Archiv der Kategorie: Schlaraffia

Die Schlaraffia ist ein deutschsprachiger Männerbund zur Pflege von Kunst, Humor und Freundschaft.

Schlaraffia Sarrebrucca ist das Thema der folgenden Artikel

(Die folgenden Artikel sind chronologisch „verkehrt“. Ich hatte sie eine Zeit lang unsichtbar gemacht, scheue mich aber nun nicht mehr, sie denjenigen zugänglich zu machen, denen etwas an der Schlaraffia liegt. Andere werden sie kaum lesen.)

RESOZIALISIERUNG BEI DER SARREBRUCCA ERFOLGREICH!

Die Schlaraffia Sarrebrucca hat für die kommende Winterung neue Würdenträger gewählt. Das Erfreuliche ist, dass in wichtige Ämter vor allem solche Ritter gewählt wurden, die in der letzten Winterung fast nie anwesend waren. Fast verloren gegangene Schafe wurden so wieder in den Freundschaftsbund integriert. Wer hätte das gedacht?! Sarrebrucca lebt!!!

Leider bin ich bei dieser Reorganisation über den Jordan gegangen. Ich hatte mich schon durch und durch als Schlaraffe gefühlt, gehörte aber der „falschen“ Fraktion an, d.h., derjenigen, die bei den Neuwahlen unterlegen war. Obwohl ich mich ja nie zu einer Fraktion bekannt hatte. Aber mein Pate gehörte zur falschen Fraktion. Es ist nicht weinerlich, sondern knallhart-sachlich, wenn ich feststelle, dass ich hier ein Opfer von Intrigen wurde. Letztlich ging es gar nicht um mich, sondern darum, es der anderen Seite einmal richtig zu zeigen. Eine kleinbürgerliche Clique, frei von Humor,  aber voll des Machthungers, hat sich hier durchgesetzt. (Beweis: Ein Ritter, der sich in dieser Winterung nur ein- oder zweimal bei festlichen Gelegenheiten gezeigt hatte, ansonsten aber „abgemeldet“ war, wird neuer Kanzler. Das mag ein Witz sein, hat aber mit Humor nichts zu tun.)  Sarrebrucca lebt???

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Lemon Tree nach Peter, Paul & Mary

Meine Erfahrung mit den Schlaraffen in Saarbrücken habe ich niedergelegt in folgendem Songtext, der sich an Peter, Paul & Mary’s Lied Lemon Tree orientiert.

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Frank Wedekind: Ilse / Leo Läufer: Rt. Mausefalle

Zur Lenzsippung habe ich eine Fechsung gemacht, ein Persiflat auf ein Gedicht von Frank Wedekind über den „Lenz“. Das Persiflat bezieht sich auf den Pilger/Prüfling H.H., der zur vielseitigen Überraschung vor kurzem nicht zur Kugelung (Aufnahmeverfahren bei den Schlaraffen) zugelassen wurde. Diese Fechsung wurde jedoch nicht vorgetragen, um den inneren Frieden zu wahren. Aber vielleicht sagt mir Rt. Mausefalle ja einmal persönlich, was er gegen mich hat… Ein Dialog wäre doch wohl ein probates Mittel eines Versöhnungsversuchs, oder?

Frank Wedekind: Ilse                                      Leo Läufer: Ritter Mausefalle

Ich war ein Kind von fünfzehn Jahren     Ich war ein Pilger in den Jahren,
Ein reines unschuldsvolles Kind,               Ein reines unschuldsvolles Kind.
Als ich zum ersten Mal erfahren,               Als ich zum ersten Mal erfahren,
Wie süß der Liebe Freuden sind.               Wie falsch hier manche Sassen sind.

Er nahm mich um den Leib und lachte    Sie lauschten mir, und auch sie lachten,
Und flüsterte: O welch ein Glück!             Und riefen laut so manch‘ Lulu.
Und dabei bog er sachte, sachte                So dass dann viele schließlich dachten,
Den Kopf mir auf das Pfühl zurück.         Der Prüfling g’hört doch voll dazu!

