Ja, es gibt diese Lockerungen. Und ja, man nimmt eher schüchtern daran teil. Denn man weiß ja nie…
Soll man jetzt Mundschutz tragen? Na klar. Im Geschäft. Aber auch, wenn man Freunde trifft? Neulich fuhr ich von Saarbrücken nach Luxembourg. Im Auto saßen vier Personen. Ich verordnete allen Mundschutz. In Luxembourg stellten wir fest, dass die Leute in Bussen keinen Mundschutz trugen. Aber die Leute auf der Straße schon. Man ist verwirrt.
Neulich traf ich mich mit Freunden in einem Garten zu einem „Zigarrenabend“. Wir trugen alle keinen Mundschutz. Aber zum Teil Hüte, die zumindest das Abstandsgebot forcierten. Um 23 Uhr haben wir Schluss gemacht. Aus Solidarität mit den Restaurants, die, wenn sie auch wieder öffnen dürfen, um 23 Uhr dicht machen müssen.
habt Ihr heute Abend mal in die Sportschau reingesehen? Ich glaube, es war das Spiel Hertha BSC gegen Hoffenheim, das mir in Erinnerung geblieben ist. Nach jedem Tor lagen sich alle in den Armen und bildeten sog. Jubelcluster.
Ich habe die Befürchtung, dass es uns auch so ergehen könnte, wenn wir bei einem ersten Treffen nach dem absoluten Lockdown etwas grillen würden oder Seranoschinken anschneiden. Ich sehe das plastisch vor mir: Einer holt ein gelungenes Grillgut vom Schwenker, und weil das so toll aussieht, liegen wir uns in den Armen. Oder Martin schneidet mit Handschuhen den Schinken, und nach jeder gelungenen dünnen Scheibe fallen wir ihm um den Hals.
Ich will jetzt nicht einmal von Risikogruppen sprechen und dergleichen Sprüchen, die nach Ausreden aussehen. Ich appelliere lediglich an die Merkelsche Vernunft und schlage vor, bei der Lockerung des Lockdowns nicht zu locker zu verfahren.
Meine Regeln: Jeder bringt mit, was er braucht (außer Getränke, die sind in Flaschen und also safe). Ich bereite einen Tisch vor mit drei Stühlen und drei Aschenbechern. Ihr kommt und verteilt Euch hygienisch einwandfrei, also mit Mundschutz und Abstand.
Und dann sitzen wir um einen Tisch, machen ein Loch in den Mundschutz wegen der Zigarre, geben uns distanziert, aber sind innerlich sehr verbunden, ich gieße Wasser, Rotwein und Brandy ein, während ihr 1 1/2 m zurücktretet. Wenn die Gläser voll sind, dürft Ihr Euch wieder setzen. Dann reden wir, besser: wir nuscheln, weil das angeblich gesünder ist…
Das ist der ultimative Lakmustest unserer Freundschaft. Wenn wir uns dann in zwei oder drei Jahren, nach der Einführung eines Impfstoffes, wieder einmal treffen sollten, ich würde hoffen, wir alle drei, dann werden wir uns bestimmt an diesen Abend erinnern und denken: Locker war das nicht!
Übrigens – bemerkenswert ist das – fasst sich Leo Läufer während seines Vortrags nur einmal ins Gesicht, genauer, an die Nase, nämlich als er von Durst spricht, wobei er das Wort Durst wiederholt (Doppelter Whiskey?). Joe Biden soll sich während einer 10-minütigen Video-Ansprache aus seinem Keller in seinem Haus in Delaware (?) 6mal ins Gesicht gegriffen haben (weil ja sonst nichts Greifbares da war?). Unsere Corona-Reporter und US-Wahlkampf-Beobachter haben das gewissenhaft notiert.
PS: Ich habe am 3. Juli einen Termin bei Sebi, meiner Lieblingsfriseuse, bekommen!
