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Ecce Homo

Friedrich Nietzsche macht in seiner Autobiographie Ecce Homo ein paar Feststellungen wie diese:

  • Warum ich so weise bin
  • Warum ich so gute Bücher schreibe
  • Warum ich ein Schicksal bin

Diese werden dann sehr weitläufig, aber sehr präzise erläutert. Ich habe an dieser Stelle nur eine Feststellung zu machen:

  • Warum ich junge Frauen liebe

Ich bin wohl nicht der einzige Mann auf der Welt, der irgendwann einmal diese erstaunliche Feststellung macht. Aber ich bin wahrscheinlich der einzige, der das so stichhaltig begründen kann mit Hilfe zweier Bilder aus dem Herbst des Jahres 2018:

Zart öffnet sich der Blätter rosig-matter Kern,

voll aufgeblühte Rosen welken gern.

 

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Kaputte Typen

Der eine Typ schreibt nichts mehr, weil er kaputt ist. Und der andere Typ ist kaputt, weil er nichts mehr schreibt…

Da ist mir doch vor kurzem eine gewisse Xeniana von einem anderen (WordPress-)Stern zugeflogen. Die hat es mit Familienbanden und postet über Marcel Proust, schon über hundert Tage lang. Leider fällt ihr zu Proust aber nicht viel ein, und so berichtet sie meist über Dinge wie Katzenfutter, das ihr ausgegangen ist, und dass sie daher feinste Leberpastete an ihre Miezen verteilen musste. Alltägliche Probleme halt…

Ich glaube, sie glaubt, dass sie so in Marcels Fußstapfen tritt.

Vielleicht hat sie aber etwas völlig missverstanden.

Jedenfalls ist der Name Marcel Proust wie das Geräusch eines mit Vollgas und gleichzeitig abgebremst in die Kurve fahrenden Porsches, wenn der mit höchster Drehzahl wieder beschleunigt. Man dreht sich unwillkürlich um…

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Sonntags ans Schloss

Am Sonntag, den 10. Juni, begannen in Saarbrücken wieder die Blues-Konzerte. Am frühen Nachmittag würde eine Parade durch Saarbrücken ziehen, Christopher Street’s Day. Ich habe also einen Freund mit ans Schloss gebracht, der sich zunächst gesperrt hatte, da ihn wieder mal seine Migräne plagte  und er fast wahnsinnig vor Schmerzen wurde. Aber er kam dann schließlich doch mit. Wir haben uns gemeinsam (!) die First Class Blues Band angehört. Von der alten Truppe, die in den vergangenen Jahren immer wieder ans Schloss kam, war zunächst niemand da. Außer mir. Habe vor allem Gabi ganz groß vermisst. (Hallo Gabi, melde Dich mal!) Und es gab noch etwas Neues: Links und rechts von mir reckten sich Hände empor, mit Handys, die dazu benutzt wurden, offenbar das gesamte Konzert zu filmen. Schaurig. Denn diese Leute kriegen doch nichts mit und schauen sich das auch später nie mehr an. Und dabei spielte die Band wie gedopt. Chicago-Blues vom Feinsten. Mit einem realen roten Piano, Saxophon und Mundharmonika, Gitarre, Bass und Schlagzeug. Die Jungs verstehen ihr Handwerk und brachten die alten Stücke souverän rüber. Locker und witzig. Und auch mit ein bisschen Ernst. Denn im Grunde waren diese musikalisch sehr ernst zu nehmenden Typen ernst veranlagt. Das bringt der Blues so mit sich…  Es hat halt alles gepasst!  Und dann entdeckte ich Stefan, aber er mich nicht. Ich habe ihm zugewunken, aber er reagierte nicht. Später sagte er mir, er habe mich nicht erkannt. Nicht erkennen wollen? So ein seriöser älterer Müllmann mit Strohhut und 100 % verspiegelt-versiegelter Sonnenbrille wollte sich mit diesem Nietzsche-Hippie offenbar nicht gemein machen…

Stefan, mit scharfer Brille, aber ansonsten ziemlich unscharf, vielleicht auch ein bisschen zahnlos (kann man leider nicht genau erkennen), konzentriert sich ganz auf den Blues…

 

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Nietzsche für Anfänger

img_0240Heinrich Deterings Buch „Der Antichrist und der Gekreuzigte – Friedrich Nietzsches letzte Texte“ (2010) ist fürwahr kein Buch für Anfänger, selbst Fortgeschrittene dürften hier und da ins Stolpern geraten.

