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Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 42: Leos Blick nach Impfung No 2

Leos Blick, er lauert nach den Pfauen? // Nach Frauen wär‘ ihm eher zuzutrauen…

Seh(n)sucht

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Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 41b: Hanns Zischler in #allesdichtmachen

Hanns Zischler liest einen Text von Dietrich Brüggemann vom Blatt und macht dabei eine kleine Pause und überlegt, ob er weitermachen soll.

Ich möchte mich hiermit ein letztes Mal zu dieser merk- aber keineswegs denkwürdigen Aktion #allesdichtmachen äußern. Der Auftritt von Hanns Zischler, einem durchaus renommierten Schauspieler, Verleger und Publizisten, fällt ein wenig aus der Reihe. Wenn ich das recht erinnere, ist er wohl der vermutlich älteste Schauspieler von allen, die an dieser Aktion teilgenommen haben. Als einziger liest er seinen Text vom Blatt, was in einem kurzen Moment gegen Ende seiner Performance deutlich zu sehen ist, da das Textblatt im Bild sichtbar wird. Man kann es aber auch hier aufgrund seiner Blickrichtung erkennen. Ich weiß nicht, ob dieses Alleinstellungsmerkmal auf sein Alter zurückzuführen ist (Sorry, Alter. Ich bin mindestens so alt wie Du und kenne mich da aus…) oder der Tatsache geschuldet, dass ihm dieses Video im Grunde so lästig oder überflüssig erscheint, dass er sich nicht die Mühe machte, seinen Text (wie dem Anschein nach alle anderen Schauspieler in dieser Serie) auswendig zu lernen.

Wie kommt nun so ein vornehmer älterer Herr in dieses Social-Media-Spektakel? Nun, Hanns Zischler war mit Prof. Diethelm Brüggemann befreundet, zumindest kannte er diesen und dessen Familie gut. Jener hat vor wenigen Jahren dessen autobiographischen Roman „Scherbenkrone“, der ausführlich in diesem Blog unter Reflexe und Reflexionen besprochen wird, in seinem Verlag veröffentlicht. Und es ist nun mehr als wahrscheinlich, dass Dietrich Brüggemann, der Regisseur der vermeintlich satirischen Kampagne und Sohn von Diethelm Brüggemann, sich an den Freund seines Vaters gewandt hat mit der Bitte, einen kleinen Beitrag zu leisten. Und dabei drückte er ihm vermutlich auch gleich seinen auf ihn zugeschnittenen Drehbuchtext in die Hand.

Und so sitzt Hanns Zischler ein wenig mürrisch auf seinem heimischen Sofa, versucht Haltung zu bewahren und liest einen Text vor, wobei er öfter auf das Blatt schielt statt in die Kamera zu schauen. Sein Thema ist „Distanz“. Distanz Halten wird in allen möglichen Variationen durchgespielt. Er hält Distanz zum Robert-Koch-Institut und zu den Querdenkern, zu anderen Menschen und zu sich selber. Sein Statement beginnt mit der „Vorrede“: „Ich distanziere mich von allem, was ich im Folgenden sagen werde.“ Und am Schluss distanziert er sich von den Videos, die seinem Auftritt noch folgen werden. Was er natürlich nicht tut, – siehe seine „Vorrede“! Ist das nun ein herrliches (haha) Spiel mit Widersprüchen und soll philosophisch oder poetisch klingen? Oder ist es billiger Klamauk? (Eine solche Ambivalenz ist auch in Ulrich Tukurs Videoclip zu spüren.)

Rechts oben auf dem Bildschirmfoto von Hanns Zischler ist eine persönliche Mitteilung an mich zu erkennen (wenn das Bild vergrößert wird durch einen Mausklick). Es ist die Mitteilung (Erinnerung) des saarländischen Impfzentrums, dass morgen mein 2. Impftermin ansteht. Ich wende mich nun wieder ernsten Dingen zu und beende meine Miniserie zu #allesdichtmachen.

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Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 41a: Kommunikative Transparenz? Nein Danke!

