Monatsarchiv: April 2015

Eine Stunde im April

Heute in The Bakery in Saarbrückens Altstadt gefrühstückt. Hatte Bruno nicht angerufen, da ich dachte, er könnte ja auch mal anrufen, wenn er mit mir was unternehmen will. Saß also allein da. Ein Tisch war mit einer Gruppe von jungen Frauen besetzt, ich habe neben einem jungen Mann Platz genommen, der offenbar nicht so recht wusste, warum er überhaupt da war. Mal las er in einem Taschenbuch, mal spielte er mit seinem iPhone. Dann bestellte er noch etwas Marmelade, auch noch von dem dunklen Brot. „Mir auch noch einen Cappuccino!“, was bedeutete, dass er seine Umgebung durchaus wahrnahm.  Holte eine Zeitung und sagte dem Wirt, den er mit Vornamen anredete (Sven?), er habe ja eigentlich zuerst Zeitung lesen wollen, aber jetzt das halbe Buch gelesen, bevor er die Zeitung holte. Und beim Zeitungslesen ab und zu stöhnte und seufzte: Ungeheuerlich! Lächerlich! Auch Scherze in meine Richtung machte, auf die ich aber nur mit einem kurzen Lächeln antwortete, da ich meinen Zeitplan einhalten wollte. Rechts neben mir hatte eine ältere Dame (jünger als ich!) Platz genommen und bestellte ebenfalls das große Frühstück. Sie wurde vom Wirt mit einem leichten Tätscheln begrüßt. Auch der Freund vom Wirt war da. Außerdem kam noch ein weiterer Kapuzenjungermann, der sich gleich wie zu Hause fühlte. Der Freund vom Wirt hockte bald an seinem Tisch, und sie tauschten irgendwas übers Handy aus. Dann kam der Hammer:james_boyle Ein Mann etwa Ende vierzig mit seiner Freundin, erkenntlich jünger als er. Die beiden nahmen an zwei unbequemen Hockern am Fenster Platz, obwohl noch Tische frei waren. Das Besondere an dem Mann waren dessen Ohrringe, die aus Holz zu sein schienen und so groß, dass mühelos je ein Papagei darin Platz gefunden hätten. Ehrlich, ungelogen! Am Kinn trug er einen spitz zulaufenden grauen Bart, auf der Nase eine Brille und auf dem Kopf einen flachen Strohhut, der, wie man später bei gelegentlichem Kratzen des Schädels sehen konnte, eine totale Glatze abdeckte. Und sie turtelten wie Tauben! Kurz bevor ich ging kamen noch zwei junge Frauen, schlank, gut aussehend, beide ein wenig vergeistigt gestylt, jedenfalls dünnlippig, aber nicht unattraktiv. Habe bemerkt, dass der Wirt nach dem Kassieren das Trinkgeld in eine besondere Büchse warf und gedacht: Na, der macht die ganze Arbeit, während sich sein Freund, der eigentlich hinter der Theke stehen sollte, in der Hocke mit Freunden amüsiert. Habe noch so rechtzeitig bezahlt, dass ich vor Ablauf einer Stunde (á 2 €) mein Auto aus der Rathausgarage gleich nebenan holen konnte…

Übrigens werde ich wohl den Mann mit den potenziellen Papageien am Ohr im August beim Konzert am Saarbrücker Schloss wiedersehen. Dort trägt er dann den Namen James Last. Oder Boyle? Wer weiß das schon so genau? Ich traue ihm jedenfalls den Wiedergänger zu… James schouldn’t have died. He should Last forever!

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Zeitliches