Gegenüber

Das Deutsche Tischtenniszentrum liegt GEGENÜBER vom Staufenplatz in Düsseldorf.

Woran denken Sie, wenn Sie BORUSSIA hören? Wahrscheinlich an Borussia Dortmund oder Borussia Mönchengladbach. Aber es gibt auch eine Borussia Düsseldorf, die sogar im diesjährigen Karnevalszug in Düsseldorf einen Namen davontrug. Insidern ist die Borussia Düsseldorf natürlich ein Begriff. Insidern, die sich für Tischtennis interessieren. Zu den Insidern zähle ich mich auch, da ich vor etwa dreißig Jahren meinen Sohn einmal die Woche zum Staufenplatz brachte, weil er dort bei Borussia trainierte.

Und genau vor der Borussia, vor ihrer neuen Trainingshalle, GEGENÜBER vom Staufenplatz, wurde heute eine Skulptur enthüllt, angesichts sonstiger Enthüllungen in unserer Zeit eine relativ harmlose Angelegenheit.

Und jetzt raten Sie mal, wie diese Skulptur heißt? Gut, Sie sind schon drauf gekommen: GEGENÜBER.

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Enthüllung, Umarmung

Ulrich Hassenpflug, der Künstler, nennt seine Skulptur GEGENÜBER aus genau diesem Grund. Erstens. Und zweitens, weil man sich beim Tischtennis GEGENÜBER steht. Und drittens – und diese Begründungsschiene habe ich eigentlich nicht so recht einordnen können –  weil für ihn die Kunst oder das Kunstwerk immer ein GEGENÜBER sei, nie ein von oben Herabschauen, und auch kein von unten Hinaufschauen, also immer das GEGENÜBER auf Augenhöhe im Blick.

Das Kunstwerk war zunächst unter einer schwarz-rot gestreiften Plane verborgen, am linken Rand kam allerdings so etwas wie ein rostiger Fuß zum Vorschein, der an einem langen rostigen Bein befestigt zu sein schien.

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Ulrich rennt, nicht Lola

Sollte sich am rechten Rand der Plane, der gut verdeckt war, ein ähnlich rostiges Drama bedeckt halten? Und worin würden dann diese rostigen Beine münden? Etwa in eine rostige….? Nicht auszudenken!

Auf die Idee, dass darauf zwei metallene Tischtennisschläger sich leicht bewegen könnten, bin ich nicht gekommen. Obwohl ich Ulrichs Skulpturen kenne und weiß, dass sein künstlerisches Thema ist: Schweres Metall zum Schwingen bringen.  Bravo Ulrich, Du hast es fertig gebracht, das superschnelle Tischtennistheater in diesen superlangsam sich drehenden Schwermetallschlägern mit Bällen künstlerisch zu zähmen.

Eines aber hat mich gestört, und dieses Eine kann ich nicht verhehlen, verschweigen, unter den Teppich kehren und aus meinem Kopf treiben: Jeder Tennisschläger ist perfekt (obwohl sich der rechte nicht so willig bewegen lässt, wie es schien). Aber waren das jetzt zwei Kunstwerke, wie Du angedeutet hast, oder war es nur eins? Für mich galt das als ein Werk. Aber dann fehlte etwas Verbindendes. Da stehen zwei Säulen mit je einem Schläger. Das Verbindende wäre eine Fläche, die, einer Tischtennisplatte gleich, erst andeutet, dass da nicht zwei für sich spielen, sondern mit einem GEGENÜBER.

Eine kleine Diashow von heute Morgen kann man hier besichtigen.

