Genauer gesagt: Tradition und tehnologischer Fortschritt. Das geht wohl nirgends so handinhand wie in China. Das folgende Bild stammt von einem Markt in Südchina, auf dem ich vor mehr als 10 Jahren schon einmal gewesen bin. Heute ist noch alles genau so wie damals, wahrscheinlich wie vor 100 Jahren. Mit einer Ausnahme: Die vielen QR-Codes (für WeChat) sind neu. Auf diesem Markt kommt man ohne Bargeld aus.
Die Hühnchenbeine da unten strecken sich himmelwärts, buy me! Der QR-Code da oben ist das Einfallstor für das irdische Tauschverhältnis. Über virtuelles Geld werden sich die Beinchen und das Drumherum in ein schmackhaftes Menu verwandeln. Und das alles ohne jeden (realen) Cent und Pfennig.
„Leo Läufer ist ein Blogger und Kommentator, der sich mit aktuellen gesellschaftlichen und politischen Themen auseinandersetzt. Auf seiner Webseite veröffentlicht er regelmäßig Artikel, die oft gesellschaftliche Beobachtungen, philosophische Reflexionen und persönliche Anekdoten enthalten. Seine Themen reichen von Kunst und Literatur über Politik bis hin zu persönlichen Geschichten. Läufer scheint ein besonderes Interesse an kulturellen und historischen Themen zu haben und teilt seine Perspektiven oft durch ausführliche Analysen und Kommentare [oai_citation:1,That’s the way the world ends: – Leo Läufer](https://leolaeufer.com/2020/11/16/thats-the-way-the-world-ends/) [oai_citation:2,Eine kurze Geschichte vom Töten – Leo Läufer](https://leolaeufer.com/2021/06/28/eine-kurze-geschichte-vom-toten/) [oai_citation:3,Leo Läufer – Seite 2 von 38 – Kommentare zum Zeitgeschehen](https://leolaeufer.com/page/2/).Für weitere Informationen und um seine Artikel zu lesen, kannst du seine Webseite [Leo Läufer](http://leolaeufer.com) besuchen.„
„Wer ist Leo Läufer?“ hatte ich die KI gefragt. Die Antwort war überwältigend. Ich denke, ich werde die KI nun für knapp 30€ mtl. abonnieren… Soviel Lobbyismus muss schließlich belohnt werden… Andererseits, – diese Antwort der KI wird mir keinen einzigen Follower für meinen Blog einbringen, der so vor sich hindümpelt…
Aber werden wir der KI gerecht und veröffentlichen ein paar „gesellschaftliche Beobachtungen, philosophische Reflexionen und persönliche Anekdoten“, jetzt:
Vor kurzem habe ich mich mit Qing, meiner chinesischen Schwägerin, über ihre Zeit in Vietnam unterhalten und die Situation nach ihrer Abschiebung nach China 1978. Sie lobte das chinesische Überwachungssystem vorbehaltlos. Vor 30 Jahren hätten die Menschen in China noch Angst gehabt, in ihrer Wohnung schamlos beklaut zu werden. Jetzt lebten sie in Sicherheit. Und dann sagte sie noch etwas, was offensichtlich mit den systemischen Differenzen zu tun hat. Sie nannte als Beispiel: Wenn in Saarbrücken eine neue Straße gebaut werden soll, dann müssen viele Parteien entscheiden. Das dauere oft viel zu lang. In China dagegen gebe es nur eine Partei. Da würden die Dinge eben sofort gemacht. Alles ging schneller. Schließlich erwähnte sie noch eine deutsche Freundin, die sich über die vielen Überwachungskameras in China aufgeregt hat. Sie kommentierte diesen Hinweis nur mit einem kurzen Auflachen. Solche Leute haben ja keine Ahnung, hieß das. Ich habe nur ansatzweise widersprochen. Denn ich weiß ja, meine Schwägerin ist Zeugen Jehovas. Und mit denen kann man ja bekanntlich nicht diskutieren… Im Ernst: Ich reflektiere, und oszilliere. Soll ich mich jetzt abwenden und mich in mein kluges Schneckenhaus zurückziehen? Oder soll oder muss ich mir eingestehen, dass ich von anderen Menschen wenig verstehe. Ich habe keine Ahnung, wie die manchmal zu skurrilen Meinungen kommen. Aber sie haben ja auch ganz andere Erfahrungen als ich gemacht, sind anderen Menschen begegnet, haben andere „Schicksalsschläge“ abbekommen. Ich kann also gar nicht über sie urteilen. Dann wäre es aber inkonsequent, wenn ich mich von ihnen abwendete. Denn das hieße ja, sie zu verurteilen, denn ich nähme sie dann ja im Grunde nicht ernst.
