Monatsarchiv: Dezember 2020

Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 25: Depressiv im Kronen-Tief?

Auf meinen vorletzten Beitrag, FCK 2020, erhielt ich mehrere Zuschriften, die mich zu folgender Antwort bewogen haben, die ich aber nicht allein dem Friedhof der Kommentare überlassen möchte:

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Grand Hotel Europa

Ilja Leonard Pfeijffer: Grand Hotel Europa. Piper Verlag, München 2020

Der niederländische Autor Ilja Leonard Pfeijffer ist in den Niederlanden wohlbekannt, er soll zu den führenden Autoren des Landes gehören. Ich hatte bisher nie von ihm gehört und habe mich auf eine Lektüre eingelassen auf Grund einer positiven Rezension in der Süddeutschen Zeitung. Volltreffer!

Pfeijffer ist verliebt ins Schreiben und man ist als Leser schnell bereit, ihm liebevoll zu folgen. Der Titel des Buches entpuppt sich als beziehungsreiche und kompakte Verdichtung dessen, was in diesem Roman abgehandelt wird. 

Nach der Lektüre assoziiert man leicht den Titel „Grand Hotel Europa“ mit dem geläufigen Schlagwort von der „Festung Europa“. Dieses Unterthema wird gleich im ersten Abschnitt des ersten Kapitels angeschlagen. Der Erzähler, ein gewisser Ilja Leonard Pfeijffer aus den Niederlanden, trifft bei seiner Ankunft im Grand Hotel Europa naturgemäß zuerst auf einen Piccolo, der ihm den Koffer tragen soll. Sie rauchen jedoch zuerst einmal gemeinsam eine Zigarette, und bei dem sich entspinnenden Gespräch erfahren wir einiges über den Erzähler (kommt direkt aus Venedig, hat vorher ein paar Jahre in Genua gewohnt, ist Schriftsteller), zugleich aber auch schon ein wenig über den Piccolo, einen junger Mann, der sich offenbar in Afrika aufgemacht hatte, die Wüste zu durchqueren und dann per Boot nach Italien geflohen ist. Abdul wird noch häufig mit dem Erzähler zusammensitzen und diesem seine Geschichte erzählen. Kurz gesagt: Es geht in diesem Roman unter anderem um das europäische Migrationsproblem, zu dem Pfeijffer eindeutig Stellung bezieht: Migranten sind nicht das Problem, sondern die Rettung Europas.

Grand Hotel Europa ist aber auch mit Hinblick auf Thomas Manns Roman Der Zauberberg, der ja auch in einem Hotel spielt, eine Metapher für einen Zustand Europas, demzufolge es für diesen Kontinent keine Zukunft gibt, da er nur aus Vergangenheit besteht und der aber versucht, daraus Kapital zu schlagen, indem er mit der Vergangenheit sein großes Geschäft macht.

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FCK 2020

Was Jan Böhmermann & Co nun am Jahresende musikalisch in Szene setzen, scheint einfach geil. Dem Virus die Stirn bieten, fröhlich sein, kraftvolle Musik machen. Aber ich höre da schon ein „Haha! Wir haben’s bald geschafft!“ heraus. Pünktlich zu Weihnachten wurde die erste Deutsche, Alter 101 Jahre, geimpft. Die Pandemie ist sicher keine Inszenierung, wie manche Idioten behaupten. Aber die Geschichte mit der 101-jährigen Frau, die ist gewiss inszeniert. 

Im Mai hatte ich mich gekrönt, you remember? Dem Virus die Stirn bieten, hieß das doch. Aber das Bild vermittelt einen ganz anderen Eindruck als dieses fröhliche Geklimpere auf YouTube.

