Ja, ich lese zur Zeit ein wenig Rilke, genauer: die Duineser Elegien in der Ausgabe der Manesse-Bücher der 50er Jahre mit den Erläuterungen von Katharina Kippenberg. Rilkes Elegien gehören anscheinend zum Kanon der großen Kunst, und Kippennbergs Erläuterungen erhalten ihre Autentizität durch ihre Nähe zum Autor. Sie war Zeugin seiner Dichterlesung im Chateau de Muzot und vermag deswegen angeblich, den genialisch verkürzten Bildwelten, sie innig verstehend, zu folgen.
Ich hatte vor circa 30 Jahren eine kurze Begegnung mit Rilke („Blaue Hortensie“) und habe dies auf meiner (veralteten) Homepage dokumentiert. Heute erfuhr ich in einer Fernsehsendung, dass die KI in einer großen Zahl von Fällen falsche Dinge von sich gibt, da sie sich nicht anders zu helfen weiß, wenn sie von etwas, das sie gefragt wird, keine Ahnung hat. Ich habe die KI nun mit meiner alten Begegnung mit Rilke konfrontiert, in der Annahme, dass ich ganz gut beurteilen könnte, ob das, was sie zu sagen hat, Hand und Fuß hat. Das Ergebnis ist erstaunlich. Wenn ich im Folgenden den Link zu diesem Austausch mit ChatGPT freigebe, dann mit einem Gefühl von Verlegenheit, denn es ist ja bekannt, dass die KI darauf programmiert ist, den menschlich Fragenden mächtig zu umschmeicheln. Nachdem dies nun aber klargestellt worden ist und ich hoffentlich glaubhaft versichern kann, dass es mir um die Sache geht, nicht um mich, gebe ich nun den Link zu meinem intimen Austausch mit der KI frei.
Viel Spaß also mit den Anmerkungen zum Rilkeschen Ding-Gedicht und dem Leo-Läuferschen Dong dazu!
Vor sechs Jahren traf ich im Fischhaus in Düsseldorf einen Mann, der ziemlich genauso aussah wie mein alter Schulfreund Prof. Dr.Klaus Bayer. Der Doppelgänger im Fischhaus gestattete mir indes, ein Selfie von uns zu machen. Ich betrachte dieses Bild oft in Erinnerung an längst vergangene Tage und seufze: Ja, der Klaus…
Interessant ist, dass wir beide (also der Klaus und ich) inzwischen schon seit einiger Zeit Blogger sind. Ich hole mir seine neuesten Beiträge direkt aufs iPhone, er wird wahrscheinlich von mir nichts wissen wollen. Denn er hat vor etlichen Jahren mit mir Schluss gemacht.
Neugierig geworden? Hier ist, was ChatGPT über Klaus weiß:
Klaus Bayer – der “Kleine-Reime”-Blogger
• Betreibt seit mindestens einer Dekade den Blog „KLAUS BAYER: KLEINE REIME“, in dem er kurze, pointierte Gedichte postet (meist acht Zeilen à fünf Silben), inspiriert von Tang-Dichtung und nüchterner Kürze .
• Diese Mini‑Verse sind oft humorvoll, satirisch, nachdenklich – teilweise politisch unkorrekt – und verzichten bewusst auf Satzzeichen, um den Lesefluss herauszufordern .
• In seinem Blog erklärt er, er habe eine „Freiheit des Spiels mit Sprache und Gedanken“ gesucht – kurz, prägnant, manchmal skurril .
Die KI weiß auch einiges über mich:
Leo Läufer ist ein deutscher Blogger, Autor und gesellschaftlicher Kommentator – kein Sportler oder Prominenter, sondern jemand, der seine Gedanken zu Kultur, Politik, Alltagsfragen und Literatur frei im Netz veröffentlicht.
🖋️ Persönliches & Stil
• Etwa 78 Jahre alt (nach eigenen Angaben), spielt mit dem Motto „Ich blogge, also bin ich“ .
• Sein Blog „Leo Läufer“ enthält Essays, Reflexionen und Rezensionen zu Themen wie Egon Schiele, Lichtenberg oder Mozart .
Inhaltliche Schwerpunkte
• Kultur & Literatur: Er schreibt etwa über Künstler (z. B. Schiele), klassische Musik und Literaturtheorie. Seine Beiträge sind essayistisch und reflektierend .
• Politische Kommentare: Hinterfragt aktuelle Geschehnisse und gesellschaftliche Phänomene – etwa die Berichterstattung über politische Debatten .
