Monatsarchiv: August 2016

Über die Liebe II

Sonntags am Schloss in Saarbrücken. Man hört den Blues, man hat den Blues, man macht den Blues…

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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Über die Liebe I

Neue Datei 33_1Ich lese zur Zeit  ein Buch von Ian Bostridge „Schubert’s Winter Journey – Anatomy of an Obsession“. Übrigens auch auf Deutsch erschienen. Und wenn ich ein Kapitel gelesen habe, höre ich mir das jeweilige Lied auf Spotify an. Hier ein kleiner Ausschnitt. Aladin und Adonis sind ebenfalls interessiert. Und nebenbei lernt man auch noch etwas dazu über die Liebe. Bostrige, der übrigens die Winterreise auch mehrfach vertont, also gesungen hat (hier ist allerdings Dietrich Fischer-Diskau zu hören), diskutiert z.B. die Frage, ob Schubert homosexuell war und verweist in diesem Zusammenhang auf die venezianischen Epigramme von Johann Wolfgang von Goethe, in denen der erklärt, er ziehe Sex mit einer Frau vor, da man sie, wenn man sie als Mägdelein gehabt habe, auch noch als Jungen vereinnahmen könne.

Ein kleines Video einer klitzekleinen Kostprobe aus der Winterreise gibt es hier.

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Lao-tse: Tao-Tê-King

Über eine Veranstaltung bei Alfred Böttger am 23. August 2016

Alfred Böttger ist ein alter Freund von mir, den ich fast vierzig Jahre lang kenne. Er betreibt in Bonn am Hauptbahnhof eine Buchhandlung nebst Galerie und lädt regelmäßig Literaten, Künstler und Wissenschafter ein, in der Buchhandlung einen Vortrag zu aktuellen Themen zu halten. Habe gestern Abend einen Vortrag von Prof. Kubin von der Uni Bonn besucht, der in meinen Augen nicht das hielt, was versprochen war. Alfred hatte zur Einführung etwas pointiert gesagt:

„Ich zeige in meiner Galerie z.Zt. Zeichnungen nach den Gestaltungsprinzipien nach Lao-tse und Lo Shu. Dabei bin ich über einen Begleittext der Künstler gestolpert, den ich absolut nicht verstanden habe. Also kam mir die Idee, Prof. Kubin, den bekannten Sinologen von der Uni Bonn, zu einem Vortrag einzuladen, damit der uns mal so einiges in diesem Zusammenhang erklären kann.“

Ich hatte den fraglichen Text vor der Veranstaltung gelesen und war gespannt auf die Deutung des Professors. Der Text lautet:

Lao-tse: Tao-Tê-King: Kapitel 11: „Der Speichen dreimal zehn / Auf einer Nabe stehn. / Eben dort, wo sie nicht sind, / Ist des Wagens Brauchbarkeit // Man knetet Ton zurecht / Zum Trinkgerät: / Eben dort, wo keiner ist, / Ist des Gerätes Brauchbarkeit. // Man meißelt Tür und Fenster aus / Zur Wohnung. / Eben dort, wo nichts ist, / Ist der Wohnung Brauchbarkeit. // Wahrlich: / Erkennst du das Da-Sein als einen Gewinn, / Erkenne: Das Nicht-Sein macht brauchbar.“

Es war naiv von mir, nun zu erwarten, dass diesbezüglich Aufklärung erfolgen würde. Kubin erwies sich als ein etwas skurriler Sinologe, der häufig in China lebt. Er begann seinen Vortrag mit Überlegungen zu den polaren Begriffen Potentialität und Realität. Wenn ich Fußball spiele, kann ich nicht zur selben Zeit einen Vortrag halten, obwohl ich beides kann. Realität bedeutet also immer eine Reduzierung der Potenz dessen, was mich ausmacht. Und dieses Prinzip der Reduzierung mache sich auch in der chinesischen Malerei bemerkbar. Der europäische Maler versuche immer, sein Bild möglichst voll zu machen. Der chinesische hingegen lasse viele Stellen auf der Leinwand leer. Kubins Vortrag hatte den Titel: „Die Fülle und die Leere“. Und so versuchte er dem andächtig lauschenden Publikum zu verklickern, dass in diesen Leerstellen chinesischer Malerei, also in den vielen nicht bemalten Stellen, die Fülle der Aussage des Malers zu finden sei.

