Monatsarchiv: April 2020

Mundschutz ist Eigennutz!

Sie gehen in diesen Tagen (noch) ohne Mundschutz durch die fast leergefegten Straßen der Innenstadt. Und jeder Fußgänger scheint seines Weges zu gehen. Manchmal streift jemand gefährlich nah an Ihnen vorbei, völlig achtlos.

Und nun setzten Sie mal einen Mundschutz auf und tun dasselbe, gehen also durch dieselben leergefegten Straßen der Innenstadt. Jeder geht da längst nicht mehr seines Weges. Niemand streicht achtlos an Ihnen vorbei. Denn jeder, der keinen Mundschutz trägt, überlegt sich schon von Weitem, wie er Ihnen begegnen soll. Die einen bleiben in sicherem Abstand plötzlich vor einem Schaufenster stehen, in dem nichts ausgestellt ist. Andere wechseln die Straßenseite oder machen zumindest einen großen Bogen um Sie.

Mundschutz? Geht doch! Nützt Ihnen wahrscheinlich mehr als anderen.

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Der Virologische Imperativ

Vor ein paar Tagen hat jemand in einer Sendung zur Corona-Krise den Begriff „Virologischer Imperativ“ verwendet, um damit auszudrücken, was nun nottut.

Der Begriff „Kategorischer Imperativ“ ist zentraler Bestandteil der Ethik Immanuel Kants, der besagt:

„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

Manche Leute sagen auch, die etwas bekanntere Version dieses Gebotes lautet:

Was du nicht willst, dass man es dir tut, das füg auch keinem anderen zu!

Offenbar hatte der oben zitierte Interviewpartner (leider kann ich mich nicht entsinnen, wer das war) den Kantischen Imperativ im Hinterkopf, als er von einem virologischen Imperativ sprach, der offenbar in etwa so lauten könnte:

Halte so viel Abstand zu anderen Menschen, wie Du von demjenigen erwarten würdest, von dem Du annehmen kannst, er sei mit dem Corona-Virus infiziert.

Und solange es keinen wirksamen Impfstoff gegen das Virus gibt, also nach Schätzungen noch etwa 1 1/2 Jahre, sollte dieser Virologische Imperativ gelten.

So einfach ist das. Und so schrecklich.

Und so einfach ist auch die folgende Überlegung: Wenn sich alle Menschen überall an dieses Gebot halten würden oder müssten, würde unsere Gesellschaft sehr bald an einer kompletten Auszehrung leiden und kaputt gehen.

Was tun? (Fragte schon Lenin…)

Dieses Gebot müsste für systemrelevante Bereiche oder Ereignisse gelockert oder modifiziert werden. Eine Geburtstagsparty würde wohl eher nicht dazu gehören, Geschäfte und Produktionsstätten schon. Ohne die Öffnung der letzteren könnten ja erstere gar nicht stattfinden (man braucht ja Tischdecken, Getränke, Geschenke, etc.), aber ohne solche Feiern könnte ja durchaus produziert und verkauft werden.

Noch einmal: So einfach ist das. Ist das nicht schrecklich?

Worum es eigentlich geht: „Nur“ um Schadensbegrenzung, Risikominimierung und- darum, dass möglichst viele Menschen gesund bleiben.

Womit wir allerdings bei einem utilitaristischen Standpunkt wären (siehe z.B. Jeremy Bentham), ethisch gesehen. Aber die Frage kann doch nicht sein: Kant oder Bentham? Sollen die beiden sich doch vertragen und auch mal Abstriche machen. Müssen wir jetzt doch alle.

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Mitteilung aus der Kronen-Gruft 11

Völker aller Länder bewaffnet euch!

Trump hatte sich am Freitag solidarisch gezeigt mit den Demonstranten. „Befreit Minnesota!“ und „Befreit Michigan!“, schrieb er im Kurzbotschaftendienst Twitter, gefolgt vom Aufruf: „Befreit Virginia, und rettet euren großartigen zweiten Verfassungszusatz. Er steht unter Belagerung!“ Der zweite Zusatz zur US-Verfassung garantiert das Recht auf Waffentragen.

