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Dieter Henrich: Dies Ich, das viel besagt

Dieter Henrich, einer meiner Lehrer an der Universität Heidelberg vor mehr als einem halben Jahrhundert, hatte 1966 eine Abhandlung über Fichtes ursprüngliche Einsicht herausgebracht, die neue Ansätze zu einer Philosophie des Selbstbewusstseins entscheidend mitgeprägt hat. Diese Abhandlung kam nun vor drei Jahren erneut auf den Markt,und zwar im Kontext wesentlicher Nachgedanken zu Fichtes Einsicht vom Autor ebendieser Abhandlung. Diese Nachgedanken sind einerseits historisch orientiert, da wichtige Positionierungen zur „alten“ Schrift bedacht werden. Doch ist die neue Schrift, verfasst im Alter von etwa 92 Jahren, weit mehr als eine Replik auf von anderen Gedachtes, da Henrichs eigene weiterführende Überlegungen zu Fragen des Selbstbewusstseins verbunden werden mit skizzenhaften Ausführungen zu der Frage, was es eigentlich bedeutet: ein menschliches Leben zu leben. Dabei verzeichnen wir immer wieder das Erstaunen des Philosophen über Paradoxien der menschlichen Existenz, z.B. die Tatsache, dass das „Individuellste“, das wir haben, nämlich das Bewusstsein unserer selbst, zugleich das Allgemeinste ist, das alle Menschen verbindet.

Ich möchte in meiner „Würdigung“ dieses hoch ausdifferenzierten „Alterswerkes“ nicht auf Einzelheiten eingehen, die der interessierte Zeitgenosse selber aufsuchen kann, wenn er denn das Buch einmal in die Hand nehmen sollte. Ich möchte vielmehr eine stark vereinfachende Skizze von Fichtes ursprünglicher Einsicht versuchen und hier einen Link anbieten zu der von Fichte im Jahre 1797 veröffentlichten Fassung seiner Wissenschaftslehre, die das A und O des Kosmos ist, in dem wir uns hier bewegen. Diese Fassung hat nur etwa 14 Seiten, auf denen Fichte sich in anschaulicher Weise direkt an den Leser wendet und ihn „mitnimmt“.

Hier der ganze Text meiner kurzen Würdigung.

Ein Kommentar

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Kleine Geschichte über philosophische Relativität (Bob Dylan zum Achtzigsten)

Neulich fiel mir ja dieses Buch von einem Dr. Woldemar Oskar Döring in die Hände: Fichte – Der Mann und sein Werk, das 1924 erschienen ist und eigentlich in einer durchaus verständlichen Weise die Grundzüge der Fischteschen Philosophie nachzeichnet. Heute stieß ich in seiner Darstellung der Rechtsphilosophie auf folgenden Absatz:

Natürlich hat es mich sofort gereizt, das zu kommentieren. Mir fielen Überschriften ein wie „Über die Liebe von Weib und Mann“ oder „Liebe ist Trieb + Freiheit“ oder „Leo’s Traum“. Oder es fielen mir Überlegungen zu wie „Ist das satirisch verwendbar?“ oder „Kann man das einfach nur präsentieren, damit das Publikum was zum Lachen oder zum Kopf Schütteln oder zum Sich-Entrüsten hat?“

Dann aber beschlich mich ein unangenehmer Gedanke. Denn mal im Ernst, wer würde heute nicht sagen, dass Fichte in seiner Rollenbeschreibung von Mann und Frau aus heutiger Sicht völlig daneben liegt? Aber haben wir denn das Recht, diese Zuschreibungen für unzulässig zu halten? Macht es einen Sinn, Fichte etwa wegen seines „falschen“ Frauenbildes zu kritisieren? Er ist genauso ein Kind seiner Zeit wie unsre heutigen Genderist*innen.

Aber es gab da noch einen zweiten Gedanken, der mir noch unangenehmer war. Denn er betrifft nicht meine Einstellungen zu diesem oder jenem Phänomen wie etwa die Liebe, sondern er betrifft meinen Blick auf die gesamte Philosophie. Ich bemühe mich ja schon ein paar Wochen lang, die Fischtesche Philosophie zu verstehen, zu der ich bislang kaum einen Zugang hatte. Wie, wenn die Philosophie – so wie die Aussagen über Ehe und Liebe – durch und durch getränkt ist von dem „Diskurs“ oder „Sprachspiel“ jener Zeit? Diese würden mir indes als ebenso lächerlich erscheinen wie die oben zitierten Aussagen über die Liebe, wenn ich nicht diesen vorbelastenden Respekt in mir trüge, dass Fichte ein so großer Philosoph sei. Einmal davon befreit, käme ich zu der Gelassenheit, auch im Hinblick auf seine Philosophie zu sagen: Lass ihn mal reden! Er konnte nicht anders als Kind seiner Zeit, als Schüler Kants, als geistiges Kind der Französischen Revolution. Aber, und das ist der Punkt, macht es dann überhaupt einen Sinn, soviel Zeit und geistige Energie in den Versuch zu stecken, so etwas Gestriges zu verstehen?

Meine vorläufige Antwort ist ja. Denn was sollte ich stattdessen lesen? Etwa die gendernden Schriftsteller*innen, all die Philosophinnen und Philosophen unserer Tage? Und wenn ich die einen vor den anderen bevorzuge, wirft man mir dann z.B. Rassismus oder Sexismus vor?

