbeginns und eine Skizze der Begebenheiten können eingesehen werden bei Reflexe und Reflexionen.

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