Aber reden wir jetzt auch mal über Brandmauern. Leute wie meine Schwägerin nehmen ja z.B. meine Einwände zur Kenntnis und gehen dann zur Tagesordnung über, legen einen Schwenker auf und besorgen mir ein Bier. Solche eben angedeuteten privaten Diskurse, in denen am Ende jeder Mensch Mensch bleiben kann, selbst wenn jeder den anderen nicht versteht, unterscheiden sich von manchen öffentlichen Diskursen unserer Tage. Wenn etwa gesagt wird, wir stünden am Abgrund und Deutschland müsse gerettet werden, dann kann man das nicht abtun mit der Bemerkung, das sei halt eine Meinungsäußerung und zur Tagesordnung übergehen. Denn das ist ja gerade keine Meinungsäußerung, sondern eine Kampfansage. Also bedrohlich. Und gegen so etwas muss man sich wehren und sich nicht einfach abwenden und schweigen und sich ein Bier bringen lassen… Denn solche Leute verteilen ja „Süßigkeiten“ in einer beträchtlichen Bandbreite. Sie organisieren Bürgerfeste (die Nazis machen das in den sog. Neuen Bundesländern), kümmern sich, auch um die Kleinen, an die sie Schokolade verteilen (das waren neulich die Sympathisanten der Hamas, die ja den Staat Israel auslöschen will).
Zum Schluss noch ein Gedanke, der in die andere Richtung geht. Apropos Hamas. Es wird gesagt, die Hamas missbrauche die eigenen Landsleute als Geiseln im Krieg gegen Israel. Das stimmt wahrscheinlich. Aber Entschuldigung. Israel hat doch die Bevölkerung im Gaza aufgefordert, in den Süden zu gehen. Wenn nun dort aber der harte Kern der Hamas sitzt, kann man es der Hamas nicht zum Vorwurf machen, diese Menschen in Geiselhaft zu nehmen. – Aber die Situation in „Palästina“ (ehemals Britische „Kolonie“, also unter britischem Mandat) ist so komplex, dass jeder Satz darüber sofort relativiert werden müsste, in endloser Schleife, also gibt es für diese Situation keine Lösung, in der Worte relevant wären. Das haben die letzten 75 Jahre gezeigt. (Demnächst werde ich hier das Buch „1948“ von Benny Morris vorstellen, das beschreibt, wie Israel entstand.)
Ich hoffe doch, der geneigte Leser hat verstanden, dass ich die Power der KI bewundere, dass ich aber dennoch an ihrem Sinn zweifle… Ihre so schön und perfekt formulierten Antworten haben mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Den in meinem Fall dargestellten tollen Dingen wäre nur dann Realitätsstatus anzuerkennen, wenn das, was da gesagt wird, auch dem entsprechen würde, was bei den Lesern meines Blogs ankommt. Da ich aber nur wenige Leser habe, ist die Beschreibung der KI gigantomanisch.
