Bernd Höcke verkündet heute auf dem AfD-Parteitag:
Erst die Tests haben die Pandemie hervorgebracht!
Kein Scheiß. Das hat er wirklich sinngemäß gesagt.
Wir fordern: Mehr Intelligenztests!
Und es gäbe vielleicht eine Chance, dass die AfD sagen würde: Leute, testet, was das Zeug hält, und lasst Euch impfen!
Ach, hätte Herr Höcke doch Recht. Ich kann mir viele Tests ausdenken, die das Leben angenehmer machen würden. Z.B. unter der Frage: Welches Potential haben Sie, sehr, sehr reich zu werden? Wer diesen Test macht, hat einen Lottogewinn. Wir alle könnten diesen Test doch machen! Aber hier fällt mir der rheinische Singsang ein: „Wer soll das bezahlen…?“ Was aber nur zeigt, dass vielleicht einige Tests nicht richtig funktionieren. Andere würden indes unbegrenzt anwendbar sein, z.B. Pflaster, die testen, ob man Hühneraugen hat. Aber halt, hier liegt ein Denkfehler vor. Denn wer könnte schon Hühneraugentestpflaster wollen? Am Ende hätten wir alle Hühneraugen!
Bilder von Hühneraugen zeigen meist zwei, da der Mensch halt von Natur zwei Augen hat…
Seit Tagen, ja seit Wochen warnen Virologen davor, angesichts dieser sog. dritten Welle und des aggressiven Mutanten B1.1.7. den Lockdown zu lockern und fordern sogar eine drastische Verschärfung. Vor den Ostertagen sagte der Ministerpräsident von NRW, CDU-Parteivorsitzender und möglicher Kanzler-Kandidat, er werde die Ostertage nutzen, um einmal über die Situation nachzudenken. Er hat dafür offenbar auf Twitter viel Spott erfahren. Seit heute, Osterdienstag, wissen wir nun, dass bei dieser Nachdenke auch tatsächlich etwas herausgekommen ist, nämlich eine Wortschöpfung (nicht zu verwechseln mit einer Wertschöpfung!). Armin Laschet hat verkündet, sozusagen als Aprés-Oster-Message: Was Deutschland braucht, ist ein Brückenlockdown. Man hört in den Nachrichten, dass er damit wieder etwas näher an Merkel und den ihr treuesten Ministerpräsidenten Markus Söder herangerückt ist. Übrigens hört man auch, die Kanzlerkandidatenfrage sollte bei den Unionsparteien nicht ohne eine Rückversicherung bei Angela Merkel entschieden werden. Die Röcke der Angela sind offenbar sehr weit. Wer also wird den neuen Oskar Matzerath zeugen, der uns in das Post-Corona-Zeitalter führen wird? Neue Trommeln braucht das Land!
Jean Paul hat in seinem Roman Titan Geschehenszusammenhänge dargestellt, die in ihrer Detailversessenheit und ausufernden Metaphorik kaum zu überbieten sind. Dreimal habe ich dieses Buch in die Hand genommen, zweimal wieder ins Regal gestellt. Beim dritten Anlauf hat etwas Bum gemacht. Irgendwann zwischen Seiten 750 und 800, kurz nachdem Albano, der glänzende Held der Veranstaltung, dahinter kommt, dass sein Freund seine (Albanos) Verlobte eines Nachts dadurch verführen konnte, dass er ihre Nachtblindheit ausnutzte und ganz auf seine Stimme setzte, die der des Freundes sehr ähnlich war, hat es auch bei ihm Bum gemacht. Das liest sich bei Jean Paul so:
Als er so über sich und die stille dunkle Wüste seines Lebens hinsah: so war ihm auf einmal, als würde sein Leben pötzlich erleuchtet und ein Sonnenblick fiele auf den ganzen Wasserspiegel der verflossenen dunklen Zeit; es sprach zu ihm:
Wie wird das bei uns in einem Jahr vielleicht aussehen? Wir schauen zurück auf eine dunkle Zeit. Und wir würden uns doch auch wünschen, dass es uns so ähnlich geschieht wie dem Albano bei Jean Paul: Wir schauen zurück auf all diese Lockdowns und Entbehrungen , und es wäre doch zu schön, wenn wir das alles hinwegfegen könnten mit einem positiven Gedanken, der sich auf die Zukunft richtet und uns neue Kraft verleiht.
Was ist denn da gewesen? Menschen – Träume – blaue Tage – schwarze Nächte – ohne mich hergeflogen, ohne mich fortgeflogen, wie fliegender Sommer, den die Menschenhand weder spinnen noch befestigen kann.