Wer steckt hinter #allesdichtmachen ?

  1. Die Kampagne #allesdichtmachen erweckte zunächst den Anschein, als ob sich 53 Schauspieler aus eigenem Antrieb an die Öffentlichkeit wendeten, um angesichts ihrer verzweifelten Lage auf sich aufmerksam zu machen.
  2. Das ist offensichtlich falsch, da die Aktion zentral nicht nur initiiert, sondern auch inhaltlich gesteuert wurde.
  3. Mehrere Schauspieler gaben im Nachhinein an, dass sie kontaktiert worden seien und ihnen eine Liste mit Texten vorgelegt wurden, aus denen sie eine Auswahl treffen sollten, wenn sie sich an der „Aktion“ beteiligen wollten.
  4. Was also zunächst als eine kollektive Protestaktion erschien, entpuppte sich als eine zentral gesteuerte Aktion, bei der die Akteure nicht Herr oder Frau Ihrer Statements waren. Die sie aber gemäß ihren schauspielerischen Veranlagungen in Szene setzten.
  5. Wem das weit hergeholt erscheint, der möge sich einmal alle 53 Videoclips anschauen. Die sind nämlich nach einem Muster gestrickt. Es geht gegen „die Regierung“, es geht dagegen, dass in übertriebener Weise Angst geschürt wird. Es geht gegen Masken. Es geht gegen Kontaktbeschränkungen. Es geht gegen alles, was in dieser Pandemie helfen kann, ihrer Herr zu werden.
  6. Ein Beispiel: „Ich lerne, Distanz bedeutet Nähe!“ sagt eine Schauspielerin. Sie macht sich also lustig über das Gebot, Distanz einzuhalten. Das heißt aber im Klartext: Wenn Distanz halten Blödsinn ist, dann setzt Euch doch über dieses Gebot hinweg!
  7. Das heißt aber im Klartext: Diese Schauspielerin fordert genau dasselbe, was auch die AfD oder die Qdenker sagen.
  8. Ein Schauspieler präsentiert sich in einem weißen Raum und räsonieret darüber, dass er in die „rechte Ecke“ gestellt werde durch die Medien. Er steht, während er dies sagt, auf der rechten Seite des Bildausschnitts und bewegt sich dann in die Mitte des Bildes, womit er sagen will: Alles eine Sache der Perspektive. Denn nun stehe er ja wieder in der Mitte. Dieser Clip nimmt den Shitstorm vorweg. Aber er widerlegt ihn nicht.
  9. Ulrich Tukur räsoniert in seinem Beitrag über den Tod, in rilkescher Attitüde. Wenn wir alle tot sind, hat das Virus keine Chance mehr! Das ist zwar wahr und soll wohl auch einen gewissen intellektuellen Reiz haben, ist aber trotzdem absolut lächerlich.
  10. Ein Münchener Corona-Verharmloser hat sich einen Berliner Filmemacher gesucht, der in sozialen Netzwerken durch coronakritische Äußerungen aufgefallen ist. Und der schrieb dann das Drehbuch für eine Aktion, aus der dann aber einen Tag später viele Teilnehmer wieder ausgestiegen sind, als sie merkten, dass sie instrumentalisiert worden sind.

Siehe auch dies hier.

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Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 41: #allesdichtmachen ist nicht ganz dicht…

Dietrich Brüggemann, mitverantwortlich für #alllesdichtmachen, hat eine Band gegründet: Theodor Shitstorm. Und nun hat er den Salat. Denn diese auch vom ihm organisierte Aktion #allesdichtmachen erlebt ja nun gerade einen gehörigen Shitstorm. Brüggemann hat sich dazu im Deuschlandfunk geäußert:

Dietrich Brüggemann fordert, dass man auch über Kollateralschäden reden müsse. Er habe sein ganzes Leben lang das gesagt und getan, was er für richtig halte. „Jetzt tue ich das weiterhin. Auf einmal kommt Applaus von der AfD und plötzlich sagen alle, du bist jetzt rechts. Wenn man damit nur noch den falschen Leuten in die Hände spielt, was ist das für ein Diskurs.“

Die Medien, erklärt Brüggemann, würden oft vorgefertigte Meinungen liefern, Journalisten wüssten schon vorher, was richtig und falsch sei. 