Seit jenem Tag lieb‘ ich sie alle,                  Doch dann schnappt Rt. Mausefalle:
Des Lebens schönster LENZ ist mein;      „Dein Streben störet meinen Schein.
Und wenn ich keinem mehr gefalle,          Denn wenn ich nicht mehr so gefalle,
Dann will ich gern begraben sein.              Dann werd‘ ich bald begraben sein.“

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Immanuel Kant verdichtet

Fechsung Ehrenritter Imperativ (Immanuel Kant)

Ich bin der Kant,
ein bisschen kantig.
Immanuel,
ein bisschen grantig.

Ich komm‘ aus dem schönen Königsberg,
ganz oben in östlicher Richtung.
Bin kein philosophischer Wichtelzwerg;
so steht es in Wahrheit und Dichtung.

Ich hab‘ mich mit Gott und der Welt befasst,
auch mit britischen Empiristen.
Gar mancher hat mich dafür gehasst,
diesen Stall einmal auszumisten.

Für die ist nämlich der Verstand
nichts and’res als tabula rasa.
Doch ich die Apperzeption erfand,
des Bewusstseins schönste Vasa.

Die Welt ist kein Panoptikum
von großen und kleinen Dingen,
wobei die Dinge von außen stikúm
in unser Gehirn eindringen.

Als macht‘ ich nur die Äuglein auf,
sie purzelten hinein!
Der kognitive Lernprozess,
das muss ein and’rer sein.

‚Ne Festplatte an sich ist blind,
kann nichts aus sich kapieren.
Drum lasst uns einfach mal geschwind
die Software installieren.

Die Software, das sind Raum und Zeit
als sinnliche Geräte.
Und Kat’gorien steh’n bereit
bei jeder Verstandesfête.

Das heißt, wir erzeugen die Dinge der Welt,
die dank des Denkens genesen.
Ein ähnlich mut’ger Erkenntnisheld
Kopernikus ist gewesen.

Er drehte einfach alles um,
woran man damals glaubte.
Für mich hieß das: Wir wären dumm,
wenn man den Sinnen traute.

Das Ding-an-sich sei noch genannt,
ein rätselhaftes Ding,
das sich, wie heut bekannt,
inder Transzendenz verfing.

Auch séin kat’gorischer Imp’rativ
macht uns noch heut zu schaffen.
Wenn etwas uns zum Handeln rief,
wir nicht nach dem Zweck sollen gaffen.

Der Gute Wille alleine zählt,
der Gute Wille ist gut.
Der Gute Wille ist auserwählt.
Der Gute Wille! – Macht’s gut.

Lulu.

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Einmal Halle und zurück… Bericht aus der Sommerung a.U. 153

Leo Läufer

Einmal Halle und zurück

Während es beim Boule-Turnier offenbar nur Sieger gegeben hat, gab es bei dem geplanten Ausflug mit dem Bus nur einen, ja wie soll ich sagen, keinen Verlierer, aber einen Verlorenen. Lasst Euch berichten, Schlaraffen!

Und verzeiht mir, wenn ich Eure Sprach noch nicht voll drauf hab…

Bruder Nie Kitsch hatte schon früh in der Sommerung eine Fahrt in das idyllische Lothringen mit einem dieselgetriebenen Benzinelephanten angekündigt, zu ich mich per onliniger Überlassung von 40 Talern angemeldet habe. Auf dem Programm: das Walhalla der französischen Hochgotik. Abfahrt: am 9. im Herbstmond a.U. 153, um 8:30 h vom Parkplatz der Saarlandhalle.

