Monatsarchiv: Dezember 2015

APHRODISIAKUM

Der etwas andere Jahresrückblick…

Manch einer wählt 

eine künstliche Lebensform,

um

dem wirklichen Leben

zu entkommen,

das ihn umbringen würde.

Aphrodisiaka:

Ein Leben im Süden.

Eine schöne Frau.

Drogen.

Eine Stellung in gehobener Position.

Die Freude an Enkelkindern.

Ein schönes Buch.

Aber: Rettung/Erlösung ausgeschlossen.

Am Ende bist du dran:

 

Ganz nackt

und ganz allein.

So wie der volle Mond,

der mir ins Zimmer schein—T.

Mond

Ein T zuletzt klingt wie ein Todeshauch. Das soll es auch.

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Magischer Moment

Das war ein magischer Moment.

Du greifst in deine Gesäßtasche, um die Geldbörse rauszuziehen und – greifst ins Nichts. Die Tasche ist groß, die Tasche besteht aus einem feinen Stoff (das nimmst du wirklich wahr in diesem Augenblick), die Tasche hat sogar einen Knopfverschluss. Aber sie ist leer.

Du beginnst mit deiner Hand in der leeren Tasche rumzuwühlen, als ob die Geldbörse sich in irgendeiner Falte versteckt halten könnte., du verharrst in der Bewegung und denkst – NICHTS! Dir wird nämlich klar, dass du deine Geldbörse entweder verloren hast oder dass sie dir geklaut wurde. Aber dann spielst du die Möglichkeiten durch:

Ich habe sie vielleicht gar nicht eingesteckt, als ich von zu Hause aufbrach.

Das kann indes nicht sein, denn du hast doch, bevor du in die U-Bahn eingestiegen bist, am Büdchen noch Leergut abgegebn und die für das Pfand erhaltenen Münzen in deine Geldbörse gesteckt.

Vielleicht habe ich die Geldbörse an einem ungewöhnlichen Ort verstaut. Verdammt, ich scheine noch einen leichten Kater zu haben. Vielleicht ist sie irgendwo in meiner Jacke.

Du beginnst also sämtliche Taschen durchzuwühlen und findest – NICHTS.

Habe ich die Geldbörse vielleicht meiner Freundin, die mich begleitet, gegeben?

Ich schaue zu ihr rüber, und sie schaut mich an, und ihr Blick bedeutet – NICHTS.

Auf der Polizeiwache helfen sie dir zuerst, deine Kredit- und EC-Karten zu sperren. Dann machen sie ein Protokoll und schlagen dir vor, den Vorgang als Diebstahl zu melden und nicht als Verlust. Das erscheint mir im Nachhinein als sehr menschenfreundlich und -kundig. Denn es soll mir offenbar helfen, ÜBER DEN VERLUST HINWEGZUKOMMEN.

Beim Wort „Diebstahl“ denke ich vielleicht an schöne Filme wie „Über den Dächern von Nizza“. Beim Wort „Verlust“ dagegen scheint es eher um Leben und Tod zu gehe, beklagt man doch z.B. den Verlust von vielen Menschen, Toten, Verletzten.

Ich unterschreibe in der Polizeiwache auf der Heinrich-Heine-Allee in Düsseldorf (Altstadt-Wache) eine Strafanzeige gegen Unbekannt und verlasse ein wenig getröstet das Revier (und den lieben Polizeimeister Mathias) mit dem Gefühl, mich mit allen rechtsstaatlichen Mitteln gegen den Angriff auf meine monetäre Unversehrtheit zur Wehr gesetzt zu haben. Wir mögen zwar den vielen kleinen Taschendieben, die sich zur Weihnachtszeit auf Weihnachtsmärkten und in voll gestopften U-Bahnen herumtreiben, ausgeliefert sein. Aber so eine vierseitige Strafanzeige, für die man eine Stunde bei der Polizei eingesessen hat, die schwungvoll unterzeichnet wurde, stellt den vormals gefühlten Wehrzustand wieder her.

Aber komisch, trotzdem schwört man sich, mit leicht zusammengepressten Lippen:

DAS WIRD DIR NICHT NOCH EINMAL PASSIEREN!

