Schlagwort-Archive: Goethe

Mal was Selbstkritisches…

Als Nietzschefan und -verwerter setze ich gelegentlich bei Nietzsche an, um bei mir zu enden. Das ist neulich gründlich in die Hose gegangen, wie mir erst so richtig bewusst wurde, nachdem ich über ein Verdikt von Friedrich Schiller gestolpert bin. Aber der Reihe nach.

Neulich habe ich ein kleines Poster entworfen und realisiert. Ein paar Sätze von Nietzsche sowie zwei Bilder von Rosen in meinem Garten hatten mich dazu inspiriert.

Die Collage ist nicht besonders geschickt aufgebaut und wurde seit ihrer Anbringung in meinem Gartenhaus auch relativ verhalten aufgenommen. Das hat mir allerdings zunächst wenig ausgemacht. Denn ich fand zumindest mein Verslein immer noch ziemlich witzig.

Bis ich in einem Brief von Friedrich Schiller an Johann Wolfgang Goethe vom 24. November 1797 folgenden Satz fand:

Man sollte wirklich alles, was sich über das Gemeine erheben muß, in Versen wenigstens anfänglich konzipieren, denn das Platte kommt nirgends so ins Licht, als wenn es in gebundener Schreibart ausgesprochen wird.

 

Ich war platt! Dennoch Danke, großer Dichter…

 

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Über die Liebe I

Neue Datei 33_1Ich lese zur Zeit  ein Buch von Ian Bostridge „Schubert’s Winter Journey – Anatomy of an Obsession“. Übrigens auch auf Deutsch erschienen. Und wenn ich ein Kapitel gelesen habe, höre ich mir das jeweilige Lied auf Spotify an. Hier ein kleiner Ausschnitt. Aladin und Adonis sind ebenfalls interessiert. Und nebenbei lernt man auch noch etwas dazu über die Liebe. Bostrige, der übrigens die Winterreise auch mehrfach vertont, also gesungen hat (hier ist allerdings Dietrich Fischer-Diskau zu hören), diskutiert z.B. die Frage, ob Schubert homosexuell war und verweist in diesem Zusammenhang auf die venezianischen Epigramme von Johann Wolfgang von Goethe, in denen der erklärt, er ziehe Sex mit einer Frau vor, da man sie, wenn man sie als Mägdelein gehabt habe, auch noch als Jungen vereinnahmen könne.

Ein kleines Video einer klitzekleinen Kostprobe aus der Winterreise gibt es hier.

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Oberons Garten

Es hatte schon den ganzen Tag geregnet, und die Temperatur war in den letzten zwei Tagen beträchtlich in den Keller gerutscht. Da habe ich bei Ulrich Hassenpflug und Elke Richter angerufen und wurde von Ulrich spontan eingeladen („da reist ich nach Deutschland hinüber…“). Also habe ich mich mit der U 75, die bis zur Vennhauser Allee in Eller fährt, auf den Weg gemacht, um an dem mächtigen Tor des Anwesens Heidelberger Straße 75c zu klingeln. Ulrich kam mir entgegen, ich sah „in der Ferne“ zunächst einen großen Mann mit langen blonden Haaren, der mir zuwinkte. Ulrich ist im Gesicht etwas fleischiger geworden, ansonsten ganz der Alte. Elke und Oberon, ihr sanftmütiger Wachhund, begrüßten mich im Trockenen. Bei einer Tasse Kaffee redeten wir über Familie und andere traurige Dinge, den Tod zum Beispiel, bis Ulrich mich in den Garten begleitete, in dem eine ganze Reihe seiner eisernen Kunstwerke ausgestellt sind. Ausgestellt sind – das trifft es ganz und gar nicht. Denn dort ist in Wirklichkeit ein ferro-terrarisches Symbiotop von einzigartiger Schönheit. Der Schwebebalken im chinesischen Schilfrohr (oder wie hießen diese schlanken, zugespitzten grünen Grasdegen, die um dieses rostige Stück Eisen, das auf den Spitzen der Pflanze zu schweben schien, ganz sanft herumtanzten?), die mächtigen und manchmal auch schmächtigen Stangen, die sich entweder von selber, also ohne menschliche Hilfestellung, bewegen, wenn Wind aufkommt, die runden Edelstahlschalen und die rostigen, schweren und doch nach Berührung schwerelos schwingenden Pendel. All das habe ich im Regen unterm Regenschirm von einem Stück zum andern wandernd wahrgenommen und zunächst nicht gewusst, dass ich diesen einzigartigen Garten auch ganz in mich aufgenommen habe.Nochmal Trilobit 2008 Dessen wurde ich mir erst bewusst, als ich, schon im Bett liegend, die Bilder des Tages an mir vorbeiziehen ließ. Ein Garten ist ja an sich schon etwas Lebendiges. Diesem Garten jedoch ist durch die Anwesenheit dieser Stahlskulpturen auch menschliches Leben eingehaucht. Klar, wenn der Wind weht, bewegen sich einige der Skulpturen, und bei anderen besorgen das die Vögel, die auf ihnen einen Platz finden. Aber diese Stahlgebilde setzen sich zwar einerseits schon durch ihre bloße Materie den Pflanzen und Bäumen und dem Gras und den Vögeln entgegen, gehen aber andererseits eine Verbindung mit diesen „Dingen“ ein, ja verändern sie, da sie das Gesicht der Landschaft verändern, auch im einzelnen. Es findet eine Verdinglichung der Natur statt, zur gleichen Zeit aber auch die Naturalisierung eines Metalls, das eigentlich doch immer schon ein Teil dieser Erde war, bevor der Mensch es technisch vereinnahmte und damit der Erde entfremdete. Ulrichs künstlerische Vereinnahmung hebt diese Entfremdung wieder auf. Und das genau ist das Geheimnis, der Quell der Faszination dessen, was diesen künstlerischen Garten ausmacht. Metall wird ein Teil von Natur, und die Aufhebung der Entfremdung, wie sie vorhin geschildert wurde, erweckt beim Betrachten, beim Begehen des Gartens und Berühren der Gegenstände im Besucher ein Gefühl von Ruhe und Glück, weil auch er hoffen darf, „zu sich zu kommen“, alles Fremde und Störende abstreifen zu können, ganz er selber zu sein im künstlerischen Reigen der Natur („Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen, und sind doch…). Am Schluss, beim herzlichen Abschied, wurde ich von Oberon noch einmal angestupst, und ich glaube sogar, der Hund hat mich angeblinzelt. Vielleicht, weil er schon wusste, was ich da noch nicht wusste, und er wusste, dass ich’s bald kapieren würde…

