So nett im Herbst

Herbst

Es senkt sich Nebel sanft auf Fluß und Wäldern.
Des Abends summet leis‘ ein gelber Wind.
Der Geier amüsiert sich über Greis und Kind.
Es leuchten Kürbisse auf blauen Feldern.

Von Stoppelfeldern steigen steil die Drachen.
Ein neues Reh zeigt sich am Waldesrand.
Aus Ähren, Früchten winden wir ein Band
Und tanzen froh zur Laute, und wir lachen.

Bald aber wird die gold’ne Zeit vergehen.
Fällt erster Schnee, dann packt uns das Entsetzen.
Die Blätter rotten, und es fault der Mut.

Wir zittern und in kaltem Sturmeswehen,
Da wird gar manches starre Herz zerfetzen.
Doch spät’stens Weihnachten ist alles wieder gut.

Leo Läufer, 1986

Ja, damals habe ich noch eher an Weihnachten gedacht… Aber interessant ist doch, dass die beiden hier bei WordPress veröffentlichten Sonette strukturell sehr ähnlich sind, wie sich das für zünftige Sonette gehört: Ein Thema wird in den beiden Quartetten angeschlagen, das in den beiden Terzetten gegenläufig behandelt wird. Die letzte Zeile enthält eine mehr oder weniger überraschende Auflösung.

Übrigens glaube ich so wenig an den Weihnachtsmann, wenn ich Weihnachten erwähne, wie ich an seniler Geilbereitschaft leide, wenn ich das Wort „Atombusen“  gedanklich-assoziativ evoziere (haha).  Beide Vorgänge sind  innertextlich zu verstehen. – Soviel für einige von meinen Freunden, die zuletzt ein wenig irritiert waren… Aber tut mir leid, Freunde. Es sollte unter Freunden eigentlich gelten: Amare, non docere. Aber das musste jetzt mal sein.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Zeitliches

2 Antworten zu “So nett im Herbst

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