Alles, was da hinter uns liegt, hat eigentlich nie in unserer Hand gelegen. Sicher, wir haben uns „angestrengt“. Aber alles hätte ganz, ganz schief laufen können. Wir bestimmen nicht unser Schicksal, das Schicksal bestimmt uns.
Was ist dageblieben? Ein weites Weh über das ganze Herz – aber das Herz auch – Es ist freilich leer, aber fest – unzerrüttet – heiß – Die Geliebten sind verloren, nicht die Liebe, die Blüten sind herunter, nicht die Zweige – Ich will ja noch, wünsche noch, die Vergangenheit hat mir die Zukunft nicht gestohlen – Noch hab‘ ich die Arme zum Umfassen, und die Hand, um sie ans Schwert zu legen, und das Auge zum Schauen der Welt – –
Angesichts der vielen Verlusterlebnisse weist der Erzähler des Titan darauf hin, dass wir bei allen Verlusten UNS ja nicht verloren haben, mit all den wesentlichen Eigenschaften, die uns als Menschen auszeichnen. Packen wir’s an!
Aber was untergegangen ist, wird wieder kommen und wieder fliehen, und nur das wird dir treu bleiben, was verlassen wird – du allein. –
Jean Paul ist an Schopenhauer geschulter Dialektiker. Alles kommt und vergeht, du kannst von allem verlassen werden. Aber eines bleibt: Du! – Dieser Gedanke wird im Folgenden (übernächsten Abschnitt) noch etwas genauer ausgeführt.
Freiheit ist die frohe Ewigkeit, Unglück für den Sklaven ist Feuersbrunst im Kerker – –
Diesen Satz verstehe ich, ehrlich gesagt, noch nicht. Kann mir ja jemand helfen?
Nein, ich will sein, nicht haben.
Genau, das sagt auch Schopenhauer in seiner Ethik. Alles, was wir haben, können wir verlieren. Aber was wir sind, nicht. – Der nächste und von mir als letzter zitierte Absatz klingt zunächst für heutige Ohren etwas (zu) romantisch. Aber seht, wie man ihn verstehen kann!
Wie, kannn der heilige Sturm der Töne nur ein Stäubchen rücken, indes die roh‘ bewegte Luft Aschenberge versetzt? Nur wo gleiche Töne und Saiten und Herzen wohnen,, da bewegen sie sanft und ungesehen. So klinge nur fort, frommes Saitenspiel des Herzens, aber wolle nichts ändern an der rohen, schweren Welt, die nur den Winden gehört und gehorcht, nicht den Tönen.
Für die Töne hat der Mensch ein Organ, für den Wind jedoch zumindest kein spezifisches. Denn der Ton gehört dem Menschen allein, der Wind steht für die bedrohliche Natur. Ein Ton bewegt im Bild, das Jean Paul benutzt, allenfalls ein Stäubchen, der Wind kann aber „Berge“ versetzen. Aber: Der Mensch besitzt offenbar eine Fähigkeit, die Dinge „im großen Stile“ zu bewegen, in der Kraft so, wie der Wind, aber unvergleichlich subtiler. Und diese Fähigkeit kommt zum Tragen, wenn sich die Töne verbinden, wenn die Menschen sich vereinigen. Aber dieser gemeinsame Klang kann nichts am Naturspiel verändern oder bewegen, kann allenfalls etwas beim Menschen bewegen. In unserer heutigen Sprache würde ich das so formulieren: Menschliche Solidarität macht das Leben auf der Erde erträglich, selbst wenn es von Zeit zu Zeit einmal sehr kritisch werden kann. Die Gesetze der (rohen) Welt kann der Mensch nicht ändern, aber er hat eine Chance, sich in dieser Welt menschlich einzurichten.
Der Ratsvorsitzende der EKD benutzte diesen Ausdruck bei einer Ansprache zu Ostern, und ich habe sofort gedacht: Hier versucht jemand, die mancherorts geplanten, aber von der Regierung abgelehnten Öffnungen der Kirchen an Ostern zu rechtfertigen. Weit gefehlt. Es folgte eine sehr ausgewogene Stellungnahme, die erkennbar von einer Sorge um die Menschen getragen war.
In der Vergangenheit gab es allerdings immer wieder Forderungen, soziale Beschränkungen zu lockern, damit nicht unverhältnismäßig viel psychologischer Schaden entsteht. Der Teufel sitzt im Detail, hier in dem Wörtchen „unverhältnismäßig“. Denn korrekter müsste es hier heißen, dass die Vermeidung oder Verminderung psychischer (und sozialer und wirtschaftlicher) Schäden, die durch Lockerungen erreicht werden könnte, unvermeidlich zu einem Anstieg der Todesfälle führen würde. Man würde also mehr Menschen sterben lassen, um den Rest psychisch gesund(er) bleiben zu lassen.