Ich habe bloß noch gestaunt.

Interessant wird es erst, wenn ich diesen Gedanken weiterspinne. Die Potentialität beinhaltet mehr, die jeweilige Wirklichkeit ist eine immense Reduktion. Aber die Potentialität ist abstrakt, also leer, die Wirklichkeit konkret, also voll von Leben. Erst durch Reduktion erfahre ich Leben, die Potentialität, die das Ganze sein soll, ist dagegen ziemlich blutarm. (Vgl. dazu auch Hegels Abhandlung „Wer denkt abstrakt?“)

Der Professor machte manche Andeutungen. Z.B. die, dass die Fürsten früher über tausend Konkubinen hatten. Das war gewiss sehr anstrengend, sagte er. Man lachte. Er biederte sich dem Publikum mit solchen Anspielungen an, weil er sonst wenig zu bieten hatte. Ein Sinologe eben, der die chinesische Sprache beherrscht, der hierzulande also schon allein deswegen bewundert wird, der aber von der chinesischen Philosophie nur insofern eine Ahnung hat, als sie in sein religiös geprägtes Bewusstsein Eingang findet. – Ich hatte ihn im Untergeschoss der Galerie angesprochen: Kennen Sie die Ausstellung „Buddha“ in der Völklinger Hütte? Phantastische Darstellungen des Buddha aus vielen Jahrhunderten aus vielen asiatischen Ländern. – Kannte er nicht. Für sowas interessiert er sich offenbar nicht. Ein Verdacht war geweckt: Der Mann ist ein Schmalspurwissenschaftler, trotz der immensen Anzahl von Büchern, die er offenbar geschrieben hat. Denn diese Ausstellung im Saarland zeigt circa 250 Originale aus 2.000 Jahren chinesischer Geschichte, die sonst nirgendwo zu sehen wären oder hätten gesehen werden können.

War da noch was? Vielleichte noch dies: Der Professor betonte, dass den Chinesen das Yin und Yang wichtig sei, jeder Mann müsse eine Frau haben, und jede Frau einen Mann. Und beide zusammen möglichst viele Kinder. Aus diesem Grund hätten Sinologen auch mehr Kinder als Japanologen. Er selber habe vier Kinder!

Ich habe nun nicht mehr gestaunt. Ich war entsetzt.

Fazit: Professor Kubin hat über die Geschichte der chinesischen Philosophie gesprochen, und er hat einige textphilologische Dinge dargelegt („Ich habe nachgewiesen, dass es Lao-Tse als Person gar nicht gegeben haben kann. Die chinesische Regierung hört das gar nicht gerne!“). Er hat auch die Statistik sinologischer Nachkommenschaft bemüht. Er hat uns aber, was die chinesische Denke angeht, völlig im Dunklen gelassen.

Mein Verdacht hat sich bestätigt: Wir Westler haben kaum Zugang zur chinesischen Denkweise. Einige von uns mögen zwar die chinesische Sprache lernen, aber nur wenige davon lernen vielleicht, wie Chinesen wirklich ticken.

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Buddha

Leo hat heute eine Ausstellung im Weltkulturerbe Völklinger Hütte besucht: „Buddha“. Irgendwann kam ihm dann die Erleuchtung:

Buddha1

Leo Läufer wird bald Buddha sein und unterrichtet schon mal transdentale Mediation. Oder so was Ähnliches. Jedenfalls etwas für Zahnarztfrauen. Das kann lukrativ und lustig sein. (Und niemand wird Zen oder gar ein einsames T vermissen. Diese Frauen schauen nicht auf den Euro, geschweige denn auf den Zent. Im SUV gehen diese Dinge leicht verloren…)

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Sonntags ans Schloss 14.08.2016

Manfred Häder ist die Frankfurter Blueslegende, und Klaus Mojo Kilian zählt zu den besten Bluesharp Spielern Deutschlands. Außerdem waren dabei Udo Kistner am Bass und Michael Hoffmann am Schlagzeug. Die Hammond-Orgel wurde von dem in Saarbrücken wohlbekannten schlanken Mann mit der Teilglatze gespielt. Ach Gott, wie heißt der noch? Fragt am besten bei der Festivalleitung einmal nach, wenn ihr das wissen wollt. Der spielt zwar gewaltig gut auf der guten alten Hammond, wurde heute aber deutlich dominiert von der Blues Harp und der Gitarre.

