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Weg mit Fitzek! Es lebe Casanova!

Neulich schlenderte ich durch die Saarbrücker Fußgängerzone, wo mitten unter Nails, Kosmetik und billiger Ramschware eine Buchhandlung überlebt hat (und der Juwelier Both). In der Bücherkiste am Eingang fiel mir ein relativ neues Buch von Sebastian Fitzek auf, als preisreduziertes Mängelexemplar auf 4.99€ herabgesetzt. Fitzek wird in fast 30 Sprachen übersetzt und erreicht Millionenauflagen, schätze ich. Das war für mich aber kein hinreichender Grund, das Buch zu kaufen. Drinnen sah ich nun das gleiche Buch ohne den Mängelexemplarstempel auf einem Tisch mit „spannender Unterhaltung“ für 11.99€. Ich habe das Buch aus der billigen Bücherkiste schließlich gekauft, schließlich sparte ich dadurch glatte 7 Euro und konnte mir deswegen im Literaturcafé Lolo in der 1. Etage einen Espresso und ein Stück Butterkuchen leisten.

Bei der anschließenden häuslichen Lektüre dämmerte es mir sehr bald, dass ich eine Fehlinvestition gemacht hatte. Kurze bis sehr kure Kapitel, also kein Erzählstrang wird ernsthaft verfolgt, unpassende Beschreibungen und nicht nachvollziebare Handlungsabfolgen. Am Anfang ein monströser Verdacht, der aber keinen echten Spannungsbogen ergibt. Ich war also sehr enttäuscht und habe das Buch, was ich so gut wie nie tue, in die Ecke gefeuert.

Leo der Schredderer

Mein Blick schweifte sodann an meiner Bücherwand entlang, und angeregt durch eine gerade(zu) vollendete Eintragung in mein Tagebuch und dem vergnüglichen Nachlesen einiger z.T. sehr alter Reflexionen und Eigenberichte über mein erotisches Erleben blieb mein Blick auf der 17-bändigen Ausgabe der Tagebücher Casanovas hängen. Ich zog den ersten Band heraus, quälte mich durch die Vorrede und tauchte ein in eine Welt, die mir zwar zunächst sehr fremd erschien, bemerkte indes allmählich, dass ich es hier mit den schwatzhaften Betrachtungen eines Bruders in Geiste zu tuen hatte, die nicht ganz uneitel, aber der Tendenz nach amüsant dargeboten werden. Casanovas Memoiren setzen im 9. Lebensjahr ein. Hier ein Ausschnitt, was sich der kleine Jakob in der Gesellschaft einiger Erwachsener leistete, und in dem angedeutet wird, wie er diesen Biss bekam, der ihn zum Schriftsteller machte.

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Von einer solchen geistreichen Verspieltheit kann Leo Läufer nur träumen…

Ich wäre jedenfalls mit 9 Jahren nie auf die Idee gekommen, mir Gedanken darüber zu machen, wem die Muschi, wem der Schwanz gehorcht. Und Casanova ist mit Sicherheit auch nicht in diesem zarten Alter auf die Idee gekommen. Interessant, was man sich als alter Mann so alles ausdenkt… Die Strategie dahinter: Lustgewinn durch erotische Sublimierung, wenn die Mechanik versagt.

Casanovas Memoiren sind eine wundervolle Fiktion. Kein Wunder, dass er an Gott glaubt. Der ist ja auch eine wundervolle Fiktion. Casanova bewegt sich auf vertrautem Terrain. Er kannte das Leben. Er wusste zu leben. Er liebte die Frauen.

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