Archiv der Kategorie: Tagebuch

Liebesgedicht bei 41,5°

Leo an Nena

 

Der Tag ist heiß, die Nacht ist schwül,

es folgt ein warmes Bauchgefühl.

Denk‘ nur an Dich, Du heiße Braut,

doch hat’s mir den Verstand versaut.

Wenn milde Tage treten ein,

wirst Du schon leicht vergessen sein…

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Traumsteuerung

Träumen macht Spaß. Teilen auch. Auf Facebook teilt so mancher den ersten Zahn seines Kindes oder das Sushi von nebenan mit allen seinen Freunden.

Heute wollen wir mal Träume teilen.

Etwas Teilen ist ja nicht bloß der Facebook-Gemeinde vorbehalten, sondern geschieht auch in der rauen Wirklichkeit. So habe ich erlebt, dass auf Partys gern schon mal Träume geteilt werden. Aber manchmal bin ich mir nicht sicher, ob so mancher Traumteiler einen geträumten Traum oder aber einen erfundenen Traum erzählt. Geteilte Träume werden nämlich durchaus als Prestigeobjekte verwendet. Ich bin, was ich träume! Neulich ist einem Freund von mir angeblich Kant im Traum begegnet, der dauernd gemurmelt haben soll: „Der gute Wille ist gut…“ Alle haben den Traumerzähler bewundert. Ich war ein wenig neidisch. Denn ich träume allenfalls von Königsberger Klöpsen.

Ich möchte hier mal ganz ehrlich sein und sagen: Ich träume mal so und mal so. Also einerseits von solchen Dingen wie „Der Sinn des Lebens“ oder „Die Welt nach Trump“. Das könnten so die Überschriften zu dem sein, was mir manchmal im Traum durch den Kopf geht. Aber ich träume durchaus auch von Kakerlaken oder anderen Missgeschicken. Und manchmal habe ich sogar den Eindruck, ich träume Dinge, die mir einfach guttun. Z.B., dass ich meinem Chef einen bösen Streich spiele, mich also im Traum für etwas räche, das mir angetan wurde. Traum ist hier innere Ersatzhandlung, die den seelischen Haushalt ins Lot bringen soll.

Do you know what I mean? Ich will das an zwei Träumen, die ich geträumt habe, erläutern. Der erste handelt vom Tod, der zweite davon, dass Rache süß sein kann.

Ich hatte neulich diesen Traum, der das, was ich mir in wachem Zustand gelegentlich vorzustellen versucht habe, wirklich werden ließ. Ich habe mir immer wieder mal vorzustellen versucht, wie es wäre, wenn ich mehr oder weniger aus Versehen von einem hohen Turm oder von einer Felsenklippe stürzen würde und dann damit konfrontiert wäre, dass unwiderruflich bald der Tod eintreten würde. Ich habe mit Schrecken an eine solche mögliche Situation gedacht, mir aber nie wirklich vorstellen können, was dann in meinem Kopf passieren würde. Nun weiß ich es. Denn ich habe genau eine solche Situation im Traum erlebt. Ich bewegte mich in einer Stadt, in der es große alte Gebäude gab. Offenbar war noch jemand bei mir, den ich aber verloren hatte. Ich irrte also ziellos umher und kam schließlich zu einem großen Gebäude, das nach meiner Vorstellung wie andere große Gebäude an einem großen Platz stand und auch einen treppenartigen Zugang dazu zu haben schien. Ich befand mich auf dem flachen Dach und ging an den Rand des Daches, vermutend, dass sich dahinter irgendeine Treppe abtun würde. Ich kam an den Rand dieses Dachplateaus und wollte offenbar dann diese vermutete Treppe hinuntersteigen. Aber die gab es nicht. Vor mir und unter mir war nur der Abgrund, ganz in der Tiefe, die tiefer war als ein Haus hoch sein könnte, lag ein Meer. Und auf dieses flog ich nun zu, segelte ich zu. Ich versuchte, den fliegenden Absturz durch Arm- und Beinbewegungen zu beeinflussen, in der vagen Hoffnung auf irgendeinen Berg oder eine Wolke getragen zu werden, die mich sanft aufnehmen könnten.

Mit dieser Vorstellung endete der Traum. Die Hoffnung stirbt wirklich zuletzt. Wohl weil man sich das eigene Sterben nicht wirklich vorstellen kann oder will.