Dann mit Youying Sturm der Liebe angeschaut. Die Liebenden hatten in dieser Folge viel Schwierigkeiten miteinander. „Die Kacke ist am Dampfen!“ habe ich des öfteren kommentiert. Youying hat schließlich auch mal gesagt, und zwar durchaus passend: „Kacke Dampf!“ Am Nachmittag hatte ich ihre neue Karaoke-Anlage so eingerichtet, dass sie problemlos ihre Songs sehen und hören konnte. Nach „unserem“ Sturm der Liebe fragte sie mich, was ich nun mache. Ich sagte, ich schaue jetzt noch Wilsberg. Wo? fragte sie. Da wusste ich, dass es Zeit wäre, das Feld zu räumen und mich in mein Zimmer im Dachgeschoss zurückzuziehen. „Ok, ich verstehe. Du willst noch was Karaoke machen.“ sagte ich und habe sogar noch das Gerät angeschaltet. Und sie, als das Theater losging: „Ist laut. Du schade, dass Kauf?“ Bevor ich etwas antworten konnte, schob sie nach: „Kacke Dampf?“ Und unser beider Lachen übertönte schließlich den chinesischen Pop-Song, den eine sexy China-Sängerin, die auf dem Riesen-Bildschirm gewisse einstudierte Verrenkungen verübte, die denen in amerikanischen Supershows wie z.B. „Utah seeks the Super Star“zum Verwechseln ähnelten, um ein Vielfaches.
Te-Ping Chen ist eine junge amerikanische Autorin mit Wurzeln in China, die ein paar Jahre in Peking als Korrespondentin des Wall Street Journals gearbeitet hat. Diese erste Sammlung von Kurzgeschichten basiert im Wesentlichen auf ihren genauen Beobachtungen aus ihrer Zeit in China. Sie beschreibt alltägliche Ereignisse und typische Schicksale, denen meistens nicht einmal der Geruch von etwas Außergewöhnlichem anhaftet. Was macht dann aber dieses 2021 erschienene Buch dennoch so lesenswert?
Alan Sillitoe: A Tree on Fire. Grafton Books, London 1986 (1967)
Warum nimmt jemand im Jahr 2021 ein Buch aus dem Jahr 1986 zur Hand und liest es dann auch noch, das vor über 50 Jahren geschrieben und im Jahre 1986 als Paperback noch einmal veröffentlicht wurde? Ich hatte es 1987 auf Mallorca entdeckt, im Hotel Leo (ja, so hieß das Hotel wirklich), in einer Art Hotelbücherei, es ausgeliehen, musste es aber wegen meiner Abreise halbgelesen wieder abgeben, kaufte es aber in der Flugzeughalle, um es zu Ende lesen zu können. Damals war das Buch offenbar irgendwie populär.
Meine damalige Freundin oder Geliebte, der Status wurde nie richtig geklärt, hatte Mallorca schon nach drei Tagen wieder verlassen, da wir uns ständig stritten. Ich hatte also, da es Winter war, viel Zeit zum Lesen. Der Name des Autors, Alan Sillitoe, hatte mich gereizt, denn als eingefleischter Anglist (Bruno von Lutz) kannte ich seine Erzählung The Loneliness of the Long Distance Runner. Mich hat diese Story fasziniert, da die Frage nach der Würde des Menschen darin so radikal angegangen wird. Ein jugendlicher Kleinganove, der nie eine Chance im Leben hatte und wohl auch keine bekommen würde, sitzt wegen eines Diebstahldeliktes im Knast, und man erkennt, dass er ein phantastischer Langstreckenläufer ist. Also lässt man ihn trainieren, da die Gefängnisleitung darauf hofft, dass er zur Ehre der Anstalt Preise gewinnen wird. Im entscheidenen Wettkampf gegen angesehene Gegner liegt der junge Mann wenige Meter vor dem Ziel weit vor den anderen, doch er hält inne und lässt die anderen an sich vorbeiziehen. Das heißt, er lässt sich nicht instrumentalisieren, er begehrt auf und bewahrt seine Würde. Ein Sieg hätte bedeutet, er hätte seine Würde verloren. Diese Geschichte ist deshalb so beeindruckend, weil sie eine Art Allegorie ist für den allgemeinen Würdeverlust sowohl in den kapitalistisch-demokratischen als auch in den autokratischen Gesellschaften à la China. „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Die Würde wird dem Menschen heute oft nicht durch andere Menschen genommen, viele Menschen nehmen sie sich selber. Viele haben das Menschsein einfach nicht gelernt. Aber das ist ein anderes Thema und ein weites Feld…
Ich schaue mir das Cover des Paperbacks an: Im bildlichen Gestaltungsteil sehen wir einen Schnuller und zwei Gewehrpatronen. Um die Bedeutung des Schnullers zu verstehen, braucht man nur den ersten Satz des Romans zu lesen:
„With four week-old Mark wrapped in his woolen shawl she went out to the upper deck.“
Wenn Sie an einer launigen Besprechung interessiert sind, schauen Sie mal nach bei Reflexe und Reflexionen.
