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Die Heilige Nacht – Revisited

Gestern war der dritte Advent, also Zeit, etwas für das übliche weihnachtliche Ambiente zu tun. Ich habe also ein kunsthandwerklich gefertigtes Karussell aus dem Keller geholt. Und beim Ölen der Mittelachse, um die sich die hl. Familie samt Hirten dreht, habe ich Theodor Shitstorm auf meinem iPad gehört: Rock & Roll. Das sah dann so aus und hat sich auch so angehört:

Das Karussell rockt…

Und dann kam mir nach langer Zeit in den Sinn, noch einmal ein Persiflat zu schreiben. Denn diese Geschichte von dem schmuddeligen Rock’Roller hat mich doch an die Hl. Familie erinnert, der es, wie allgemein bekannt und der Mythenbildung sehr förderlich, auf dem Weg nach Bethlehem auch sehr dreckig ging:

Josef:

Meine Schuhe sind verschlissen,
und mein Stab ist schon ganz wund.
Doch wir wandern ganz verbissen,
bis uns schlägt die heil’ge Stund‘.
In der Krippe keine Maden,
nur ein nackter kleiner Sohn.
Das ist alles was wir haben!

Mary (mit einem wissenden Lächeln):

Komm, halt’s Maul, das reicht doch schon!

Und so ist aus dem Persiflat eine plausible Kurzfassung der Weihnachtsgeschichte geworden…

Leo Läufer hat sie vertont. Leider hatte er seine Ukulele nicht zur Hand. Aber das ist ja noch ausbaufähig.

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So nett im Herbst

Herbst

Es senkt sich Nebel sanft auf Fluß und Wäldern.
Des Abends summet leis‘ ein gelber Wind.
Der Geier amüsiert sich über Greis und Kind.
Es leuchten Kürbisse auf blauen Feldern.

Von Stoppelfeldern steigen steil die Drachen.
Ein neues Reh zeigt sich am Waldesrand.
Aus Ähren, Früchten winden wir ein Band
Und tanzen froh zur Laute, und wir lachen.

Bald aber wird die gold’ne Zeit vergehen.
Fällt erster Schnee, dann packt uns das Entsetzen.
Die Blätter rotten, und es fault der Mut.

Wir zittern und in kaltem Sturmeswehen,
Da wird gar manches starre Herz zerfetzen.
Doch spät’stens Weihnachten ist alles wieder gut.

Leo Läufer, 1986

Ja, damals habe ich noch eher an Weihnachten gedacht… Aber interessant ist doch, dass die beiden hier bei WordPress veröffentlichten Sonette strukturell sehr ähnlich sind, wie sich das für zünftige Sonette gehört: Ein Thema wird in den beiden Quartetten angeschlagen, das in den beiden Terzetten gegenläufig behandelt wird. Die letzte Zeile enthält eine mehr oder weniger überraschende Auflösung.

Übrigens glaube ich so wenig an den Weihnachtsmann, wenn ich Weihnachten erwähne, wie ich an seniler Geilbereitschaft leide, wenn ich das Wort „Atombusen“  gedanklich-assoziativ evoziere (haha).  Beide Vorgänge sind  innertextlich zu verstehen. – Soviel für einige von meinen Freunden, die zuletzt ein wenig irritiert waren… Aber tut mir leid, Freunde. Es sollte unter Freunden eigentlich gelten: Amare, non docere. Aber das musste jetzt mal sein.

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