Gestern habe ich erneut etwas Skurriles geträumt. Ich befand mich wieder auf einer Reise. Zu Orten, die ich kannte. Dann dicht gedrängt ein Raum mit Menschen, die ich offenbar kannte. Ich musste auf die Toilette, ließ zwei Frauen vor mir passieren, hielt ihnen sogar die Tür auf. Als ich dann schließlich selber rein wollte, drängte sich ein Mann vor, der auf meinen Einwand, ich sei nun aber endlich an der Reihe, nicht reagierte. Doch als sich die Tür ein wenig später öffnete, sah ich ihn auf dem Klo sitzen, und eine Frau bastelte am Spülkasten, der hoch über dem Klo hing und aus dem Wasser in Strömen triefte auf den Mann, der auf dem Klo saß.

Traum von der Rache des kleinen Mannes (An der Theatergarderobe hatte sich gestern ein dicker Mann vorgedrängt und mich in bester Trumpscher Manier beiseite geschoben.): Rache ist süß!? Oder vom Sekt der Natur: Süße Erinnerung!?

Wer weiß dass schon. Ich müsste meinen Psychiater einmal fragen. Der ist allerdings etwas prüde und würde Letzteres von vornherein ausschließen. Ich könnte das verstehen. Denn auch Psychiater sind Menschen.

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Island-Krimi

Von Gottvater und Elfenfrauen

Wie heißt es so schön? „Am Donnerstag, den 3. November, strahlte die ARD den zweiten Island-Krimi mit dem Titel Tod der Elfenfrau aus.“ Da Franka Potente als Krimiautorin Solveig Karlsdóttir in der Hauptrolle spielte und Till Endemann Regie gemacht hatte, habe ich diesen TV-Krimi nicht verpasst.
Worum geht es? Eine Elfenfrau, Vorsitzende eines Vereins, der sich um isländische Elfen kümmert, wird ermordet. Der Bruder eines kleinen Mädchens, das die Tat offenbar gesehen haben muss, wird verdächtigt, bis sich herausstellt, dass der Assistent der Elfenfrau diese Tag begangen hat, weil er glaubte, es den Elfen schuldig zu sein. Denn die Elfenfrau hatte sich offenbar von einem Investor kaufen lassen und behauptet, es gebe in einem geplanten Baugebiet keine Elfen, obwohl die Elfenfrau dort Elfen aufgespürt hatte. Sie log um eines guten Zweckes willen, aber das hat ihr nicht geholfen.
Ob die Krimiautorin/Spürnase Karlsdóttier selber an Elfen glaubt, bleibt in der Schwebe. Aber sie schickt ihre Mutter vor, nach der Anwesenheit von Elfen zu suchen, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Im Grunde ist sie eine grundnüchterne Frau, durch deren Augen und in deren Umfeld uns wie nebenbei ein sehr schönes, ein wenig auch geheimnisvolles Island nahe gebracht wird.
Glauben die Isländer wirklich an Elfen? Gibt es vielleicht sogar Elfen? Das erscheint alles irrelevant angesichts des Pragmatismus, der allenthalben vorzuherrschen scheint. Sollen die Isländer doch an Elfen glauben! Aber was heißt das eigentlich: „an Elfen glauben“? Elfen sind so etwas wie Projektionen von Gefühlen, von Ängsten, Wünschen und Hoffnungen, deren Schattenhaftigkeit der Mensch eine deutlichere Gestalt zu geben versucht. Nichts anderes tun die Menschen hierzulande, wenn sie sich einen Gott vorstellen. Das alles erscheint uns Wissenden zwar etwas kindlich, aber lassen wir den Kindern doch ihre Freude! Es ist gewiss nicht unsere Aufgabe, aus jedem gottvertrauenden Kind einen mit der Existenz hadernden Erwachsenen zu machen.

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Liebende suchen die Einsamkeit (Kierkegaard) – egal wo

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BEI BONIFACIO, KORSIKA

Zwei Turteltäubchen

Auf hoher See

Kein Wässerchen kann sie trüben

Ein Gartenläubchen

Im tiefen Schnee

Auch dort kann man sich gut lieben

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Das Private ist politisch

http://de.wikimannia.org/Das_Private_ist_politisch

Referendum in Ungarn negativ?

