Archiv der Kategorie: Kronen-Gruft

Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 20: Bilder einer Vorstellung

Zwei Bilder von meinem letzten Spanienurlaub (Andalusien) hängen in meiner Wohnung. Das eine lenkt den Blick in die Vergangenheit, das andere zeigt eine gnadenlose Gegenwart. Das erste Original hängt im Stadtmuseum von Sevilla und zeigt die berühmte, auch bei Thomas Mann leidenschaftlich nachgezeichnete Szene, in der Joseph versucht, der liebestollen Frau des ägyptischen Pharaos zu entkommen, während sie voller Lust und Leidenschaft nicht von dem Zipfel des Kleides lassen will, den sie erhascht hat. Das zweite ist in einem kleinen Museum in Córdoba zu finden, das einem Maler gewidmet ist, der seinen Pinsel am liebsten mit einem Plektrum getauscht hätte, da er den Flamenco so liebte.

Was hat das nun mit mir zu tun? Nun, das erste Bild erinnert mich an meine Zeit, da ich mich kaum der Frauen erwehren konnte, die mich zu haschen suchten. Im Mittelpunkt des zweiten Bildes steht ein demütiger Gitarrenspieler, der ganz in sein Instrument versenkt ist, während die Damen tanzen, deren Girren und Gurren er gar nicht bemerkt. Ich Jüngling – Ich alter Mann. Dazwischen ein ganzes Leben, das in Vergessenheit geraten ist. Denn was zählt, das sind die Extreme, Anfang und Ende, Lebensfrühling und Tod, Süßes und Saures. Auf die Zwischentöne verzichten wir gerne! Die sind nämlich nichts anderes als dieses scheißbürgerliche Leben, mit dem wir uns arrangiert haben. Wir sind wie Wasser. Wir suchen uns den Weg des geringsten Widerstandes. Wir sind Widerlinge.

Nachtrag

Meine chinesische Frau (die totale Sängerin), die diesen Beitrag auf meinem BLOG wohl schon gelesen hatte, rief mich soeben in meiner Düsseldorfer Wohnung an, in die ich zwischenzeitlich geflohen bin. Und sie sagte einen Satz in (fast) perfektem Deutsch.

„Hast Du Sie [sic] noch alle?“, fragte sie. Ich konnte ihr wie immer nicht widersprechen.

(In diesem Beitrag wird ja Thomas Mann explizit erwähnt. Indirekt erwähnt werden aber auch noch ein Komponist und ein Dramatiker. Aber wem sage ich das. Wer diesen BLOG liest, ist sowieso ziemlich gebildet.)

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Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 19: Ataraxia

Dieses Bild gab den Anstoß für das Folgende…

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Wer von Euch altsprachlichen Humanisten erinnert sich denn noch an den GEMOLL, das Griechisch-Deutsche Schul- und Handwörterbuch aus den 60er Jahren? Das steht bei mir noch im Regal, in friedvoller Nachbarschaft zu einem Affen aus meiner Kinderstube in den 50er Jahren und einem Philosophischen Wörterbuch aus der DDR. Neulich habe ich diesen Gemoll in einer meiner koronaischen Mußestunden auf meinen Schreibtisch geholt – ja, so was gibt es bei mir noch neben Laptop und Desktop… Und ich habe was nachgeschlagen, weil ich mir der Schreibweise nicht mehr sicher war. Den Anlass dazu gab eine stille Episode mit meinen Katern, die verrückt vor Freude sind, weil ich das Haus kaum noch verlasse, also praktisch immer für sie da bin. Aber vielleicht hat diese gesuchte Nähe auch andere Gründe. Denn meine chinesische Frau hat zu einem eigenen Zeitvertreib gefunden. Mit Hilfe diverser Apps singt sie auf Chinesisch am laufenden Band und lässt ihre

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Gesänge anschließend von einer App bewerten. Es gibt die Note A (für „asozial“?) und dreimal die Note S (für „sozial“?), also SI, SII und SIII . Ihre Freundin Ling schafft es oft bis zur SIII, meine Frau hingegen kommt nie über SII hinaus. Und das ärgert sie, und so singt sie wieder, und immer wieder… Kein Wunder, dass die Kater meine Nähe suchen. Auf deren Zutraulichkeit und vertrauten Umgang bilde ich mir also gar nichts ein. Wir drei, Adonis, Aladin und ich, wir üben uns gemeinsam in ATARAXIA (siehe GEMOLL). Und wir beziehen da durchaus meine Frau in akustischen Gedanken mit ein, denn sie ist schließlich der Anlass für diese neue Männerfreundschaft, ja Schicksalsgemeinschaft.