5 Kommentare

Eingeordnet unter Zeitliches

5 Antworten zu “Gegenüber

  1. Ulrich Hassenpflug

    Lieber Hermann oder Leo,
    den Ball nehm ich mal auf, aber zunächst einfach danke für Deinen Besuch und die Dokumentation. Enthüllt wurde heute ( vielleicht schon gestern ) ein unfertiges Gegenüber. Keine Frühgeburt, auch schon ausgewachsen aber noch nicht fertig ausgebildet. Die von Dir geforderte Tischtennisplatte wird als eine mit Schieferbruch gefüllte Fläche um die beiden Akteure noch nachgelegt. Deine Beobachtung, der rechte Schläger bewege sich nicht so willig wie der linke ist der Stellung zum Wind geschuldet. Tatsächlich bewegt er sich etwas besser als der linke, aber zwei Spieler sind auch nie genau gleich stark. Ob es nun ein ein Paar oder zwei sich gegenüber stehende Einzelne sind, ist belanglos, ich sehe es als ein Werk. Schwerer wiegt da schon Dein Unverständnis von Kunst als Gegenüber. Ich versuche tatsächlich Sachen zu machen, mit denen man Umgang pflegen kann. Spielerisch die Welt zu erkunden, halte ich für des Beste, was man mit seinem Leben anfangen kann und genau das versuche ich mit meinen Arbeiten zu provozieren. Das funktioniert aber nur ( wenn überhaupt ) auf Augenhöhe.

    • Lieber Ulrich,
      mit einer gewissen Entschiedenheit hast Du auf meinen zugegebenerweise etwas launischen Bericht reagiert, zumal Du ja einen ziemlich gewaltigen Hammer schwingst in Richtung meines Kunstverständnisses.

      Das veranlasst mich indes, ein wenig über die Kunst, oder besser über mich und die Kunst, nachzudenken. ARS AETERNA steht auch an der Fassade eines Düsseldorfer Kunstmuseums, BREVIS VITA. Dass das Leben nicht ewig währt, weiß eigentlich jeder. Aber erfahren hat das noch längst nicht jeder, denn wir leben meist so dahin und denken nicht an die Zeit. Und wenn man dann im Leben einmal anfängt, nur noch an die Zeit zu denken, ist das Leben schon vorbei: Willkommen im Nichts.

      Es gibt ein anrührendes Gedicht von Percy Bysshe Shelley „Ozymandias“, Ozymandias war ein ägyptischer König, dessen Restbüste irgendwo aus dem Sand einer Wüste herausragt. Der König ist tot, aber das Kunstwerk überlebt. Die Kunst scheint ewig zu sein, natürlich unter menschlichen Bedingungen, was heißt, dass ihre Gestalt immer eines materiellen Substrats bedarf. So wie unser Geist und unsere Seele ja auch nicht ohne das Gehirn existieren würden.

      Ewige Kunst und Auftragskunst – passt das zusammen? Wenn ein Bildhauer zwei Tischtennisschläger vor das Deutsche Tischtenniszentrum setzt, ist das ein klarer Fall von Auftragskunst, was zunächst einmal nicht an Ewigkeit denken lässt. Aber halt, der Bildhauer, der diesen Ozymandias schuf, tat das nicht mit Blick auf die Ewigkeit, sondern weil sein König ihn dazu beauftragte. Und dennoch inspirierte sein Werk einen anderen Künstler viele Jahrhunderte, ja Jahrtausende danach zu einem der schönsten Gedichte, die ich kenne. Leider werde ich es nicht erleben, wenn ein ferner Künstler sich dieses GEGENÜBERS einmal annimmt.

      Übrigens, Ulrich, Dein Kunstverständnis kann ich nicht nur nachvollziehen, ich finde es sogar sehr sympathisch. Spielerisch die Welt erkunden, was will man mehr? Aber leider war davon bei Deiner kurzen Ansprache gar nicht die Rede. Du sprachst nur von Blickwinkeln, von oben und von unten und eben von gegenüber, von „auf gleicher Augenhöhe“. Oder hat der Wind die entscheidenden Worte weggetragen, so dass sie mir verborgen blieben? Die Antwort wird sich in dem Film finden, der ja während der Veranstaltung gedreht worden ist. The answer is not blowing in the wind…

      Mein persönliches Kunstverständnis ist übrigens ein anderes als deines. Ich bin ja kein Künstler wie Du. Kein ausgewiesener. Ich bin ein pensionierter Lehrer. Aber meine literarische Homepage LEO LÄUFERS BAUSTELLE oder auch manche Beiträge in diesem Blog enthalten doch Texte, die etwas künstlich sind zuweilen, das Künstlerische beanspruche ich nicht. Aber im Künstlichen ist doch die Kunst verborgen, oder? Ich schreibe nicht, um spielerisch die Welt zu erkunden, sondern um mich kennenzulernen. Mein Kunstverständnis ist subjektivistisch. Wenn ich etwas schreibe, bin ich immer wieder neugierig, was da so aus mir herauskommt. Autistische Neugier? Nenn es so, wenn Du willst. Natürlich freue ich mich, wenn dies oder jenes dem einen oder anderen gefällt. Das kommt gelegentlich vor. Aber auf dieses Gefallen bin ich nicht angewiesen – weil ich ein pensionierter Lehrer bin.