Es ist wieder mal zum Kotzen. Viktor Orbans Referendum ist zwar ungültig, da nur (?!) 45 % der Ungarn daran teilgenommen haben. Wenn aber von diesen Teilnehmern 95 % dafür waren, bedeutet das, dass circa 43 % aller Ungarn Orbans flüchtlingsfeindliche Politik unterstützen. Das ist wahrlich keine kleine Minderheit, die der Hetzkampagne erlegen sind. Es ist also schließlich vollkommen egal, ob das Referendum vom „Volk“ gebilligt wurde oder nicht. Es hat seinen Zweck erfüllt.
Fazit: Hier bedient sich die Politik wieder mal unlauterer Mittel. Sie gibt vor, etwas Bestimmtes zu wollen, zielt aber auf etwas ganz anderes. Sie missbraucht ein an sich „gutes“ Mittel (Volksbefragung) zu einem schändlichen Zweck (Volksverhetzung).
Aber das ist ja kein seltener Vorgang. Beim britischen Referendum zum BREXIT passierte doch im Grunde etwas Ähnliches.
Wir stecken in der Scheiße und kommen nicht aus ihr raus. Wer so denkt, ist ja keineswegs auf der Linie der AfD. Denn die produziert ja selber diese Scheiße. Man möchte fast zu einem totgeglaubten Begriff Zuflucht nehmen, um diesem Gefühl, in der Scheiße zu stecken, Ausdruck zu verleihen: Mich ergreift in der Tat so etwas wie Weltschmerz. Gründen wir also eine Weltschmevesparzpartei, die WESCHPA. Ich habe schon mal eine Vespa besorgt. Fehlt nur noch ein V wie Volk als Vorspann und holen wir doch die Schweizer (CH) Genossen ins Boot, Pardon, auf die Wespa,  dann sind wir perfekt.

Übrigens, ganz schön smart, diese Chinesen…

 

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Über die Liebe I

Neue Datei 33_1Ich lese zur Zeit  ein Buch von Ian Bostridge „Schubert’s Winter Journey – Anatomy of an Obsession“. Übrigens auch auf Deutsch erschienen. Und wenn ich ein Kapitel gelesen habe, höre ich mir das jeweilige Lied auf Spotify an. Hier ein kleiner Ausschnitt. Aladin und Adonis sind ebenfalls interessiert. Und nebenbei lernt man auch noch etwas dazu über die Liebe. Bostrige, der übrigens die Winterreise auch mehrfach vertont, also gesungen hat (hier ist allerdings Dietrich Fischer-Diskau zu hören), diskutiert z.B. die Frage, ob Schubert homosexuell war und verweist in diesem Zusammenhang auf die venezianischen Epigramme von Johann Wolfgang von Goethe, in denen der erklärt, er ziehe Sex mit einer Frau vor, da man sie, wenn man sie als Mägdelein gehabt habe, auch noch als Jungen vereinnahmen könne.

Ein kleines Video einer klitzekleinen Kostprobe aus der Winterreise gibt es hier.

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Lao-tse: Tao-Tê-King

Über eine Veranstaltung bei Alfred Böttger am 23. August 2016

Alfred Böttger ist ein alter Freund von mir, den ich fast vierzig Jahre lang kenne. Er betreibt in Bonn am Hauptbahnhof eine Buchhandlung nebst Galerie und lädt regelmäßig Literaten, Künstler und Wissenschafter ein, in der Buchhandlung einen Vortrag zu aktuellen Themen zu halten. Habe gestern Abend einen Vortrag von Prof. Kubin von der Uni Bonn besucht, der in meinen Augen nicht das hielt, was versprochen war. Alfred hatte zur Einführung etwas pointiert gesagt:

„Ich zeige in meiner Galerie z.Zt. Zeichnungen nach den Gestaltungsprinzipien nach Lao-tse und Lo Shu. Dabei bin ich über einen Begleittext der Künstler gestolpert, den ich absolut nicht verstanden habe. Also kam mir die Idee, Prof. Kubin, den bekannten Sinologen von der Uni Bonn, zu einem Vortrag einzuladen, damit der uns mal so einiges in diesem Zusammenhang erklären kann.“

Ich hatte den fraglichen Text vor der Veranstaltung gelesen und war gespannt auf die Deutung des Professors. Der Text lautet:

Lao-tse: Tao-Tê-King: Kapitel 11: „Der Speichen dreimal zehn / Auf einer Nabe stehn. / Eben dort, wo sie nicht sind, / Ist des Wagens Brauchbarkeit // Man knetet Ton zurecht / Zum Trinkgerät: / Eben dort, wo keiner ist, / Ist des Gerätes Brauchbarkeit. // Man meißelt Tür und Fenster aus / Zur Wohnung. / Eben dort, wo nichts ist, / Ist der Wohnung Brauchbarkeit. // Wahrlich: / Erkennst du das Da-Sein als einen Gewinn, / Erkenne: Das Nicht-Sein macht brauchbar.“

Es war naiv von mir, nun zu erwarten, dass diesbezüglich Aufklärung erfolgen würde. Kubin erwies sich als ein etwas skurriler Sinologe, der häufig in China lebt. Er begann seinen Vortrag mit Überlegungen zu den polaren Begriffen Potentialität und Realität. Wenn ich Fußball spiele, kann ich nicht zur selben Zeit einen Vortrag halten, obwohl ich beides kann. Realität bedeutet also immer eine Reduzierung der Potenz dessen, was mich ausmacht. Und dieses Prinzip der Reduzierung mache sich auch in der chinesischen Malerei bemerkbar. Der europäische Maler versuche immer, sein Bild möglichst voll zu machen. Der chinesische hingegen lasse viele Stellen auf der Leinwand leer. Kubins Vortrag hatte den Titel: „Die Fülle und die Leere“. Und so versuchte er dem andächtig lauschenden Publikum zu verklickern, dass in diesen Leerstellen chinesischer Malerei, also in den vielen nicht bemalten Stellen, die Fülle der Aussage des Malers zu finden sei.

Ich habe bloß noch gestaunt.

Interessant wird es erst, wenn ich diesen Gedanken weiterspinne. Die Potentialität beinhaltet mehr, die jeweilige Wirklichkeit ist eine immense Reduktion. Aber die Potentialität ist abstrakt, also leer, die Wirklichkeit konkret, also voll von Leben. Erst durch Reduktion erfahre ich Leben, die Potentialität, die das Ganze sein soll, ist dagegen ziemlich blutarm. (Vgl. dazu auch Hegels Abhandlung „Wer denkt abstrakt?“)

Der Professor machte manche Andeutungen. Z.B. die, dass die Fürsten früher über tausend Konkubinen hatten. Das war gewiss sehr anstrengend, sagte er. Man lachte. Er biederte sich dem Publikum mit solchen Anspielungen an, weil er sonst wenig zu bieten hatte. Ein Sinologe eben, der die chinesische Sprache beherrscht, der hierzulande also schon allein deswegen bewundert wird, der aber von der chinesischen Philosophie nur insofern eine Ahnung hat, als sie in sein religiös geprägtes Bewusstsein Eingang findet. – Ich hatte ihn im Untergeschoss der Galerie angesprochen: Kennen Sie die Ausstellung „Buddha“ in der Völklinger Hütte? Phantastische Darstellungen des Buddha aus vielen Jahrhunderten aus vielen asiatischen Ländern. – Kannte er nicht. Für sowas interessiert er sich offenbar nicht. Ein Verdacht war geweckt: Der Mann ist ein Schmalspurwissenschaftler, trotz der immensen Anzahl von Büchern, die er offenbar geschrieben hat. Denn diese Ausstellung im Saarland zeigt circa 250 Originale aus 2.000 Jahren chinesischer Geschichte, die sonst nirgendwo zu sehen wären oder hätten gesehen werden können.

War da noch was? Vielleichte noch dies: Der Professor betonte, dass den Chinesen das Yin und Yang wichtig sei, jeder Mann müsse eine Frau haben, und jede Frau einen Mann. Und beide zusammen möglichst viele Kinder. Aus diesem Grund hätten Sinologen auch mehr Kinder als Japanologen. Er selber habe vier Kinder!

Ich habe nun nicht mehr gestaunt. Ich war entsetzt.

Fazit: Professor Kubin hat über die Geschichte der chinesischen Philosophie gesprochen, und er hat einige textphilologische Dinge dargelegt („Ich habe nachgewiesen, dass es Lao-Tse als Person gar nicht gegeben haben kann. Die chinesische Regierung hört das gar nicht gerne!“). Er hat auch die Statistik sinologischer Nachkommenschaft bemüht. Er hat uns aber, was die chinesische Denke angeht, völlig im Dunklen gelassen.

