Monatsarchiv: Oktober 2019

Nabelschnur

Junge Frau mit Nabelschnur

Hier eine alternative Verwendung des Bildes, Etwas kürzer, etwas pointierter…

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Heinrich Heine (Allee) in Schräglage

Neulich hatte ich in der U-Bahnstation „Heinrich-Heine-Allee“ in Düsseldorf folgende Erscheinung:

Zum Vergrößern bitte anklicken!

Die junge Frau wirkte auf mich hundertprozentig authentisch.Und dann fiel mir ein Gedicht von Heinrich Heine ein, „Das Hohe Lied“, und mir wurde plötzlich klar, dass wir es hier mit zwei Welten zu tun haben. Der Blick auf die junge Frau in dem Bild und Heines Blick auf die Frau an sich, ironisch gebrochen, aber hinter der Ironie ein klares Frauenbild erkennbar, offenbaren eine Zeitenwende. Übrigens wäre Heines Gedicht heute ein Fall für #MeToo, würden manche Eiferer und Eiferinnen sagen. Aber das würde zu kurz greifen und die historische Dimension außer Acht lassen.

Heine Heinrich

Das Hohelied

Des Weibes Leib ist ein Gedicht,
Das Gott der Herr geschrieben
Ins große Stammbuch der Natur,
Als ihn der Geist getrieben.
Ja, günstig war die Stunde ihm,
Der Gott war hochbegeistert;
Er hat den spröden, rebellischen Stoff
Ganz künstlerisch bemeistert.
Fürwahr, der Leib des Weibes ist
Das Hohelied der Lieder;
Gar wunderbare Strophen sind
Die schlanken, weißen Glieder.
O welche göttliche Idee
Ist dieser Hals, der blanke,
Worauf sich wiegt der kleine Kopf,
Der lockige Hauptgedanke!
Der Brüstchen Rosenknospen sind
Epigrammatisch gefeilet;
Unsäglich entzückend ist die Zäsur,
Die streng den Busen teilet.
Den plastischen Schöpfer offenbart
Der Hüften Parallele;
Der Zwischensatz mit dem Feigenblatt
Ist auch eine schöne Stelle.
Das ist kein abstraktes Begriffspoem!
Das Lied hat Fleisch und Rippen,
Hat Hand und Fuß; es lacht und küßt
Mit schöngereimten Lippen.
Hier atmet wahre Poesie!
Anmut in jeder Wendung!
Und auf der Stirne trägt das Lied
Den Stempel der Vollendung.
Lobsingen will ich dir, O Herr,
Und dich im Staub anbeten!
Wir sind nur Stümper gegen dich,
Den himmlischen Poeten.
Versenken will ich mich, o Herr,
In deines Liedes Prächten;
Ich widme seinem Studium
Den Tag mitsamt den Nächten.
Ja, Tag und Nacht studier ich dran,
Will keine Zeit verlieren;
Die Beine werden mir so dünn –
Das kommt vom vielen Studieren.

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So nett im Herbst

Herbst

Es senkt sich Nebel sanft auf Fluß und Wäldern.
Des Abends summet leis‘ ein gelber Wind.
Der Geier amüsiert sich über Greis und Kind.
Es leuchten Kürbisse auf blauen Feldern.

Von Stoppelfeldern steigen steil die Drachen.
Ein neues Reh zeigt sich am Waldesrand.
Aus Ähren, Früchten winden wir ein Band
Und tanzen froh zur Laute, und wir lachen.

Bald aber wird die gold’ne Zeit vergehen.
Fällt erster Schnee, dann packt uns das Entsetzen.
Die Blätter rotten, und es fault der Mut.

Wir zittern und in kaltem Sturmeswehen,
Da wird gar manches starre Herz zerfetzen.
Doch spät’stens Weihnachten ist alles wieder gut.

Leo Läufer, 1986

Ja, damals habe ich noch eher an Weihnachten gedacht… Aber interessant ist doch, dass die beiden hier bei WordPress veröffentlichten Sonette strukturell sehr ähnlich sind, wie sich das für zünftige Sonette gehört: Ein Thema wird in den beiden Quartetten angeschlagen, das in den beiden Terzetten gegenläufig behandelt wird. Die letzte Zeile enthält eine mehr oder weniger überraschende Auflösung.

Übrigens glaube ich so wenig an den Weihnachtsmann, wenn ich Weihnachten erwähne, wie ich an seniler Geilbereitschaft leide, wenn ich das Wort „Atombusen“  gedanklich-assoziativ evoziere (haha).  Beide Vorgänge sind  innertextlich zu verstehen. – Soviel für einige von meinen Freunden, die zuletzt ein wenig irritiert waren… Aber tut mir leid, Freunde. Es sollte unter Freunden eigentlich gelten: Amare, non docere. Aber das musste jetzt mal sein.

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Sonett über eine atomische Vorstellung

Ich surft’ im Netz so vor mich hin,
gar nichts zu suchen war mein Sinn.
Ich unterbrach die Surferei
und schaut‘ bei meiner Mail vorbei.

Da war `ne Mail von wordpress.com.
Ich glaube, Petra Haysst sie, fromm,
und Wänglein zeigt sie, rund und prall
wie Kügelchen(1) von Vattenfall.

Das hab‘ ich ihrem Bild entnommen.
Auch die Gedichte fand ich fein.
So hab`ich mir ein Herz genommen:

Zu einem Chat lud ich sie ein.
Ich wünscht´, sie wird mal zu mir kommen.
Wird sie auch sonst atomisch sein?

(1) Kugelreaktoren

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