Ich bin heute Abend gegen 19:30h also zum letzten Mal von Schwiegermamas Wohnung zum Hotel gegangen, das ich gebucht hatte, als mir klar wurde, dass ich auf diesem harten Bett nicht schlafen kann. Jeder Raum im Erdgeschoss der Häuser wird wirtschaftlich genutzt. Es gibt unzählige kleine Imbisse, Gemüsestände, Eiscafés, Autowerkstätten, Frisöre und Geschäfte, deren Wesen ich nicht verstehe. Vor manchen Häusern sind die Gehwege belegt mit niedrigen Plastikhockern und kleinen Tischen, auch mit Gemüse- und Obstauslagen, die auf einem Tuch auf dem Erdboden angeboten werden. Auf meinem Weg zum Hotel muss ich eine sehr breite Straße überqueren, die aus vier Strängen besteht. Mittig zwei dreispurige Fahrbahnen, außen daneben jeweils noch eine andere Spur, die häufig von Vespas genutzt wird, aber nicht nur, und häufig auch in jeweils beiden Richtungen. Wenn die Fußgängerampel auf Grün schaltet, sollte man sich also anscheinend beeilen. Irgendwann in Höhe der zweiten breiten Mittelstrecke beginnt die grüne Ampel zu blinken. Da muss man sich aber keine Sorgen machen, denn selbst bei Rot tut sich in diesem Teil der Kreuzung erst mal gar nichts. Denn der Gegenverkehr wird nun für Linksabbieger freigegeben, und das dauert. Man kann also relativ entspannt über diese Monsterkreuzung gehen, wenn man die Ampelschaltung studiert und die richtigen Schlüsse zieht. Spannend übrigens, wie die zu bestimmten Zeiten leere Kreuzung, wenn Autos warten müssen oder nicht vorhanden sind, die Vespas kreuz und quer in alle Richtungen lautlos über die Kreuzung schießen, hinten die Frau drauf, dazwischen ein Kind, und evtl. noch ein zweites Kind zwischen den Beinen des fahrenden Vaters. Oft wird eine solche Familienidylle noch durch einen großen Schirm verziert, der sich über das Gefährt spannt und bei Sonnenschein nicht extra abgenommen wird. Interessant übrigens auch, dass man fast nur SUVs auf den Straßen sieht, und eben die zahlenmäßig überlegenen Vespas, von denen unzählige überall in endlosen dichten Reihen geparkt sind. Fahrräder sieht man fast keine mehr hier. Außer an Sonntagen, wenn die Schüler nicht in die Schule müssen und mit dem Fahrrad unterwegs sind. Fazit: Im Vergleich zu Europa ist sowohl der Fahrzeugbesitzstand als auch die Verkehrsorganisation völlig anders strukturiert. Was ist, wenn sich hinter dem vermeintlichen Chaos in China ein diszipliniert geordnetes System befindet, dessen Zusammenwirken wir (Europäer) nicht verstehen? Was Putin will, glauben die meisten zu wissen. Was Trump will, weiß keiner. Was Xi Jinping will, diese chinesische Sphinx? Gibt er uns tödliche Rätsel auf?
Monatsarchiv: Mai 2026
Chaos oder System? Chinas einzigartige Organisation
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Aus meinem chinesischen Tagebuch
Nach dem Essen standen Gaumang und ich erst mal ein wenig auf dem Balkon. Wir schauten aus der 27. Etage runter auf den Verkehr und unterhielten uns in comparativistischer Absicht über deutsches und chinesisches Verhalten im Straßenverkehr. Die Chinesen fahren z.B. anscheinend ganz regellos über Kreuzungen, und der brave Europäer wundert sich, dass da nicht am laufenden Band Unfälle passieren… Anschließend drinnen im kleinen Wohnzimmer gesessen, reichlich bedient mit Obst. Chinesische Bananen sind viel kompakter als die, die wir kennen. Sie sind sogar noch härter als eine Birne. Litschis kann man mit einem Trick gut essen. Hua Wei hat es mir gezeigt. Man entfernt die Schale nur auf Hälfte. Dann hält man die Frucht vor den Mund, offene Seite dem Mund zugewandt, und entlässt die Frucht mit einem Druck auf den ungeschälten Teil in den Mund. Man braucht dann später nach ein paar Umdrehungen der Frucht im Mund, bei der die Zähne und die Zunge eine gewisse Rolle spielen, nur noch den Kern entsorgen. Schält man dagegen die Frucht ganz, bevor man sie kulinarisch in Anspruch nimmt, ergibt sich vor dem aktiven Genuss eine nasse Sauerei.

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Dongxing, im Mai 2026
Die Frau, bei der ich heute (wieder mal) Wein gekauft habe, schien mich schon zu erkennen, als ich über die Schwelle trat. Obwohl sie beim letzten Mal und auch nicht davor hier anwesend war. Anscheinend ist ein Europäer, der hier einkauft, ein solches Ereignis, dass diese Nachricht sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Jeder weiß, hier irgendwo wohnt eine Langnase, die jeden Tag eine Flasche Rotwein kauft. Mir scheint, das Regal hinter der Kasse ist gut aufgefüllt worden, mit lauter Flaschen, auf denen Great Wall steht. Heute griff die Frau, die mich kannte, die ich aber noch nie gesehen habe, ins Regal und wollte eine Flasche Great Wall zu 128 Yuan herausnehmen. Ich zeigte auf die daneben, für 58 Yuan, und hörte eine Co-Verkäuferin, die hinter mir stand, etwas rufen, das danach klang: Er meint nicht die, Du übertreibst nun wirklich, meine Liebe, er meint die daneben! Mit einem allround Bye wurde ich schließlich verabschiedet. – Wollt Ihr wissen, was das chinesische Orakel in Wirklichkeit gesagt hat? Here we go: 你這個愚蠢的瘋子,現在不要誇大其詞,否則長鼻子不會回來的

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Chinas Märkte: Einblicke in Tradition und Fortschritt
Genauer gesagt: Tradition und tehnologischer Fortschritt. Das geht wohl nirgends so handinhand wie in China. Das folgende Bild stammt von einem Markt in Südchina, auf dem ich vor mehr als 10 Jahren schon einmal gewesen bin. Heute ist noch alles genau so wie damals, wahrscheinlich wie vor 100 Jahren. Mit einer Ausnahme: Die vielen QR-Codes (für WeChat) sind neu. Auf diesem Markt kommt man ohne Bargeld aus.
Die Hühnchenbeine da unten strecken sich himmelwärts, buy me! Der QR-Code da oben ist das Einfallstor für das irdische Tauschverhältnis. Über virtuelles Geld werden sich die Beinchen und das Drumherum in ein schmackhaftes Menu verwandeln. Und das alles ohne jeden (realen) Cent und Pfennig.
Brauchen wir überhaupt die Wirklichkeit noch?
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