Mein Verdacht hat sich bestätigt: Wir Westler haben kaum Zugang zur chinesischen Denkweise. Einige von uns mögen zwar die chinesische Sprache lernen, aber nur wenige davon lernen vielleicht, wie Chinesen wirklich ticken.

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Osterhasie – Esterhazy

Ganz schön smart, diese Chinesen.

Neulich fiel meiner kl. chin. Freundin der fünfte Band von Meyers Enzyklopädischem Lexikon in die Hände, der einen langen Artikel über China enthält.

„Das ist zu schwer für mich“, sagte sie und meinte damit wohl den Inhalt, denn sie fuhr fort: „Hast du nichts Einfacheres, z.B. ein Kinderbuch, damit ich besser Deutsch lesen lerne?“

Vor 23 Jahren haben Irene Dische und Hans Magnus Enzensberger ein Buch geschrieben “für alle Kinder, die lesen können”, die Illustrationen steuerte Michael Sowa bei (Verlag Sauerländer). Es trägt den Titel “Esterhazy – Eine Hasengeschichte” und geht gleich auf der ersten Seite auf das Problem ein, dass die Hasen in Österreich wegen ungesunder Ernährung (zu wenig Salat, zu viel Pralinen und Torten) immer kleiner, aber zugleich auch immer intelligenter wurden…

Der regierende Fürst Esterhazy machte sich Sorgen wegen seiner unzähligen Kinder und Kindeskinder. In den Schuhgeschäften wurden sie ausgelacht, weil ihnen sogar die Babyschuhe zu groß waren. Auch mit dem Radfahren hatten sie Schwierigkeiten, weil ihnen der Sattel zu hoch war und weil ihre Pfoten nicht bis zu den Pedalen reichten. Und als der jüngste Esterhazy in einen Papierkorb fiel und nicht mehr herauskam, sagte der Fürst: “So kann es unicht weitergehen! Jetzt muß etwas geschehen.”

Das ist genau das Richtige für meine Freundin. Sie hat Konfektionsgröße 176, und der Sattel ihres Fahrrads ist etwas zu hoch für sie. Ich habe mir gedacht: Mit diesem schönen Buch bringst du ihr das Lesen bei. Denn man soll ja möglichst an Vertrautes anknüpfen (Sie ist allerdings noch nie in den Papierkorb gefallen. Aber das könnte auch daran liegen, dass meiner einen Deckel hat.).

Heute Abend haben wir mit der ersten Seite angefangen. Wir haben ein paar Seiten des Buches gelesen, und ich habe für meine Verhältnisse mit großer Geduld korrigiert. Dann habe ich ihr gesagt: „Morgen machen wir weiter. Ich brauche jetzt erst mal ein Bier.“

Sie aber sagte:

„Hasie, ich muss viel Bier kaufen für dich!“

Siehe auch weitere Beiträge zur Kategorie „Ganz schön smart“.

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Valendienstag

Ganz schön smart, diese Chinesen…

Heute wollte meine Freundin unbedingt das Wort VALENTINSTAG aussprechen lernen, da sie beruflich mit Leuten zu tun hat, die an einem solchen Tag gern ihre Liebsten zum Essen ausführen. Wahrscheinlich wollte sie sie mit einem fröhlichen Lächeln begrüßen:

„Na, wollen Sie auch Valentinstag feiern?“

Aber ich konnte ihr das Wort vorsagen, so oft ich wollte. Immer wieder sagte sie: VALENDIENSTAG, mit der Betonung auf DIENSTAG. Vielleicht liegt das ja daran, dass Dienstag ihr freier Tag ist…

Mittags habe ich bei meinem Lieblingsitaliener gegessen, ich saß, wie immer, allein an einem Tisch, konnte also nicht umhin, die Unterhaltung zweier älterer Menschen zu verfolgen, die offenbar keine Ehepartner, sondern Freunde waren, da sie Dinge austauschten, die man hätte wissen können, wenn man zusammenlebte.

„Die beiden feiern den Valentinstag!“ schoss es mir durch den Kopf.

„Ich bin heute schon zwei Kilometer Fahrrad gefahren. Gestern waren es vier!“ sagte die alte Dame (also in etwa mein Alter, vielleicht ein paar Jährchen mehr).

