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Heinrich Heine: Reisebilder. Die Bäder von Lucca

Beitrag Nr. 3

Heinrich Heine hat bei späteren Auflagen seiner Reisebilder erwogen, die Kapitell X und XI aus Die Bäder von Lucca wegzulassen, hat es dann aber nicht getan, da dies wohl einem Eingeständnis gleichgekommen wäre, dass an dem Vorwurf, er sei mit seiner Kritik an Platen über das Ziel hinausgeschossen, etwas dran sei. Dabei geht es nicht nur in diesen beiden Kapiteln um Platen, sondern man kann sagen: Die Bäder von Lucca sind insgesamt eine Antwort auf Platens Lustspiel Der romantische Ödipus, das eine polemische Auseinandersetzung mit Immermann und Heine war. Heine will mit den Bädern von Lucca einfach zeigen, dass er sich weit besser mit Polemik auskennt als sein adliger Möchtegerndicherkollege.

Hier wird wieder ganz deutlich, dass offenbar eine beträchtliche Anzahl von schriftstellerischen Veröffentlichungen nicht „an-und-für-sich“ gesehen werden sollten, sondern als Momente einer oft weit verzweigten Auseinandersetzung zwischen auf dem Markt der Journale und verlegten Bücher konkurrierenden Individuen. Und daran kann man wiederum ersehen, dass das, was heutzutage in den Social Media passiert, auf Facebook oder in vielen Foren, sich nicht all zu sehr von dem unterscheidet, was schon vor 200 Jahren gang und gäbe war. Aber es lohnt sich, in solche Auseinandersetzungen vor 200 Jahren hineinzuschauen, da man dort Witz und kenntnisreicher Phantasie begegnet, die man häufig im Internet vermisst wegen des Zeitrafferwahns der Produktionsmittel dieses Mediums.

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Mitteilung aus der Kronen-Gruft 4

Über die neue Bedeutung des Internet

Kann es sein, dass eine Gemeinschaft durch Vereinzelung enger zusammenwächst? Ich habe mir angesichts der herrschenden Lage darüber Gedanken gemacht. Und nahm mir heute in der Süddeutschen Zeitung einen Artikel vor, weil ich im Vorspann las, man müsse den „Gesellschaftsvertrag“ nach Lage der Dinge neu denken.

Der Begriff „Gesellschaftsvertrag“ ist vor allem durch Jean-Jacques Rouseau in die philosophische und politische Diskussion gelangt und enthält die zentrale Forderung, das Handeln des Staates solle sich am „Gemeinwillen“ orientieren. Was aber ist der Gemeinwille in Zeiten von Corona?

Eva Illouz‘s Artikel enthält eine ganze Reihe interessanter Betrachtungen. Ich zitiere hier lediglich einen besonders anschaulichen Abschnitt:

Ich habe mich nun seit Wochen zu Hause verbarrikadiert, und die Liebe, mit der meine Kinder mich überschütten, besteht darin, dass sie mich alleine lassen. Diese Solidarität zerlegt den Gesellschaftskörper in kleinstmögliche Einheiten, was es schwierig macht, sich zu organisieren, zu kommunizieren, über die endlosen Witze und Videos hinaus, die in sozialen Netzwerken geteilt werden. Die Geselligkeit ist jetzt stellvertretenden Charakters und diese Krankheit, bei der wir alle Kategorien der Intimität und Zuwendung revidieren mussten, war ein Festtag der virtuellen Technologie. Ich habe keinen Zweifel, dass die fernen Verbindungen in der Welt nach Corona ein Eigenleben annehmen werden, jetzt, wo wir gezwungenermaßen ihr Potenzial entdeckt haben.

 

Aber bemerkt Ihr auch den Widerspruch in ihrer Argumentation, oder soll ich sagen: den scheinbaren Widerspruch?

Übrigens war das Bild natürlich nicht in dem Artikel von Eva Illouz enthalten, sondern wurde mir – wo sonst – in einer WhatsApp-Gruppe übermittelt, in der jeder so sein Süppchen kocht…

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