Monatsarchiv: August 2026

Der Sommer geht vorbei…

… das letzte Konzert der Reihe „Sonntags ans Schloss“ in Saarbrücken wurde heute gegeben, nicht mit der „Honey Creek“

aus Saarbrücken mit dem wohnbekannten Mr. Boyle aus dem Kawumm, der das Saarland nicht nur mit ekstatischer Musik, sondern auch mit hautnahen Beinkleidern und Tattoos versorgt. Die Band hätte es verdient, das letzte Sahnehäubchen der Konzertreihe zu sein.

Das wurde indes materialisiert durch eine Band, die schon circa sechs Mal hier aufgespielt hat und so angekündigt wurde:

B.B. & The Blues Shacks spielen feinsten Roots-Blues

B.B. (so wollen wir ihn hier mal nennen, Genaueres da) hat den Blues nicht, er singt den Blues, und er spielt den Blues auf der Mundharmonika. Höhepunkt: Er ließ die Zeit stillstehen, als er auf diesem Instrument eine Note blies, die eine Minute lang in der Luft schwebte, so dass wir alle die Luft anhielten und beinah erstickt wären, vor Begeisterung. Auch manche Hornbläser kennen diesen Trick, einen langen Ton zu spielen und gleichzeitig dabei Luft nachzuscheffeln (Zirkularatmung). Links von ihm sein Bruder, der die Band vor mehr als 35 Jahren gegründet hat. Ich fand es sehr sympathisch, wie der Frontman der Band, Michael Arlt, mit seinem Bruder Andreas umging, von dem er sagte, dass er ihm seine musikalische Existenz verdanke. Chapeau.

Leider habe ich Leo Läufers Freund Hartwig heute nicht begrüßen können, der immer an der gleichen Stelle steht und mindestens so regelmäßig den Konzerten beiwohnt wie die wild tanzenden Groupies auf der anderen Seite der Bühne. Harald, ich grüße Dich, wir sehen uns hoffentlich im nächsten Jahr wieder am Schloss!

Der Sommer geht also zu Ende, und wir bereiten uns wieder auf Weihnachten vor. Die Dekos in den Läden lassen noch ein paar Tage, Wochen auf sich warten. Ich habe indes schon mal den Karton mit den Weihnachtsdekos aus dem Keller geholt und mich ein wenig eingestimmt auf die nächste Saison. Ein Weihnachtskarussell aus dem Erzgebirge, das mit Kerzen in Gang gehalten wird, dazu ein paar Takte der Berliner Band „Theodor Shitstorm“. Mein Großcousin und seine Indie-Pop-Partnerin mögen mir den Datenklau nachsehen…

Ein Kommentar

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Und schließlich hat’s bei mir gehölderlint


Die Lektüre von Stefan Zweigs Essay über Hölderlin hat mich bewogen, die dreibändige Gesamtausgabe von diesem, die bei Hanser erschienen ist, zu kaufen. Ich hatte ja mit Rilke negative Erfahrungen gemacht. Ich traue seinem Stil nicht. Hölderlin mag „abgehobener“ sein, aber die Gedichte, die ich bei Stefan Zweig gesehen habe, wirkten auf mich „ehrlicher“ als alles, was von Rilke kommt. Ich bin gespannt. Das Gedöns um das „Heilige“ und dieses „Griechentum“ bei Hölderlin haben mich bisher davon abgehalten, mich näher mit ihm zu befassen. Obwohl, ich habe ja ein Buch von Dieter Henrich über Hölderlin und Beckett gelesen. Und dass ich jetzt gesehen und gelesen habe, wie Stefan Zweig Hölderlin, Kleist und Nietzsche unter dem Gesichtspunkt des Dämonischen zusammenschnürt, hat mich neugierig gemacht. Nietzsche „kannte“ ich, Kleist habe ich erst vor einem Jahr oder zwei erschöpfend gelesen, nun ist also Hölderlin dran.

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Weg mit Fitzek! Es lebe Casanova!

Neulich schlenderte ich durch die Saarbrücker Fußgängerzone, wo mitten unter Nails, Kosmetik und billiger Ramschware eine Buchhandlung überlebt hat (und der Juwelier Both). In der Bücherkiste am Eingang fiel mir ein relativ neues Buch von Sebastian Fitzek auf, als preisreduziertes Mängelexemplar auf 4.99€ herabgesetzt. Fitzek wird in fast 30 Sprachen übersetzt und erreicht Millionenauflagen, schätze ich. Das war für mich aber kein hinreichender Grund, das Buch zu kaufen. Drinnen sah ich nun das gleiche Buch ohne den Mängelexemplarstempel auf einem Tisch mit „spannender Unterhaltung“ für 11.99€. Ich habe das Buch aus der billigen Bücherkiste schließlich gekauft, schließlich sparte ich dadurch glatte 7 Euro und konnte mir deswegen im Literaturcafé Lolo in der 1. Etage einen Espresso und ein Stück Butterkuchen leisten.

Bei der anschließenden häuslichen Lektüre dämmerte es mir sehr bald, dass ich eine Fehlinvestition gemacht hatte. Kurze bis sehr kure Kapitel, also kein Erzählstrang wird ernsthaft verfolgt, unpassende Beschreibungen und nicht nachvollziebare Handlungsabfolgen. Am Anfang ein monströser Verdacht, der aber keinen echten Spannungsbogen ergibt. Ich war also sehr enttäuscht und habe das Buch, was ich so gut wie nie tue, in die Ecke gefeuert.

Leo der Schredderer

Mein Blick schweifte sodann an meiner Bücherwand entlang, und angeregt durch eine gerade(zu) vollendete Eintragung in mein Tagebuch und dem vergnüglichen Nachlesen einiger z.T. sehr alter Reflexionen und Eigenberichte über mein erotisches Erleben blieb mein Blick auf der 17-bändigen Ausgabe der Tagebücher Casanovas hängen. Ich zog den ersten Band heraus, quälte mich durch die Vorrede und tauchte ein in eine Welt, die mir zwar zunächst sehr fremd erschien, bemerkte indes allmählich, dass ich es hier mit den schwatzhaften Betrachtungen eines Bruders in Geiste zu tuen hatte, die nicht ganz uneitel, aber der Tendenz nach amüsant dargeboten werden. Casanovas Memoiren setzen im 9. Lebensjahr ein. Hier ein Ausschnitt, was sich der kleine Jakob in der Gesellschaft einiger Erwachsener leistete, und in dem angedeutet wird, wie er diesen Biss bekam, der ihn zum Schriftsteller machte.

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Von einer solchen geistreichen Verspieltheit kann Leo Läufer nur träumen…

Ich wäre jedenfalls mit 9 Jahren nie auf die Idee gekommen, mir Gedanken darüber zu machen, wem die Muschi, wem der Schwanz gehorcht. Und Casanova ist mit Sicherheit auch nicht in diesem zarten Alter auf die Idee gekommen. Interessant, was man sich als alter Mann so alles ausdenkt… Die Strategie dahinter: Lustgewinn durch erotische Sublimierung, wenn die Mechanik versagt.

Casanovas Memoiren sind eine wundervolle Fiktion. Kein Wunder, dass er an Gott glaubt. Der ist ja auch eine wundervolle Fiktion. Casanova bewegt sich auf vertrautem Terrain. Er kannte das Leben. Er wusste zu leben. Er liebte die Frauen.

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