      PS: Dass ich nach der Enthüllung ein wenig enttäuscht war, hat sich wohl auch darin gezeigt, dass ich mich nach einer gewissen Zeit einfach davongeschlichen habe. Aber Du sagst ja selber, dass das Kunstwerk noch nicht fertig ist! Die beiden Schlägerstelen mögen in sich perfekt sein, also windig funktionieren. Aber als Kunstwerk sind sie ästhetisch gesehen unvollkommen, da m.E. die Proportionen und die Raumanordnung nicht stimmen. Wenn nichts mehr hinzugefügt würde, hätte man einen Schläger besser weggelassen und das Werk anders benannt… M.a.W., die Enthüllung fand zu früh statt. Hammerschlag…

      Leo Läufer

      • Ulrich

        Lieber Hermann,
        das ist ja mal ein streitlustiger wenn auch etwas oberlehrerhafter Return.
        (Oder heißt das beim Tischtennis nicht so? ) Kunst ist halt wie Fußball, jeder meint ungestraft so Kommentare über Proportionen m.E. oder o.E
        abgeben zu können. So billig sollst Du nicht davonkommen. Es sei denn, ich hätte Dich mit dem „Hammer“, um bei Deinem Bild zu bleiben, verletzt.
        Dann würde ich Dir eine solche Reaktion durchgehen lassen und Dich bitten, einfach nicht weiter zu lesen.
        Zunächst hast Du natürlich recht (hier, ein Zückerchen), die Enthüllung war zu früh. Das ist eine Geschichte, in der der volle Terminkalender des Düsseldorfer Sportdezernenten, wenigstens vier verschiedene Fundamentvarianten, einige Versorgungsleitungen sowie ein Lichtwellenleiter ein Rolle spielen. Eigentlich erzählenswert, aber hier nur vom Thema ablenkend. Ich habe jedenfalls, manchmal ungehalten aber meistens amüsiert, mitgespielt, weil ich die Idee, etwas Unfertiges zu enthüllen so absurd gar nicht finde.
        Schwerer wiegt da Dein Vorwurf der schnöden Auftragskunst und Dein „Zwei Tischtennisschläger vor einem Tischtenniszentrum, wie banal.“

        Aber bevor ich mich dem zuwende, noch etwas über die Ewigkeit.
        Ehrlich gesagt hab ich dem Gefasel von ARS ETERNA und „Doch alle Lust (resp. Kunst) will Ewigkeit…“ nie etwas abgewinnen können.
        Könnte es sein, daß Du da einem leicht zu durchschauenden Taschenspielertrick aufgesessen bist? Ein Trick, der, mit Rückgriff auf platonisches Gedankengut, das Selbstbewusstsein von Malerfürsten verbessern soll und diesen die Möglichkeit gibt, Marktinteressen lassen wir mal beiseite, sich über die Banalität des Zeitlichen zu erheben. Oder nur, was ein etwas weniger ehrenrühriges Motiv wäre, sich ein wenig vom Fußball abzugrenzen.
        Um an diesem Verdacht vorbei zu kommen redet man in diesem Zusammenhang gerne von sehr alten Königsköpfen und Frauendarstellungen. Damals wahrscheinlich, wegen fehlender Originalität eher Nippes als Kunst. Heute stehen wir andächtig davor bis plötzlich bei dem einen oder anderen die horizonterweiternde Erkenntnis aufkeimt und dadurch das Stück zu einem Gegenüber und damit doch noch zur Kunst wird: „Mensch, die waren ja damals schon genau so bekloppt wie wir“.
        Ewigkeit aber taugt aus meiner Sicht nicht zum Gegenüber.
        Vielleicht fehlt mir da die geistige Reife oder der christliche Background.
        In jedem Fall ist in meinen Arbeiten der Weg alles Irdischen mitgedacht,
        übrigens eine Idee, die nicht von mir ist, sondern schon von etlichen anderen Künstlern ähnlich gesehen wurde.
        Jetzt zur Auftragskunst.
        Der oberflächliche Betrachter sieht vielleicht tatsächlich zwei Tischtennisschläger die irgendwie windig funktionieren und kann natürlich nicht sehen, wie nahtlos und passgenau, darauf bin ich sogar ein wenig stolz, diese Tischtennisschläger meine letzten Arbeiten zu dieser Art der Bewegung fortsetzten und weiterentwickeln. Mancher lässt sich aber darauf ein, der Bewegung ein wenig zuzusehen. Er bemerkt dabei vielleicht, daß die Bewegung eine pendelnde Komponente hat. Nach einiger Zeit ist er sich sicher, daß der Tischtennisball die Unwucht ist, die dieses Pendeln verursacht. Sofort verwirft er die Frage, warum eigentlich beide Schläger einen Ball haben. Beim nächsten Vorbeigehen, es war zwischendurch sehr windig, pendeln die Schläger immer noch um Ihre Unwucht, stehen aber völlig anders zueinander. Während er darüber nachdenkt, wie das jetzt zustande kommt, hab ich ihn natürlich längst, wo ich ihn haben will.
        Daß das nicht bei jedem funktioniert, weiß ich und geh jetzt wieder spielen.
        Alles Liebe,
        Ulrich

