Schlagwort-Archive: Ehe

Braut- und Ehestand (Middlemarch 1)

„How was 1t that in the weeks since her marriage, Dorothea had not distinctly observed but felt with a stifling depression, that the large vistas and wide fresh air which she had dreamed of finding in her husband’s mind were replaced by anterooms and winding passages which seemed to lead nowhither? I suppose it was that in courtship everything is regarded as provisional and preliminary, and the smallest sample of virtue or accomplishment is taken to guarantee delightful stores which the broad leisure of marriage will reveal. But the door-sill of marriage once crossed, expectation is concentrated on the present. Having once embarked on your marital voyage, it is impossible not to be aware that you make no way and that the sea is not within sight — that, in fact, you are exploring an enclosed basin. „(p. 163)

„Wie kam es also, daß Dorothea, seit sie verheiratet war, zwar nicht klar beobachtete, aber mit einer beklemmenden Niedergeschlagenheit empfand, daß da, wo sie in dem Geiste ihres Gatten freie von einem belebenden Luftstrom durchwehte Aussichten zu finden geträumt hatte, nur Vorzimmer und enge Korridore ohne Ausgang zu sein schienen?
Ich erkläre es mir daraus, daß im Brautstande Alles als provisorisch und vorläufig betrachtet und in jeder kleinsten Probe einer Tugend oder einer Fähigkeit eine sichere Gewähr für das Vorhandensein köstlicher Vorräte gefunden wird, welche in der langen Muße der Ehe an den Tag kommen müßten. Aber wenn die Schwelle der Ehe einmal überschritten ist, verwandelt sich alsbald die unbestimmte Hoffnung auf das Zukünftige in eine bestimmte auf die Gegenwart gerichtete Erwartung. Wenn Ihr Euch einmal auf dem Fahrzeuge der Ehe eingeschifft habt, so könnt Ihr nicht umhin, alsbald gewahr zu werden, daß Ihr nicht von der Stelle kommt und daß das Meer gar nicht vor Euch liegt, daß Ihr Euch in Wahrheit nur auf einem engen Bassin hin- und herbewegt.“

lch eröffne hiermit ein neues kleines Projekt, indem ich in unregelmäßigen Abständen kurze Zitate aus dem englischen Topklassiker „Middlemarch“ der Schriftstellerin  George Eliot bringe. Ich habe selten ein so psychologisch subtiles und unterhaltsames Buch wie dieses gelesen, und die Zitate mögen andere dazu anregen, dieses Buch zu lesen. (Vgl. auch mein Projekt Hogarth-Lichtenberg auf diesem Blog, das so ähnlich entstanden ist, so ähnlich verfährt und ähnliche Zwecke verfolgt!)

Englische Zitate sind der Ausgabe entnommen, die bei WORDSWORTH CLASSICS (1994) erschienen ist. Die meisten deutschen Übersetzungen stammen  von Emil Lehmann in dem eBook, das 2020 bei Lunata in Berlin erschienen ist. Beide Ausgaben möchte ich vorbehaltlos empfehlen. 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Middlemarch, Zeitliches