Bedford-Strohm hat übrigens dafür plädiert, dass wir uns mehr um die „seelischen“ Belange (so sprechen Pfarrer halt) der Menschen kümmern. Wenn man darunter nicht nur gemeinsames Beten in der Kirche versteht, ist das eine sehr vernünftige und tatsächlich bisher weitgehend vernachlässigte Sache. 2015 war die Bereitschaft bei vielen Menschen da, den Flüchtlingen zu helfen, und es wurden zahlreiche Initiativen ins Leben gerufen und viel gespendet. Über ein vergleichbares Engagement für die Corona-Häftlinge sollte also nachgedacht werden.
Wahrscheinlich gibt es das schon längst, und ich habe das in meinem Kerker noch gar nicht mitbekommen…
Heute war ich in Halle 1 des Saarbrücker Messegeländes, um mich das erste Mal gegen Corona impfen zu lassen. Geparkt habe ich in der Nähe des Geländes, habe die Zufahrt zur Autobahn überquert, die beiden Wächter am Eingang gefragt, wo es zum Impfen geht. Zum Gebäude da, dahinter rechts, wurde mir beschieden. Der Zugang ist offenbar für größere Menschenmengen ausgelegt, mit Warteschleusen, Abstandsmarkierungen und gelegentlichen Bänken für die, die nicht so lange stehen können. Dann der Empfang. Eine freundliche junge Frau, die fragt, ob es mir gut geht. Sie nimmt meine Daten auf, misst meine Temperatur und versieht mich mit einem weißen Armbändchen mit einem Nümmerchen. Beim Scannen des QR-Codes auf meinem iPhone kommt es zu einer kleinen Anspannung, die leicht zu einem kleinen Streit hätte führen können. Zum Scannen nahm sie mir das iPhone aus der Hand und hielt es unter das an der Wand befindliche Lesegerät. Ich weise sie höflich darauf hin, dass der Scanvorgang doch wohl besser in einer Weise erfolgen sollte, die eine Fremdberührung meines Handys vermeiden würde. „Ich desinfiziere hinterher immer meine Hände,“ sagt sie. „Das hilft mir aber nicht,“ sage ich. Als sie anfängt, ihr Verhalten zu rechtfertigen („Früher haben wir das anders gemacht, da hatten wir ein mobiles Handgerät, das wir ans Handy halten konnten.“), sage ich schnell, ich wolle ja gar keinen Stress machen und würde von ihr auch keine persönliche Rechtfertigung verlangen… Sie schickt mich dann zur nächsten Station. Am Eingang Nr. 7 werde ich von einem Mann bedient. Er händigt mir ein paar Papiere aus, die ich ausfüllen soll, überreicht mir ein Schreibpad mit ein paar Formularen, auf das auch mein Impfpass geklemmt wird. Scannt meinen Personalausweis, notiert sich meine Krankenversicherungsdaten und bedeutet mir, ich solle jetzt da rechts weitergehen zum Wartesaal Nr. 1. Da nehme ich auf einem Stuhl Platz und verfolge die Nummern auf einer Tafel, die beständig erneuert werden. Meine Nummer erscheint, 295-1895, ich werde in die Kabine 16 gewiesen. In Kabine 16 taucht bald danach ein junger Arzt auf, der mich als Kollegen begrüßt. Nicht genau Kollege, sage ich. Und wie viele Ärzte in einer solchen Situation will er nun genau wissen, mit wem er es denn dann zu tun hat, wenn nicht mit einem Arzt. Und wie immer in einer vergleichbaren Situation empfinde ich diese Ausfragerei als lästig, gebe ihr aber nach. Der junge Arzt erklärt mir noch ein wenig dies und das, kann zu einer Anschwellung am Oberarm kommen, evtl. Kopfschmerzen. Paracetamol. Der Arzt ist indes nur für die Aufklärung zuständig. Die Spritze verabreicht ein etwas älterer Mann ohne Namensschild. Von dem Einstich merke ich gar nichts. Ich sage ihm, er könnte das gern nochmal machen. „Ich kann das so oft machen, bis Sie was davon merken!“ sagt er mir. Und schickt mich in den Wartesaal 2, wo ich noch 15 Minuten auf einem der breit verteilten blauen Stühle warten soll. Die meisten Stühle sind leer. Die Impfung scheint insgesamt gut organisiert zu sein. Neben älteren Menschen wie ich sind auffallend viele jüngere hier. Pflegepersonal oder Vordrängler? Nach sieben oder acht Minuten stelle ich mich in einer Schlange an vor einem der Check-out-Stellen. Nach insgesamt 40 Minuten bis ich wieder am Auto und fahre mit einem guten Gefühl nach Hause: Erste Impfung, ein kleiner Etappensieg.
