Monatsarchiv: Juli 2019

Janis-Joplin-Avatar am Schloss

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Ja, dieses Konzert kam mir schon etwas unwirklich vor.

Diesen Sonntag sollte also die Band Kozmic Blue am Saarbrücker Schloss spielen. Der Kern besteht aus dem alten Ehepaar („30 Jahre heiße Beziehung!“ rief der Ehemann aus dem Hintergrund, als sie von 42°-heißen Grillabenden im Wohnzimmer – drinnen war es nur noch 32° – berichtete…) Ingeborg Maggie McInthun (aus Düsseldorf) und Gerhard Sagemueller (aus Köln). Sie tritt auf als Wiedergängerin von Janis Joplin (Sie ist in jüngeren Jahren vor allem bei einigen Janis-Joplin-Gedenkveranstaltungen aufgetreten.), er, der frühere Trommler, hat nach einem Hörsturz „auf der Bühne“ akustische Gitarre gelernt und spielt nun auf der Bühne neben der Gitarre immer noch mit einem Fuß ein Restschlagzeug. Maggie spielt neben Querflöte und Mundharmonika auch eine Kazoo, wenn es besonders traurig oder wütend klingen soll. Nachdem ihr Bassist, Claeusel Quitschau, sich nach Drogenexzessen nicht nur von der Bühne, sondern auch von dem ganzen Rest des Lebens verabschiedet hatte, fehlt der Band offenbar ein ebenso charismatischer Bassist. Der in Saarbrücken vorhandene hinterließ allenfalls den Eindruck eines gutmütigen, etwas  aufpolierten Türstehers. Der dritte Mann, der an der Orgel, hatte das Charisma des guten Onkels von nebenan, der in seinen Spielpausen mit offenkundigem Wohlgefallen der Saengerin,  der „Nichte“ also, lauschte, die aber in Wirklichkeit etwa gleichen Alters sein dürfte. Frauen haben oft ein längeres Verfallsdatum. Das Problem dieser Band war, dass sie vielfach Stücke spielte, die ich von Interpreten kannte, die solches mit 20 oder 25 Jahren gespielt oder gesungen haben (Me and Bobby McGee). Und nun wurden sie dargeboten von einer stimmlich durchaus begnadeten Sängerin, die in der Ansprache zwischen zwei Stücken bekannt gab, sie freue sich nach einer Tournee immer wieder darauf, zu Hause ihre drei Enkelkinder in die Arme nehmen zu können. Die einen Appell ans Publikum richtete, einen Glasbehälter mit zu ALDI zu nehmen, um darin bestimmte Sachen nach Hause zu transportieren, statt in Plastikbeuteln. Das Publikum am Schloss klatschte Beifall, der in diesem Fall recht günstig zu haben war. Und manche Frauen und Männer in der ersten Reihe am Bühnenrand gegenüber bewegten ihre  Arme und Hüften beim darauf folgenden Stück noch etwas geschmeidiger, rhythmisch, klimafreundlich.

War das Konzert ein Erfolg? Ich fürchte,  ja.

PS. Es gab einen anrührenden Moment, als nämlich der Türsteher dem Hörgestürzten einmal kurz den Arm um die Schulter legte. In diesem Augenblick kam mir der Gedanke: Die Leute da oben haben in ihrem Leben tatsächlich schon so einiges wegstecken müssen. Es gibt im Zusammenhang mit dem Tod des „Ausnahmebassisten“ vor drei Jahren eine Todesanzeige im Netz und in deren Kontext kommen ein paar alte Freunde zu Wort, die ihr Entsetzen darüber äußern, dass sie miterleben mussten, welche Qualen der Verstorbene lange erlitten hat. Diese nach dem Konzert erhaltene Info kann nun aber kein Grund dafür sein, irgendetwas von dem zurückzunehmen, was ich in spontaner Reaktion aufgeschrieben habe. Ich wollte ja offensichtlich keinen Bericht, sondern eine Glosse verfassen. Vielleicht ist es ja eine gnadenlose Glosse geworden…

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Eingeordnet unter Blies am Schloss 2019, Blues am Schloss 2019, Zeitliches

Liebesgedicht bei 41,5°

Leo an Nena

 

Der Tag ist heiß, die Nacht ist schwül,

es folgt ein warmes Bauchgefühl.

Denk‘ nur an Dich, Du heiße Braut,

doch hat’s mir den Verstand versaut.

Wenn milde Tage treten ein,

wirst Du schon leicht vergessen sein…

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Eingeordnet unter Tagebuch, Zeitliches

Menschenwürde

Im Jahr 1796 haben Schiller und Goethe sog. Xenien verfasst (Der Begriff geht auf den römischen Dichter Martial zurück und bedeutet im Griechischen „Gastgeschenke“.), also Epigramme in der Form von Distichons, in denen die beiden Weimarer sich über so Manches in der deutschen Literatur lustig machten. Aber nicht nur, wie man an folgendem Distichon erkennen kann, dessen Urheber Schiller ist.

 

Friedrich Schiller: Würde des Menschen

Nichts mehr davon, ich bitt euch. Zu essen gebt ihm, zu wohnen,

Habt ihr die Blöße bedeckt, gibt sich die Würde von selbst.

 

Das liest sich doch wie ein Appell der Uno an die Staaten dieser Welt, dafür Sorge zu tragen, dass Hungersnöte, Flucht, Vertreibung, aber auch jede Form von prekären Lebensverhältnissen überwunden werden müssen, wenn wir dem Wort von der „Würde des Menschen“ noch einen Sinn zugestehen wollen.

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Eingeordnet unter Reflexe und Reflexionen, Zeitliches

Mal was Selbstkritisches…

Als Nietzschefan und -verwerter setze ich gelegentlich bei Nietzsche an, um bei mir zu enden. Das ist neulich gründlich in die Hose gegangen, wie mir erst so richtig bewusst wurde, nachdem ich über ein Verdikt von Friedrich Schiller gestolpert bin. Aber der Reihe nach.

Neulich habe ich ein kleines Poster entworfen und realisiert. Ein paar Sätze von Nietzsche sowie zwei Bilder von Rosen in meinem Garten hatten mich dazu inspiriert.

Die Collage ist nicht besonders geschickt aufgebaut und wurde seit ihrer Anbringung in meinem Gartenhaus auch relativ verhalten aufgenommen. Das hat mir allerdings zunächst wenig ausgemacht. Denn ich fand zumindest mein Verslein immer noch ziemlich witzig.

Bis ich in einem Brief von Friedrich Schiller an Johann Wolfgang Goethe vom 24. November 1797 folgenden Satz fand:

Man sollte wirklich alles, was sich über das Gemeine erheben muß, in Versen wenigstens anfänglich konzipieren, denn das Platte kommt nirgends so ins Licht, als wenn es in gebundener Schreibart ausgesprochen wird.

 

Ich war platt! Dennoch Danke, großer Dichter…

 

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Implosion eines Scherzkekses

Youying und ich schauen uns einen Film an. Eine Frau beklagt sich, dass ihr Mann ihr keine Luft zum Leben lässt. Ich denke bei mir: Hoffentlich lasse ich meiner kleinen chinesischen Frau genug Luft. Ich möchte indes einen Scherz machen und sage zu ihr: Ich habe genug Luft, mein Schatz. Sie sagt: sehr viel Luft.

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