 

Und wir sind noch nicht über den Berg. Ich denke manchmal schon: That’s the way the world ends. Not with a bang, but with a virus… Und was ist daran schuld? Etwa die Globalisierung? Ich habe nichts gegen die Globalisierung, ich habe auch nichts dagegen, dass ich sterben muss. Beides sind Tatsachen. Das Flüchtlingselend auf Lesbos, nun noch getoppt durch das auf den Kanaren, ist doch auch eine Folge der Globalisierung. Die in Armut und Verzweiflung Dahinvegetierenden in Afrika, aber nicht nur da, die sich mit ihren Handys auf den Weg machen in ein Land, das ihnen verspricht, überhaupt leben zu können, werden immer mehr. Auf den kanarischen Inseln kamen vor ein paar Jahren noch 2 Flüchtlinge am Tag an, heute sind es 200. Und wer glaubt, die Verteilung des Impfstoffes werde gerecht erfolgen, der ist naiv. Zum Verteilungskampf um Ressourcen, um Essen, kommt nun noch der um den Impfstoff hinzu. Bei uns, oder auch in den USA, fällt die Gesellschaft auseinander, sagt man, in immer Reichere und immer mehr Arme. Dieses Auseinanderdriften wird jedoch im weltweiten Maßstab noch eine viel größere Dynamik entwickeln (Es wird exponentiell wachsen wie die Zahl der  an Covid 19 Erkrankten, wenn die Kontrolle verloren geht.), von der wir uns zur Zeit noch überhaupt keine Vorstellung machen können. 

Soll ich mal ganz ehrlich sein? Ich bin froh, dass ich die Folge dessen, was sich heute abzeichnet, mit meinen 74 Jahren wohl nicht mehr in ihrer vollen Entfaltung erleben werde. 

PS: Ich hoffe, es ist vorstellbar, dass diese Ananas-Bekrönung mir großen Spaß gemacht hat. Ich war in dem Augenblick, da ich dieses Bild von mir machte, ein glücklicher Mensch… Denn: Ars aeterna, vita brevis.

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Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 24: Post zum Neuen Jahr

Was will mir diese Leiterin einer Schweizer Klinik in diesem Brief zum Neuen Jahr sagen? Aller Anfang ist schwer. Auch so ein Briefanfang. Aber ist aller Anfang neu? Na klar, man braucht das also gar nicht so zu betonen. Aber offenbar ist Frau Dr. Wiechel ja so über den „neuen Anfang“ froh, weil sie nie im Leben so gedemütigt worden ist wie im vergangenen Jahr. Leider verrät sie uns nicht, was genau sie denn so gedemütigt hat. Das Virus? Die Einstellung all der Menschen, die die Pandemie ernst genommen haben und ihr, der Ärztin, partout nicht glauben wollten, dass die Pandemie das Machwerk der vielen verschuldeten Staaten sei, die von ihren Problemen ablenken wollen? Das jedenfalls behauptet sie an einer späteren Stelle ihres Schreibens.

Apodiktisch scheinbar dann der Satz: „Niemand bezweifelt die Existenz von Covid 19.“ Als ich das beim ersten Mal las, habe ich gedacht, die Argumentation werde nun in klaren Bahnen verlaufen und einigermaßen nachvollziehbar sein. Denn hier scheint es sich ja nicht um jemanden zu handeln, der Covid 19 leugnet. Falsch gedacht! Denn im folgenden Satz steht ja, dass es eine virale Bedrohung gar nicht gegeben hat! (Der Satz „Niemand bezweifelt…“ ist also kein Statement, keine Feststellung einer Tatsache, sondern stellt eine Entrüstung dar oder ist sogar Ausdruck einer Verzweiflung wie „Niemand liebt mich!“ Man kann sich hier Frau Dr. Wiechel vorstellen, wie sie wütend mit dem rechten Fuß aufs teure Holzparkett der Klinik stampft…) Und warum wird dann aber die Existenz von Covid 19 (von den meisten Menschen) nicht bezweifelt? Weil die Pandemie eine von der Politik erzeugte  Erfindung ist, ein Werkzeug eben, um von etwas (den Staatsschulden) abzulenken.

Hier erkennen wir den Nukleus einer Verschwörungstheorie, die im Verlauf dieser fröhlichen Post auf Vitamin D als Heilsbringer und Krebs als das andere große Instrument aus dem Werkzeugkasten der Panikmacher zu sprechen kommt. 