Die Debatte um Corona und die Maßnahmen will er erweitern. „All das muss man satirisch überhöhen, überspitzen und zum Abschuss freigeben.“

Dietrich Brüggemann sollte bei seiner Musik bleiben. Oder noch einen Tatort inszenieren. Aber er sollte sich mit politischen Kommentaren zurückhalten. Dass man falschen Leuten in die Hände spielt, ist ja wohl nicht ein Problem des „Diskurses“, sondern eine Frage dessen, was man sagt. Was soll eigentlich zum Abschuss freigegeben werden? Die Maskenpflicht? Die Abstandsregel? Die Vernunft? Schieß, Junge, schieß. Aber wundere Dich nicht, wenn andere Dich dann politisch verorten. Das ist ihr gutes Recht, wie das deiner Schießerei.

Richy Müller, der neben mehr als 50 Schauspielern einen Videoclip beigesteuert hat, sagt dazu im Nachhinein in einen Interview bei ntv:

Der Text, den Sie in Ihrem Video sprechen, stammt der von Ihnen?

Nein, es kamen allerlei Vorschläge und ich habe mir den Part mit den Tüten ausgesucht. Ich fand das zunächst witzig.

Richy benutzt eine Tüte zum Einatmen, die andere zum Ausatmen…

Da hat also offenbar ein Filmemacher, also Dietrich Brüggemann, sich ein paar Gags ausgedacht und verteilt die unter den Schauspielern, die dann ihren Text zu sprechen haben. Ganz die alte Schule etwa auch eines Alfred Hitchcock, der seinen Schauspielerinnen ganz klar sagte, wo es langgeht.

Jan-Josef Liefers war ja auch dabei und hat sich u.a. dazu so geäußert:

@JanJosefLiefers. Alles hat drei Seiten. Eine positive, eine negative und eine komische. Berlin, Germany.

Wer erinnert sich noch an den Antikriegsfilm „Catch-22“ aus dem Jahre 1970, an die Szene im Krankenhaus, wo einem total in Verbandszeug eingewickelten Soldaten auf der Intensivstation Infusionen als Nahrung gegeben wurden, die aus dem Beutel stammten, in dem die Ausscheidungen aufgefangen wurden? Ja, mein lieber Dietrich, mein lieber Richy und mein lieber Jan-Josef: Neben den Säcken fürs Einatmen (die eine Seite) und fürs Ausatmen (die zweite Seite) braucht’s noch einen komischen Sack, den ihr Euch zunächst an den Arsch haltet und dann Mahlzeit!

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Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 40: Es ist alles eitel

So lautet der Titel eines Sonetts von Andreas Gryphius, eines Dichters, der den 30-jährigen Krieg erlebt hat. Wir denken heute bei dem Wort „eitel“ zunächst an schön herausgeputzte Männer oder Frauen. Doch schauen wir doch einmal, was in dem Wort „vereiteln“ steckt. Das Wort bedeutet doch „etwas Schlimmes verhindern“, womöglich „den Tod verhindern“, also die Vergänglichkeit (für einen Moment) hinausschieben, also die Erzeugung der Illusion von einem Leben, das ewig sein könnte, – der Hinweis auf etwas, das dem allzeit gefährdeten Leben doch noch einen (ewigen) Sinn verleiht?

Der Gegenbegriff zu „eitel“ wäre dann nicht „uneingebildet“, sondern „unvergänglich“ oder „wesentlich“.

Womit wir wieder bei der Frage wären, ob dieser Hahnenkampf zwischen Armin Laschet und Markus Söder in der gegenwärtigen Situation nur der Eitelkeit geschuldet ist und mithin am Wesentlichen vorbeigeht.

Was sagt nun Andreas Gryphius?

Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden.
Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein,
Wo jetzund Städte stehen, wird eine Wiese sein,
Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden.

Was jetzund prächtig blüht, soll bald zertreten werden,
Was jetzt so pocht und trotzt, ist morgen Asch und Bein;
Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.
Jetzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.

Der hohen Taten Ruhm muß wie ein Traum vergehn.
Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch, bestehn?
Ach, was ist alles dies, was wir für köstlich achten,

Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind,
Als eine Wiesenblum, die man nicht wiederfind’t!
Noch will, was ewig ist, kein einig Mensch betrachten.

„Asch und Bein“: Das sind viele mittelständische Unternehmen und Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen.

„pocht und trotzt“: Amazon und Co.

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Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 39: Leselust

Jean Paul: Titan. In: Sämtliche Werke Band 3, München 1999

Ich empfehle Jean Pauls Roman ausdrücklich in diesen Zeiten der Pandemie, in denen man viel Zeit totschlagen muss. Mithin bereit ist, einmal Dinge zu tun, auf die man sonst nicht gekommen wäre. 

Wer kennt das nicht: Ein Bekannter erwähnt ein neues Buch oder bringt einen abseitigen Schriftsteller ins Gespräch. Und dann ist schon mal schnell eine Bestellung aufgegeben, und ein paar Tage später kommt ein kleines oder großes Bücherpaket ins Haus. Handelt es sich um ein einzelnes Buch, kann es durchaus leicht geschehen, dass man sich damit noch am gleichen Abend zurückzieht und – es liest. Ist es jedoch eine etwas umfangreichere Lieferung, kann es passieren, dass man unversehens eine Gesamtausgabe in Händen hält. Aber was macht man jetzt mit der?

Vor genau 20 Jahren stand ich vor genau dieser Frage, als ich eine Gesamtausgabe der Werke von Jean Paul auspackte. Ich hatte, obwohl Germanist, von diesem Autor noch kein Wort gelesen. Ich hatte natürlich gehört von „Siebenkäs“, einem gewissen „Hesperus“, auch „Titan“ war mir zwar kein Begriff, aber immerhin ein Wort, das mir irgendwie mit einem gewissen, dem Vernehmen nach etwas exzentrischen Jean Paul in Verbindung zu stehen schien. Was habe ich mit dieser Gesamtausgabe also gemacht? Nun, was man mit Büchern halt so macht, ich habe sie ins Regal gestellt, irgendwo am Rande, wo sie nicht störten. 

Und da habe ich sie nun nach 20 Jahren wieder entdeckt, als ich sinnend vor meinen Büchern stand und mir überlegte, ob ich nicht einmal neues Terrain erkunden sollte. Dieses Verhalten deutet übrigens auf eine gewisse akute Risikobereitschaft hin. In der Pandemie bin ich so sehr damit beschäftigt, jedes Risiko zu vermeiden, dass es mir schon recht langweilig wurde. Ich stand also vor meinen Büchern und sagte mir plötzlich: Jetzt will ich doch mal was riskieren! Und richtete sogleich meinen Blick auf die Reihe leinener Einbandrücken, deren oberstes Wort „Jean“ war. Diese (unbewusste) Zielgerichtetheit wurde indes sogleich gekontert durch einen absolut wahllosen Griff in die beige Farbe der gleichgeschalteten Bücherbände. Mein Mittelfinger (!) der linken Hand legte sich auf die obere Seite der engen Furchen der zusammengepressten Papierblätter eines beliebigen Bandes, ich zog meine Hand zurück und fing den wahllos erwählten Band mit Daumen und kleinem Finger derselben Hand auf, fasste das Buch dann mit meiner rechten Hand und hielt mir den Buchrücken in dem mir gemäßen Leseabstand vor die Augen. Ich las: 