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Faust III. Der Alte will es (noch mal) wissen / und war dann doch zu zierlich…

Faust am Ende: In einem Alpen-Spa, mit einem Prolog im siebten Himmel, einem Vor- und Nachspiel und einer etwas umständlichen Betrachtung als Zwischenfall

Prolog im siebten Himmel

Als ich an diesem Nachmittag in die Sauna kam, saß da ein junges Pärchen in dieser runden Entspannungsnische und küsste sich, die Beine ineinander verschlungen, die Arme umeinander gewickelt und die Lippen ineinander verschmolzen. Ich habe sie später im Pool gesehen, er schwamm voraus, sie hing dahinter an ihm, und sie zogen langsam ihre Bahn in gemeinsamer Bewegung. Am Abend, beim Büffet, gingen sie nie einzeln, also getrennt, zu den Speisen, immer zusammen, und bevor sie etwas auf ihre Teller schaufelten, küssten sie sich, und wenn sie sich dann wieder an ihren Tisch begaben, küssten sie sich, bevor sie auf zwei verschiedenen Stühlen wieder Platz nahmen. Von verschiedenen Tellern essen zu müssen, das muss für sie eine kaum zu ertragende Qual gewesen sein. Doch jedes mal, wenn sie das Weinglas hoben, küssten sie sich wieder.

Er war übrigens ein schlanker, schöner Mann, sie hatte etwas zu dicke Beine. War das alles also nur ein Ablenkungsmanöver?

Dicke Beine

Vorspiel

Eine Praxis für asiatische Massage in Frankfurt

Besucher: Guten Tag.

Nana: Guten Tag. Zum ersten Mal?

Besucher: Ja. Was bieten Sie denn an?

Nana: Kommen Sie! Kommen Sie.

Nach circa 40 Minuten

Nana: Alles?

Besucher: Was alles?

Nana nimmt ein wenig Gestik zu Hilfe:

Nana: Ja, eben alles.

Besucher: Dann also alles Mögliche…

Gedanken zu einem missratenen Termin im Beauty & Spa eines Wellness-Hotels in den Alpen

Auf dem Frühstückstisch lag wie immer ein Flyer mit Angeboten des Tages. Unter „Freie Termine im Beauty & Spa“ stand:

Lomi-Lomi Nui: Die Magie des Jahrtausende alten Massagerituals! Schließen Sie die Augen und tauchen Sie ein in den Genuss! Jeder Teil Ihres Körpers (Hervorhebung von mir) erfährt durch sanftes Drücken, Streichen, Dehnen – unter Verwendung von warmen (sic) Öl – die Aufmerksamkeit, die er benötigt. Diese Energiemassage regeneriert den Körper von Innen und schenkt Ihnen neue Sensibilität. Dauer: 75 Minuten / € 95,00.

