Archiv der Kategorie: Kronen-Gruft

Mitteilung aus der Kronen-Gruft 13: Immanuell Kant

Dalwhinnie – Winter’s Gold. Das ist mein Lieblings Single Malt in dieser trockenen Zeit, in der Husten verboten und Hände Waschen geboten ist. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Oder doch? Ich habe mit Vergnügen Axel Milberg in einem Podcast der Süddeutschen Zeitung verfolgt, der fast täglich aus Werken der Weltliteratur vorlas. Heute hat er seine letzte Lesung gehalten. Aber das Leben muss ja weitergehen. Also lese ich nun etwas aus den Werken Leo Läufers, nicht als Podcast, sondern mit Hilfe von Photo Booth, und beginne mit einer Homage an Immanuel Kant, indem ich in wenigen Versen seine Philosophie erkläre. Viel Spaß!

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Mundschutz ist Eigennutz!

Sie gehen in diesen Tagen (noch) ohne Mundschutz durch die fast leergefegten Straßen der Innenstadt. Und jeder Fußgänger scheint seines Weges zu gehen. Manchmal streift jemand gefährlich nah an Ihnen vorbei, völlig achtlos.

Und nun setzten Sie mal einen Mundschutz auf und tun dasselbe, gehen also durch dieselben leergefegten Straßen der Innenstadt. Jeder geht da längst nicht mehr seines Weges. Niemand streicht achtlos an Ihnen vorbei. Denn jeder, der keinen Mundschutz trägt, überlegt sich schon von Weitem, wie er Ihnen begegnen soll. Die einen bleiben in sicherem Abstand plötzlich vor einem Schaufenster stehen, in dem nichts ausgestellt ist. Andere wechseln die Straßenseite oder machen zumindest einen großen Bogen um Sie.

Mundschutz? Geht doch! Nützt Ihnen wahrscheinlich mehr als anderen.

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Mitteilung aus der Kronen-Gruft 10

Hier ist meine absolute Buchempfehlung für dieses Frühjahr, eine kürzlich erfolgte Publikation von Kurzgeschichten von T. C. Boyle in deutscher Sprache bei Hanser, in denen Futuristisches, Skurriles, Umweltkritisches, Persönlich-Tragikomisches und Gesichtsmasken-Mundschutzthematisches versammelt ist. Eine kleine Übersicht über den Inhalt ist unter Reflexe und Reflexionen zu finden.

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Mitteilung aus der Kronen-Gruft 9


Melancholie

Die Zeit wird mir
so lang, so lang, so lang
wird mir die Zeit.

Ums Herz wird mir
so bang, so bang, so bang
wird mir ums Herz.

Der Geist ist mir
so leer, so leer, so leer
ist mir der Geist.

Das Leben ist
so schwer, so schwer, so schwer
ist mir das Leben.

Doch jedem Ende
wohnt ein Anfang inne?
Ich hab‘ dem Märchen nie geglaubt,
wenn ich mich recht besinne.

Leo Läufer im April 2020

PS: Der andere Hermann möge mir meine Anspielung verzeihen…

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Mitteilung aus der Kronen-Gruft 8

 

Die letzten drei oder vier Beiträge auf dieser Seite haben dem Anschein nach nichts mit meiner Kronen-Gruft zu tun. Und doch sind sie festerer Bestandteil dieser Rubrik als manches Andere. Halfen sie mir doch, die Zeit totzuschlagen, und verband ich doch die Hoffnung damit, auch einigen anderen bei diesem gegenwärtigen Massensport Hilfestellung zu leisten. Die drei Gedichte von Rilke passten zu Ostern wie die Faust aufs Auge. Inzwischen lese ich Gedichte von Karl Immermann. Der ist zwar außerhalb von Düsseldorf nicht halb so bekannt wie Rilke, aber dafür schreibt er Gedichte, bei denen man nicht den Eindruck hat, man müsste seine Hand ins Weihwasserbecken tauchen, bevor man sie liest.

In den USA sind inzwischen mehr als 500.000 Menschen infiziert. In Europa ist ja vor allem Italien stark betroffen. Vor dem Hintergrund dieser Katastrophe habe ich natürlich Rilkes Gedicht VOR-OSTERN rezipiert und mir vorgestellt, wie still es in diesen Tagen nicht nur in Städten wie Neapel ist im Gegensatz zu der Stadt, die Rilke zu beschreiben sucht. Wir können nur hoffen, dass wir wieder bald Gelegenheit haben, unsere Städte wieder so zu erleben, wie Rilke Neapel beschreibt.