Glückliches Amerika! Ich kann nicht einmal einen Waffenschein beantragen, geschweige denn mir eine Waffe besorgen, wenn ich morgen zum Frisör gehen will…  Diese Scheißfrisöre machen zu, wenn diese Scheißregierung das verlangt. Ich glaube, ich wandere aus! Ins glückliche Amerika.

gez.

ein unglücklicher Trumpist in Old Germany

 

 

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Mitteilung aus der Kronen-Gruft 10

Hier ist meine absolute Buchempfehlung für dieses Frühjahr, eine kürzlich erfolgte Publikation von Kurzgeschichten von T. C. Boyle in deutscher Sprache bei Hanser, in denen Futuristisches, Skurriles, Umweltkritisches, Persönlich-Tragikomisches und Gesichtsmasken-Mundschutzthematisches versammelt ist. Eine kleine Übersicht über den Inhalt ist unter Reflexe und Reflexionen zu finden.

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Serious Sweet

A. L. Kennedy: Serious Sweet. London 2016

Die aus Schottland stammende britische Schriftstellerin Alison Louise Kennedy lernte ich erst kürzlich kennen durch ihre sehr kritischen und sehr ironischen Beiträge in der Süddeutschen Zeitung, wo sie in lockerer Folge die unfasslichen Umstände des englischen Brexits kommentierte….

Ihr Buch Serious Sweet, das ich daraufhin mehr oder weniger zufällig in die Hand bekam (und las), ist ein durch und durch politisches Buch, das uns mit gekonntem Sarkasmus durch die Höhen und Tiefen der gegenwärtigen Londoner Gesellschaft führt…

Bitte weiterlesen unter Reflexe und Reflexionen.

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Mitteilung aus der Kronen-Gruft 9


Melancholie

Die Zeit wird mir
so lang, so lang, so lang
wird mir die Zeit.

Ums Herz wird mir
so bang, so bang, so bang
wird mir ums Herz.

Der Geist ist mir
so leer, so leer, so leer
ist mir der Geist.

Das Leben ist
so schwer, so schwer, so schwer
ist mir das Leben.

Doch jedem Ende
wohnt ein Anfang inne?
Ich hab‘ dem Märchen nie geglaubt,
wenn ich mich recht besinne.

Leo Läufer im April 2020

PS: Der andere Hermann möge mir meine Anspielung verzeihen…

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Mitteilung aus der Kronen-Gruft 8

 

Die letzten drei oder vier Beiträge auf dieser Seite haben dem Anschein nach nichts mit meiner Kronen-Gruft zu tun. Und doch sind sie festerer Bestandteil dieser Rubrik als manches Andere. Halfen sie mir doch, die Zeit totzuschlagen, und verband ich doch die Hoffnung damit, auch einigen anderen bei diesem gegenwärtigen Massensport Hilfestellung zu leisten. Die drei Gedichte von Rilke passten zu Ostern wie die Faust aufs Auge. Inzwischen lese ich Gedichte von Karl Immermann. Der ist zwar außerhalb von Düsseldorf nicht halb so bekannt wie Rilke, aber dafür schreibt er Gedichte, bei denen man nicht den Eindruck hat, man müsste seine Hand ins Weihwasserbecken tauchen, bevor man sie liest.

In den USA sind inzwischen mehr als 500.000 Menschen infiziert. In Europa ist ja vor allem Italien stark betroffen. Vor dem Hintergrund dieser Katastrophe habe ich natürlich Rilkes Gedicht VOR-OSTERN rezipiert und mir vorgestellt, wie still es in diesen Tagen nicht nur in Städten wie Neapel ist im Gegensatz zu der Stadt, die Rilke zu beschreiben sucht. Wir können nur hoffen, dass wir wieder bald Gelegenheit haben, unsere Städte wieder so zu erleben, wie Rilke Neapel beschreibt.

Mein Kopfschmuck in diesem Beitrag besteht aus einer Ananas-Schale/-haut, an einer Stelle aufgeschnitten und dann vorsichtig vom Fruchtfleisch getrennt, dann an den Enden durchlöchert, ein Gummiring durchgezogen, der mit zwei Zahnstochern arretiert wurde, so hat’s gepasst. Und danach erfolgte die Selbstkrönung, wofür es ja durchaus historische Beispiele gibt.

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