Wie die Jungfrau zum Kinde, so bin ich auf den Titan gekommen. Vielleicht wollt Ihr noch wissen, was das mit Risikobereitschaft zu tun hat? Nun, wenn ich einmal ein Buch angefangen habe, dann lese ich es bis zum letzten Buchstaben. In der Nachkriegszeit sagte man uns, zu recht: „Brot wirft man nicht weg!“ Ich habe das verallgemeinert und verinnerlicht: „Bücher knabbert man nicht an, um sie dann wegzuwerfen!“ Habe ich ein Buch einmal begonnen, lese ich es bis zum manchmal bitteren Ende. An diesem Verhalten kann man den Unterschied zwischen Wahrscheinlichkeit und Hoffnung verdeutlichen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Buch, das schlecht anfängt, nach 50 Seiten doch noch besser wird, tendiert zu Null. Aber ich kann einfach die Hoffnung nicht aufgeben. Nehme ich also nicht nur ein Buch in die Hand, sondern öffne es auch noch und fange gar an, darin zu lesen, dann ziehe ich das auch durch, egal, was da noch kommen könnte. 

Risikobereitschaft? Ich wäre sogar bereit, das einen Nervenkitzel zu nennen. Also genau das, was wir gerade brauchen…

Skurril? Dann schaut Euch doch mal an, was ich dazu in Bezug auf mein Fernsehverhalten in Corona-Zeiten geschrieben habe.

Die Sache hat auch etwas damit zu tun, dass man sich selber treu bleibt. Darum bin ich auch für Laschet, diesen scheinbaren Looser. Der Söder würde jedes Buch, das ihm nach ein paar Sätzen nicht gefällt, in die Ecke feuern. Laschet würde lächeln und sagen: Na und, das ist halt so! Und weiterlesen.

Wollt Ihr jetzt wirklich noch was darüber erfahren, wie mir der „Titan“ gefallen hat? Verdammt schwere Lektüre, wenn man keine Ahnung von Fichtes Philosophie hat. Aber Gottseidank kenne ich mich da ein wenig aus… Aber selbst denjenigen, die nicht alles verstehen, aber einen Sinn für Poesie haben, empfehle ich, dieses Buch zu lesen, selbst wenn das dann so sein würde, als „lese“ man eine Partitur, ohne Noten lesen zu können.

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Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 38: SIDS

Das Sudden Infant Death Syndrome ist ja normalerweise ein Phänomen, das im Säuglingsalter passieren kann. Ganz plötzlich setzt der Atem aus und das Baby stirbt.

Hören wir noch einmal, wie die AfD tickt (atmet):

„Mehr Tests bedeuten natürlich eine höhere Inzidenz.“

Bravo! möchte man bis dahin sagen. Doch gleich danach setzt bei den Höckes und Gauländern die Sauerstoffzufuhr aus, und sie kommen zu Schlussfolgerungen, die auch mir den Atem nehmen.

Aber dazu hatte ich ja schon etwas gesagt. Heute soll es eher um eine Erfahrung gehen, die ich mit mir selber mache. Hockt man nach den Nachrichten und Talkshows noch auf dem Sofa und überlegt sich, jetzt noch einen Film anzuschauen, könnte man ja im aktuellen Programm suchen oder aber in den Mediatheken. Und ich stelle fest, dass ich immer wieder einen vielleicht mäßigen Film aus den live ausgestrahlten Programmen auswähle und nicht einen von den „besten Filmen“ aus der Mediathek.

Denn jene Filme schmecken einfach frischer… Nicht so nach Konservenbüchse…

Der Lockdown macht mich nicht psychisch krank. Nur ein bisschen skurril. Damit kann ich leben.

Der Kater koset die Konserve,
ich liebe live, und ja: mit Verve.

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Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 37: Wer hätte das gedacht!

Bernd Höcke verkündet heute auf dem AfD-Parteitag:

Erst die Tests haben die Pandemie hervorgebracht!

Kein Scheiß. Das hat er wirklich sinngemäß gesagt.

Wir fordern: Mehr Intelligenztests!

Und es gäbe vielleicht eine Chance, dass die AfD sagen würde: Leute, testet, was das Zeug hält, und lasst Euch impfen!