Ich hatte die Frau Dr. Wiechel ja vor fast 10 Jahren kennengelernt. Doch als ich diese Mail las, habe ich mir wahrlich die Augen gerieben. Donnerwetter, die Frau hatte damals doch einen vernünftigen Eindruck gemacht! Und nun dieser Verschwörungswirrwar! Ich erspare mir hier Spekulationen darüber, wie die Leiterin einer Schweizer Privatklinik, die vor gut 10 Jahren aus dem rauhen Berlin in die schönen Schweizer Alpen berufen worden war, dazu kam, vom nüchternen Norden in diesen schwülen Verschwörungsdschungel zu gelangen. Und nun in einer Klinik festsitzt, bei der die reiche Kundschaft ganzheitlicher Spezialbehandlungen es sich wohl zweimal überlegt, in Pandemiezeiten einen medizinisch unterfütterten Erholungsurlaub zu genießen.

Ich habe ihr indes zurückgeschrieben:

Sehr geehrte Frau Dr. Wiechel,,
 
Sie gehören also zu den Verschwörungstheoretikern, die in diesen schweren Zeiten zwar keine Panik verbreiten, sondern nur lauter Unsinn.
 
Ihr Brief ist sprachlich und gedanklich sehr unsauber, und ich mache mir nicht die Mühe, dies an Beispielen zu belegen, da meine Kritik bei Ihnen auf Granit stoßen würde. Ja, ich habe dieses „Vorurteil“, dass man mit Verschwörungstheoretikern in der Regel nicht reden kann.
 
Auf eine Behauptung möchte ich allerdings eingehen. Sie beschreiben Finnland als eine Oase des Glückes, da es nicht verschuldet sei und sich daher entspannt zurücklehnen könne, andeutend, dass es mit Covid 19 klar komme. Beides ist eindeutig falsch. Finnland hat ein Staatsdefizit in 2019, Deutschland nicht. In Finnland gibt es außerdem einige Regionen mit einem hohen Anteil an Corona-Kranken, so dass es einige sehr präzise Reisewarnungen gibt. Aber das gehört ja Ihrer Ideologie nach zur Kategorie der Panikmache.
 
Meine im Jahr 2014 verstorbene Frau und ich waren im Frühjahr 2009 in  Ihrer Klinik, ich glaube, das war in einer Woche, in der es hauptsächlich um die Leber ging. Ein paar Monate später wurde bei meiner Frau ein Leber-Gallenkarzinom im fortgeschrittenen Zustand diagnostiziert. Trotz der bei Ihnen vorgenommen aufwändigen Untersuchungen erhielten wir keinen Hinweis darauf, dass mit der Leber etwas nicht stimmte. Nur der damals bei Ihnen praktizierende Südtiroler Klangguru hat bei ihr im Inneren etwas gehört, was ihm nicht gefiel, weigerte sich aber zu sagen, um was es sich da handelte.
 
Nachdem ich in diesem Scheiben schon auf einen gewissen Mangel an klarem Denken hingewiesen habe, kann ich Ihnen nunmehr auch nicht verhehlen, dass ich schon vor längerer Zeit Zweifel an Ihren Diagnosefähigkeiten hatte, die zu äußern ich aber erst ermutigt wurde durch Ihre nicht nachvollziehbare Stellungnahme zur Pandemiesituation. Einem Arzt oder einer Ärztin, der oder die sich so schwammig wie Sie zur gegenwärtigen Pandemie äußert, würde ich in medizinischer Hinsicht nicht über den Weg trauen.
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Dr. Hermann Hoppenkamps 

 

 

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Immaterielles Kulturerbe

Stille Nacht, Heilige Nacht

Aladin und Adonis, Zwillinge. Sie verschlafen die Zeit…

Seid still und bleibt heil!

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Vom guten Schlafe – Nietzsche kann ein Liedchen davon singen

Leo, die Kuh

Eine kleine Gesellschaft ist mir willkommener als eine böse: doch muss sie gehn und kommen zur rechten Zeit. So verträgt es sich mit gutem Schlafe.

Sehr gefallen mir auch die Geistig-Armen: sie fördern den Schlaf. Selig sind die, sonderlich, wenn man ihnen immer Recht giebt.

Also läuft der Tag dem Tugendsamen.