Zwei Cowboys auf einer Kutsche mit einer indianischen Leiche auf dem gefährlichen Weg zu einem Friedhof der Weißen. Schusswechsel.
„Hast du was abbekommen?“
„Nein. Aber meine Zigarre zieht jetzt nicht mehr.“ (Zündet sich eine neue Zigarre an.)
Wer sind die beiden Schauspieler, und wie heißt der Film?
Mir hat diese Szene während meines späten TV-Konsums gut gefallen, weil ich gerade eine Corona rauche. Ich muss gestehen, nach dem Schusswechsel habe ich mich umgesehen, ob meine Frau, die bereits zu Bett gegangen war, nicht doch mit einem Revolver an der Tür lauerte… (statt des üblichen Nudelholzes)
Der Lockdown lockt uns alle ein. Da kramen wir schon mal in den Ecken von Schränken, die seit gefühlten Jahrhunderten nicht mehr aufgesucht worden sind. In Wirklichkeit mag das 30 oder 40 Jahre her sein. Ich stieß jedenfalls auf ein altes Spiel, das dort schlummerte: Trivial Pursuit. Beim Trivial Persuit, das ich noch habe und in diesen Zeiten nach langer, langer Zeit wieder herauskramte, tauchen Fragen auf wie: Wer war der Nachfolger von Dieter Thomas Heck? Offenbar habe ich da was verschlafen. Aber bei den „Pflanzen und Tieren“ ist noch alles, wie es immer schon war. Die Natur hat immer noch den längeren Atem… Drum: Machen wir sie nicht kaputt! Sonst ergeht es uns wie Dieter Thomas Heck. (Der ist doch tot, oder?)
„Unser größter und längster Irrtum ist, dass wir das Leben, d.h. seinen Genuss, wie die Materialisten das Ich, in seiner Zusammensetzung suchen, als könnte das ganze oder das Verhältnis der Bestandteile uns etwas geben, das nicht jeder einzelne Teil schon hätte. Besteht denn der Himmel unseres Daseins, wie der blaue über uns, aus öder matter Luft, die in der Nähe und im Kleinen nur ein durchsichtiges Nichts ist und die erst in der Ferne und im Großen blauer Äther wird? Das Jahrhundert wirft den Blumensamen deiner Freude nur aus der porösen Säemaschine von Minuten; oder vielmehr an der seligen Ewigkeit selber ist keine andere Handhabe als der Augenblick. Das Leben besteht nicht aus 70 Jahren, sondern die 70 Jahre bestehen aus einem fortwehenden Leben, und man hat allemal gelebt und genug gelebt, man sterbe, wenn man will.°
English translation, Google improved…“Our greatest and longest mistake is that we look for life, i.e. its enjoyment, like the materialists for the ego, in its composition, as if the whole or the ratio of the components could give us something that not every single part already had. Does the sky of our existence, like the blue one above us, consist of desolate, dull air, which in the vicinity and in the small is only a transparent nothing and which only becomes blue ether in the distance and in the great? The century only throws the flower seeds of your joy out of the porous sowing machine of minutes; or rather, in blessed eternity itself there is no other handle than the moment. Life does not consist of 70 years, but the 70 years consist of an ongoing life, and one has always lived and lived enough, no matter when you die.“
Ich weiß nicht, wie es Euch so ergeht. Aber ich habe ein paar Kilo zugenommen, nun, da ich ohne Fitness Studio auskommen muss. Da kann es natürlich passieren, dass man eine neue Hose braucht, weil alle alten zu eng geworden sind. Ich habe also bei P&C eine tolle Jeans von BOSS bestellt, – geht ja alles nur online zur Zeit – die trotz eines Rabatts von 40€ noch über 100€ gekostet hat. Aber nun passierte das Unglaubliche: Die Hose war geflickt, sie hatte mehrere Löcher, die nicht etwa schamhaft-kunstvoll genäht worden waren, sondern mit groben Stichen, wobei der untergelegte Stoff sogar noch ein wenig aus der Naht quoll, ja platzte. Ich habe dann bei P&C angerufen und mich beschwert, und das nicht zu leise! Aber wisst Ihr, was diese Hotline-Hure mir flötete? „Wenn Sie Hosen ohne Kaputt-Design kaufen wollen, müssen Sie sich im Billig-Segment umsehen!“ Das hätte mir mal einer vorher sagen sollen…