Für meine chinesischen Freundinnen und Freunde hier die Übersetzung dieses Beitrags:

你們中誰最古老的語言人文主義者還記得1960年代的GEMOLL,希臘德語學校和手字典? 它仍然在我的架子上,在一個1950年代我的托兒所裡的猴子和GDR的哲學詞典附近的一個寧靜社區中。 我最近在我的電暈閒暇時間之一中將這本Gemoll帶到了我的書桌上-是的,除了筆記本電腦和台式機外,還有類似的東西……而且我抬起頭來是因為我不再確定拼寫。 原因是我的宿醉無聲,他們為之瘋狂,因為我幾乎沒有離開過家,所以我幾乎總是在他們身邊。 但是,也許還有其他原因導致這種接近。 因為我的中國妻子發現了自己的消遣方式。 在各種應用程序的幫助下,她在傳送帶上用中文唱歌,讓她 然後對應用中的歌曲進行評分。 有A級(代表“反社會”?)和三級(代表“社會”?),即SI,SII和SIII。 她的朋友Ling經常進入SIII,但我的妻子從未超越SII。 這讓她很煩,所以她一次又一次地唱歌。難怪宿醉在找我。 因此,我對他們的信任和熟悉沒有任何幻想。 我們三個人(阿多尼斯,阿拉丁和我)一起在ATARAXIA練習(見GEMOLL)。 我們絕對讓我的妻子參與聽覺的想法,因為她是男人之間建立這種新友誼的原因,是的,是命運的共同體。

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Mitteilung aus der Kronengruft 18: Es wird schlimmer, als wir denken!


So wie das aussieht, könnte das im Chaos enden… Oder alles wird gut….

Der Fisch ist jedenfalls tot.
Also in Sicherheit.

Aber da scheint noch was zu sein.

Wir Menschen verschließen jedenfalls die Augen davor, dass alles noch schlimmer wird und ein Wort wie Chaos nicht ausreichen wird, um das, was wird, zu beschreiben.

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Mitteilung aus der Kronengruft 17: Zombies

Ja, es gibt diese Lockerungen. Und ja, man nimmt eher schüchtern daran teil. Denn man weiß ja nie…

Soll man jetzt Mundschutz tragen? Na klar. Im Geschäft. Aber auch, wenn man Freunde trifft? Neulich fuhr ich von Saarbrücken nach Luxembourg. Im Auto saßen vier Personen. Ich verordnete allen Mundschutz. In Luxembourg stellten wir fest, dass die Leute in Bussen keinen Mundschutz trugen. Aber die Leute auf der Straße schon. Man ist verwirrt.

Neulich traf ich mich mit Freunden in einem Garten zu einem „Zigarrenabend“. Wir trugen alle keinen Mundschutz. Aber zum Teil Hüte, die zumindest das Abstandsgebot forcierten. Um 23 Uhr haben wir Schluss gemacht. Aus Solidarität mit den Restaurants, die, wenn sie auch wieder öffnen dürfen, um 23 Uhr dicht machen müssen.

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Mitteilung aus der Kronen-Gruft 16: Noch ein Blick ins Brevier…

  • Die Hände habe ich gewaschen!

Aber wie war noch mal der Mindestabstand?

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Mitteilung aus der Kronen-Gruft 15: Zigarrenabend

Lieber Martin, lieber Stefan,

habt Ihr heute Abend mal in die Sportschau reingesehen? Ich glaube, es war das Spiel Hertha BSC gegen Hoffenheim, das mir in Erinnerung geblieben ist. Nach jedem Tor lagen sich alle in den Armen und bildeten sog. Jubelcluster.

Ich habe die Befürchtung, dass es uns auch so ergehen könnte, wenn wir bei einem ersten Treffen nach dem absoluten Lockdown etwas grillen würden oder Seranoschinken anschneiden. Ich sehe das plastisch vor mir: Einer holt ein gelungenes Grillgut vom Schwenker, und weil das so toll aussieht, liegen wir uns in den Armen. Oder Martin schneidet mit Handschuhen den Schinken, und nach jeder gelungenen dünnen Scheibe fallen wir ihm um den Hals.