Mein Kopfschmuck in diesem Beitrag besteht aus einer Ananas-Schale/-haut, an einer Stelle aufgeschnitten und dann vorsichtig vom Fruchtfleisch getrennt, dann an den Enden durchlöchert, ein Gummiring durchgezogen, der mit zwei Zahnstochern arretiert wurde, so hat’s gepasst. Und danach erfolgte die Selbstkrönung, wofür es ja durchaus historische Beispiele gibt.

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Mitteilung aus der Kronen-Gruft 7

Was Kollegen so ins Netz stellen, um Nähe in Zeiten der allgemeinen Distanzierung zu simulieren: Tänzer tanzen, Musiker musizieren, Maler malen uns was vor.

Leo Läufer hat, offensichtlich unterstützt von einem guten Brandy, „The Raven“ von Edgar Allan Poe rezitiert, zunächst zu seinem ganz privaten Vergnügen. Nun soll das Private auch hier politisch, also vergesellschaftet werden. Viel Spaß.

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Mitteilung aus der Kronen-Gruft 6

Gute Nachrichten!

Hans-Christian schrieb am 26. März

Das Virus treibt es mit uns arg
und macht uns Angst und bange.
Die einen liegen bald im Sarg,
die andern leben lange.

Leo Läufer hat die gute Nachricht:

Und liegen wir auch bald im Sarg,
so ist mir doch nicht bange.
Denn in dem Sarg, there in the Dark,
gibt’s Brandy, zeitlos, lange!

Hat man jedenfalls bei FOX NEWS behauptet…


Corner-Wuz is lurking…

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Mitteilung aus der Kronen-Gruft 5

Entwurf für einen dystopischen Roman:

Wir sind im Jahr 2025. Die Hoffnung darauf, die Corona-Krise zu überwinden, schwindet. Die Krankheit wird zwar überall bekämpft, aber sie kommt in Schüben in der ganzen Welt immer wieder. Inzwischen sind einige der Staatsführer, die bei ihrem Ausbruch 2019 an der Macht waren, entweder abgewählt oder am Virus gestorben . Es sind jetzt wesentlich Jüngere an der Macht als seinerzeit Trump, Xi Jinping oder auch Netanjahu. Man diskutiert nun eine völlig neue Strategie (die allerdings in England und den Niederlanden 2020 schon einmal kurz zumindest angedacht worden ist): Herdenimmunisierung auf Kosten der alten Menschen. Das hätte den wünschbaren Nebeneffekt, dass die Renten weltweit wieder bezahlbar würden. Statt 90 Jahre würden die meisten Menschen nun lediglich 70 Jahre. Bei anhaltender Klimakatastrophe ließe sich dieses Alter noch weiter reduzieren, um den jüngeren Menschen das Überleben zu ermöglichen.

Was man sich 2019 angesichts der drohenden Klimakatastrophe noch gar nicht ausdenken wollte, kann nun mit einer relativ hohen Akzeptanz angedacht werden, und diese Akzeptanz ist eine Folge der Erfahrungen mit dem Virus. Das Virus hat also etwas Gutes: Er hat den Weg frei gemacht für das Überleben einer nicht mehr überalterten menschlichen Gemeinschaft. – Damit das gelingen kann, werden u.U. pharmazeutische oder psychologische Instrumente eingesetzt werden, die ab einem bestimmten Alter die Menschen in die Melancholie und damit quasi in die Suizidbereitschaft lenken. Das ließe sich gegebenenfalls teilweise über Apps lenken, die verbindlich in allen Handys – vor allem in die von Menschen deutlich über 50 – einzubauen wären.

Solche Gedanken sind in dieser Form natürlich neu, weil es genau eine solche geschichtliche Situation bisher nicht gegeben hat. Aber denken wir doch bloß einmal an den alten Eskimo, der still in der Eiswüste verschwindet, wenn im Iglu nicht mehr genügend Platz ist. Oder an philosophische Betrachtungen zu Melancholie und Suizid, von denen Hartwin Brand in seinem 2010 bei Beck erschienenen Buch „Am Ende des Lebens. Alter, Tod und Suizid in der Antike“ berichtet:

Konsequenterweise hat sich auch die kaiserzeitliche Medizinliteratur dieses Themas angenommen. Aus dem frühen 2. Jahrhundert n. Chr. stammt eine (leider weitgehend verlorene und nur aus Fragmenten und Testimonien teilweise rekonstruierbare) Abhandlung „Über die Melancholie“ von Rufus von Ephesos, der als gelehrtester und angesehenster Arzt der trajanischen Zeit und als bedeutendster kaiserzeitlicher Mediziner vor dem Pergamener Galen gilt. In dieser Schrift erörtert Rufus unter anderem den Zusammenhang von Lebensalter, Melancholieneigung und Suizidgefährdung und stellt fest, daß die Melancholie im Greisenalter am häufigsten auftritt. „Ja, sie wird geradezu als ein ‚notwendiges und unabtrennbares Akzidens des Greisenalters‘ betrachtet, weil die Greise ohnehin wenig Freuden und Hoffnungen haben, mißmutig sind und an vielen Magenblähungen leiden.“ Gefräßigkeit, Trunksucht und Suizidneigung seien Indizien für Melancholie, und diese Symptomatik besitzt prinzipiell auch heute noch ihre Gültigkeit.

Magenblähungen, Gefräßigkeit und Trunksucht sind durchaus vorhanden. Einer Suizidneigung ließe sich mit Hilfe virtueller Technologien leicht nachhelfen, und schon haben wir eine melancholische Altersgemeinde, die sich schweren Herzens (melancholisch), aber voller Einsicht (als immer noch aufgeklärte) von der Young New World verabschiedet.

Und weiter geht der Tanz auf dem Vulkan. Als beeindruckende Schlussszene böte sich hier ein Rockkonzert auf dem Felsen der Loreley an. Und aus den tiefen des Rheines ertönt der Chor der Alten: Ich weiß nicht, was soll es bedeuten…

 

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Mitteilung aus der Kronen-Gruft 4

Über die neue Bedeutung des Internet

Kann es sein, dass eine Gemeinschaft durch Vereinzelung enger zusammenwächst? Ich habe mir angesichts der herrschenden Lage darüber Gedanken gemacht. Und nahm mir heute in der Süddeutschen Zeitung einen Artikel vor, weil ich im Vorspann las, man müsse den „Gesellschaftsvertrag“ nach Lage der Dinge neu denken.

Der Begriff „Gesellschaftsvertrag“ ist vor allem durch Jean-Jacques Rouseau in die philosophische und politische Diskussion gelangt und enthält die zentrale Forderung, das Handeln des Staates solle sich am „Gemeinwillen“ orientieren. Was aber ist der Gemeinwille in Zeiten von Corona?

Eva Illouz‘s Artikel enthält eine ganze Reihe interessanter Betrachtungen. Ich zitiere hier lediglich einen besonders anschaulichen Abschnitt:

Ich habe mich nun seit Wochen zu Hause verbarrikadiert, und die Liebe, mit der meine Kinder mich überschütten, besteht darin, dass sie mich alleine lassen. Diese Solidarität zerlegt den Gesellschaftskörper in kleinstmögliche Einheiten, was es schwierig macht, sich zu organisieren, zu kommunizieren, über die endlosen Witze und Videos hinaus, die in sozialen Netzwerken geteilt werden. Die Geselligkeit ist jetzt stellvertretenden Charakters und diese Krankheit, bei der wir alle Kategorien der Intimität und Zuwendung revidieren mussten, war ein Festtag der virtuellen Technologie. Ich habe keinen Zweifel, dass die fernen Verbindungen in der Welt nach Corona ein Eigenleben annehmen werden, jetzt, wo wir gezwungenermaßen ihr Potenzial entdeckt haben.

 

Aber bemerkt Ihr auch den Widerspruch in ihrer Argumentation, oder soll ich sagen: den scheinbaren Widerspruch?

Übrigens war das Bild natürlich nicht in dem Artikel von Eva Illouz enthalten, sondern wurde mir – wo sonst – in einer WhatsApp-Gruppe übermittelt, in der jeder so sein Süppchen kocht…

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Mitteilung aus der Kronen-Gruft 3

Nun hat sich auch die Volksmusik eingemischt in unsere Coronavirus-Community.

http://www.facebook.com/story.php?story_fbid=10158066010114941&id=515069940&scmts=scwspsdd&extid=v1TkHe74p7WucOLC

Die junge Frau hat eine sympathische Stimme. Aber warum singt sie dauernd „Halleluja“?

Ist sie von sich berauscht, oder hat sie wirklich Angst vor dem Virus?

Wir erleben in diesen Tagen oft, dass Leute in Bezug auf Coronavirus witzig sein wollen. Ich glaube, dass uns allen das Lachen sehr bald vergehen wird.

 

Halleluja!

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