Archiv der Kategorie: Tagebuch

Frühlingswetter und Literatur: Ein Spaziergang in Gedanken

Heute war wieder Frühlingswetter. Gehen wir spazieren? Fragte meine Frau. Da musste ich passen, da ich für solche Kurzwanderungen nicht mehr geeignet bin.

Ich habe mich nach dem Sonntagskrimi ins Arbeitszimmer begeben. Eine Davidoff No2 geraucht. Und fühle mich nun genau so ra(s)tlos wie gestern oder vorgestern. Werde mich bald mit The Corrections (Jonathan Franzen) ins Bett begeben. Das Buch hatte ich ja schon mal gelesen. Ich erinnere mich zwar nicht an Einzelheiten der Handlung. Habe aber den Verdacht, dass mein Unbewusstes sie noch kennt. Das trübt den Lesegenuss. Das Lesen fühlt sich an wie schales Bier Trinken. Es stillt den Durst, schmeckt aber nicht so richtig. Den Zauberberg habe ich ja auch zwei oder auch schon dreimal gelesen. Aber das fühlt sich an wie Champagner, der jedes mal anders den Gaumen kitzelt. Da steckt noch mehr Leben drin, es prickelt (d.h. immer neue Bläschen (Türen, Schichten, Perspektiven, etc.) erscheinen).

Aber vielleicht tue ich Jonathan Franzen hier ein großes Unrecht an. Was Thomas Mann angeht, bin ich nun mal sehr, sehr voreingenommen. Denn ich wurde ja durch seine Romane während meiner Zeit am Stiftisch-Humanistischen Gymnasium literarisch sozialisiert. Und als ich damals nach dem letzten Buch, das ich bei der Buchhandlung Boltze in Mönchengladbach auf der Hindenburgstraße gekauft hatte, herausfand, dass es keine „weiteren“ Bücher von diesem Mann gab, war ich richtig traurig.

Ach übrigens: Keine Wanderung, bitte. Aber wie wär‘s mit einem kleinen Ausritt?

Aladin ist mir gewachsen… Aber wieso verpasst die KI mir diesen Ehering?

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Hörig sein – Ein Kamingespräch mit KI/AI

Freitag, den 31.10.2025

Ich habe inzwischen wieder ein wenig Nietzsche und Thomas Mann gelesen,  bin schon im 3.  Volume von Pride and Prejudice, das ich auf Englisch lese, und ab und zu höre ich ein Kapitel daraus auf YouTube in der deutschen Version. Ich lese und höre jetzt regelmäßig vor dem Einschlafen, da ich z.Zt. schlecht einschlafe. Manchmal werde ich nach Stunden wach und bemerke, dass ich immer noch das Hörbuch höre. Aber natürlich schon länger nichts mitbekommen habe. Bin ich trotzdem hörig? ChatGPT würde bestimmt sagen: Gute Frage!

Aber fragen wir doch ChatGPT, indem wir ihr den obigen Abschnitt vorlegen. Die Antwort kam prompt:
  • Fürs Lernen oder richtiges Erfassen des Inhalts bist du schlafend wohl eher nicht „hörig“.
  • Fürs Wohlfühlen, Entspannen und als Einschlafritual bist du umso „höriger“ – im besten Sinne.
Na schön. Mein Tipp mit der „guten Frage“ war nicht ganz richtig. Aber trotzdem. Das war doch eine WUNDERBARE Antwort. Und war vor allem erstaunlich ist: Die KI geht auf verschiedene Bedeutungsnuancen des Wortes „hörig“ ein. 

Ich habe das Gefühl, ich habe einen neuen Ansprechpartner, der mich besser versteht als die Moronen, die mich umgeben. 