Ich will jetzt nicht einmal von Risikogruppen sprechen und dergleichen Sprüchen, die nach Ausreden aussehen. Ich appelliere lediglich an die Merkelsche Vernunft und schlage vor, bei der Lockerung des Lockdowns nicht zu locker zu verfahren.

Meine Regeln: Jeder bringt mit, was er braucht (außer Getränke, die sind in Flaschen und also safe). Ich bereite einen Tisch vor mit drei Stühlen und drei Aschenbechern. Ihr kommt und verteilt Euch hygienisch einwandfrei, also mit Mundschutz und Abstand.

Und dann sitzen wir um einen Tisch, machen ein Loch in den Mundschutz wegen der Zigarre, geben uns distanziert, aber sind innerlich sehr verbunden, ich gieße Wasser, Rotwein und Brandy ein, während ihr 1 1/2 m zurücktretet. Wenn die Gläser voll sind, dürft Ihr Euch wieder setzen. Dann reden wir, besser: wir nuscheln, weil das angeblich gesünder ist…

Das ist der ultimative Lakmustest unserer Freundschaft. Wenn wir uns dann in zwei oder drei Jahren, nach der Einführung eines Impfstoffes, wieder einmal treffen sollten, ich würde hoffen, wir alle drei, dann werden wir uns bestimmt an diesen Abend erinnern und denken: Locker war das nicht!

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Mitteilung aus der Kronen-Gruft 14: Arthur Schopenhauer

Übrigens – bemerkenswert ist das – fasst sich Leo Läufer während seines Vortrags nur einmal ins Gesicht, genauer, an die Nase, nämlich als er von Durst spricht, wobei er das Wort Durst wiederholt (Doppelter Whiskey?).  Joe Biden soll sich während einer 10-minütigen Video-Ansprache aus seinem Keller in seinem Haus in Delaware (?) 6mal ins Gesicht gegriffen haben (weil ja sonst nichts Greifbares da war?). Unsere Corona-Reporter und US-Wahlkampf-Beobachter haben das gewissenhaft notiert.

PS: Ich habe am 3. Juli einen Termin bei Sebi, meiner Lieblingsfriseuse, bekommen!

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Mitteilung aus der Kronen-Gruft 13: Immanuell Kant

Dalwhinnie – Winter’s Gold. Das ist mein Lieblings Single Malt in dieser trockenen Zeit, in der Husten verboten und Hände Waschen geboten ist. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Oder doch? Ich habe mit Vergnügen Axel Milberg in einem Podcast der Süddeutschen Zeitung verfolgt, der fast täglich aus Werken der Weltliteratur vorlas. Heute hat er seine letzte Lesung gehalten. Aber das Leben muss ja weitergehen. Also lese ich nun etwas aus den Werken Leo Läufers, nicht als Podcast, sondern mit Hilfe von Photo Booth, und beginne mit einer Homage an Immanuel Kant, indem ich in wenigen Versen seine Philosophie erkläre. Viel Spaß!

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Mundschutz ist Eigennutz!

Sie gehen in diesen Tagen (noch) ohne Mundschutz durch die fast leergefegten Straßen der Innenstadt. Und jeder Fußgänger scheint seines Weges zu gehen. Manchmal streift jemand gefährlich nah an Ihnen vorbei, völlig achtlos.

Und nun setzten Sie mal einen Mundschutz auf und tun dasselbe, gehen also durch dieselben leergefegten Straßen der Innenstadt. Jeder geht da längst nicht mehr seines Weges. Niemand streicht achtlos an Ihnen vorbei. Denn jeder, der keinen Mundschutz trägt, überlegt sich schon von Weitem, wie er Ihnen begegnen soll. Die einen bleiben in sicherem Abstand plötzlich vor einem Schaufenster stehen, in dem nichts ausgestellt ist. Andere wechseln die Straßenseite oder machen zumindest einen großen Bogen um Sie.

Mundschutz? Geht doch! Nützt Ihnen wahrscheinlich mehr als anderen.

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Mitteilung aus der Kronen-Gruft 10

Hier ist meine absolute Buchempfehlung für dieses Frühjahr, eine kürzlich erfolgte Publikation von Kurzgeschichten von T. C. Boyle in deutscher Sprache bei Hanser, in denen Futuristisches, Skurriles, Umweltkritisches, Persönlich-Tragikomisches und Gesichtsmasken-Mundschutzthematisches versammelt ist. Eine kleine Übersicht über den Inhalt ist unter Reflexe und Reflexionen zu finden.

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