Kommt nun die Nacht, so hüte ich mich wohl, den Schlaf zu rufen! Nicht will er gerufen sein, der Schlaf, der der Herr der Tugenden ist! Sondern ich denke, was ich des Tages gethan und gedacht. Wiederkäuend frage ich mich, geduldsam gleich einer Kuh: welches waren doch deine zehn Überwindungen? Und welches waren die zehn Versöhnungen und die zehn Wahrheiten und die zehn Gelächter, mit denen sich mein Herz gütlich that? Solcherlei erwägend und gewiegt von vierzig Gedanken, überfällt mich auf einmal der Schlaf, der Ungerufne, der Herr der Tugenden.

Der Schlaf klopft mir auf mein Auge: da wird es schwer. Der Schlaf berührt mir den Mund: da bleibt er offen.

Wahrlich, auf weichen Sohlen kommt er mir, der liebste der Diebe, und stiehlt mir meine Gedanken: dumm stehe ich da wie dieser Lehrstuhl. Aber nicht lange mehr stehe ich dann: da liege ich schon. (Also sprach Zarathustra: Von den Lehrstühlen der Tugend)

da liege ich schon…

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Die Heilige Nacht – Revisited

Gestern war der dritte Advent, also Zeit, etwas für das übliche weihnachtliche Ambiente zu tun. Ich habe also ein kunsthandwerklich gefertigtes Karussell aus dem Keller geholt. Und beim Ölen der Mittelachse, um die sich die hl. Familie samt Hirten dreht, habe ich Theodor Shitstorm auf meinem iPad gehört: Rock & Roll. Das sah dann so aus und hat sich auch so angehört:

Das Karussell rockt…

Und dann kam mir nach langer Zeit in den Sinn, noch einmal ein Persiflat zu schreiben. Denn diese Geschichte von dem schmuddeligen Rock’Roller hat mich doch an die Hl. Familie erinnert, der es, wie allgemein bekannt und der Mythenbildung sehr förderlich, auf dem Weg nach Bethlehem auch sehr dreckig ging:

Josef:

Meine Schuhe sind verschlissen,
und mein Stab ist schon ganz wund.
Doch wir wandern ganz verbissen,
bis uns schlägt die heil’ge Stund‘.
In der Krippe keine Maden,
nur ein nackter kleiner Sohn.
Das ist alles was wir haben!

Mary (mit einem wissenden Lächeln):

Komm, halt’s Maul, das reicht doch schon!

Und so ist aus dem Persiflat eine plausible Kurzfassung der Weihnachtsgeschichte geworden…

Leo Läufer hat sie vertont. Leider hatte er seine Ukulele nicht zur Hand. Aber das ist ja noch ausbaufähig.

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Schwanz, um den Finger gewickelt

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13. Dezember 2020 · 3:21

Weiterer Brief an einen Freund

 

Tach Hermann!

Entschuldige bitte  die Verspätung.
Ich hoffe, es geht Euch gut und Ihr seid eifrig am Plätzchen backen; vielleicht lernst Du gerade, wie man szechuanischen Spekulatius backt. Durchaus interessant sind wohl Deine Bemerkungen zu Churchwell’s Artikel im G (ich spende ihm übrigens jedes Jahr etwas), – freilich auch ziemlich verwirrend, sodass ich – z.Zt. wenigstens – in ihnen kaum einen  Zugang zu einer klaren argumentativen Linie finde, die die Grundlage  für eine Diskussion hergeben könnte.  Ich meine ganz grundsätzlich (habe ich wohl früher schon mal  dass die Amerikadebatte (vor allem in den USA selbst) sich viel zu sehr auf Personen  wie DT und seine Gehilfen,  – fast kaum aber auf den „mindset“ der am. Gesellschaft  (wobei ich nicht – wie es viele tun – nur ihren dicken Bodensatz  meine) konzentriert  oder genauer auf die Frage, ob und wenn,  warum – möglicherweise über viele 
Generationen hin – diese Gesellschaft den „Humus“ geschaffen hat, auf dem  Kreaturen wir DT gedeihen können. Seid draussen vorsichtig … und gegrüsst!

Wolfgang

 

Hallo Wolfgang,

Du bist ja immer noch ein sehr gradliniger Mensch, der sagt, was er meint. 