Hallo Wolfgang, wie schon gesagt: Ein sehr interessanter Artikel. Hast Du denn schon für den GUARDIAN gespendet? Lügen – Paranoia – Verschwörungstheorien: Ja, das führt zur Wissenskrise. Nicht mehr unterscheiden können zwischen Wahr und Falsch. Die Indifferenz der Gesellschaft dem einzelnen gegenüber, die auf deren Vielfältigkeit beruht, wird als Missachtung erlebt, für die doch jemand geradestehen muss (die Regierung, der Staat, die Juden, etc.), und dann gibt es da „eine starke Persönlichkeit“, die das mal klar ausspricht. Voila, nun haben wir den Salat, sprich den Faschismus. Aber wenn sich nun Corona-Gegner mit Anne Frank vergleichen oder mit Sophie Scholl, ist das nicht einfach nur Dummheit? Punkt! Wer sagt denn, dass die meisten Menschen nicht dumm sind? Kann doch sein, oder? Und wenn dann die Dummen bei Wahlen alle ihre Stimme abgeben, ist doch demokratisch, oder? Aber in den USA scheint es doch nun so zu sein, dass die Republikaner hoffnungslos in der Minderheit sind. Und da sie so die Dummen sind, bleibt ihnen nichts übrig, als mit Hilfe autoritärer Strukturen (Richterstellen besetzen auf Teufel komm raus) oder sinistrer Manöver (Leugnen, was das Zeug hält) wieder an die Macht zu kommen. Und wenn sich Dummheit mit Lügennarrativ verbindet? So bei Tommy Tuberville, frisch gewählter Senator aus Alabama, der behauptet, sein Vater habe im 2. Weltkrieg Europa vom Sozialismus errettet. Nun sind aber die Demokraten die Sozialisten, und der 2. Weltkrieg würde ja nichts genutzt haben, wenn die jetzt wieder – und sogar in den USA – an die Macht kämen. Was für ein Sumpf!!! Ich weiß übrigens nicht, ob ich nicht den Pence für den noch Gefährlicheren halten sollte. Siehe dazu die Ausführungen zu „Totalitarismus – Theokratie“. Recht hat Sarah Churchwell, wenn sie betont, es gehe in den USA nicht um politische, sondern um existentielle Opposition. Was ja bedeutet, dass wir uns dort wieder im Naturzustand befinden (Hobbes, Locke), was ja angesichts der teilweise schwer bewaffneten Trump-Anhänger auch bedeutet, dass es sich hier nicht um eine abstrakte Theorie handelt. Und das Tantra der ungebrochenen starken Demokratie in den USA (George Washington verzichtete auf eine 3. Präsidentschaft: DAS ist die eigentliche Wiege der amerikanischen Demokratie!) ist nichts anderes als eine Beschwörung dessen, was man glauben möchte, aber längst nicht mehr glauben kann. Schnitt. Ich habe gerade das Buch „WUHAN DIARY – Tagebuch aus einer gesperrten Stadt“ von Fang Fang zu Ende gelesen. Hochaktuell diesmal, meine Lektüre. Ich habe zu diesem Buch auch einen „Lesebericht“ unter Reflexe und Reflexionen veröffentlicht. Vielleicht kannst Du mir in einem Punkt weiterhelfen. Fang Fang hat unter 10 Jahren Kulturrevolution gelitten (Sie hat während dieser Zeit als Packer arbeiten müssen.) und danach Literatur studiert. Sie ist wohl eine der angesehensten Schriftstellerinnen Chinas. Ihr Tagebuch, das sie auf Umwegen im Netz geschrieben hat, wurde heftig von „Linksextremisten“ attackiert, die ihr vorwarfen, nur die schmutzigen Sachen zu beschreiben, nicht aber die sauberen, also die Verdienste der Partei. Sie erwähnt aber auch die Rechtsextremisten, von denen sie auch gar nichts hält. Ihren eigenen Standpunkt umreißt sie mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit von Reformen und Öffnung. Damit kann sie ja wohl nicht Xi Jinping meinen, oder? Was sind in China heutzutage die „Linksextremisten“, was sind die „Rechtsextremisten“? Im vorletzten Kapitel (23. März) sagt sie, dass das