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Janis-Joplin-Avatar am Schloss

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Ja, dieses Konzert kam mir schon etwas unwirklich vor.

Diesen Sonntag sollte also die Band Kozmic Blue am Saarbrücker Schloss spielen. Der Kern besteht aus dem alten Ehepaar („30 Jahre heiße Beziehung!“ rief der Ehemann aus dem Hintergrund, als sie von 42°-heißen Grillabenden im Wohnzimmer – drinnen war es nur noch 32° – berichtete…) Ingeborg Maggie McInthun (aus Düsseldorf) und Gerhard Sagemueller (aus Köln). Sie tritt auf als Wiedergängerin von Janis Joplin (Sie ist in jüngeren Jahren vor allem bei einigen Janis-Joplin-Gedenkveranstaltungen aufgetreten.), er, der frühere Trommler, hat nach einem Hörsturz „auf der Bühne“ akustische Gitarre gelernt und spielt nun auf der Bühne neben der Gitarre immer noch mit einem Fuß ein Restschlagzeug. Maggie spielt neben Querflöte und Mundharmonika auch eine Kazoo, wenn es besonders traurig oder wütend klingen soll. Nachdem ihr Bassist, Claeusel Quitschau, sich nach Drogenexzessen nicht nur von der Bühne, sondern auch von dem ganzen Rest des Lebens verabschiedet hatte, fehlt der Band offenbar ein ebenso charismatischer Bassist. Der in Saarbrücken vorhandene hinterließ allenfalls den Eindruck eines gutmütigen, etwas  aufpolierten Türstehers. Der dritte Mann, der an der Orgel, hatte das Charisma des guten Onkels von nebenan, der in seinen Spielpausen mit offenkundigem Wohlgefallen der Saengerin,  der „Nichte“ also, lauschte, die aber in Wirklichkeit etwa gleichen Alters sein dürfte. Frauen haben oft ein längeres Verfallsdatum. Das Problem dieser Band war, dass sie vielfach Stücke spielte, die ich von Interpreten kannte, die solches mit 20 oder 25 Jahren gespielt oder gesungen haben (Me and Bobby McGee). Und nun wurden sie dargeboten von einer stimmlich durchaus begnadeten Sängerin, die in der Ansprache zwischen zwei Stücken bekannt gab, sie freue sich nach einer Tournee immer wieder darauf, zu Hause ihre drei Enkelkinder in die Arme nehmen zu können. Die einen Appell ans Publikum richtete, einen Glasbehälter mit zu ALDI zu nehmen, um darin bestimmte Sachen nach Hause zu transportieren, statt in Plastikbeuteln. Das Publikum am Schloss klatschte Beifall, der in diesem Fall recht günstig zu haben war. Und manche Frauen und Männer in der ersten Reihe am Bühnenrand gegenüber bewegten ihre  Arme und Hüften beim darauf folgenden Stück noch etwas geschmeidiger, rhythmisch, klimafreundlich.

War das Konzert ein Erfolg? Ich fürchte,  ja.

PS. Es gab einen anrührenden Moment, als nämlich der Türsteher dem Hörgestürzten einmal kurz den Arm um die Schulter legte. In diesem Augenblick kam mir der Gedanke: Die Leute da oben haben in ihrem Leben tatsächlich schon so einiges wegstecken müssen. Es gibt im Zusammenhang mit dem Tod des „Ausnahmebassisten“ vor drei Jahren eine Todesanzeige im Netz und in deren Kontext kommen ein paar alte Freunde zu Wort, die ihr Entsetzen darüber äußern, dass sie miterleben mussten, welche Qualen der Verstorbene lange erlitten hat. Diese nach dem Konzert erhaltene Info kann nun aber kein Grund dafür sein, irgendetwas von dem zurückzunehmen, was ich in spontaner Reaktion aufgeschrieben habe. Ich wollte ja offensichtlich keinen Bericht, sondern eine Glosse verfassen. Vielleicht ist es ja eine gnadenlose Glosse geworden…

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Bad Temper Joe – Sonntags ans Schloß

Am 8. Juli war es wieder soweit. Bad Temper Joe spielte am Schloss in Saarbrücken auf mit seiner Band, Max Dettling am Bass, Paul Moser am Schlagzeug und Marcel Rahe mit Mundorgel. Geboten wurde „zeitgemäßer Roots-Blues“ (whatever that means), der „staubtrocken“ daherkommen soll, zugleich aber auch „gefühlvoll“, und weil das offenbar unzureichend beschrieben ist, soll er noch „einfach mitreißend“ sein, wie die Vorankündigung verheißt. Lap-Slide-Gitarre gehörte zum Programm, genauso wie das bad-temperierte Genuschele Joes, bei dem man oft nicht wusste, ob er Englisch sprach oder irgendeinen Bielefelder Dialekt.

Für meine Freunde stelle ich ein paar Fotos online, wie immer durch Passwort geschützt. Diese im nächsten Beitrag.

Und  für meine allgemeinen BLOG-Follower hier ein paar Bilder,  öffentlich zugängliche Impressionen :

 

 

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Sonntags ans Schloss 30. August 2015

Honey Creek

Kawumm!

Kawumm!

Das letzte Konzert in diesem Sommer wurde von einer Band aus Saarbrücken bestritten, die also ein absolutes Heimspiel hatte. James Boyle, der Mann, um den herum sich die Honey Creek (mit Michael Reufsteck, Holger Janes und Martin Donner) gebildet hat, wie es auf deren Homepage heißt, und der aus Amerika stammen soll, machte seine Ansagen allerdings in der schönen hessischen Mundart. Irgendwie erinnerte er mich an Uncle Sam, den Uramerikaner mit dem Zylinder. Denn auch er trug einen Chapeau Claque, einen Frack und eine hautnahe Hose, die seine dünnen Beinchen gut zur Geltung bringt. Allerdings nicht in den amerikanischen Farben, sondern in Schwarz-Weiß gehalten, ein paar Streifen hier und da und an den Ohren etwas, was man, wenn man sich in der einschlägigen Szene nicht so gut auskennt, für Riesen-Ohrringe halten könnte, in Wirklichkeit aber ins Monumentale gedehnte Ohrläppchenlöcher sind, in denen, wie ich früher schon mal schrieb, als ich James Boyle noch nicht kannte, Papageien Platz fänden.

DSCN3394Die Honey Creek sind in dem Alter, wo der meiste Honig schon den Bach runter gegangen sein dürfte. Sie sind in Würde gealterte, domestizierte Punks. Und die zahlreich erschienenen Saarbrücker Altrocker und Altrockerinnen waren begeistert. Vieles war zum Mitsingen, also alte Rock Lyrics.

Man kann wirklich sagen, dass an einem der letzten wirklich warmen Sommertage ein großes Publikum zum Schloss geströmt ist, jung und – erstaunlich viel – alt.Und M. meinte es Ernst, als er am Schluss wehmütig in unsere Runde fragte: Und was machen wir in den nächsten Monaten des Sonntags? Darauf hatte niemand eine schlüssige Antwort…

 

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