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Schräg gegenüber

fischhausDas Fischhaus in Düsseldorf, früher Maaßen, ist ein heller Ort, in dem es viel Fisch gibt. Frischen Fisch. Guten Fisch. Zur Straße hin ist die ganze Front durch Fenster ersetzt, so dass jeder, der draußen vorbei flaniert, hineinschauen kann, aber auch jeder, der drinnen sitzt, die Flaneure gut im Blick hat – egal, wo er sitzt. Neulich saß ich mittags an einem Sechsertisch, zur Theke hin. Ein älteres Ehepaar nahm an meinem Tisch Platz. Er setzte sich ans Fenster, die Frau auf den mittleren Stuhl schräg gegenüber. Es entspann sich folgender Dialog:

„Setz dich doch ans Fenster, da siehst du mehr!“

„Da fühle ich mich so eingeengt.“

Wenn ich mich recht besinne, waren das die letzten Worte, die ich von den beiden vernommen habe, während ich noch eine halbe Stunde dort verbrachte.

Wahrscheinlich hat die arme Frau ihr ganzes Leben lang all ihre Kraft darauf verwenden müssen, sich ein wenig Selbstbestimmung zu erobern. Im Fischhaus in Düsseldorf ist es ihr offenbar einmal gelungen. Schräg gegenüber…

 

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Gegenüber

Das Deutsche Tischtenniszentrum liegt GEGENÜBER vom Staufenplatz in Düsseldorf.

Woran denken Sie, wenn Sie BORUSSIA hören? Wahrscheinlich an Borussia Dortmund oder Borussia Mönchengladbach. Aber es gibt auch eine Borussia Düsseldorf, die sogar im diesjährigen Karnevalszug in Düsseldorf einen Namen davontrug. Insidern ist die Borussia Düsseldorf natürlich ein Begriff. Insidern, die sich für Tischtennis interessieren. Zu den Insidern zähle ich mich auch, da ich vor etwa dreißig Jahren meinen Sohn einmal die Woche zum Staufenplatz brachte, weil er dort bei Borussia trainierte.

Und genau vor der Borussia, vor ihrer neuen Trainingshalle, GEGENÜBER vom Staufenplatz, wurde heute eine Skulptur enthüllt, angesichts sonstiger Enthüllungen in unserer Zeit eine relativ harmlose Angelegenheit.

Und jetzt raten Sie mal, wie diese Skulptur heißt? Gut, Sie sind schon drauf gekommen: GEGENÜBER.

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Enthüllung, Umarmung

Ulrich Hassenpflug, der Künstler, nennt seine Skulptur GEGENÜBER aus genau diesem Grund. Erstens. Und zweitens, weil man sich beim Tischtennis GEGENÜBER steht. Und drittens – und diese Begründungsschiene habe ich eigentlich nicht so recht einordnen können –  weil für ihn die Kunst oder das Kunstwerk immer ein GEGENÜBER sei, nie ein von oben Herabschauen, und auch kein von unten Hinaufschauen, also immer das GEGENÜBER auf Augenhöhe im Blick.

Das Kunstwerk war zunächst unter einer schwarz-rot gestreiften Plane verborgen, am linken Rand kam allerdings so etwas wie ein rostiger Fuß zum Vorschein, der an einem langen rostigen Bein befestigt zu sein schien.

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Ulrich rennt, nicht Lola

Sollte sich am rechten Rand der Plane, der gut verdeckt war, ein ähnlich rostiges Drama bedeckt halten? Und worin würden dann diese rostigen Beine münden? Etwa in eine rostige….? Nicht auszudenken!

Auf die Idee, dass darauf zwei metallene Tischtennisschläger sich leicht bewegen könnten, bin ich nicht gekommen. Obwohl ich Ulrichs Skulpturen kenne und weiß, dass sein künstlerisches Thema ist: Schweres Metall zum Schwingen bringen.  Bravo Ulrich, Du hast es fertig gebracht, das superschnelle Tischtennistheater in diesen superlangsam sich drehenden Schwermetallschlägern mit Bällen künstlerisch zu zähmen.

Eines aber hat mich gestört, und dieses Eine kann ich nicht verhehlen, verschweigen, unter den Teppich kehren und aus meinem Kopf treiben: Jeder Tennisschläger ist perfekt (obwohl sich der rechte nicht so willig bewegen lässt, wie es schien). Aber waren das jetzt zwei Kunstwerke, wie Du angedeutet hast, oder war es nur eins? Für mich galt das als ein Werk. Aber dann fehlte etwas Verbindendes. Da stehen zwei Säulen mit je einem Schläger. Das Verbindende wäre eine Fläche, die, einer Tischtennisplatte gleich, erst andeutet, dass da nicht zwei für sich spielen, sondern mit einem GEGENÜBER.