Der alte Herr rückte sein Hörgerät zurecht und fragte: „Wen hast du überfahren?“

„Nein, Fahrrad gefahren. Bei mir! Komm doch auch mal Fahrrad fahren. Das würde dir gewiss guttun…“

Vor vierzig Jahren hätte die Frau wahrscheinlich gefragt:

„Kann ich dir noch meine Briefmarkensammlung zeigen?“

Ich habe jedenfalls unbeschwert die Seezunge genießen können, dazu einen feinen Pino Grigio oder zwei, einen Grappa noch und bin dann nach Hause gegangen. Meine chinesische Freundin müsste jeden Augenblick zu ihrer Nachmittagspause nach Hause kommen. Ich habe unten ein kleines Plakat an der Treppe aufgehängt:

VALENDIENSTAGS – ÜBERRASCHUNG

mit einem Pfeil, der in die oberen Gemächer wies, und mich dann entkleidet unter die Bettdecke gelegt.

Sie kam, sie sah, und ich versiegte.

Da sagte sie (durchaus mit einem zuversichtlichen, aber auch mit einem ein wenig rechthaberischen Unterton):

„DIENSTAG!“

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Faust III. Der Alte will es (noch mal) wissen / und war dann doch zu zierlich…

Faust am Ende: In einem Alpen-Spa, mit einem Prolog im siebten Himmel, einem Vor- und Nachspiel und einer etwas umständlichen Betrachtung als Zwischenfall

Prolog im siebten Himmel

Als ich an diesem Nachmittag in die Sauna kam, saß da ein junges Pärchen in dieser runden Entspannungsnische und küsste sich, die Beine ineinander verschlungen, die Arme umeinander gewickelt und die Lippen ineinander verschmolzen. Ich habe sie später im Pool gesehen, er schwamm voraus, sie hing dahinter an ihm, und sie zogen langsam ihre Bahn in gemeinsamer Bewegung. Am Abend, beim Büffet, gingen sie nie einzeln, also getrennt, zu den Speisen, immer zusammen, und bevor sie etwas auf ihre Teller schaufelten, küssten sie sich, und wenn sie sich dann wieder an ihren Tisch begaben, küssten sie sich, bevor sie auf zwei verschiedenen Stühlen wieder Platz nahmen. Von verschiedenen Tellern essen zu müssen, das muss für sie eine kaum zu ertragende Qual gewesen sein. Doch jedes mal, wenn sie das Weinglas hoben, küssten sie sich wieder.

Er war übrigens ein schlanker, schöner Mann, sie hatte etwas zu dicke Beine. War das alles also nur ein Ablenkungsmanöver?

Dicke Beine

Vorspiel

Eine Praxis für asiatische Massage in Frankfurt

Besucher: Guten Tag.

Nana: Guten Tag. Zum ersten Mal?

Besucher: Ja. Was bieten Sie denn an?

Nana: Kommen Sie! Kommen Sie.

Nach circa 40 Minuten

Nana: Alles?

Besucher: Was alles?

Nana nimmt ein wenig Gestik zu Hilfe:

Nana: Ja, eben alles.

Besucher: Dann also alles Mögliche…

Gedanken zu einem missratenen Termin im Beauty & Spa eines Wellness-Hotels in den Alpen

Auf dem Frühstückstisch lag wie immer ein Flyer mit Angeboten des Tages. Unter „Freie Termine im Beauty & Spa“ stand:

Lomi-Lomi Nui: Die Magie des Jahrtausende alten Massagerituals! Schließen Sie die Augen und tauchen Sie ein in den Genuss! Jeder Teil Ihres Körpers (Hervorhebung von mir) erfährt durch sanftes Drücken, Streichen, Dehnen – unter Verwendung von warmen (sic) Öl – die Aufmerksamkeit, die er benötigt. Diese Energiemassage regeneriert den Körper von Innen und schenkt Ihnen neue Sensibilität. Dauer: 75 Minuten / € 95,00.