Aber hier ist meine Übersetzung.

Friedrich Nietzsche hat seine letzten Briefe (Januar 1889) mit so disparat erscheinenden Namen unterschrieben wie „Dionysos“ und „der Gekreuzigte“. Viele Interpreten des 20. Jahrhunderts haben dies als bloße Belege des Wahnsinns genommen. Detering zeigt nun akribisch (also gekonnt philologisch) auf, dass, selbst wenn das Wahnsinn war, es doch Methode hat (Polonius über Hamlet, II, 2). Der klinische Befund mag unumstritten sein. Dennoch kann in den letzten Werken und Äußerungen Nietzsches ein erzählerischer Zusammenhalt sichtbar gemacht werden (in dem geschichtliche Mythen, religiöse Motive und private Mythologien aufgehen), dessen Sichtbarmachung den scheinbar wahnsinnig-widersprüchlichen Äußerungen einen Sinn gibt.

Wenn Nietzsche ein „Feindbild“ hatte, so ist dazu im Wesentlichen die alte Zweiweltenlehre zu rechnen, zu der, was das Christentum angeht, vor allem das vom Apostel Paulus stammende Bild Jesu gehört, demzufolge dessen Tod ein Sühneopfer darstellte,was bedeutet, dass die dieser Lehre folgenden Christen nach ihrem Tod in den Himmel kommen sollen.

Nietzsche hat den Gegensatz von Diesseits und Jenseits aufs Schärfste bekämpft. Warum bedient er sich dann vor allem in seinen letzten Werken „Der Antichrist“ und „Ecce home“ christlicher Erzählfiguren? Die Antwort scheint nach Deterings scharfsichtiger Analyse relativ einfach: Er deutet Begriffe wie „Christus“ oder „Evangelium“ einfach um und baut mit Begriffen verschiedener Mythen, Kunstreligionen (Wagner) und Religionen eine eigene neue Kunstreligion auf, die in der „frohen Botschaft“ kulminiert, dass Gott a u f d e r E r d e ist.

Wie ist so etwas möglich?

Nun, dieser erzählerische Vorgang hat sich in drei Schritten/Werken vollzogen und findet einen äußerst konsequenten Abschluss in den „Wahnsinns-Briefen“ vom Januar 1889, den Tagen seines Zusammenbruchs.

Im „Antichrist“ wird Jesus als eine Figur stilisiert, die dem gängigen Bild vollkommen widerspricht. Er ist nicht der „Erlöser“ von allen irdischen Leiden, sondern derjenige, der um des Lebens willen den Tod auf sich nimmt. Nicht eines himmlischen Lebens, sondern eines Lebens in einem irdischen Paradies. Und genau das ist die Schnittstelle zu der Figur des Dionysos, deren Symbolkraft er seit seiner ersten Schrift immer schon verwendet hat. Jesus ist Dionysos, und Dionysos ist Jesus, die beiden Figuren werden in eine verschmolzen. Der Antichrist wendet sich also gegen den paulinischen Christus, verwandelt sich jedoch selber in den dionysischen Jesus, den jesuanischen Dinonysos!

Auf den „Antichrist“ folgte sogleich die autobiografische Schrift „Ecce homo“. Hier liegt das Schwergewicht auf einer weiteren „Umwertung“: Der „Gottessohn“ wird als sich vergöttlichender Mensch inszeniert. Anders gesagt: Gott ist nicht Mensch geworden, sondern er, der Mensch, der dies erzählt, wird Gott. Also ist Gott auf der Erde angekommen – im Mythos, also jenseits von Raum und Zeit. Nach Detering verschmilzt der Gekreuzigte mit Dionysos zu einem dionysisch verklärten Jesus. Die Unterschrift unter den letzten Brief lässt keinen Zweifel daran, wer dieser Erzähler ist: „Nietzsche“.