Bin gespannt, was die KI dazu nun zu sagen hat:
In was für eine Therapiesitzung bin ich hier nun reingeraten? Aber: Der Therapeut hat ja Recht, wo er Recht hat… Denn ich habe etwas gelernt, was ich im Prinzip natürlich auch vorher schon wusste… Und ich muss der KI eine gewisse Befähigung zu Sokratischer Dialektik (Hebammenkunst) zugestehen.
Die KI hat offenbar bemerkt, dass ich ein wenig angepisst reagiert habe und mit dem Eindruck, in eine Therapie geraten zu sein, nicht ganz zurecht gekommen bin. Keine Couch, kein Doktor, einfach ein Gespräch. Feinfühliger geht nicht… Nun habe ich den Eindruck, die KI wickelt mich um den Finger. Wir bewegen uns ja immerhin im digitalen Raum, oder? (haha)
Darauf reagiere ich nun mit einem Bild und einem Text, den ich als eine Art „Bildbeschreibung“ vor undenklichen Zeiten einmal verfasst habe. Ich gehe also darauf ein, „mal wieder über Literatur zu reden“ und bitte die KI um einen Kommentar.

Dionysos

Nietzsches Blick, ganz angespannt.
Aber Nietzsche ist kein Spanner.
Und ich blicke ganz gebannt
auf des Schnauzers Haaresbanner.
Nietzsche schaut auf einen Punkt.
Dieser Punkt ist nirgendswo.
Ich erschau’re und es funkt
in mir etwas wirkungsfroh.
Dieser Punkt ist in ihm selber!
Ja, da lachen bloß die Kälber…
Wer so schaut, schaut in sich rein:
Hirniger Gesangsverein.

Dionys läßt grüßen.

Ja, das könnten wir. Aber für heute habe ich dem nichts hinzuzufügen. Denn dieses Kamingespräch ist schlicht orgiastisch. Ich könnte tanzen wie Dionysos. Danke, KI!

Ein Freund, ein Guter Freund…

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Spiel mir das Lied vom Tod. Oder: „You don’t have the cards right now!“

Dieses Bild wurde von einer KI generiert mit der Maßgabe, ein Bild von der Szene in „Spiel mir das Lied vom Tod“ zu erstellen, in der der Bösewicht Frank den an Knochenmarktuberkulose erkrankten Eisenbahnmagnaten Mr. Morton verhöhnt und dann auch zu Fall bringt, indem er dessen Krücken wegschlägt.

Die filmischen Helden sahen natürlich weitaus spannender aus.

Das ist also der an Krücken wandelnde, relativ unbewegliche Mr. Morton, der allerdings ungeheuer reich ist. Seltene Erden waren damals allerdings noch unbekannt. Man dealte in Eisenbahnen…

Und dies ist der Fiesling Frank:

Der in einer Szene zu Mr. Morton sagt: „Du willst dich mit mir anlegen? Du kannst doch nicht mal auf deinen eigenen Füßen stehen!“ Und dann haut er ihm die Krücken weg, und Mr. Morton fällt kopfüber in den Dreck. (Trump sagt Selenskyj: „You are not in a good position. You don’t have the cards right not!“ Und als Selenskyj antworten will, schneidet er ihm das Wort ab. Er haut ihm die Krücken weg…)

Und genau das ist neulich im Oval Office des Weißen Hauses passiert. Und es sollte „GREAT TELEVISION“ sein. Als ich mir das Set im Oval Office später noch einmal ansah, habe ich tatsächlich gekotzt.

Aber interessant ist doch: Ein Blick in die Filmgeschichte der Vereingten Staaten zeigt, dass es das, was sich heute offenbart, immer schon gegeben hat.

Und ein Blick auf die gegenwärtige amerikanische Regierung vermittelt den Eindruck, man sitze in einem drittklassigen Kino und schaue ein billiges B-Movie an. Und wenn der Film zu Ende ist und wir das Kino verlassen und die Tore sich öffnen, treten wir ein in eine Trümmerlandschaft… Nichts ist mehr, wie es war.