Ich sitze inzwischen am Weihnachtsabend zu Hause auf dem Sofa und schaue mir circa sieben Stunden lang nonstop „Little Dorrit“ von Charles Dickens an (alle acht Folgen der Staffel). Meine beiden Kater, Adonis und Aladin, haben sich längst zur Ruhe begeben. Aber für ein Selfie sind sie immer gut!

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INTERMEZZO

Verwitschtes Doppel oder Alles vom Selbst

BEDUINEN SELFIE

BEDUINE

Berechtigte Frage: Wieso hat der in seinem Zelt einen Badeheizkörper?

GELATINEN DELPHI

Gelatine

Vielleicht sollte man mal einen Psychiater aufsuchen, wenn man beim In-den-Spiegel-Sehen  die Farbe wechselt.

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Scherbenkrone

ScherbenkroneDie Scherbenkrone heißt der erste und letzte Roman von Diethelm Brüggemann, und ein Schelm ist, wer Böses dabei denkt, was die Generierung dieses Titels angeht. Wer denkt bei Scherbenkrone nicht an Dornenkrone, und bei Dornenkrone nicht an all das Gedöns, das im Verlaufe einer katholischen Erziehung vor etwa 50 oder  60 Jahren im Gepäck war, im Marschgepäck fürs Leben. Aber Diethelm, mein Vetter übrigens, hat schon sehr früh die Macht mächtiger Buchtitel erkannt. Seine Dissertation wurde unter dem Titel Vom Herzen direkt in die Feder bei dtv veröffentlicht. Auch dieser Titel war eher der Wirkungsmächtigkeit geschuldet als der Realität. Denn in der Dissertation ging es doch um die Anleitung zum Briefschreiben, um sogenannte Briefsteller, die doch Relais sind beim Briefeschreiben und verhindern sollen, dass es vom Herzen direkt in die Feder geht.

Jedenfalls gab es heute eine interessante Veranstaltung in der Buchhandlung Böttger am Bonner IMG_0211Bahnhof, wo Hanns Zischler, bekannt aus zahlreichen Filmen, das Buch von Brüggemann vorstellte, das er in seinem Verlag Alphaeus veröffentlicht hat. Der Hanns las aus dem Buch vor, es wurde gelegentlich gelacht, auch Beifall gezollt für eine wunderbare Etüde (Zischler), in der Brüggemann beschreibt, wie er einen Kreisel auf den Weg des immerwährenden Drehens bringt. Also in die Ewigkeit befördert. Man könnte sagen, dass hier ein wenig Metaphysik in Böttgers Buchladen Einzug hielt. (Oder hatte Brüggemann lediglich versucht, einen Vorgang möglichst präzise in Sprache zu übersetzen?)

Alfred Böttgers abschließende Bemerkungen, die den Absatz des Buches von Brüggemann  fördern sollten, wurden vom Publikum ebenso belohnt wie die Lesung von Textauszügen aus dem Buch.

Eine kleine Sache will ich nicht unerwähnt lassen. Hanns Zischler las eine Passage aus Brüggemanns  Buch vor, in der es darum ging, dass der kleine Junge aus seinem Stabilbaukasten ein Flugzeug gebaut hatte und es seiner Mutter zeigte, die sagte: „Wie fein!“ und die Teller vom Tisch räumte. – Ich habe Diethelms und meiner gemeinsamen Großmutter, die bei uns nebenan wohnte, einmal mit 3 oder 4 Jahren ein Lied (Hänschen klein) vorgesungen und dabei meine Augen wahnsinnig verdreht. Ich fand das cool, würde man heute sagen. Die gemeinsame Großmutter sagte: „Wie fein!“ und räumte die Teller ab…

image006Übrigens, Diethelm Brüggemann und Hanns Zischler sehen sich sehr ähnlich, von oben betrachtet.image005 Aber den Kreis derer, die sich so ähnlich sehen, können wir doch sehr erweitern. Ich  gehöre allerdings nicht dazu. „Ich bin nur ein armer Wandergesell‘, gute Nacht, liebes Mädel, gut Nacht“, ergo der Vetter aus Dingsda (So Hanns Zischler bei der Begrüßung nach der Lesung. Wir haben wohl die gleichen Operetten in den frühen Jahren des Fernsehens gesehen…), der sich indes rekursiv am Leben erhält, wenn Ihr mitmacht

Diesem Kurzbericht über die Lesung zum Buch ist  eine Buchbesprechung zugeordnet, die  unter Reflexe und Reflexionen  zu finden ist.

 

 

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