Ach, hätte Herr Höcke doch Recht. Ich kann mir viele Tests ausdenken, die das Leben angenehmer machen würden. Z.B. unter der Frage: Welches Potential haben Sie, sehr, sehr reich zu werden? Wer diesen Test macht, hat einen Lottogewinn. Wir alle könnten diesen Test doch machen! Aber hier fällt mir der rheinische Singsang ein: „Wer soll das bezahlen…?“ Was aber nur zeigt, dass vielleicht einige Tests nicht richtig funktionieren. Andere würden indes unbegrenzt anwendbar sein, z.B. Pflaster, die testen, ob man Hühneraugen hat. Aber halt, hier liegt ein Denkfehler vor. Denn wer könnte schon Hühneraugentestpflaster wollen? Am Ende hätten wir alle Hühneraugen!

Bilder von Hühneraugen zeigen meist zwei, da der Mensch halt von Natur zwei Augen hat…

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Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 36: Nachdenke

Seit Tagen, ja seit Wochen warnen Virologen davor, angesichts dieser sog. dritten Welle und des aggressiven Mutanten B1.1.7. den Lockdown zu lockern und fordern sogar eine drastische Verschärfung. Vor den Ostertagen sagte der Ministerpräsident von NRW, CDU-Parteivorsitzender und möglicher Kanzler-Kandidat, er werde die Ostertage nutzen, um einmal über die Situation nachzudenken. Er hat dafür offenbar auf Twitter viel Spott erfahren. Seit heute, Osterdienstag, wissen wir nun, dass bei dieser Nachdenke auch tatsächlich etwas herausgekommen ist, nämlich eine Wortschöpfung (nicht zu verwechseln mit einer Wertschöpfung!). Armin Laschet hat verkündet, sozusagen als Aprés-Oster-Message: Was Deutschland braucht, ist ein Brückenlockdown. Man hört in den Nachrichten, dass er damit wieder etwas näher an Merkel und den ihr treuesten Ministerpräsidenten Markus Söder herangerückt ist. Übrigens hört man auch, die Kanzlerkandidatenfrage sollte bei den Unionsparteien nicht ohne eine Rückversicherung bei Angela Merkel entschieden werden. Die Röcke der Angela sind offenbar sehr weit. Wer also wird den neuen Oskar Matzerath zeugen, der uns in das Post-Corona-Zeitalter führen wird? Neue Trommeln braucht das Land!

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Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 35: Mutmache

Jean Paul hat in seinem Roman Titan Geschehenszusammenhänge dargestellt, die in ihrer Detailversessenheit und ausufernden Metaphorik kaum zu überbieten sind. Dreimal habe ich dieses Buch in die Hand genommen, zweimal wieder ins Regal gestellt. Beim dritten Anlauf hat etwas Bum gemacht. Irgendwann zwischen Seiten 750 und 800, kurz nachdem Albano, der glänzende Held der Veranstaltung, dahinter kommt, dass sein Freund seine (Albanos) Verlobte eines Nachts dadurch verführen konnte, dass er ihre Nachtblindheit ausnutzte und ganz auf seine Stimme setzte, die der des Freundes sehr ähnlich war, hat es auch bei ihm Bum gemacht. Das liest sich bei Jean Paul so:

Als er so über sich und die stille dunkle Wüste seines Lebens hinsah: so war ihm auf einmal, als würde sein Leben pötzlich erleuchtet und ein Sonnenblick fiele auf den ganzen Wasserspiegel der verflossenen dunklen Zeit; es sprach zu ihm:

Wie wird das bei uns in einem Jahr vielleicht aussehen? Wir schauen zurück auf eine dunkle Zeit. Und wir würden uns doch auch wünschen, dass es uns so ähnlich geschieht wie dem Albano bei Jean Paul: Wir schauen zurück auf all diese Lockdowns und Entbehrungen , und es wäre doch zu schön, wenn wir das alles hinwegfegen könnten mit einem positiven Gedanken, der sich auf die Zukunft richtet und uns neue Kraft verleiht.

