Schlagwort-Archive: Friedrich Nietzsche

Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 50: Zu Besuch bei Edgar Allan Poe: Doppelmord in der Rue Morgue

„Es war eine Marotte meines Freundes – denn wie anders sollte ich es nennen? –, daß er in die Nacht um ihrer selbst willen verliebt war; wie alle seine Launen machte ich auch diese mit; ich ließ mich überhaupt ganz von ihm leiten und hieß alle seine bizarren Einfälle gut. Da die Göttin der Nacht nicht immer freiwillig bei uns hausen wollte, erdachten wir Mittel und Wege, uns Ersatz für ihre Gegenwart zu schaffen. Beim ersten Morgengrauen schlossen wir die sämtlichen starken Fensterläden unseres alten Hauses und steckten ein paar duftende Kerzen an, die nur schwache gespensterhafte Strahlen aussandten. Mit ihrer Hilfe wiegten wir die Seele in Träume – wir lasen, schrieben und unterhielten uns, bis die Uhr uns den Anbruch der wirklichen Dunkelheit verkündete. Dann eilten wir in die Straßen, wo wir Arm in Arm umherschlendernd die Gespräche des Tages fortsetzten, und oft streiften wir bis in die tiefe Nacht umher und suchten im grellen Licht und tiefen Schatten der volkreichen Stadt jene Unendlichkeit geistiger Anregung, die stummes Beobachten sich zu verschaffen weiß.“

Friedrich Nietzsche ist leider nicht C. Auguste Dupin. Jener bleibt beharrlich da, wo er hängt. Heißt: Er lässt mich hängen…

Fürs Protokoll: Ich schreibe dies kurz vor dem ersten Morgengrauen und werde wohl bald ein paar duftende Kerzen anzünden. Oder eine Corona (von Dalay in Saarbrücken)… Friedrich fehlt mir!

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Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 45: Warum ich so ein guter Pädagoge bin

Friedrich Nietzsche hat sich gelegentlich (Ecce Homo) in ähnlicher Weise selber gelobt, vermutlich um der radikalen Wahrheit willen, die selbst von denjenigen ausgesprochen werden muss, die sich durch diesen Vorgang in ein ungünstiges Licht setzen…

Bei meiner Gruft-Lektüre von Thomas Manns Jahrhundert-Roman „Joseph und seine Brüder“ stieß ich im Zweiten Hauptstück ABRAHAM auf folgende Stelle:

Kinder sind ja nicht unaufmerksam, wenn ihre Lehrer sie scheltend so nennen; sie sind nur aufmerksam auf andere, vielleicht wesentlichere Dinge, als die Sachlichkeit der Bildenden wünschen mag.

Nun, ich habe solche Träumer immer liebevoll schweigend gewähren lassen, entschuldigend über sie hinweggesehen und mich von jeder Schelte ferngehalten.

(Hier wurde gegenüber einer früheren Version ein Absatz gestrichen, da man leicht falsche Schlüsse hätte ziehen können…)

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Ernst Dronke: Berlin

 

Dieser zum ersten Mal im August 1846 erschienene und Georg Herwegh gewidmete Band über Berlin und über preußische und deutsche Zustände in den Jahren des 19. Jahrhunderts, die man einmal den „Vormärz“ nennen sollte, zeichnet sich vor allem aus durch das vorbehaltlose Engagement des Autors für das soziale, politische, wirtschaftliche und kulturelle Leben seiner Zeit – und zwar aus einer kompromisslos radikal-sozialistischen, ja kommunistischen Perspektive.

Hier nun ein paar Stichwörter zu Aspekten, denen nachzugehen sich lohnen möchte:

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Reflexe und Reflexionen!

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Erste Schritte 2021

Der erste Schritt

(Die Bilder kann man übrigens mit einem Click vergrößern!)

Am Samstag ging Leo spazieren. Sein Weg führte ihn über den leeren Campus der Universität Saarbrücken. Dabei stellte er einige Beobachtungen an. Er kam zunächst an dem Gelände vorbei, auf dem bis vor kurzem noch das gemütliche Gartenlokal Stuhlsassenhausen sich befand.

Strukturwandel

Dann kam er an einem Institut (Frauenhofer?) vorbei, in dem moderne Kunst ausgestellt ist mit Gebilden, die aussehen wie Mutationen des Corona-Virus.

