Monatsarchiv: März 2024

In der Sache H.v.Kleist: Eine Empfehlung

Heinrich von Kleist kennt man normalerweise als Autor von Der zerbrochene Krug (im Theater gesehen…) oder Michael Kohlhaas (in der Schule gelesen…). Manche, die nicht nur Germanistik, sondern auch Philosophie studiert haben, werden vielleicht auch mit Schmunzeln zur Kenntnis genommen haben, dass Kleist angeblich in große Verzweiflung geriet, als er erfuhrt, dass Kant, der große Aufklärer, postulierte, man könne die Dinge niemals so wahrnehmen, wie sie in Wahrheit sind…

Ich hatte Kleist für mich eigentlich „abgehakt“, bis ich in trockener Alterslangeweile vor ein paar Tagen an einem meiner Bücherregale vorbeischlurfte und einen „SUV“ zwischen einer Reihe von Taschenbüchern ausmachte, fest eingebunden und mit goldverrahmtem Titel: „Kleist. Sämtliche Werke“. Ok, ich verrate hier also, was mich antreibt, bestimmte Bücher zu lesen, der Zufall nämlich. Und damit bin ich bisher ganz gut gefahren…

Ich habe also diesen kompakten, in Leinen verpackten Band zur Hand genommen und einen Abend lang darin „geblättert“. Ich habe sogar den Michael Kohlhaas noch einmal gelesen, ich habe am nächsten Tag sämtliche Erzählungen verschlungen und war darnach entschlossen, Heinrich von Kleist ein wenig auf den Zahn zu fühlen, und ich habe mich nach einer guten Biographie umgesehen. Meine Wahl fiel auf Günter Blamberger.

Good Choice, muss ich heute sagen! Ich möchte dieses Buch hier nicht im Detail besprechen, sondern einfach zur Lektüre empfehlen. Der Autor ist nicht nur ein ausgewiesener Kleist-Kenner, sondern ein in gleichem Grade sensibler Interpret seiner Werke und gibt davon ausreichend Zeugnis in dieser Biographie, die in ihrer Chronologie im Großen und Ganzen der Entstehung der Kleistschen Werke folgt.

(Ein wenig mehr zu diesem Buch findet man unter Reflexe und Reflexionen.)

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Reflexe und Reflexionen, Zeitliches

Marry you

Diesen Song haben Eric Clapton und BB King mal susammen aufgenommen. Und als ich den heute mehr oder weniger zufällig auf Spotify hörte, dieses penetrante: You wanna marry me? Isn’t that what you want too? – da habe ich gedacht: So alt waren die Säcke noch nicht, als sie das aufgenommen haben. Aber was singen die alten Säcke da eigentlich?

Dann habe ich aber mal genauer hingehört:

It’s the sugar so sweet
Kind I’d like to
Meet you at midnight
And tell no one else about it

I’m going to make you mine
‚Cause I know we’ve got the time
Now and then, baby
Hey, I want you to know

I wanna marry you
Isn’t that what you want too?
I wanna marry you
Isn’t that what you want too?

Come on in the back of the ’57
Let me show you the way, the way to heaven
You looking so sweet, yes you are
I’m sure that you’ve got some heat

I’ve got you on my mind
You know you’ve got my time
Now and then, baby
Hey, I want you to know

I wanna marry you
Isn’t that what you want too?
I wanna marry you
Isn’t that what you want too?

I’m falling in love with you (I’m in love with you)
You make all my dreams come true (make all my dreams come true)
I’m falling in love with you (I wanna marry you)

I wanna marry you
Isn’t that what you want too?
I wanna marry you
Isn’t that what you want too?

I wanna marry you
Isn’t that what you want too?
I wanna marry you
Isn’t that what you want too?

Aber was die beiden da vom „sweet sugar“ säuseln, von der Hitze der Nacht, von der Zeit, die sie verbringen wollen, explodiert in der Enthüllung, wo „das Ganze“ passieren soll, nicht etwa in der Öffentlichkeit eines Traualtars, sondern auf dem Rücksitz eines alten Ford Baujahr 1957 (Siehe Kierkegaard (der das schon mit einiger Hellsicht erkannt hatte): Liebende suchen die Einsamkeit!).