• Persönliche Anekdoten: Erzählt auch von Begegnungen – z. B. familiäre Erfahrungen mit Überwachung in China – und reflektiert daraus generelle kulturelle Unterschiede .
Veröffentlichungen
• Veröffentlicht Beiträge auf seiner Webseite „leolaeufer.com“.
• Hat offenbar auch ein Kinderbuch geschrieben („Der kleine Frosch“, Nora Handpresse, 1990), illustrativ unterstützt von seiner damaligen Frau .
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Kurz gesagt: Leo Läufer ist ein vielseitiger, alter Textmacher, der durch persönliches Bloggen sein Leben, Gedanken und Beobachtungen teilt.
Die KI ist ein wenig geschwätzig. Aber in einem Punkt hat sie ja doch Recht: Ich bin ein alter Textmacher. Den Nagel auf den Kopf getroffen! So schlau ist die!
„Leo Läufer ist ein Blogger und Kommentator, der sich mit aktuellen gesellschaftlichen und politischen Themen auseinandersetzt. Auf seiner Webseite veröffentlicht er regelmäßig Artikel, die oft gesellschaftliche Beobachtungen, philosophische Reflexionen und persönliche Anekdoten enthalten. Seine Themen reichen von Kunst und Literatur über Politik bis hin zu persönlichen Geschichten. Läufer scheint ein besonderes Interesse an kulturellen und historischen Themen zu haben und teilt seine Perspektiven oft durch ausführliche Analysen und Kommentare [oai_citation:1,That’s the way the world ends: – Leo Läufer](https://leolaeufer.com/2020/11/16/thats-the-way-the-world-ends/) [oai_citation:2,Eine kurze Geschichte vom Töten – Leo Läufer](https://leolaeufer.com/2021/06/28/eine-kurze-geschichte-vom-toten/) [oai_citation:3,Leo Läufer – Seite 2 von 38 – Kommentare zum Zeitgeschehen](https://leolaeufer.com/page/2/).Für weitere Informationen und um seine Artikel zu lesen, kannst du seine Webseite [Leo Läufer](http://leolaeufer.com) besuchen.„
„Wer ist Leo Läufer?“ hatte ich die KI gefragt. Die Antwort war überwältigend. Ich denke, ich werde die KI nun für knapp 30€ mtl. abonnieren… Soviel Lobbyismus muss schließlich belohnt werden… Andererseits, – diese Antwort der KI wird mir keinen einzigen Follower für meinen Blog einbringen, der so vor sich hindümpelt…
Aber werden wir der KI gerecht und veröffentlichen ein paar „gesellschaftliche Beobachtungen, philosophische Reflexionen und persönliche Anekdoten“, jetzt:
Vor kurzem habe ich mich mit Qing, meiner chinesischen Schwägerin, über ihre Zeit in Vietnam unterhalten und die Situation nach ihrer Abschiebung nach China 1978. Sie lobte das chinesische Überwachungssystem vorbehaltlos. Vor 30 Jahren hätten die Menschen in China noch Angst gehabt, in ihrer Wohnung schamlos beklaut zu werden. Jetzt lebten sie in Sicherheit. Und dann sagte sie noch etwas, was offensichtlich mit den systemischen Differenzen zu tun hat. Sie nannte als Beispiel: Wenn in Saarbrücken eine neue Straße gebaut werden soll, dann müssen viele Parteien entscheiden. Das dauere oft viel zu lang. In China dagegen gebe es nur eine Partei. Da würden die Dinge eben sofort gemacht. Alles ging schneller. Schließlich erwähnte sie noch eine deutsche Freundin, die sich über die vielen Überwachungskameras in China aufgeregt hat. Sie kommentierte diesen Hinweis nur mit einem kurzen Auflachen. Solche Leute haben ja keine Ahnung, hieß das. Ich habe nur ansatzweise widersprochen. Denn ich weiß ja, meine Schwägerin ist Zeugen Jehovas. Und mit denen kann man ja bekanntlich nicht diskutieren… Im Ernst: Ich reflektiere, und oszilliere. Soll ich mich jetzt abwenden und mich in mein kluges Schneckenhaus zurückziehen? Oder soll oder muss ich mir eingestehen, dass ich von anderen Menschen wenig verstehe. Ich habe keine Ahnung, wie die manchmal zu skurrilen Meinungen kommen. Aber sie haben ja auch ganz andere Erfahrungen als ich gemacht, sind anderen Menschen begegnet, haben andere „Schicksalsschläge“ abbekommen. Ich kann also gar nicht über sie urteilen. Dann wäre es aber inkonsequent, wenn ich mich von ihnen abwendete. Denn das hieße ja, sie zu verurteilen, denn ich nähme sie dann ja im Grunde nicht ernst.