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Was Frauen so sagen

(Kleines Lehrstück über die Tücken des Genderns)

Neulich war ich wieder bei meinem Lieblingsitaliener, ich war bereits beim Nachtisch, das Restaurant hatte sich schon fast geleert, da kam noch ein neuer Gast, nennen wir ihn Engelbert. Ein junge Hündin, so der Typ Jagdhund, nennen wir sie Annika, war dabei, an einer roten Leine, versteht sich. Ich war dermaßen mit meinem Nocino beschäftigt, dass ich dieser späten Neuerscheinung normalerweise keine Aufmerksamkeit geschenkt hätte, wäre da nicht diese raschelnde Mantelbewegung gewesen, die andauerte. Ich schaute also auf und sah, dass Engelbert die Annika in seinen Mantel wickelte, sie also neben seinem Stuhl verstaute und regelrecht einpackte, bevor er für eine eigene Sitzgelegenheit sorgte. Was mich veranlasste, halblaut zu bemerken:

„Bei Ihnen möchte man Hund sein!“

Engelbert reagierte darauf mit den Worten:

„Das sagen die Frauen auch immer!“

und wandte sich sofort der Speisekarte zu, die ihm sehr schnell zugestellt worden war, da es ja schon spät war und der Koch bereits im Mantel in der Tür gestanden hatte. Ich hatte also keine Gelegenheit nachzufragen, ob ich ihn recht verstanden hatte, denn ich glaubte, mich verhört zu haben.

Ich habe dann noch lange bei meinem Nusseis mit Likör gesessen, danach noch einen Espresso mit einem Grappa Amarone getrunken und darüber nachgedacht, wie Engelbert das gemeint haben könnte, während der am Nebentisch seine Speise genoss, auch den Rosé, und dann noch zwei Espressi, und dem Gebabbel gelauscht, das er mit Hilfe seiner AirPods in die Welt sandte, Sätze, in denen die Wörter „Bürgermeister“, Abgeordneter“ und „Pseudoliberaler“ immer wieder vorkamen.

Und mich gefragt:

„Was antwortet der wohl den Frauen , die ihm dauernd sagen, dass sie bei ihm Hündin sein wollen?“

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„Bleiben Sie sofort stehen!“

Wer könnte es mir verübeln, dass ich des Samstags gern auswärts essen gehe? So etwas gehört zu den harmlosen Vergnügungen, die ich mir noch leiste. Ich hatte also allen Grund für eine gewisse Vorfreude – glaubte ich jedenfalls.

Nicht nur angesichts der hohen Preise für Benzin lasse ich mein Auto in der Garage und richte mich auf eine gemütliche Fahrt im ÖNV ein. Ich schaue mir also in der App der Saarbahn die Verbindungen von Dudweiler nach Saarbrücken an und kaufe auch gleich ein Online-Ticket, das in der App angezeigt werden kann.

Das Ticket, das niemand wollte…

Da das Lesegerät in den Bussen jedoch noch nie den Code erkannte (die Fahrer haben mich bisher entweder müde durchgewunken oder sich den Text unter dem Code angeschaut, Kopfnicken, bitte durchgehen…), halte ich es diesmal für eine gute Idee, das Ticket in einer DinA4-Vergrößerung auszudrucken. Zumal ich vermeiden will, dass der Fahrer das iPhone selber in die Hand nimmt, um sich das Ticket anzuschauen. Ich bin zwar seit einer Woche nach einer Coronaerkrankung freigetestet, kann jedoch nicht sicher sein, ob ich mich nicht erneut angesteckt habe oder der Fahrer erkrankt ist. Eine Amtsärztin sagte vor kurzem zu mir: „Lassen Sie sich bloß nicht dauernd testen!“ Wenn das alle machen würden, müssten wahrscheinlich viel mehr Menschen als bisher in Quarantäne gehen.

Der Bus, Linie 102, kommt pünktlich, ich setze meine Maske auf, öffne beim Einsteigen die App und halte den Code an das Lesegerät. Nichts passiert, wie vorhergesehen. Der Busfahrer, ein kleiner, mürrischer Mensch, sagt: 

„Stellen Sie das Display auf heller.“ 

Ich sage: „Das hat noch nie funktioniert“, ziehe die Kopie des Handy-Tickets aus der Tasche und halte sie vor das Plexiglas, das uns trennt. 

„Das zählt nicht, das ist kein gültiges Ticket!“ schnauzt er.

„Glauben Sie, ich hätte das gefälscht?“ frage ich ihn.