Nun müsst Ihr wissen, ich bin Rentner, und da ist eine solche Zeit für mich schon außergewöhnlich früh. Von Dudweiler kommend war die Anfahrt über die A 623 allerdings kein Problem, da ich diese Strecke selbst im Vollschlaf bewältigen könnte. Immerhin noch völlig schlaftrunken, kam ich um 8:25 h auf dem Parkplatz an und sah, wie eine Reihe von Männern in einen Kleinbus stiegen, jeder mit einer größeren Sporttasche versehen. Hoppla, die Schlaraffen scheinen, was Pünktlichkeit angeht, kompromisslos zu sein, sagte ich mir, drückte auf die Fernbedienung meines Smart und eilte zum Bus. Die Sporttaschen haben mich zuerst etwas verwundert, hatte ich doch geglaubt, die Schlaraffies brächten ihre Rüstungen nur zu den Sippungen mit, meist in harten, handlichen Pilotenköfferchen. Aber dies war ja schließlich eine Vergnügungsfahrt, kein Sippungsstress mit Krawatte und so. Ach ja, das war das Nächste, was mir auffiel: Die z.T. jungen Männer (es gibt sie also doch, die jüngeren Schlaraffen!), die einstiegen, trugen Jeans und T-Shirts, Turnschuhe, waren teilweise unrasiert, ja tätowiert. Donnerwetter, habe ich gedacht: Die alten Herren, die ich als Pilger im Juni in der Rosenburg erlebt habe, sehen in ihrer Freizeit ganz anders aus. Respekt, sagte ich mir, die sind also gar nicht so auf eine Rolle fixiert. Sehr flexibel, die alten Herrschaften. Alles freundliche Chamäleons! (Übrigens, den Dr. Bräumer habe ich auf dem Bild vom Boulefest kaum wiedererkannt in seiner Großwildjägerweste…) Also, ich ließ mich etwas atemlos auf irgendeinen Sitz im Bus fallen und sagte zu meinem Nachbarn, der ein Hemd mit kurzen Ärmeln trug, die allerdings bis auf die Schultern hochgekrempelt waren, so dass das Spiel seiner Muckis zu sehen war: Einen schönen guten Morgen! Er schaute mich von der Seite an, kaute an seinem Kaugummi weiter und erzeugte eine schöne große Gummiblase, die dann platzte. Ich habe mich erstens gewundert, was ich falsch gemacht habe, und zweitens gewundert, dass ein Schlaraffe soooo wandlungsfähig sein könnte. Geil!

Der Bus setzte sich alsbald in Gang, wir fuhren über die A 623, kamen an Dudweiler vorbei, von wo ich doch gerade erst hergekommen war, fuhren Richtung Homburg, dann auf die A 6, und ich dachte mir, o Mann, was für ein Umweg nach Frankreich, und schlief ein. Ich wurde kurz wach, als wir ein Schild „Frank…“ (den Rest konnte ich nicht lesen) passierten, und ich dachte, wir sind auf dem besten Wege. Als wir Niederaula passierten, bot mir mein Nachbar eine Flasche mit einem durchsichtigen Getränk an, Wasser dachte ich und trank in kräftigen Zügen. Die Männer im Bus unterhielten sich inzwischen ziemlich laut, was an der kreisenden Flasche zu liegen schien, denn jeder verlangte danach. Und sie sprachen in einer Zunge, die ich nicht verstand. Ich hatte nicht geglaubt, dass die Sondersprache der Schlaraffia lexikalisch so reich wäre. „Podaj mi wódkę!“ hörte ich. Und „Czegoi niemiecki tu robisz?“

Ich schaute nach draußen. Wir waren offenbar auf der A 45 und passierten Niederaula, dann etwas später Grebenau. Inzwischen hatte sich ein junger Mann neben mich gesetzt und fragte mich mit eindeutig polnischem Akzent: Was machst du hier? Und als dann als nächste Abfahrt Halle angezeigt wurde, fiel bei mir der Groschen. Polnische Arbeiter auf dem Weg in die Heimat, und das „Frank“, das ich noch zuversichtlich gesehen hatte, war nicht Frankreich sondern Frankfurt. Ich beschloss also, diese Fahrt abzubrechen und ließ mich in Halle abzusetzen.

Es war natürlich zu spät, heute noch zurückzufahren, wir hatten ja inzwischen mehr als 550 km zurückgelegt. Erstens würden die Schlaraffen an der Saarlandhalle vielleicht nicht mehr auf mich warten, und zweitens wurde es sowieso schon fast dunkel. Also begab es sich, dass ich ins Best Western Grand City Hotel in der Neustädter Passage in Halle geriet. Das war mir aus zwei Gründen Recht: 1. Ich wollte ja unbedingt nach Westen, war aber im Osten gelandet. 2. Neustadt wäre mir heute Abend lieber als Halle. Obwohl ich ja in gewisser Weise einen schönen Zirkel beschrieben habe von der (Saarland) Halle nach Halle. Nehmen Sie’s mir nicht übel, wenn ICH über diesen Scherz nicht lachen kann.