Eine kleine Diashow von heute Morgen kann man hier besichtigen.

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Apropos Dualismus…

Das hatte ich bisher nicht gewusst. Es gibt Frauen, die man als duale Systeme bezeichnen kann. Diese Erfahrung durfte ich heute Mittag im Düsseldorfer Fischhaus machen.

Wenn man sich in Düsseldorf in eines der Lokale begibt, in denen man sich an schmalen langen Tischreihen gegenübersitzt, kommt man meist sehr schnell mit seinen Nachbarn ins Gespräch. Denn der Düsseldorfer ist bekanntlich recht leutselig.

Fischhaus

Das Fischhaus in der Altstadt

Ich saß also allein an meinem kleinen Tisch, und am Tisch nebenan hatten schon zwei Frauen ihren Platz gefunden und waren in ein reges Gespräch vertieft. Genauer gesagt, die jüngere der beiden, offenbar eine Medizinstudentin, redete ununterbrochen auf die ältere ein, eine Dame etwa in meinem Alter oder auch 10 Jahre jünger. Letztere das blonde Haar fein gestylt, weiße Bluse, kurzer schwarzer Rock und leicht gestöckelte Schuhe. Die jüngere ein wenig korpulenter, Jeans, ein blau-weiß gestreiftes, locker sitzendes leichtes Sweatshirt, das braune Haar hinter dem Kopf zusammengebunden. Ich erwähne das nur, da sie für ein Foto, das die ältere Freundin von ihr  machen wollte, ihr braunes Haar herunter wallen ließ.

„Lass doch! Sieht doch gut aus“, hatte die Ältere gesagt.

„Ist so  besser für mein Gesicht“, sagte die Jüngere.

Und dann wurde geschwätzt und geschwätzt. Und das Auffällige war, dass keiner von den beiden ein einziges Mal zu mir herüber sah. Vor allem die Jüngere hätte nur ihre Augen leicht nach rechts bewegen müssen, um mit mir in Blickkontakt zu kommen. Normalerweise wünscht man dem unbekannten Nachbarn im Fischhaus einen Guten Appetit, wenn er sein Essen erhält. Nichts von alle dem. Die beiden schienen absolut in ihrer kleinen Welt eingeschlossen zu sein.

Bis mir Folgendes auffiel.

Der jüngeren war das lockere Sweatshirt von der linken Schulter gerutscht, so dass der schmale Schulterstreifen eines lila Bhs sichtbar wurde. Ansonsten sah ich nichts, was besondere Beachtung verdiente, außer vielleicht, dass sie vermutlich über einen erheblichen Busen verfügte.

Nach einer Weile bemerkte ich, dass die linke Schulter wieder ganz bedeckt war. Aber nun war auf der rechten Seite ein ebensolcher feiner lila Streifen zu sehen. Dieses Wechselspiel wiederholte sich noch ein paar Mal, bis es zu einer neuen entblößenden Variante kam. Kaum war die Suppe gegessen (obwohl das wahrscheinlich mit der Suppe nur am Rande was zu tun hatte…), waren ihre Schultern bedeckt. Aber nun war der vordere weite Rand des Sweatshirts in der Mitte so weit nach unten gezogen, dass man deutlich „die Zäsur, die streng den Busen teilet“(Heinrich Heine: Das Hohelied) erkennen konnte.

Ich behaupte nun, dass wir hier den eindeutigen Fall einer dualen Kommunikation vorliegen haben. Sie, die Jüngere, redete sehr konzentriert mit ihre Freundin. Und gleichzeitig versuchte sie offenbar, meine Aufmerksamkeit zu gewinnen, was ihr ja auch gelungen ist. Und diese beiden Dinge hatten nichts miteinander zu tun. Es handelt sich hier mithin um ein duales System, genauer gesagt, um frauenspezifischen Dualismus (Natürlich gibt es auch die männerspezifische Variante. Aber dazu vielleicht ein andermal.).

Nun, mag mancher sagen: Der alternde Leo Läufer ist seiner männlichen Eitelkeit oder schlicht seiner Greisenphantasie erlegen.

Keineswegs, antworte ich. Denn ich machte die Probe aufs Exempel.

Am Schluss stand ich nämlich auf, wandte mich zu den beiden Damen hin und wünschte noch einen Guten Appetit.

Da verschwand die linke Hand der Jüngeren blitzschnell hinter ihrem Rücken.

Und der Vorhang wurde zugezogen.

Der dann folgende flüchtige Augenaufschlag sprach den Rest der Bände…

Auch ein duales System...

Der Kö-Graben erzeugt auch ein duales System…

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