Schlagwort-Archive: Joseph und seine Brüder

Joseph, mein Joseph

Antonio M. Esquivel: José y la mujer de Putifar (1854) (Museo de Bellas Artes in Seville, Leo Läufer 2019)

Obwohl Thomas Manns Romane über die biblische Gestalt Joseph, Sohn Jaakobs, zu den „Jahrhundertwerken“ der Literatur gerechnet werden, zusammen genannt etwa mit James Joyces Ulysses und Marcel Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, gehe ich wohl nicht fehl in der Annahme, dass viele meiner Zeitgenossen, zumal wenn sie keine Affinität zur Literaturwissenschaft haben, von diesem Werk noch nie etwas gehört haben oder wenn, dann allenfalls von dem berühmten Kapitel Die Damengesellschaft, in dem geschildert wird, wie sich zig ägyptische Damen der Hofgesellschaft bei einem Dinner ausnahmslos beim Apfel Schälen dermaßen in den Finger schneiden, dass ein allgemeines, gewaltiges Blutbad entsteht, – eine Folge dessen, dass der schöne, junge Joseph ins Zimmer trat, um ihnen Tee einzugießen. Das Ganze war von Potiphars Weib, die unsäglich in Joseph verliebt war, arrangiert, inszeniert und provoziert worden, und zwar aus Frust darüber, dass sie beim Joseph keinen Fuß in die Tür kriegte, bzw. Joseph nicht dazu zu bewegen war, mit ihr „Häupter und Füße zusammenzutun“.

Mehr über dieses Buch und seinen Leser unter „Reflexe und Reflexionen“.

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Fake News – nichts Neues eigentlich

Lügen haben viele Beine.

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Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 52: Nichts ist gewöhnlicher als der Tod (No2)

Dass nichts gewöhnlicher als der Tod ist, wird genau so in dem hier beachteten Kapitel von „Joseph und seine Brüder“ gesagt. Was aber heißt das? „Gewöhnlich“ ist ja etwas, das häufig, ja immer vorkommt. Alles, was lebt, erleidet den Tod. Voila: Der Tod ist etwas sehr Gewöhnliches. Aber „gewöhnlich“ hat ja eine weitere Bedeutung. Etwas Gewöhnliches ist das Gegenteil von etwas Außerordentlichem. Letzteres betrifft das Wie des Menschen, das, was jeden von jedem anderen unterscheidet. Der Tod hingegen betrifft nicht das Wie, sondern das Dass, die bloße Existenz. Und die ist nur ein Dass, ein Dass-man-ist, und sonst gar nichts. Und das ist etwas sehr Gewöhnliches, etwas ohne alle Zier…

Wie es einem beim Sterben so ergehen kann

Bei Thomas Mann hat der Tod also etwas Neckisches. Er ist also nichts, vor dem man sich fürchten müsste…

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Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 45: Warum ich so ein guter Pädagoge bin

Friedrich Nietzsche hat sich gelegentlich (Ecce Homo) in ähnlicher Weise selber gelobt, vermutlich um der radikalen Wahrheit willen, die selbst von denjenigen ausgesprochen werden muss, die sich durch diesen Vorgang in ein ungünstiges Licht setzen…

Bei meiner Gruft-Lektüre von Thomas Manns Jahrhundert-Roman „Joseph und seine Brüder“ stieß ich im Zweiten Hauptstück ABRAHAM auf folgende Stelle:

Kinder sind ja nicht unaufmerksam, wenn ihre Lehrer sie scheltend so nennen; sie sind nur aufmerksam auf andere, vielleicht wesentlichere Dinge, als die Sachlichkeit der Bildenden wünschen mag.

Nun, ich habe solche Träumer immer liebevoll schweigend gewähren lassen, entschuldigend über sie hinweggesehen und mich von jeder Schelte ferngehalten.

(Hier wurde gegenüber einer früheren Version ein Absatz gestrichen, da man leicht falsche Schlüsse hätte ziehen können…)

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Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 20: Bilder einer Vorstellung

Zwei Bilder von meinem letzten Spanienurlaub (Andalusien) hängen in meiner Wohnung. Das eine lenkt den Blick in die Vergangenheit, das andere zeigt eine gnadenlose Gegenwart. Das erste Original hängt im Stadtmuseum von Sevilla und zeigt die berühmte, auch bei Thomas Mann leidenschaftlich nachgezeichnete Szene, in der Joseph versucht, der liebestollen Frau des ägyptischen Pharaos zu entkommen, während sie voller Lust und Leidenschaft nicht von dem Zipfel des Kleides lassen will, den sie erhascht hat. Das zweite ist in einem kleinen Museum in Córdoba zu finden, das einem Maler gewidmet ist, der seinen Pinsel am liebsten mit einem Plektrum getauscht hätte, da er den Flamenco so liebte.

Was hat das nun mit mir zu tun? Nun, das erste Bild erinnert mich an meine Zeit, da ich mich kaum der Frauen erwehren konnte, die mich zu haschen suchten. Im Mittelpunkt des zweiten Bildes steht ein demütiger Gitarrenspieler, der ganz in sein Instrument versenkt ist, während die Damen tanzen, deren Girren und Gurren er gar nicht bemerkt. Ich Jüngling – Ich alter Mann. Dazwischen ein ganzes Leben, das in Vergessenheit geraten ist. Denn was zählt, das sind die Extreme, Anfang und Ende, Lebensfrühling und Tod, Süßes und Saures. Auf die Zwischentöne verzichten wir gerne! Die sind nämlich nichts anderes als dieses scheißbürgerliche Leben, mit dem wir uns arrangiert haben. Wir sind wie Wasser. Wir suchen uns den Weg des geringsten Widerstandes. Wir sind Widerlinge.

Nachtrag

Meine chinesische Frau (die totale Sängerin), die diesen Beitrag auf meinem BLOG wohl schon gelesen hatte, rief mich soeben in meiner Düsseldorfer Wohnung an, in die ich zwischenzeitlich geflohen bin. Und sie sagte einen Satz in (fast) perfektem Deutsch.

„Hast Du Sie [sic] noch alle?“, fragte sie. Ich konnte ihr wie immer nicht widersprechen.

(In diesem Beitrag wird ja Thomas Mann explizit erwähnt. Indirekt erwähnt werden aber auch noch ein Komponist und ein Dramatiker. Aber wem sage ich das. Wer diesen BLOG liest, ist sowieso ziemlich gebildet.)

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