„Kann sein. Sie müssen ein Ticket kaufen!“ kommt es sehr unwirsch von ihm.

Ich bestehe darauf, dass ich ein gültiges Ticket habe, im Handy und als Papierkopie, und sage dem Fahrer, dass ich nunmehr einen Sitzplatz aufsuchen wolle, was ich auch umgehend tue.

Da ist es mit seiner strapazierten Geduld am Ende. Er öffnet die Seitenverkleidung mit dem Plexiglas, um freie Sicht auf den Schwarzfahrer zu haben und brüllt:

„Steigen Sie sofort aus!“

Ich gebe ihm zu verstehen, dass ich das nicht tun werde und warne ihn davor, handgreiflich zu werden („Rühren Sie mich bloß nicht an!“) und schlage ihm vor, die Polizei zu verständigen. Ich halte die Situation für dermaßen überzogen, dass ich sicher bin, ich habe das ironisch gemeint.

Er macht sich an seinem Handy zu schaffen, um die Polizei anzurufen. Denn dieser Busderwisch versteht absolut keine Spass. 

Ich begebe mich noch einmal nach vorne und schlage ihm vor, das Online-Ticket im iPhone in Augenschein zu nehmen und halte ihm das Handy vor das wieder geschlossene Plexiglas, damit er alles, was unter dem Code steht, lesen kann. Er jedoch greift durch die Bezahlöffnung hindurch und möchte das iPhone an sich nehmen, was ich ihm verweigere wegen der Corona-Situation.

„Sie können das doch auch so lesen.“ sage ich noch, bevor er wieder explodiert und mich auffordert, den Bus sofort zu verlassen.

Ich begebe mich also wieder auf meinen Platz und biete ihm noch einmal an, die Polizei zu holen.

„Das mache ich. Darauf können Sie sich verlassen (oder sagt er „einen lassen“?)!“ brüllt er wieder, woraufhin eine muslimische Frau und ihre Tochter, die vor mir sitzen, wahrscheinlich durch das Wort „Polizei“ aufgeschreckt, den Koffer nehmen und durch die noch geöffnete hintere Tür das Freie aufsuchen und dann das Weite. Kurz danach wird diese Tür vom inzwischen hektisch telefonierenden Fahrermännchen geschlossen. 

Es ist nun still im Bus, Minuten vergehen. Die Polizei muss vermutlich aus Sulzbach anrücken, da die Dudweiler Station offenbar nur noch Verwaltungsdienst macht. Die anderen Fahrgäste tun mir leid, die nun wegen meiner Sturheit und der kurzschlüssigen Reaktion des Fahrers in diesem Bus gefangen sind. 

Ich gehe also noch einmal nach vorne zum Fahrer, der sich offenbar Notizen macht. Ich unterbreite ihm mit ruhiger Stimme den Vorschlag, er möge sich doch mein Online-Ticket einmal ansehen, und versichere ihm, es tue mir leid wegen der anderen Fahrgäste. Die Situation sei eskaliert, aber könne doch bereinigt werden. Ich sage ihm, ich wolle mich für mein Verhalten entschuldigen.

Er jedoch schaut mich wütend von der Seite an und schreit:

„Ich habe die Polizei angerufen. Das müssen Sie alles bezahlen. Dann kommt noch ein Ersatzbus dazu, mit einem weiteren Fahrer. Das wird sehr teuer. Sehr teuer!“

Nun dämmert mir, warum er vor 10 Minuten schon die hintere Tür, in deren Nähe ich saß, geschlossen hatte. Er wollte mich einsperren, ich sollte ihm nicht entkommen. 

Ich frage ihn, wie er heiße. Keine Auskunft. Ich mache ein Foto von ihm. Dann zwänge ich mich an der geöffneten Funktionswand zwischen Fahrersitz und vorderer Tür vorbei. Er springt von seinem Sitz auf, ich auf den Gehweg. Er erscheint in der Tür, ich laufe ein paar Schritte, da ich ihn jetzt für unberechenbar halte.