Das Best Western Grand City Hotel in der Neustädter Passage in Halle besteht äußerlich aus einem blauen Betonrahmen, in dem sich wie in einem Bilderrahmen innen zwei Bildteile befinden, die aber nicht zusammenpassen: rechts eine braune Fensterfront, links der Eingang, über den sich ein runder Glasturm türmt, der oben den Rahmen, also das Dach durchbricht und wie ein durchsichtiger runder Schornstein wirkt. Das Zimmer ist sehr modern, das Waschbecken ist eine aus Porzellan bestehende weiße Halbkugel, deren Massivität in einem gewissen Kontrast zu der Bestuhlung im Speisesaal steht, die nämlich aus feinem schwarzen Rohr ist. Im Speisesaal gibt es in der Mitte eine geschwungene Holzabtrennung, ein vertikal gekappter Paravent, der bewirkt, dass man von der einen Seite nur die Köpfe auf der anderen Seite sieht und umgekehrt. Natürlich sieht man nicht alle Köpfe, dann nämlich nicht, wenn die Damenbegleitung aus einer kleinen weiblichen Person besteht. Dann sieht man während des Essens nur einen Herrenkopf, der ins Leere zu sprechen scheint… Aber das TUT er ja wahrscheinlich auch…

Abends auf dem Zimmer habe ich mir noch eine Flasche Rotkäppchen Sekt bestellt. Im Internet voller Sehnsucht und mit einer Portion Heimweh die Homepage der Schlaraffia Sarebrucca aufgerufen und stieß dort zunächst einmal auf eine Definition, die Schwarz auf Weiß kundtut:

Schlaraffia
ist die innige Gemeinschaft von Männern,
die in gleichgesinntem Streben der Pflege der Kunst und des Humors
unter gewissenhafter Beachtung eines gebotenen Ceremoniales bezweckt
und
deren Hauptgrundsatz die Hochhaltung der Freundschaft ist.

Wahrscheinlich hatte ich heute zuviel Wodka getankt (unfreiwillig), auch das Rotkäppchen schien mir zuzusetzen, denn ich verstand den Satz nicht ganz und habe ihn deshalb – mit dem Rotkäppchen als williger Assistentin – wieder und wieder gelesen, bis ich zu einem Ergebnis kam, mit dem wir alle leben können:

Schlaraffia
ist die Gemeinheit von innigen Männern,
die in gleitfliegendem Schweben der Pflege der Kunst und des Humors
unter beachtlicher Gewissenshaftung eines verbotenen Ceremoniales erweckt
und deren Hauptgrundsatz die Hochglanzspaltung der Freundschaft ist.

Schlaraffia
ist die männliche Gemeinheit des Inneren,
die in fleischgesichtigem Weben der künstlichen Pflege des Tumors
unter gebotener Beachtung gewisser zerebraler Zecken
und grundsätzlicher Hauptspaltung freudliche Grundsätze verspeist.

Schlaraffia
ist die gemeinsame Innung von Lämmern,
die humorgeleitet streben, Gleichgesinnte zu pflegen und künstlich zu ernähren
gewisse Gebote vermissen und dennoch Zerberus erweichen,
und deren Satzschaft Grund für die Hochzeit der Freunde ist.

Schlaraffia
ist wirklich was für Männer,
die der gleiche Wellengang bewegt, nämlich der der Kunst und des Humors,
wobei der Takt und die Form streng einzuhalten sind im spielerischen Gang der Welle,
auf deren Kamm geschrieben steht: Freunde fürs Leben.

Schlaraffia
ist wirklich was für Ritter,
die in ihrem Wappen die Zeichen der Kunst und des Humors tragen,
die die ritterlichen Regeln des wortfröhlichen Spiels beherrschen,
und deren Herzen im Takt der Freundschaft sich bewegen.

(Bei der letzten Strophe: „im Takt der Freundschaft“, bei diesen Worten mit der Faust bei waagerechtem Unterarm auf Brust, also aufs Herz schlagen, Daumen nach Innen gerichtet. – Tom Cruise vor der Scientology in Spanien!)