Tagebuch anders geworden sei als ursprünglich konzipiert. Und ihr letzter Satz in diesem Kapitel lautet: „Ich habe im wahrsten Sinne des Wortes ‚den anfänglichen Traum vergessen‘“. In einer Fußnote steht dazu: „Anspielung auf ein zum politischen Slogan gewordenes Zitat von Xi Jinping („den anfänglichen Traum nicht vergessen“), das wiederum den Dichter Bai Juyi (772-846) zitiert. Ich vermute sehr stark, dass Fang Fang den letzten Satz des Kapitels 23. März mit einem Augenzwinkern versehen hat. Sie sagt damit: Schaut mal her, ich halte mich offenbar nicht an das, was der Große Vorsitzende für geboten erklärt Aber ist doch hier gar nicht so schlimm, oder? Sie spielt mit Opposition, dabei meint sie es todernst und verarscht den Großen Vorsitzenden en passant – so locker und gelassen, wie das nur Chinesen können, die in China leben…
Am 19. Januar beim Shoppen
Am 21. Januar auf dem Markt
Schwiegerpapa
22. Januar: Die Hühner leben noch!
Games
Den Toten gewidmet
„Heiligabend“
Wohnungstür zum Neuen Jahr
News am 26. Januar 2020
News am 27. Januar 2020
Am 27. Januar ein Abschiedsessen
Am 28. Januar auf dem Flughafen von Nanning
Ende Januar habe ich mich in der Nähe von Nanning aufgehalten. Als am 26. und 27. Januar die gemeldeten Todeszahlen immer weiter anstiegen, haben wir uns entschlossen, den nächsten Flug nach Deutschland zu nehmen. Oben also ein paar Bildchen und weiter unten der ausführliche Bericht zum Buch von Fang Fang.
An diese Worte von T.S.Eliot (The Waste Land) habe ich heute gedacht, als ich die Bilder sah von Trump im gepanzerten Auto auf dem Weg zum Golfspielen, draußen schrien sich 10.000 Unverbesserliche die rote (republikanische) Seele aus dem Leib, und ein paar tausend Meilen, im entfernten Hanoi, wird zur gleichen Zeit der größte Freihandelsvertrag aller Zeiten unter Führung von China unterzeichnet. Dem Mann ist nicht mehr zu helfen. Ist ein bisschen Mitleid erlaubt?
Im Folgenden nun ein weiteres Zitat aus dem schon öfter genannten Buch von H. Brogan, in dem ich lediglich drei Wörter ersetzt habe:
Trump was at his loss. The inner light had failed. For it had told him that anything was allowed to the President of the United States and that anything was allowable which helped a man to win an election. It was the faith on which he had acted all his adult life, the faith he had divised from watching the imperial actions of Franklin Roosevelt, Harry Truman and the rest, all of whom had from time to time taken chances with the Constitution. He would see no difference between their cases and his, and so went whining into exile in the luxurious golf facility he had created for himself (partly with taxpayers‘ money) in Florida.
Nixon hatte übrigens ein home in California. Ansonsten ist die Übereinstimmung auf den ersten Blick überwältigend. Aber schaut man genauer hin, werden Differenzen sichtbar. Natürlich geht es Trump nicht um Roosevelt oder Truman. Er dürfte sich eher Lukaschenko oder Putin angeschaut haben. Und die Frage bleibt: Geht er wirklich endgültig Golf spielen? Die medialen Möglichkeiten heutiger autokratischer Psychopathen dürfen nicht unterschätzt werden. Wenn Fox News umschwenkt, steht ein anderer Sender bereit zu übernehmen. Und es stehen mehr als 70 Millionen Amerikaner bereit, die ihn gewählt haben. Viele davon bewaffnet. Ein weites Feld für dystopische Brütereien. Den meisten Republikanern scheint es ausschließlich darum zu gehen, die Mehrheit im Senat zu erhalten. Sie nehmen damit durchaus die Möglichkeit eines Bürgerkriegs.2 in Kauf.