Zur gleichen Zeit wie die letzte Prosaschrift Nietzsches entstehen die „Dionysos-Dithyramben“. Die zeitliche Nähe unterstützt das interpretatorische Resümee zum „Ecce homo“. Damit scheint erwiesen, dass sich die in den „Wahnsinns-Briefen“ vom Januar 1889 für die Unterschrift gewählten Namen des Absenders nahtlos einfügen in die letzten Schriften, ja sich ergeben aus den Büchern, die Nietzsche im Jahr 1988 verfasst hat und die übrigens eine zentrale Rolle in der Rezeption im 20. Jahrhundert gespielt haben.

Nietzsches bewusstes Leben und dessen „Narration“ haben also ebenfalls in gewisser Weise „symbiotisch“ geendet. Und mehr als Gott Werden ist einfach nicht drin.

P.S.: Ich musste natürlich vieles auslassen, was das hier thesenhaft Referierte erst nachvollziehbar erläutern würde. Aber vielleicht folgt ja noch ein „Nietzsche für Fortgeschrittene“, dann aber auf der Seite „Reflexe und Reflexionen“.

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Wille zur Macht

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Water, water everywhere, and not a drop to drink… Aber seht doch, die Wolken!

Wille zur Macht. Ja, das ist ein Begriff, den jeder Wissende, aber auch viele Unwissende mit Friedrich Nietzsche verbinden.

Mein Philosophielehrer in der Oberstufe, der selige Dr. Schütt, hat uns einmal gefragt: „Was kann eigentlich einen Willen haben?“ Meine Antwort lautete: „Die dahinziehenden Wolken, zum Beispiel!“ Natürlich hat Dr Schütt sofort nachgefragt und ein wenig spöttisch dazu: „Kannst du uns das vielleicht sogar erklären?“ Und ich habe geantwortet: „Man sieht es ihnen doch an!“

Heute weiß ich, dass ich mich damals, ohne es zu wissen, als Nietzscheaner geoutet habe. Das ist dem gemeinen Publikum schwer zu erklären. Ich will das mal so angehen: Ich stieß beim Stöbern im „Nachlass der Achtzigerjahre“ von Friedrich Nietzsche auf folgende Stelle, die ich per iPhone kopiert und dann als Bild gespeichert habe. Das erklärt die Wellenlinien (aufgeschlagene Buchseite), die also nicht genuin nietzschischer Natur sind, aber immerhin dem beschwingten Zustand nahekommen, in dem sich der Leser solcher Texte gelegentlich befindet.

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Da steht’s doch: „Bewegung ist eine Symbolik für das Auge; sie deutet hin, daß etwas gefühlt, gewollt, gedacht worden ist.“

Ich würde gern mit Molekularbiologen oder Chemikern über Nietzches Konzept diskutieren, den Leib zum Ausgangspunkt unserer Betrachtungen über die „Subjekt-Einheit“ zu machen. Was in einer Zelle passiert, wenn ich mich an etwas erinnere, z.B. (siehe Kandel, Auf der Suche nach dem Gedächtnis!), kann sehr wohl mit Begriffen wie „Befehl“ und „Gehorsam“ beschrieben werden. Etwas reagiert auf etwas, indem es Das-und-Das ausschüttet, etc. Da geht es doch darum, dass das eine Molekül vom anderen etwas will, was dieses dann tut. Tritt eine Störung ein, wird eine Macht gebrochen, etc. Des weiteren interessant die Bemerkung: Etwas NICHT zu wissen, kann manchmal überlebenswichtig sein. Stellt Euch doch bloß einmal vor, alle Ehebrüche dieser Welt würden gewusst! Das würde doch vermutlich das Ende von 80 % aller Ehen bedeuten. und das Ende unserer Kultur. Eine gewisse UNWISSENHEIT des „Regenten“ ist wesentlich. Heißt doch konkret z.B.: Würde ich jedes Fitzelchen einer sich andeutenden Krankheit sofort erkennen, könnte ich wahrscheinlich gleich den Totengräber bestellen.

Ich warte gelassen, ob nicht „die Untergebenen selber mit uns in Verkehr treten können“…  – Nein, das war jetzt aus dem Kontext gerissen und anmaßend. Aber ganz im Sinne Nietzsches. Ich bin gespannt, ob sich jemand dafür interessiert, über solche Dinge mit mir zu reden… Traut Euch! Ich werde Euch schon in die Pfanne hauen. Denn Ihr wisst ja, ich liebe Spiegeleier.

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Geschützt: Intermezzo

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