Highlight waren zwei Stücke: The Thrill is Gone nach B.B.King und ein Kabinettstück auf der Bluesharp zur Demonstration dessen, wie man eine Dampflock auf der Harmonika lebendig werden lassen kann. Das Stück von B.B.King ist wirklich herzzerreißend. Es wird ein altes Bluesthema variiert: Die Trennung von der Geliebten. Die Verzauberung ist weg. Einerseits. Und das An-sie-gefesselt-Sein. Andererseits. Aber das sind ja keine Widersprüche. Denn Verzauberung bedeutet ja Fesselung. Und Befreit-Sein, Freiheit, bedeutet dann also auch immer Verlust von etwas, das der Verzauberte einmal besessen hat. Darum ist Freiheit ja auch oft so schwer zu ertragen. Weil sich quasi alle Ventile öffnen und man ein wenig auseinandergerissen wird. Als würde man sich im Nichts verlieren…  Darum gibt es ja noch immer trotz der Freizügigkeiten, die man sich gönnt, so viele Familienmenschen…

Auf den paar Bildern, die ich gemacht habe, sieht man die Band, aber auch Nahaufnahmen zweier einsamer Tänzer, beide scheinen ein wenig verrückt zu sein. Aber es gibt auch immer noch den kleinen, dicken Herren mit dem Strohhut, der sich absolut nicht von der Stelle bewegt. Ist der normal? Und dann gibt es schon seit Jahren diese Frau, die ein ganz normales Kleid trägt und sich immerzu zum Rhythmus des Blues bewegt, also auf der Stelle tanzt, dezenter als der Mann mit dem Zylinder, aber mindestens ebenso hingegeben. Ist denn der exotisch Gekleidete, der ekstatisch tanzt, allein deshalb verrückter als die Frau, die im bunten Sommerkleid ekstatisch tanzt, weil er Dinge anhat, die die meisten anzuziehen sich einfach nicht trauen würden?

Seien wir doch mal ehrlich: Leider denken wir so. Und erweisen uns so als Gefesselte, als Gefangene unserer Vorurteile.

 

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Olympische Spielchen

Atemschutz

Wir schauen uns die Olympischen Spiele zwar an, wissen aber nicht genau, ob gedopte Sportler ansteckend sind… – Neulich sagte sie mal: „Du bumst wie gedopt!“ Ich habe das nämlich als Kritik verstanden. Und konnte mir, ehrlich gesagt, keinen Reim darauf machen.

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Fein Liebchen, gute Nacht!

Aladin-springt-nicht

Wie zwei Königskinder… „Sie konnten beisammen nicht kommen“… Adonis kann nicht so gut springen… Aladins Ermunterungen haben auch nicht geholfen… So geht das oft in der Liebe… Oder genauer: Trotz aller Liebe… Es hat nicht gepasst!

Im Bild ist auch ein kleines Bild meiner verstorbenen Frau zu sehen. Mit der hat alles gepasst. Leider ist das Vergangenheit.

Leider?

Wehmut ist ein schlechter Wegbegleiter. Wermut hilft auch nicht weiter.

Was tun?

Hat schon Lenin gefragt. Und in Franz Schuberts „Winterreise“ gibt Wilhelm Müller eine Antwort:

Die Liebe liebt das Wandern, –                                                                                                        Gott hat sie so gemacht –                                                                                                                  Von einem zu dem andern,                                                                                                            Fein Liebchen, gute Nacht!

Siehe auch Ian Bostridge: Schubert’s Winter Journey. Anatomy of an Obsession. London 2015.

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