Egon Schiele

Selbstbildnis mit erhobenen Armen, 1913

Ähnlich wie im Falle Hogarth, von dem ich Bildausschnitte und Kommentare dazu von Lichenberg in diesem BLOG aufgeommen habe, möchte ich nun ein paar Blder von Egon Schiele hier wiedergeben, zu denen ich vor dreißig Jahren  kurze kommentierende Verse geschrieben habe. Diese kleine Serie von „Text und Bild“ ist zwar auch auf meiner alten Homepage vorhannden, dort indes ein wenig schwierig zugänglich. Ich hoffe, dass sie hier einen kleinen Beitrag zum Zeitvertreib in diesen schwierigen Corona-Zeiten leisten können. Die alte Serie wurde durch ein etwas drastisches Bild ergänzt.
(Die Bilder können allesamt vergrößert angschaut werden.)

 

Frau mit orange Strümpfen, 1914

Der Saum von deinem Petticoat
ist blasser als der Lippen Rot.
Ist bunter doch als deine Strümpfe:
Du blassgeleckte Vorstadtnymphe!

Halb bietest an du dich
halb ist es dir egal.
Dein Rock ist etwas öffentlich,
doch selbst das Runde
wirkt bei dir noch fahl.

Doch eh ein Hund dir an die Strümpfe pisst,
da nem ich dich, Elise, wie du bist.

 

Frauenbildnis

Lieben möcht‘ ich,
doch ich bin zu stolz.
Bin vielleicht auch
etwas prüde.
Etwas vornehm
und vielleicht auch
etwas müde.
Lieben möcht‘ ich,
doch ich bin aus Holz,
Sonne ist es, was
ich gerne fände.
Doch es legt sich Scnee
auf Schultrn, Herz (Nerz) und Hände.

Selbstbildnis mit rotem Hemd

Mit toten Augen
sehe ich
die Ewigkeit.
Und hinter
dieser Ewigkeit
Vergangenheit
und ewige
Vergänglichkeit.
Auf roten Lippen
spüre ich
den Dunst deines Atems
und den
Schweiß deiner Schwielen
ind den
Atem deines Herzens.
In mir
schweigt
der Tod
den Schrei
Totgeborener.

 

Sitzende Frau mit hochgezogenem Knie

Leere Augen, tote Wangen,
müder Kopf auf geilem Knie.
Grünes Hemd und pralle Hose:
Dich, mein Schatz, vergess‘ ich nie.

 

Mutter und Tochter, 1913

Oh, halte mich
und schütze mich
und wiege mich
und tröste mich.

Ich bin nackt,
da ich heute fiel.
Unter deinem roten Kleid
trägst du deinen Fal von gestrn.

So spricht das junge Leben
zum alten Leben.

Oh, halte mich
und schütze mich
und wiege mich
und tröste mich.

 

 Dunsinane Hill revisited
(also quasi im Rückwärtsgang…)

 

Es weicht der Wald hier Schnitt für Schnitt ganz weise
und leget bloß ’ne blankpolierte Schneise.

(Wie die Geschichte für Macbeth ausging, das weiß ja jeder…)