So, Du bist also der Auffassung, ich schreibe in Bezug auf Amerika nur wirres Zeug… Meine einzige Entschuldigung kann nur darin bestehen, die Ansicht zu äußern, dass dieser Eindruck Folge dessen ist, dass wir uns in zwei unterschiedlichen Diskurswelten bewegen – was diese meine spontanen Reflexe oder Reflexionen angeht.  Meine Überlegungen waren natürlich nicht streng logisch-argumentativ, also diskursiv, sondern entsprachen eher einem sprachlich-musikalischen Scherzo, in dem mal hier, mal da ein Tupfer gesetzt wurde, durch die die Auslösung dieses oder jenes Gedankens freigesetzt werden sollte. Sorry, ich wollte Dich wirklich nicht überfordern. (Auf diese bösartig erscheinende ironische Pointe konnte ich einfach nicht verzichten. Ich hoffe,, Du verzeihst mir. Aber bedenke, dass auch ich nicht ganz begeistert war von Deiner Charakterisierung meiner Gedanken: „Interessant, aber wirr!“.)

Nun aber im Ernst und in alter Freundschaft. Es geht mir jetzt gar nicht mehr um die USA, sondern darum, von Dir als gewieftem Historiker folgende Auskunft zu erhalten: Was ist im heutigen China rechtsextrem, was ist linksextrem?

Hintergrund und Grund meiner Frage ist Folgendes: Ich habe ja, wie Du weißt, ein sehr aktuelles Buch von Fang Fang über die 60 TageTotal-Isolation in Wuhan und in der Provinz Hubei gelesen. Fang Fang erwähnt mehrmals, dass ihr Tagebuch, das sie ja täglich trotz Zensur in China veröffentlichen konnte, vor allem von Linksextremisten (aber auch gelegentlich von Rechtsextremisten) diffamiert wurde. Sie erhielt übelste Kommentare, etc. Während der Kulturrevolution musste sie 10 Jahre lang schwere Arbeit verrichten und durfte erst hinterher studieren. Sie wurde dann ja eine in China sehr bekannte Schriftstellerin und war Vorsitzende des chinesischen Schriftstellerverbandes. Ich sage ja im zweiten Teil meines Artikels, der ja ursprünglich als Brief an Dich gedachte war, noch einiges mehr zu diesem Thema. Ich habe nun bei einem Besuch bei der chinesischen Schwägerin dieses Wuhan Diary erwähnt, und die Reaktion war für mich zunächst verblüffend. Xiu (meine Schwägerin) bekam bei Nennung dieses Namens einen roten Kopf und begann zu schreien: Diese Frau lügt. Diese Frau ist eine Betrügerin. Sie ist eine sehr böse Frau. Sie schreibt nur schlechte Dinge, weil sie damit viel Geld verdienen kann! etc. etc.  Von meiner Frau erfuhr ich dann, dass Xiu offenbar regelmäßig im Internet Zeitung liest. Da wurde mir klar: Sie vertritt genau die linksradikale Position derer, die im Buch erwähnt werden und die so gegen Fang Fang gegiftet haben. 

Was also bedeutet linksradial und rechtsradikal in Bezug auf China heute?

Herzliche Grüße

Hermann

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Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 23

(Reise-)Fieber? (Aber Nietzsche reiste phil.)

Der Anti-Tourist 

„Der Tourismus bildet einen unangenehmen Gegensatz zu einer anderen Migrationsform, die durch die Globalisierung ausgelöst wurde und die wir unverhohlen für problematisch halten. Einerseits öffnen wir die Grenzen äußerst gastfreundlich für die Ausländer, die bei uns Geld ausgeben wollen, andererseits schließen wir sie für jene Ausländer, die bei uns Geld verdienen wollen. Geschmacklos wird es, wenn beide Migrationsformen aufeinandertreffen, wenn also beispielsweise die Touristen im Mittelmeer schwimmen. Denn dann schwimmen sie in einem Massengrab. Die Griechen haben 2015 nur deshalb so sehr auf eine rasche Lösung der Flüchtlingskrise gedrängt, weil die Anwesenheit der Flüchtlinge die Touristen von den Stränden fernhielt.“

Zitat aus: Ilja Leonard Pfeijffer, Grand Hotel Europa, Piper Verlag, München 2020
(Wird demnächst hier besprochen.)

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