Aber reden wir jetzt auch mal über Brandmauern. Leute wie meine Schwägerin nehmen ja z.B. meine Einwände zur Kenntnis und gehen dann zur Tagesordnung über, legen einen Schwenker auf und besorgen mir ein Bier. Solche eben angedeuteten privaten Diskurse, in denen am Ende jeder Mensch Mensch bleiben kann, selbst wenn jeder den anderen nicht versteht, unterscheiden sich von manchen öffentlichen Diskursen unserer Tage. Wenn etwa gesagt wird, wir stünden am Abgrund und Deutschland müsse gerettet werden, dann kann man das nicht abtun mit der Bemerkung, das sei halt eine Meinungsäußerung und zur Tagesordnung übergehen. Denn das ist ja gerade keine Meinungsäußerung, sondern eine Kampfansage. Also bedrohlich. Und gegen so etwas muss man sich wehren und sich nicht einfach abwenden und schweigen und sich ein Bier bringen lassen… Denn solche Leute verteilen ja „Süßigkeiten“ in einer beträchtlichen Bandbreite. Sie organisieren Bürgerfeste (die Nazis machen das in den sog. Neuen Bundesländern), kümmern sich, auch um die Kleinen, an die sie Schokolade verteilen (das waren neulich die Sympathisanten der Hamas, die ja den Staat Israel auslöschen will).
Zum Schluss noch ein Gedanke, der in die andere Richtung geht. Apropos Hamas. Es wird gesagt, die Hamas missbrauche die eigenen Landsleute als Geiseln im Krieg gegen Israel. Das stimmt wahrscheinlich. Aber Entschuldigung. Israel hat doch die Bevölkerung im Gaza aufgefordert, in den Süden zu gehen. Wenn nun dort aber der harte Kern der Hamas sitzt, kann man es der Hamas nicht zum Vorwurf machen, diese Menschen in Geiselhaft zu nehmen. – Aber die Situation in „Palästina“ (ehemals Britische „Kolonie“, also unter britischem Mandat) ist so komplex, dass jeder Satz darüber sofort relativiert werden müsste, in endloser Schleife, also gibt es für diese Situation keine Lösung, in der Worte relevant wären. Das haben die letzten 75 Jahre gezeigt. (Demnächst werde ich hier das Buch „1948“ von Benny Morris vorstellen, das beschreibt, wie Israel entstand.)
Ich hoffe doch, der geneigte Leser hat verstanden, dass ich die Power der KI bewundere, dass ich aber dennoch an ihrem Sinn zweifle… Ihre so schön und perfekt formulierten Antworten haben mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Den in meinem Fall dargestellten tollen Dingen wäre nur dann Realitätsstatus anzuerkennen, wenn das, was da gesagt wird, auch dem entsprechen würde, was bei den Lesern meines Blogs ankommt. Da ich aber nur wenige Leser habe, ist die Beschreibung der KI gigantomanisch.
Ich habe neulich von meinem Apple aus ChatGPT nach den Chancen befragt, dass die Bücher, die ich geschrieben habe, mich überleben. Wörtlich habe ich gefragt:
Werden meine Bücher auch in der Zukunft noch Leser finden?
Hier ist das Ergebnis:
Noch ehe sich an Dir die Würmer groß gefressen, wird schon die ganze Welt Dich und Dein Buch vergessen.
Ich fand es jedenfalls erstaunlich, dass die KI wusste, welchen Computer ich benutze. Und fand es dennoch befremdlich, dass sie sich offenbar über mich lustig zu machen schien und einen Wurm mir die Zunge herausstrecken ließ.
Auf die Gefahr hin, mir ChatGPT zum Feind zu machen, will ich hier aber noch anmerken, dass diese KI offenbar vor Plagiaten nicht zurückschreckt. Denn ich habe herausgefunden, dass in der Süddeutschen Zeitung vom 13. März Willi Winkler in einem Artikel über Anna Louisa Karsch diese zitiert: „Noch ehe sich an mir die Würmer groß gefreßen,/wirt schon die gantze Welt, mich und mein Buch vergeßen.“
Soweit zur Kreativität von KI. Aber nun müssen wir uns Gedanken machen über deren moralische Integrität, oder?