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Heinrich Heine (Allee) in Schräglage

Neulich hatte ich in der U-Bahnstation „Heinrich-Heine-Allee“ in Düsseldorf folgende Erscheinung:

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Die junge Frau wirkte auf mich hundertprozentig authentisch.Und dann fiel mir ein Gedicht von Heinrich Heine ein, „Das Hohe Lied“, und mir wurde plötzlich klar, dass wir es hier mit zwei Welten zu tun haben. Der Blick auf die junge Frau in dem Bild und Heines Blick auf die Frau an sich, ironisch gebrochen, aber hinter der Ironie ein klares Frauenbild erkennbar, offenbaren eine Zeitenwende. Übrigens wäre Heines Gedicht heute ein Fall für #MeToo, würden manche Eiferer und Eiferinnen sagen. Aber das würde zu kurz greifen und die historische Dimension außer Acht lassen.

Heine Heinrich

Das Hohelied

Des Weibes Leib ist ein Gedicht,
Das Gott der Herr geschrieben
Ins große Stammbuch der Natur,
Als ihn der Geist getrieben.
Ja, günstig war die Stunde ihm,
Der Gott war hochbegeistert;
Er hat den spröden, rebellischen Stoff
Ganz künstlerisch bemeistert.
Fürwahr, der Leib des Weibes ist
Das Hohelied der Lieder;
Gar wunderbare Strophen sind
Die schlanken, weißen Glieder.
O welche göttliche Idee
Ist dieser Hals, der blanke,
Worauf sich wiegt der kleine Kopf,
Der lockige Hauptgedanke!
Der Brüstchen Rosenknospen sind
Epigrammatisch gefeilet;
Unsäglich entzückend ist die Zäsur,
Die streng den Busen teilet.
Den plastischen Schöpfer offenbart
Der Hüften Parallele;
Der Zwischensatz mit dem Feigenblatt
Ist auch eine schöne Stelle.
Das ist kein abstraktes Begriffspoem!
Das Lied hat Fleisch und Rippen,
Hat Hand und Fuß; es lacht und küßt
Mit schöngereimten Lippen.
Hier atmet wahre Poesie!
Anmut in jeder Wendung!
Und auf der Stirne trägt das Lied
Den Stempel der Vollendung.
Lobsingen will ich dir, O Herr,
Und dich im Staub anbeten!
Wir sind nur Stümper gegen dich,
Den himmlischen Poeten.
Versenken will ich mich, o Herr,
In deines Liedes Prächten;
Ich widme seinem Studium
Den Tag mitsamt den Nächten.
Ja, Tag und Nacht studier ich dran,
Will keine Zeit verlieren;
Die Beine werden mir so dünn –
Das kommt vom vielen Studieren.

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Quellstudium

Düsseldorf, Medienhafen, Samstag, den 13. Oktober 2018, 25°C.

Da treibt es so manche Laiendarstellerin und Hobbyfotografen zu einem Fotoshooting vor dieser imposanten Kulisse.

Man sieht was aus dem Höschen quellen.

Es quillt wohl auch an andern Stellen.

 

(Siehe auch Heinrich Heine: Das Hohelied)

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Apropos Dualismus…

Das hatte ich bisher nicht gewusst. Es gibt Frauen, die man als duale Systeme bezeichnen kann. Diese Erfahrung durfte ich heute Mittag im Düsseldorfer Fischhaus machen.

Wenn man sich in Düsseldorf in eines der Lokale begibt, in denen man sich an schmalen langen Tischreihen gegenübersitzt, kommt man meist sehr schnell mit seinen Nachbarn ins Gespräch. Denn der Düsseldorfer ist bekanntlich recht leutselig.

Fischhaus

Das Fischhaus in der Altstadt

Ich saß also allein an meinem kleinen Tisch, und am Tisch nebenan hatten schon zwei Frauen ihren Platz gefunden und waren in ein reges Gespräch vertieft. Genauer gesagt, die jüngere der beiden, offenbar eine Medizinstudentin, redete ununterbrochen auf die ältere ein, eine Dame etwa in meinem Alter oder auch 10 Jahre jünger. Letztere das blonde Haar fein gestylt, weiße Bluse, kurzer schwarzer Rock und leicht gestöckelte Schuhe. Die jüngere ein wenig korpulenter, Jeans, ein blau-weiß gestreiftes, locker sitzendes leichtes Sweatshirt, das braune Haar hinter dem Kopf zusammengebunden. Ich erwähne das nur, da sie für ein Foto, das die ältere Freundin von ihr  machen wollte, ihr braunes Haar herunter wallen ließ.

„Lass doch! Sieht doch gut aus“, hatte die Ältere gesagt.

„Ist so  besser für mein Gesicht“, sagte die Jüngere.

Und dann wurde geschwätzt und geschwätzt. Und das Auffällige war, dass keiner von den beiden ein einziges Mal zu mir herüber sah. Vor allem die Jüngere hätte nur ihre Augen leicht nach rechts bewegen müssen, um mit mir in Blickkontakt zu kommen. Normalerweise wünscht man dem unbekannten Nachbarn im Fischhaus einen Guten Appetit, wenn er sein Essen erhält. Nichts von alle dem. Die beiden schienen absolut in ihrer kleinen Welt eingeschlossen zu sein.

Bis mir Folgendes auffiel.

Der jüngeren war das lockere Sweatshirt von der linken Schulter gerutscht, so dass der schmale Schulterstreifen eines lila Bhs sichtbar wurde. Ansonsten sah ich nichts, was besondere Beachtung verdiente, außer vielleicht, dass sie vermutlich über einen erheblichen Busen verfügte.

Nach einer Weile bemerkte ich, dass die linke Schulter wieder ganz bedeckt war. Aber nun war auf der rechten Seite ein ebensolcher feiner lila Streifen zu sehen. Dieses Wechselspiel wiederholte sich noch ein paar Mal, bis es zu einer neuen entblößenden Variante kam. Kaum war die Suppe gegessen (obwohl das wahrscheinlich mit der Suppe nur am Rande was zu tun hatte…), waren ihre Schultern bedeckt. Aber nun war der vordere weite Rand des Sweatshirts in der Mitte so weit nach unten gezogen, dass man deutlich „die Zäsur, die streng den Busen teilet“(Heinrich Heine: Das Hohelied) erkennen konnte.

Ich behaupte nun, dass wir hier den eindeutigen Fall einer dualen Kommunikation vorliegen haben. Sie, die Jüngere, redete sehr konzentriert mit ihre Freundin. Und gleichzeitig versuchte sie offenbar, meine Aufmerksamkeit zu gewinnen, was ihr ja auch gelungen ist. Und diese beiden Dinge hatten nichts miteinander zu tun. Es handelt sich hier mithin um ein duales System, genauer gesagt, um frauenspezifischen Dualismus (Natürlich gibt es auch die männerspezifische Variante. Aber dazu vielleicht ein andermal.).

Nun, mag mancher sagen: Der alternde Leo Läufer ist seiner männlichen Eitelkeit oder schlicht seiner Greisenphantasie erlegen.

Keineswegs, antworte ich. Denn ich machte die Probe aufs Exempel.

Am Schluss stand ich nämlich auf, wandte mich zu den beiden Damen hin und wünschte noch einen Guten Appetit.

Da verschwand die linke Hand der Jüngeren blitzschnell hinter ihrem Rücken.

Und der Vorhang wurde zugezogen.

Der dann folgende flüchtige Augenaufschlag sprach den Rest der Bände…

Auch ein duales System...

Der Kö-Graben erzeugt auch ein duales System…

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