Im Flur gleich neben den Bildern der obligatorische Desinfektionsspender

Als nächstes erreichte ich die Mensa. Auch hier alles still an einem Samstagmittag.

Touching…

 

Geht man danach den Abhang hoch, gewinnt man einen Überblick über die gewaltige Stille. Das einzige menschliche Zeichen ist ein abgestelltes, wahrscheinlich vergessenes Fahrrad.

Der Campus ist leergefegt

Gleich neben der Landstraße die zwei Scheer Tower der Scheer GmbH, die dem Vernehmen nach bewusst in der Farbe der Golden Gate Bridge gehalten sind. Gleich dahinter, im Tal sozusagen, das Silicon Valley der State Capital Saarbrücken.

Kein Mensch, kein Auto, kein Geräusch… Auf allen Straßen ist es still.

Da, ein Turnschuh am Wegesrand. Nur einer! Was mag da passiert sein…

Ein Schuh, der einsam ist wie ich und du.

Und 100 m weiter: Doch was ist das? Der zweite Schuh. Es würde mich nicht wundern, wenn ich jetzt noch die sprichwörtlichen Strümpfe finden würde…

der zweite Schuh, 100 m weiter…

Bleibt fröhlich und gesund in diesem noch recht neuen Jahr. Bleibt vor allem gelassen. Oder wie Elisabeth Förster-Nietzsche (das „Lama“) ihrem Bruder  immer wieder sagte, wenn der sich mal wieder darüber aufregte, dass Gott tot sei, bzw. ihm das niemand glauben wollte:

Nicht Schuhe und Strümpfe verlieren, mein Herzensfritz!

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Vom guten Schlafe – Nietzsche kann ein Liedchen davon singen

Leo, die Kuh

Eine kleine Gesellschaft ist mir willkommener als eine böse: doch muss sie gehn und kommen zur rechten Zeit. So verträgt es sich mit gutem Schlafe.

Sehr gefallen mir auch die Geistig-Armen: sie fördern den Schlaf. Selig sind die, sonderlich, wenn man ihnen immer Recht giebt.

Also läuft der Tag dem Tugendsamen.

Kommt nun die Nacht, so hüte ich mich wohl, den Schlaf zu rufen! Nicht will er gerufen sein, der Schlaf, der der Herr der Tugenden ist! Sondern ich denke, was ich des Tages gethan und gedacht. Wiederkäuend frage ich mich, geduldsam gleich einer Kuh: welches waren doch deine zehn Überwindungen? Und welches waren die zehn Versöhnungen und die zehn Wahrheiten und die zehn Gelächter, mit denen sich mein Herz gütlich that? Solcherlei erwägend und gewiegt von vierzig Gedanken, überfällt mich auf einmal der Schlaf, der Ungerufne, der Herr der Tugenden.

Der Schlaf klopft mir auf mein Auge: da wird es schwer. Der Schlaf berührt mir den Mund: da bleibt er offen.

Wahrlich, auf weichen Sohlen kommt er mir, der liebste der Diebe, und stiehlt mir meine Gedanken: dumm stehe ich da wie dieser Lehrstuhl. Aber nicht lange mehr stehe ich dann: da liege ich schon. (Also sprach Zarathustra: Von den Lehrstühlen der Tugend)

da liege ich schon…

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Karl Lagerfeld

Karl Lagerfeld hat in einem Interview gesagt, sinngemäß: Ich komme ins Leben, und ich gehe da wieder raus. Mehr ist nicht.“ (Aber er besaß besondere Handschuhe.)

Nietzsche hat geschrieben:

Das Leben als Ertrag des Lebens. – Der Mensch mag sich noch so weit mit seiner Erkenntnis ausrecken, sich selber noch so objektiv vorkommen: zuletzt trägt er doch Nichts davon, als seine eigene Biographie. (Aber er besaß nur einen Koffer mit ein paar Büchern.)

Karl & Friedrich:

Zwei Giganten.

Und was hat das alles mit Glücksklee zu tun? Oder einem gestorbenen Vater und einer liebenden Mutter? Es braucht halt etwas Glück und auch vielleicht ein bisschen Klee, um so klug zu werden. Auf jeden Fall aber muss die Mutter überleben…

 

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