Im Grunde ist der Song eine Homage im Rahmen eines alten Klischees, der Liebe auf dem Rücksitz von Dadys Auto. Und so gesehen, ist das doch ein Song zweier alter Säcke. Schämt Euch! Habt Ihr das noch nötig? – Andererseits, that might be the way to heaven for two dirty old men…

(Übrigens, der Titel/Refrain „Marry YOU“ gibt die Stoßrichtung vor. Denn normalerweise sagt der Lover, der was „Ernstes“ im Sinne hat, doch: Marry ME!)

Übrsetzung, Google sei Dank!

Text

Der Zucker ist so süß 
It’s the sugar so sweet 

Nett, das würde ich gerne tun 
Kind I’d like to 

Wir treffen uns um Mitternacht 
Meet you at midnight 

Und erzähle niemandem davon
And tell no one else about it

Ich werde dich zu meinem machen 
I’m going to make you mine 

Weil ich weiß, dass wir die Zeit haben 
‚Cause I know we’ve got the time 

Hin und wieder, Baby 
Now and then, baby 

Hey, ich möchte, dass du es weißt
Hey, I want you to know

ich will dich heiraten 
I wanna marry you 

Wollen Sie das nicht auch? 
Isn’t that what you want too? 

ich will dich heiraten 
I wanna marry you 

Wollen Sie das nicht auch?
Isn’t that what you want too?

Kommen Sie hinten in den 57er 
Come on in the back of the ’57 

Lass mich dir den Weg zeigen, den Weg zum Himmel 
Let me show you the way, the way to heaven 

Du siehst so süß aus, ja, das bist du 
You looking so sweet, yes you are 

Ich bin mir sicher, dass du etwas hitzig bist
I’m sure that you’ve got some heat

Ich habe dich im Kopf 
I’ve got you on my mind 

Du weißt, dass du meine Zeit hast 
You know you’ve got my time 

Hin und wieder, Baby 
Now and then, baby 

Hey, ich möchte, dass du es weißt
Hey, I want you to know

ich will dich heiraten 
I wanna marry you 

Wollen Sie das nicht auch? 
Isn’t that what you want too? 

ich will dich heiraten 
I wanna marry you 

Wollen Sie das nicht auch?
Isn’t that what you want too?

Ich verliebe mich in dich (ich bin in dich verliebt) 
I’m falling in love with you (I’m in love with you) 

Du lässt alle meine Träume wahr werden (lasst alle meine Träume wahr werden) 
You make all my dreams come true (make all my dreams come true) 

Ich verliebe mich in dich (ich möchte dich heiraten)
I’m falling in love with you (I wanna marry you)

ich will dich heiraten 
I wanna marry you 

Wollen Sie das nicht auch? 
Isn’t that what you want too? 

ich will dich heiraten 
I wanna marry you 

Wollen Sie das nicht auch?
Isn’t that what you want too?

ich will dich heiraten 
I wanna marry you 

Wollen Sie das nicht auch? 
Isn’t that what you want too? 

ich will dich heiraten 
I wanna marry you 

Wollen Sie das nicht auch?
Isn’t that what you want too?

Wer es jetzt noch nicht kapiert hat: Der Song ist ein Fall für MeToo!

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Zeitliches

Sentimental Journey

Johann Peter Hasenclever, Die Sentimentale (Düsseldorf, Kunstpalast)

Ich wünscht‘ ich wär der Mann im Mond
Und schaut‘ zu dir hinunter.
Du träumt’st von mir, ich käm‘ zu dir
Und macht‘ Dich wieder munter…

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Zeitliches

Aus dem Wörterbuch des Autokraten

Erinnert Ihr Euch noch an die „grünen Männchen“ auf der Krim 2014? Selbst nach diesem Ereignis haben viele den Fuchs nicht erkannt. Cicero und Machiavelli beschreiben beide die Phänomene Gewalt und Betrug, der eine sozusagen ein Vertreter des „alten Europa“, der andere Vordenker von Autokraten, die nach der Weltmacht greifen.

