Monatsarchiv: August 2025

Von Joseph Beuys zu Donald Trump?

Das eine: Ein verurteilter Straftäter empfängt einen gesuchten Kriegsverbrecher auf einem roten Teppich in Alaska und schüttelt ihm nicht nur die Hand, sondern tätschelt sie auch noch, macht Scherze und streichelt ihm über den Rücken.

Das andere: Ein weltweit bekannter Künstler beschäftigt sich eine Stunde lang mit einem toten Hasen in einer Performance, bei der er auf die Knie geht, sich die Spitzen der langen, toten Hasenohren zwischen die Zähne klemmt, in jede Hand eine Hasenpfote nimmt, auf den Knien durchs Zimmer rutscht und dabei die toten Hasenläufe in einen Marschierrhythmus versetzt.

Beide Ereignisse: Machen keinen Sinn.  Donald Trump wurde dafür belächelt, gescholten, gehasst und gelobt. Joseph Beuys wurde für solche Aktionen gelobt, bemitleidet, erntete Kopfschütteln und verdiente sehr viel Geld.

Der Politneukrotiker und der Kunstclown: Beide kommen mit dem, was sie machen, durch, weil es sich verkauft.

Am Ende zeigen sich hier die gleichen Marktgesetze.

Marina Abramović

Marina Abramović hat diese Hasengeschichte später (im Guggenheim?) noch einmal nachgestellt. Diese Geschichte ist im Museum Schloss Moyland am Niederrhein dem heute staunenden Publikum zugänglich gemacht. Abramović wurde mit dem „Nobelpreis der Künste“ ausgezeichnet in der Kategorie Skulptur, weil sie ihren Körper mehr als 5 Jahrzehnte als Medium eingesetzt habe. Na Bravo! Sie hat sich als der Joseph verkleidet und mit einem Hasen rumgefuchtelt, ihren Kopf in Blattgold gehüllt. Wie der Beuys seinerzeit. Der Film mit Beuys und totem Hasen ist in Schwarz-Weiß, der ihre in Colour. Immerhin ein Fortschritt.
Das Problem ist, glaube ich, dass Galeriebesitzer Geld verdienen wollen und Kritiker auch und dafür über Dinge Auskunft geben sollen, über die man besser schweigen würde. Was würde ein Kritiker denn nun vermutlich über einen Artikel wie diesen schreiben? Er könnte mir z.B. attestieren, dass ich eine phänomenologische Homomorphie zwischen dem Wirken eines Trump und den Werken eines Beuys entdeckte habe. Oder davon reden, dass ich Beuys als Orakel entdeckt habe, der Trump weissagte… Alles ist möglich. Rien ne va plus.

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More than a handshake…

Manche Medien wussten zu berichten, dass Putin auf dem Rollfeld in Anchorage von Trump freundlich empfangen wurde. Das obige Bild sagt etwas ganz anderes.

Zuerst einmal: Die beiden begrüßen sich nicht, sondern starren in die Kameras. Putein leicht verkniffen, Trump wild entschlossen, es der Welt zu zeigen: Seht her, ich empfange ihn, diesen „Kriegsverbrecher“, weil ich es will, weil ich es kann! Und dies im Gesicht Ausgedrückte wird handlich unterstrichen. Er tätschelt Putins Hand mit der linken, während er dessen im Anlauf schon lange ausgestreckte, als diese am Ziel angekommen ist, mit der rechten drückt.

Was aber macht Putin mit seiner linken Hand? Er lässt den linken Arm steif und unbewegt herunterhängen, die mit diesem Arm verbundene Hand macht – nichts.

Fazit: Trump macht bei Putin Liebkind, während Putin noch nicht so recht weiß, was er zu erwarten hat. Oder von vornherein klar machen will, was er will, nämlich keinen Schritt entgegenkommen. Spätestens bei dem Bild von Putin in Trumps SUV wird indes klar, dass Putin nun begriffen hat, nein, dass er es eigentlich nicht begreifen kann, was ihm hier Gutes widerfährt. An seinem Gesicht hinter dem Fenster ist förmlich zu erkennen, wie er sich ungläubig mit der linken Hand auf den Schenkel schlägt.

Der Aufmarsch der Europäer im Weißen Haus, Selenskijs schwarzes Jackett, das Trumps Wohlgefallen fand, die Unternehmungen der Europäer für eine Friedenstruppe, all das sind Teile einer absurden Inszenierung, von der jeder wissen müsste, dass sie zu nichts führt, zu nichts, was Putin bewegen könnte, von seinen Großmachtsplänen abzurücken. Putin hat den Faktor Zeit als seinen besten Verbündeten erkannt. Und „der Westen“ kapiert das nicht oder tut nur so, als würde er es nicht kapieren. Manche sagen ja, es sei nun doch Bewegung in die Geschichte gekommen, denn vieles wird nun diskutiert und geplant sogar. Aber niemand gesteht sich ein, dass das alles nur Zeichen der Ohnmacht sind. Die Füße bewegen sich immer schneller an einem Abgrund, wo der Rand längst weggebrochen ist.

Und das liegt daran, dass Menschen im Augenblick weltweit an der Macht sind, die den Menschen nicht wohlgesonnen sind. Das Böse triumphiert. Ist das Böse das kommende Gute?

Wir wissen es nicht. Am Anfang unserer Kultur stand der Satz: Ich weiß, dass ich nichts weiß. Vielleicht hätte sich Sokrates noch ein bisschen mehr anstrengen müssen…

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Mach mal Pause? Ist nicht!

Dostojewskij: Schuld und Sühne.

Ich weiß nicht genau, wie oft ich dieses Buch schon gelesen habe, einmal, wenn ich mich recht erinnere, unter dem deutschen Titel „Verbrechen und Strafe“, der aber wohl wieder verschwand, wie wohl auch der „Golf von Amerika“ wieder verschwinden wird, hoffe ich. Dinge kommen und gehen, und von vielen wünschen wir, dass sie nie gekommen wären. Und wer hat es denn wirklich kommen sehen, dass die USA sich so schnell in ein unfreies Land verwandeln könnte. Und auf der anderen Seite sich das autoritäre Regime Putins sich so fest in der russischen Wirklichkeit verankern würde. Man sagt, Trump sei unberechenbar, und er spiele damit, und das sei die Basis seiner Machtergreifung. Aber auch die russische Seele ist so unberechenbar, also uneinsehbar wie die Weiten der Tundra, schwer zu verstehen und rational nicht erschließbar.

Womit wir bei Dostojewskij und „seinem“ Raskolnikow wären.

Dieser Roman ist das Buch mit der größten Dichte an verrückten Reden. Das kann man typographisch schon daran erkennen, dass in keinem anderen Buch der Welt so viele Buchstaben auf kleinstem Raum versammelt sind. Also wer sich bei der Lektüre eines Buches manchmal danach sehnt, eine kleine Pause einlegen zu können und danach Ausschau hält, wo der gegenwärtige Abschnitt aufhört und ein neuer beginnt, der wird hier völlig frustriert oft feststellen, dass er zum pausenlosen Weiterlesen verdammt ist.

Bitte weiterlesen unter: Reflexe und Reflexionen

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