(For my American friends:
Nixon, by the way, had a home in California. Otherwise, the accordance is overwhelming at first glance. But if you take a closer look, differences become apparent. Of course, Trump is not about Roosevelt or Truman. He may have looked more at Lukashenko or Putin. And the question remains: Is he really going to play golf for good? The media possibilities of today’s autocratic psychopaths must not be underestimated. If Fox News turns around, another channel is ready to take over. And there are more than 73 million Americans who voted for him. Many of them armed. A wide field for dystopian hatcheries. Most Republicans seem to be all about getting a majority in the Senate. They certainly accept the possibility of civil war.2.)
Wie China westliche Demokratien unterwandert und die Welt neu ordnet
2020
Clive Hamilton ist Professor für öffentliche Ethik in Canberra und Mareike Ohlberg, offenbar eine der „profiliertesten deutschsprachigen Chinaexpertinnen“ (das bedeutet ja wohl nach allgemeinem Sprachgebrauch, dass sie nicht unbedingt zu den wirklich profilierten Chinaexperten gehören muss…) legen ein Buch über China vor, das zunächst von drei Verlagen aus Angst vor chinesischen Repressionen abgelehnt wurde.
Wenn man diese Ansage auf dem Bucheinband vor der Lektüre liest, bekommt man als in China-Angelegenheiten noch etwas unbedarfter Leser leicht den Eindruck, hier werde ein wenig übertrieben, um die Verkaufszahlen des dann doch noch in Melbourne, kurz darauf auch in München in deutscher Übersetzung erschienenen Buches zu befördern. Wenn man dann aber ein paar Kapitel gelesen hat, wundert man sich, dass das Buch überhaupt erscheinen konnte. Denn es wird sehr überzeugend dargestellt, dass die Chinesische Kommunistische Partei auf der ganzen Welt mitmischt, wenn immer chinesische Interessen tangiert werden.
Es soll nun in diesem Buch der Nachweis geführt werden, dass Teile der politischen Eliten in der ganzen Welt der Strategie der Einheitsfront erliegen und sich im Sinne der KPCh instrumentalisieren lassen. In vielen Bereichen der Wirtschaft der USA, Europas oder Afrikas sitzen Chinesen in Schlüsselpositionen, und häufig handelt es sich dabei um Soldaten der Roten Armee, also um Parteikader. Es wird skrupellos spioniert, Druck ausgeübt, auch im kulturellen Bereich (Wenn eine Uni den Dalai Lama einlädt, werden der Uni Fördermittel gestrichen oder die chinesischen Studenten, die die Uni mit ihren Studiengebühren mitfinanzieren, „abgezogen“.), im Medienbereich wird dafür gesorgt, dass nur solche Meinungen publiziert werden, die im Sinne der Einheitsfront sind. Und schließlich wird ein Schlaglicht geworfen auf die „Verdrängung Taiwans von der internationalen Bühne“ und den Export der chinesischen Definition von „Terrorismus“.
Was den letzten Punkt betrifft, so sieht es ganz so aus, als habe der Mann, der sich zur Zeit amerikanischer Präsident nennen darf, den Strategen der chinesischen Roten Kalten Krieger über die Schulter geschaut. Denn auch in den USA sollten ja nun friedliche Demonstranten als Terroristen gelten, wenn es nach dem Willen des obersten militärischen Führers ginge. Aber zum Glück sitzen ja in den oberen Rängen des Militärs noch ein paar Leute, denen man noch ein wenig Verstand attestieren kann. Wurde doch heute Abend eine Fachfrau in den USA vom Tagesthemensprecher gefragt: „Müssen die Militärs die Verfassung vor dem Präsidenten schützen?“
Solange eine solche Frage an einen Korrespondenten in Peking als völlig undenkbar erscheint, sammeln die USA bei mir immer noch Punkte…