Warum konnte Putins Camouflage so lange funktionieren? Und sie funktioniert ja immer noch (Wagenknecht, Schröder, AfD, etc.). Ja, hat denn niemand diesen Fuchs als solchen erkannt? Diesen „guten Onkel“ mit dem vielen Öl und Gas? Nicht nur die Liebe macht blind. Auch das Streben nach Beqemlichkeit, der Wunsch nach der guten (mollig warmen) Stube…

Cicero, De officiis (I,41)

Cum autem duobus modis, id est aut vi aut fraude, fiat iniuria, fraus quasi vulpeculae, vis leonis videtur; utrumque homine alienissimum, sed fraus odio digna maiore. Totius autem iniustitiae nulla capitalior quam eorum, qui tum, cum maxime fallunt, id agunt, ut viri boni esse videantur.

(Wenn aber auf zweierlei Art Unrecht geschieht, nämlich durch Gewalt oder durch Betrug, dann passt der Betrug zum Wesen des Fuchses, die Gewalt zu dem des Löwen. Beides ist des Menschen überhaupt nicht würdig, aber der Betrug ist hassenswerter. Keine von allen Formen des Unrechts ist verderblicher als die derjenigen, die, wenn sie am betrügerischsten handeln, darauf aus sind, als gute Männer zu wirken.)

Machiavelli, Il principe (De pricipatibus, XVIII, 7 u. 8)

Sendo dunque necessitato uno principe sapere bene usare la bestia, debbe di quelle pigliare la volpe et il lione: perché el lione non si difende da’ lacci, la volpe non si difende da’ lupi; bisogna adunque essere volpe a conoscere e lacci, e lione a sbigottire e lupi: coloro che stanno semplicemente in sul lione, non se ne intendono. Non può pertanto uno signore prudente, ne debbe, observare la fede quando tale observanzia gli torni contro e che sono spente le cagioni che la feciono promettere.“ (XVIII, 7 und 8)

(Da nun ein Fürst notwendigerweise dazu in der Lage sein muss, gut von der Bestie Gebrauch zu machen, muss er von den Tieren den Fuchs und den Löwen wählen, denn der Löwe verteidigt sich nicht gegen Schlingen, der Fuchs verteidigt sich nicht gegen Wölfe. Daher muss der Fürst Fuchs sein, um die Schlingen zu erkennen und Löwe, um die Wölfe abzuschrecken; darauf verstehen sich die, die lediglich das Wesen des Löwen besitzen, nicht. Ein weiser Herr kann daher nicht – und soll es auch gar nicht – sein Wort halten, wenn eine solche Treue für ihn nachteilig wäre und die Gründe fortgefallen sind, die ihn zuvor dazu bewegten, sein Versprechen zu geben.)

(Zitiert nach Christoph Wurm: De principatibus – der Principe Machiavellis und Ciceros De Officiis)

(Die Abbildungen von Cicero und Machiavelli sprechen für sich. Was für ein Staatsmann… Was für ein Filou! Am Ende sind die Filous die weitaus Gefährlicheren…)

Günter Blamberger bringt in seiner Kleist-Biografie die Sache auf den Punkt, wenn er über „Hermann den Cherusker“ in Kleists Die Hermannsschlacht Folgendes anmerkt:

„“Echt“, „unverfälscht“ ist er (Hermann) gerade nicht, vielmehr beherzigt er eine Weisheit aus Machiavellis 1532 erschienenem Fürstenbrevier Il principe, dass ein Politiker, der nicht die Kraft des Löwen habe, von der „Fuchsnatur Gebrauch machen“ und diese zugleich „verschleiern“, also „ein großer Lügner und Heuchler“ sein müsse.“ (S. 371)

Voilà!

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Zeitliches