Am besten nichts mehr lesen, auch nichts mehr über die Liebe lesen: Praktizieren wir sie und folgen wir dabei unserem Herzen (dem Sinne nach zitiert nach der Serie Sturm der Liebe). Oder hören wir uns an, was der altersweise Zauberer Bob Dylan uns zu sagen hat: The Times They Are A-Changin‘.

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Traumsteuerung

Träumen macht Spaß. Teilen auch. Auf Facebook teilt so mancher den ersten Zahn seines Kindes oder das Sushi von nebenan mit allen seinen Freunden.

Heute wollen wir mal Träume teilen.

Etwas Teilen ist ja nicht bloß der Facebook-Gemeinde vorbehalten, sondern geschieht auch in der rauen Wirklichkeit. So habe ich erlebt, dass auf Partys gern schon mal Träume geteilt werden. Aber manchmal bin ich mir nicht sicher, ob so mancher Traumteiler einen geträumten Traum oder aber einen erfundenen Traum erzählt. Geteilte Träume werden nämlich durchaus als Prestigeobjekte verwendet. Ich bin, was ich träume! Neulich ist einem Freund von mir angeblich Kant im Traum begegnet, der dauernd gemurmelt haben soll: „Der gute Wille ist gut…“ Alle haben den Traumerzähler bewundert. Ich war ein wenig neidisch. Denn ich träume allenfalls von Königsberger Klöpsen.

Ich möchte hier mal ganz ehrlich sein und sagen: Ich träume mal so und mal so. Also einerseits von solchen Dingen wie „Der Sinn des Lebens“ oder „Die Welt nach Trump“. Das könnten so die Überschriften zu dem sein, was mir manchmal im Traum durch den Kopf geht. Aber ich träume durchaus auch von Kakerlaken oder anderen Missgeschicken. Und manchmal habe ich sogar den Eindruck, ich träume Dinge, die mir einfach guttun. Z.B., dass ich meinem Chef einen bösen Streich spiele, mich also im Traum für etwas räche, das mir angetan wurde. Traum ist hier innere Ersatzhandlung, die den seelischen Haushalt ins Lot bringen soll.

Do you know what I mean? Ich will das an zwei Träumen, die ich geträumt habe, erläutern. Der erste handelt vom Tod, der zweite davon, dass Rache süß sein kann.

Ich hatte neulich diesen Traum, der das, was ich mir in wachem Zustand gelegentlich vorzustellen versucht habe, wirklich werden ließ. Ich habe mir immer wieder mal vorzustellen versucht, wie es wäre, wenn ich mehr oder weniger aus Versehen von einem hohen Turm oder von einer Felsenklippe stürzen würde und dann damit konfrontiert wäre, dass unwiderruflich bald der Tod eintreten würde. Ich habe mit Schrecken an eine solche mögliche Situation gedacht, mir aber nie wirklich vorstellen können, was dann in meinem Kopf passieren würde. Nun weiß ich es. Denn ich habe genau eine solche Situation im Traum erlebt. Ich bewegte mich in einer Stadt, in der es große alte Gebäude gab. Offenbar war noch jemand bei mir, den ich aber verloren hatte. Ich irrte also ziellos umher und kam schließlich zu einem großen Gebäude, das nach meiner Vorstellung wie andere große Gebäude an einem großen Platz stand und auch einen treppenartigen Zugang dazu zu haben schien. Ich befand mich auf dem flachen Dach und ging an den Rand des Daches, vermutend, dass sich dahinter irgendeine Treppe abtun würde. Ich kam an den Rand dieses Dachplateaus und wollte offenbar dann diese vermutete Treppe hinuntersteigen. Aber die gab es nicht. Vor mir und unter mir war nur der Abgrund, ganz in der Tiefe, die tiefer war als ein Haus hoch sein könnte, lag ein Meer. Und auf dieses flog ich nun zu, segelte ich zu. Ich versuchte, den fliegenden Absturz durch Arm- und Beinbewegungen zu beeinflussen, in der vagen Hoffnung auf irgendeinen Berg oder eine Wolke getragen zu werden, die mich sanft aufnehmen könnten.

Mit dieser Vorstellung endete der Traum. Die Hoffnung stirbt wirklich zuletzt. Wohl weil man sich das eigene Sterben nicht wirklich vorstellen kann oder will.

Gestern habe ich erneut etwas Skurriles geträumt. Ich befand mich wieder auf einer Reise. Zu Orten, die ich kannte. Dann dicht gedrängt ein Raum mit Menschen, die ich offenbar kannte. Ich musste auf die Toilette, ließ zwei Frauen vor mir passieren, hielt ihnen sogar die Tür auf. Als ich dann schließlich selber rein wollte, drängte sich ein Mann vor, der auf meinen Einwand, ich sei nun aber endlich an der Reihe, nicht reagierte. Doch als sich die Tür ein wenig später öffnete, sah ich ihn auf dem Klo sitzen, und eine Frau bastelte am Spülkasten, der hoch über dem Klo hing und aus dem Wasser in Strömen triefte auf den Mann, der auf dem Klo saß.

Traum von der Rache des kleinen Mannes (An der Theatergarderobe hatte sich gestern ein dicker Mann vorgedrängt und mich in bester Trumpscher Manier beiseite geschoben.): Rache ist süß!? Oder vom Sekt der Natur: Süße Erinnerung!?

Wer weiß dass schon. Ich müsste meinen Psychiater einmal fragen. Der ist allerdings etwas prüde und würde Letzteres von vornherein ausschließen. Ich könnte das verstehen. Denn auch Psychiater sind Menschen.

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