Ich habe mir nun gedacht: Wenn die chinesische Nana besser Deutsch sprechen könnte, dann hätte sie mir wohl ihre Massage mit eben diesen Worten angepriesen. Und habe – neugierig geworden – im Internet nach erotischen Massageangeboten gesucht und festgestellt, dass die einschlägigen Studios mit sehr ähnlichen Worten für ihren einschlägigen Service werben. Wie gesagt, neugierig geworden und dennoch in realistischer Einstellung habe ich mich also zum Alpenlarch Spa begeben, in der Gewissheit, wie in früheren Jahren eine ganz solide Massage zu erhalten.

Ich wollte es einfach wissen und folgte einem urfaustischen Drang… (Schließlich ist Faust am Ende (vorläufig zumindest) bei Gretchen gelandet…)

Die Neue heißt Manuela. Ich fragte sie zuerst nach Maria, und sie sagte mir, dass sie nicht mehr da sei. Wir verabredeten also einen Termin für 15 Uhr, und bei der Terminvergabe beugte sie sich recht weit über den Tisch. Ich hatte also gute Aussichten – auf eine angenehme Lomi-Lomi-Nui-Massage. Als ich um Punkt 15 Uhr wieder dort erschien, war zunächst niemand da. Dann tänzelte ein junger Mann in weißer Kluft an mir vorbei, offenbar Manuelas Kollege. Sie kam schließlich auch aus einem Zimmer, ging an mir vorbei, ohne mich dabei anzusehen, geschweige denn zu begrüßen. Da ahnte ich nichts Gutes. Schließlich kam der junge Mann wieder zum Vorschein, in Stimmlage, Gang und Arm- und Hand-Gestik so, wie gemeinhin Schwule in Filmen dargestellt werden, also filmreif. Als er mir dann die Hand gab und mich in ein Massagezimmer bat, habe ich ihm gesagt, dass ich mich gern von einer Frau massieren lassen möchte. „Das hätten Sie bei der Terminabsprache sagen müssen!“ sagte er mir. „Ich bin davon ausgegangen…“ fing ich an, und er fiel mir ins Wort und sagte, heute sei sowieso keine Masseuse frei. Ich bin also wieder gegangen.

Mir schien, hier war etwas schief gelaufen, und es lag nicht an mir. Warum hat Manuela mich nicht darauf hingewiesen, dass ich heute von einem Mann massiert werden würde? Das Hotel ist nicht gender-unsensibel. An einer Sauna steht: „Ab 17 Uhr nur für Frauen!“ Manche Frauen ziehen eine reine Frauensauna vor, und manche Frauen lassen sich lieber von Frauen massieren (andere mit Vorliebe von jungen Männern, auch das ist bekannt). Warum sollten sich ältere Männer nicht mit Vorliebe von jungen Frauen massieren lassen? Eine völlige Missachtung solcher Aspekte wäre in meinen Augen ein wenig weltfremd.

Natürlich sind die Manager solcher Hotels nicht weltfremd. Aber sie denken natürlich ökonomisch. Wenn also an einem Tag nur männliches Personal zur Verfügung steht, fragt man die massagewilligen Männer besser nicht nach ihren geheimen Wünschen… Und die meisten Gäste „schlucken“ im gegebenen Fall, was ihnen vorgesetzt wird, selbst wenn sie was anderes möchten. Weil die meisten eben so tun, als ginge es bei diesen Wellnessmassagen ausschließlich um eine medizinisch induzierte Verbesserung ihres körperlichen Zustandes…

Prüderie ist ja aus unserer Gesellschaft anscheinend weitgehend verbannt. Aber in diesen Wellness & Spa – Abteilungen hat sie sich noch eine kleine Nische gesichert.

(Natürlich haben Sie längst bemerkt, dass ich Grund zu der Annahme habe, einen gewissen Verdacht zu hegen, was meine Sicht auf die Beschreibung solcher Massagen betrifft. Was also, so lautet der Verdacht, muss in meinem (kranken?!) Kopf vorgehen, wenn ich diese Assoziationshomomorphien entdecke in der Beschreibung einer Massage in einem Hotelprospekt und in der Werbung für eine erotische Massage?)

 

Nachspiel

Manuela und (nennen wir ihn mal Daniel) und Daniel sitzen am Abend noch ein wenig unter sich im Beauty & Spa beisammen.

Daniel, mit filmreifer Handgestik:

Du, der Typ wollte sich partout nicht von mir massieren lassen.

Manuela:

Tja, ich wollte dir was Gutes tun. War eigentlich dein Typ. Konnte ja nicht wissen, dass der Kerl sich so zieren würde.

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