Ich habe mir nun gedacht: Wenn die chinesische Nana besser Deutsch sprechen könnte, dann hätte sie mir wohl ihre Massage mit eben diesen Worten angepriesen. Und habe – neugierig geworden – im Internet nach erotischen Massageangeboten gesucht und festgestellt, dass die einschlägigen Studios mit sehr ähnlichen Worten für ihren einschlägigen Service werben. Wie gesagt, neugierig geworden und dennoch in realistischer Einstellung habe ich mich also zum Alpenlarch Spa begeben, in der Gewissheit, wie in früheren Jahren eine ganz solide Massage zu erhalten.

Ich wollte es einfach wissen und folgte einem urfaustischen Drang… (Schließlich ist Faust am Ende (vorläufig zumindest) bei Gretchen gelandet…)

Die Neue heißt Manuela. Ich fragte sie zuerst nach Maria, und sie sagte mir, dass sie nicht mehr da sei. Wir verabredeten also einen Termin für 15 Uhr, und bei der Terminvergabe beugte sie sich recht weit über den Tisch. Ich hatte also gute Aussichten – auf eine angenehme Lomi-Lomi-Nui-Massage. Als ich um Punkt 15 Uhr wieder dort erschien, war zunächst niemand da. Dann tänzelte ein junger Mann in weißer Kluft an mir vorbei, offenbar Manuelas Kollege. Sie kam schließlich auch aus einem Zimmer, ging an mir vorbei, ohne mich dabei anzusehen, geschweige denn zu begrüßen. Da ahnte ich nichts Gutes. Schließlich kam der junge Mann wieder zum Vorschein, in Stimmlage, Gang und Arm- und Hand-Gestik so, wie gemeinhin Schwule in Filmen dargestellt werden, also filmreif. Als er mir dann die Hand gab und mich in ein Massagezimmer bat, habe ich ihm gesagt, dass ich mich gern von einer Frau massieren lassen möchte. „Das hätten Sie bei der Terminabsprache sagen müssen!“ sagte er mir. „Ich bin davon ausgegangen…“ fing ich an, und er fiel mir ins Wort und sagte, heute sei sowieso keine Masseuse frei. Ich bin also wieder gegangen.

Mir schien, hier war etwas schief gelaufen, und es lag nicht an mir. Warum hat Manuela mich nicht darauf hingewiesen, dass ich heute von einem Mann massiert werden würde? Das Hotel ist nicht gender-unsensibel. An einer Sauna steht: „Ab 17 Uhr nur für Frauen!“ Manche Frauen ziehen eine reine Frauensauna vor, und manche Frauen lassen sich lieber von Frauen massieren (andere mit Vorliebe von jungen Männern, auch das ist bekannt). Warum sollten sich ältere Männer nicht mit Vorliebe von jungen Frauen massieren lassen? Eine völlige Missachtung solcher Aspekte wäre in meinen Augen ein wenig weltfremd.

Natürlich sind die Manager solcher Hotels nicht weltfremd. Aber sie denken natürlich ökonomisch. Wenn also an einem Tag nur männliches Personal zur Verfügung steht, fragt man die massagewilligen Männer besser nicht nach ihren geheimen Wünschen… Und die meisten Gäste „schlucken“ im gegebenen Fall, was ihnen vorgesetzt wird, selbst wenn sie was anderes möchten. Weil die meisten eben so tun, als ginge es bei diesen Wellnessmassagen ausschließlich um eine medizinisch induzierte Verbesserung ihres körperlichen Zustandes…

Prüderie ist ja aus unserer Gesellschaft anscheinend weitgehend verbannt. Aber in diesen Wellness & Spa – Abteilungen hat sie sich noch eine kleine Nische gesichert.

(Natürlich haben Sie längst bemerkt, dass ich Grund zu der Annahme habe, einen gewissen Verdacht zu hegen, was meine Sicht auf die Beschreibung solcher Massagen betrifft. Was also, so lautet der Verdacht, muss in meinem (kranken?!) Kopf vorgehen, wenn ich diese Assoziationshomomorphien entdecke in der Beschreibung einer Massage in einem Hotelprospekt und in der Werbung für eine erotische Massage?)

 

Nachspiel

Manuela und (nennen wir ihn mal Daniel) und Daniel sitzen am Abend noch ein wenig unter sich im Beauty & Spa beisammen.

Daniel, mit filmreifer Handgestik:

Du, der Typ wollte sich partout nicht von mir massieren lassen.

Manuela:

Tja, ich wollte dir was Gutes tun. War eigentlich dein Typ. Konnte ja nicht wissen, dass der Kerl sich so zieren würde.

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