  2. Enthüllungen eines Oberlehrers, Folge I

    Die Lehre von der Kognitiven Dissonanz besagt: Wenn dir die Wirklichkeit nicht gefällt, und wenn du die Wirklichkeit nicht ändern kannst, dann ändere einfach deine Meinung, um wieder glücklich zu werden.

    Auf Ulrich bezogen: Die Enthüllung war zu früh, das Kunstwerk war noch nicht fertig. Der Dezernent bestand indes auf einem frühen Termin. Anstatt sich darüber zu ärgern, kam Ulrich zu dem Schluss, dass die Enthüllung eines unfertigen Kunstwerks ihr Gutes haben kann.

    Ich habe dafür übrigens volles Verständnis. Denn so funktioniert ja unser Gehirn.

    Und ich bin sicher, dass Ulrich mit dieser Interpretation nicht einverstanden ist, da die Beseitigung einer kognitiven Dissonanz in unserer Gesellschaft als anrüchig gilt… (Wegen der Trickserei, deren sich unser Unbewusstes bedient)

  3. Enthüllungen eines Oberlehrers, Folge II

    ja, ich rede über Kunst auf meinem Blog wie andere über Fußball am Stammtisch. Danke für das Kompliment, lieber Ulrich! Ich habe übrigens einige Jahre bei Borussia Mönchengladbach aktiv Fußball gespielt.

    Offenbar verstehen solche Stammtischrhetoriker nichts von Proportionen, reden aber gern über solches Zeug. Interessant finde ich es schon, dass ich Ulrich sage, was dem unfertigen Kunstwerk fehlt. Ich fordere etwas wie eine Tischtennisplatte zwischen den Stelen, und genau das ist es doch, was Ulrich noch hinzufügen will.

    Ein Schelm ist, wer jetzt denkt, ich hätte Ulrich erst auf diese Idee mit der Platte gebracht. Dass das nicht so ist, kann Ulrich mir nur beweisen, wenn er mir die Platte als „work-in-progress“ nachweist.

    Da bin ich ja mal gespannt…

    In meinem Blog-Beitrag „Oberons Garten“ habe ich doch wirklich eine Hommage an Ulrichs Werk hingelegt. Ich werde also Ulrich nicht verletzen, wenn ich in diesem Fall sage: Die Tischtennisskulptur, so wie sie enthüllt worden ist, gefällt mir nicht. Und das ist kein ästhetisches Urteil, sondern ein bloßes Geschmacksurteil. Mein Fehler war wohl, dass ich mein Geschmacksurteil teilweise mit ästhetischen Gesichtspunkten untermauert habe. Das Recht darauf scheint mir der Künstler ja abzusprechen (siehe der Hinweis auf das Stammtischgeschwafele!).

    Ich unterwerfe mich hiermit Ulrichs Diktum und bekenne reuevoll: Von Kunst habe ich keine Ahnung. Nun habe ich wohl auch meine übrige Reputation verloren (als Ulrichs ehemaliger Philosophielehrer) und sage mir:

    SI TACUISSES, PHILOSOPHUS MANSISSES!

    Leo Läufer wird sich nunmehr verhüllen, was das GEGENÜBER betrifft.

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