Dalwhinnie – Winter’s Gold. Das ist mein Lieblings Single Malt in dieser trockenen Zeit, in der Husten verboten und Hände Waschen geboten ist. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Oder doch? Ich habe mit Vergnügen Axel Milberg in einem Podcast der Süddeutschen Zeitung verfolgt, der fast täglich aus Werken der Weltliteratur vorlas. Heute hat er seine letzte Lesung gehalten. Aber das Leben muss ja weitergehen. Also lese ich nun etwas aus den Werken Leo Läufers, nicht als Podcast, sondern mit Hilfe von Photo Booth, und beginne mit einer Homage an Immanuel Kant, indem ich in wenigen Versen seine Philosophie erkläre. Viel Spaß!
Sie gehen in diesen Tagen (noch) ohne Mundschutz durch die fast leergefegten Straßen der Innenstadt. Und jeder Fußgänger scheint seines Weges zu gehen. Manchmal streift jemand gefährlich nah an Ihnen vorbei, völlig achtlos.
Und nun setzten Sie mal einen Mundschutz auf und tun dasselbe, gehen also durch dieselben leergefegten Straßen der Innenstadt. Jeder geht da längst nicht mehr seines Weges. Niemand streicht achtlos an Ihnen vorbei. Denn jeder, der keinen Mundschutz trägt, überlegt sich schon von Weitem, wie er Ihnen begegnen soll. Die einen bleiben in sicherem Abstand plötzlich vor einem Schaufenster stehen, in dem nichts ausgestellt ist. Andere wechseln die Straßenseite oder machen zumindest einen großen Bogen um Sie.
Mundschutz? Geht doch! Nützt Ihnen wahrscheinlich mehr als anderen.
Hier ist meine absolute Buchempfehlung für dieses Frühjahr, eine kürzlich erfolgte Publikation von Kurzgeschichten von T. C. Boyle in deutscher Sprache bei Hanser, in denen Futuristisches, Skurriles, Umweltkritisches, Persönlich-Tragikomisches und Gesichtsmasken-Mundschutzthematisches versammelt ist. Eine kleine Übersicht über den Inhalt ist unter Reflexe und Reflexionenzu finden.
Die letzten drei oder vier Beiträge auf dieser Seite haben dem Anschein nach nichts mit meiner Kronen-Gruft zu tun. Und doch sind sie festerer Bestandteil dieser Rubrik als manches Andere. Halfen sie mir doch, die Zeit totzuschlagen, und verband ich doch die Hoffnung damit, auch einigen anderen bei diesem gegenwärtigen Massensport Hilfestellung zu leisten. Die drei Gedichte von Rilke passten zu Ostern wie die Faust aufs Auge. Inzwischen lese ich Gedichte von Karl Immermann. Der ist zwar außerhalb von Düsseldorf nicht halb so bekannt wie Rilke, aber dafür schreibt er Gedichte, bei denen man nicht den Eindruck hat, man müsste seine Hand ins Weihwasserbecken tauchen, bevor man sie liest.
In den USA sind inzwischen mehr als 500.000 Menschen infiziert. In Europa ist ja vor allem Italien stark betroffen. Vor dem Hintergrund dieser Katastrophe habe ich natürlich Rilkes Gedicht VOR-OSTERN rezipiert und mir vorgestellt, wie still es in diesen Tagen nicht nur in Städten wie Neapel ist im Gegensatz zu der Stadt, die Rilke zu beschreiben sucht. Wir können nur hoffen, dass wir wieder bald Gelegenheit haben, unsere Städte wieder so zu erleben, wie Rilke Neapel beschreibt.
Mein Kopfschmuck in diesem Beitrag besteht aus einer Ananas-Schale/-haut, an einer Stelle aufgeschnitten und dann vorsichtig vom Fruchtfleisch getrennt, dann an den Enden durchlöchert, ein Gummiring durchgezogen, der mit zwei Zahnstochern arretiert wurde, so hat’s gepasst. Und danach erfolgte die Selbstkrönung, wofür es ja durchaus historische Beispiele gibt.
Was Kollegen so ins Netz stellen, um Nähe in Zeiten der allgemeinen Distanzierung zu simulieren: Tänzer tanzen, Musiker musizieren, Maler malen uns was vor.
Leo Läufer hat, offensichtlich unterstützt von einem guten Brandy, „The Raven“ von Edgar Allan Poe rezitiert, zunächst zu seinem ganz privaten Vergnügen. Nun soll das Private auch hier politisch, also vergesellschaftet werden. Viel Spaß.