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Sippung Kunst im Saarland: Galli

weichei

Weichei, kapott gemalen / 2000 / 40 X 50 cm

1. Das Spiel mit den Dingen und Wörtern: Natürlich ist hier ein Ei zu erkennen, ein Ei, das vor Wut offenbar rot angelaufen ist. Denn ihm fehlt die hintere Hälfte, aus der flauschiges Eiweiß quillt, genau wie aus dem Auge. Aber die Künstlerin mokiert sich über dieses kaputte Ei auch noch: Weichei, ruft sie ihm zu. Du bist ja so was von kaPott! Nicht im Bild, aber sprachlich präsent: Der Kaffeepott, an dem das Ei sich den Hintern verbrannt hat. Gemahlen ist der Kaffee, und das Ganze jetzt selbstbezüglich noch einmal auf eine höhere Ebene gehoben: Das Weichei ist gemalt. Oder hat sich selber gemalt, denn was es in der rechten Hand hält, könnte durchaus ein Malstift sein. Oder ein Löffel. Hat sich das Weichei etwa selber gemalt? Oder selber kapott gefressen?

Das führt uns zu der These:

2. Alles bleibt in der Schwebe: Nicht nur die gegenständlichen Elemente, auch die sprachlichen Sprenkel werden zugleich gesetzt und zerstört. Die Verletzung von Sprachregeln erzeugt ein neues sprachliches Universum, erzeugt sprachliche Zeichen, die auf engstem Raum viel bedeuten. Zusammen mit den bildlichen Elementen erweitern sie unsere Wahrnehmung: Wir sehen plötzlich Galli beim Frühstücken zu, Frühstück mit Ei und einem riesigen Pott Kaffee, aber in Gedanken ist sie längst schon wieder auf einer Leinwand unterwegs, Leinwand und Farbe und Wörter bleiben, was sie sind, werden aber zugleich transformiert zu einer neuen Wirklichkeit, die sich im Kopfe eines jeden Bildbetrachters bildet. Dies führt zu einem weiteren Aspekt:

3. Entschleunigung der Wahrnehmung. Denn so ein Bild wird wirklich erlebt, nämlich in dem Sinne, dass es in uns lebendig wird. Und solange wir uns der eigenen inneren Bildlichkeit hingeben, sind wir dem schnellen Zug der äußeren Raum-Zeit entzogen. Mag das arme Ei auch noch so kapott sein, das hat nur medialen Charakter. Das Lächeln, das es auf unsere Lippen zaubert, verkündet von unserem innerem Glanz. Wir werden glückliche Menschen. Oder, wie das die Schlaraffen sagen: In arte voluptas!

Aber natürlich werden wir uns bald sattgesehen haben und gnadenlos das nächste Frühstücksei köpfen und das Gallinische Ei vergessen haben… Übrigens traue ich der Malerin einen ironischen Selbstbezug zu. Die Eierbeinchen sind doch recht kurz und etwas seltsam gestellt. Als verschlüsseltes Selbstporträt der kleinwüchsigen Malerin würde das dann bedeuten: Für heute hab‘ ich genug gemalt. Jetzt bin ich kaputt. Ich Weichei…

Leo Läufer

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Kerzensippung

Leo Läufer: Der Neunte im Windmond a.U. 1531

Im traurigen Monat November war’s,
Die Tage wurden trüber,
Der Wind riß von den Bäumen das Laub,
Da ritt ich zur Rosenburg rüber.

Und als ich zum Casino kam,
Da fühlt‘ ich ein stärkeres Klopfen
In meiner Brust, das rührte daher:
Ich freute mich schon auf ’nen Tropfen.

Und als ich lulusche Sprache vernahm,
Da ward mir seltsam zumute;
Ich meinte nicht anders, als ob mein Herz
Recht uhulich verblute.

Ein großer Mops sang ganz Fidel
Lulus mit wahrem Gefühle
Und hoher Stimme; doch ward ich sehr
Gerührt von seinem Stile.

Ein Lob erfuhr so mancher Mann,
Der grad in der Rostra gesprochen.
Doch manches Lob schien etwas faul,
Hätt‘ man daran gerochen.

Die Kerze wanderte öd im Kreis,
Fast wäre ich aufgesprungen
Und hätte sie mal überkreuz gereicht.
Ich hätt‘ auch dabei gesungen.

Doch hielt ich mich bescheiden zurück,
Ich bin ja auch nur ein Pilger.
Trag‘ ich noch lange dieses Kleid?
Am Ende kommt mich das bill’ger…

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