Was ist denn da gewesen? Menschen – Träume – blaue Tage – schwarze Nächte – ohne mich hergeflogen, ohne mich fortgeflogen, wie fliegender Sommer, den die Menschenhand weder spinnen noch befestigen kann.

Alles, was da hinter uns liegt, hat eigentlich nie in unserer Hand gelegen. Sicher, wir haben uns „angestrengt“. Aber alles hätte ganz, ganz schief laufen können. Wir bestimmen nicht unser Schicksal, das Schicksal bestimmt uns.

Was ist dageblieben? Ein weites Weh über das ganze Herz – aber das Herz auch – Es ist freilich leer, aber fest – unzerrüttet – heiß – Die Geliebten sind verloren, nicht die Liebe, die Blüten sind herunter, nicht die Zweige – Ich will ja noch, wünsche noch, die Vergangenheit hat mir die Zukunft nicht gestohlen – Noch hab‘ ich die Arme zum Umfassen, und die Hand, um sie ans Schwert zu legen, und das Auge zum Schauen der Welt – –

Angesichts der vielen Verlusterlebnisse weist der Erzähler des Titan darauf hin, dass wir bei allen Verlusten UNS ja nicht verloren haben, mit all den wesentlichen Eigenschaften, die uns als Menschen auszeichnen. Packen wir’s an!

Aber was untergegangen ist, wird wieder kommen und wieder fliehen, und nur das wird dir treu bleiben, was verlassen wird – du allein. –

Jean Paul ist an Schopenhauer geschulter Dialektiker. Alles kommt und vergeht, du kannst von allem verlassen werden. Aber eines bleibt: Du! – Dieser Gedanke wird im Folgenden (übernächsten Abschnitt) noch etwas genauer ausgeführt.

Freiheit ist die frohe Ewigkeit, Unglück für den Sklaven ist Feuersbrunst im Kerker – –

Diesen Satz verstehe ich, ehrlich gesagt, noch nicht. Kann mir ja jemand helfen?

Nein, ich will sein, nicht haben.

Genau, das sagt auch Schopenhauer in seiner Ethik. Alles, was wir haben, können wir verlieren. Aber was wir sind, nicht. – Der nächste und von mir als letzter zitierte Absatz klingt zunächst für heutige Ohren etwas (zu) romantisch. Aber seht, wie man ihn verstehen kann!

Wie, kannn der heilige Sturm der Töne nur ein Stäubchen rücken, indes die roh‘ bewegte Luft Aschenberge versetzt? Nur wo gleiche Töne und Saiten und Herzen wohnen,, da bewegen sie sanft und ungesehen. So klinge nur fort, frommes Saitenspiel des Herzens, aber wolle nichts ändern an der rohen, schweren Welt, die nur den Winden gehört und gehorcht, nicht den Tönen.

Für die Töne hat der Mensch ein Organ, für den Wind jedoch zumindest kein spezifisches. Denn der Ton gehört dem Menschen allein, der Wind steht für die bedrohliche Natur. Ein Ton bewegt im Bild, das Jean Paul benutzt, allenfalls ein Stäubchen, der Wind kann aber „Berge“ versetzen. Aber: Der Mensch besitzt offenbar eine Fähigkeit, die Dinge „im großen Stile“ zu bewegen, in der Kraft so, wie der Wind, aber unvergleichlich subtiler. Und diese Fähigkeit kommt zum Tragen, wenn sich die Töne verbinden, wenn die Menschen sich vereinigen. Aber dieser gemeinsame Klang kann nichts am Naturspiel verändern oder bewegen, kann allenfalls etwas beim Menschen bewegen. In unserer heutigen Sprache würde ich das so formulieren: Menschliche Solidarität macht das Leben auf der Erde erträglich, selbst wenn es von Zeit zu Zeit einmal sehr kritisch werden kann. Die Gesetze der (rohen) Welt kann der Mensch nicht ändern, aber er hat eine Chance, sich in dieser Welt menschlich einzurichten.

Wie sagte Tegtmeier? „Immer Mensch bleiben!“

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