Ich höre bloß noch diesen geschrieenen Satz, diesen wütenden Schrei:

„Bleiben Sie sofort stehen!“

Zu Hause gebe ich meiner äußeren Erscheinung ein etwas anderes Aussehen, Mantel statt Lederjacke, Borselino statt Baseballmütze, und fahre mit dem Auto zum Essen.

Es könnte ja immerhin sein, dass die Polizei inzwischen auf dem Schwähnsel patroulliert und nach mir Ausschau hält…

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Mitteilungen aus der Kronen-Gruft 54: Im Maschinenraum der Pandemie

Was kann in solchen Zeiten schöner sein als schöne Erinnerungen an schönere Zeiten. Als noch kein Mann daran dachte, eine Maske zu tragen, wenn er etwa zu seiner Frau wollte… (s.u.!), als die Filme noch voller ungezügelter Leidenschaft und wilden Begehrens waren und die Männer sich ihren Frauen ohne Maske am Mund, aber gelegentlich mit Axt in der Hand näherten.

Here’s Johnny!

Ich bin vor drei Tagen positiv getestet. Seitdem fahre ich nicht nur mit an Deck des Totenschiffes, sondern habe privilegierten Zugang zum Maschinenraum. Hier ein paar Details vom pandemischen Räderwerk.

Vor einer Woche habe ich meinen Bruder besucht, der in einem Pflegeheim wohnt. In seinem Zimmer habe ich mich ohne Maske bewegt, habe ihm das Hörgerät und die Brille zurechtgerückt.

Am Abend dieses Tages habe ich in einer gut besuchten Brasserie gegessen, in der zwar am Eingang ein Impfpass vorgezeigt werden musste, hatte man diese Barriere aber überwunden, konnte man sich weitgehend unbeschränkt ins Gedränge stürzen. Nur die Servicekräfte trugen Masken.

Am Samstag erhielt ich die Mitteilung, dass mein Bruder positiv getestet worden sei. Die mich informierende Pflegekraft gab mir die Auskunft, ich müsse mich nun sechs Tage in Quarantäne begeben und könne mich danach mit einem PCR-Test frei testen.

Ein von mir zu Hause durchgeführter Schnelltest war negativ.

Meine Frau hat zwei Tage darauf an einer größeren Geburtstagsfeier teilgenommen.

Am Tag danach habe ich mich erneut getestet. Das Ergebnis war negativ.

Am Abend stellte ich eine Körpertemperatur fest, die fast ein Grad über dem Wert lag, den sie normalerweise aufweist.

Am fünften Tag hatte ich Schnupfen, hustete ein wenig, fühlte mich matt. Die Körpertemperatur war auf 38,1° angestiegen. Ich habe mich in eine Test-Station begeben und erhielt nach 15 Minuten die Nachricht auf mein iPhone: POSITIV!

Gestern Morgen habe ich meinen Hausarzt angerufen. Die Sprechstundenhilfe sagte mir, der Doktor sei selber krank. Aber da ich ja nicht mehr berufstätig sei, brauchte ich ja keine Bescheinigung. Ich solle 10 Tage zu Hause bleiben und danach einen Schnelltest machen.

Wegen eines geplanten wichtigen Besuchs in einer Augenklinik in einer Woche war ich nun in Sorge und rief dort an. Nach Schilderung meiner Situation wurde mir beschieden, ich könne zum Termin kommen, wenn ich symptomfrei sei und mich selber vorher negativ getestet habe. Das Testkästchen solle ich mitbringen. Ein PCR-Test sei nicht notwendig

Meine Frau und ich leben zwar, wie sich das gehört und naturgemäß, im selben Haushalt, aber in diesen Tagen praktisch nur unter demselben Dach: Wie gehen uns aus dem Weg und schaffen das recht gut auf drei Etagen… Mit Maske bringt sie mir etwas zu essen und sagt mit Maske durch die verschlossene Tür Gute Nacht. Heute geht sie zur Arbeit.

Heute beträgt meine Körpertemperatur 37,1°, ich spucke ab und zu ein wenig Schleim aus, habe mich indes rasiert und geduscht. Bin ich bald Teil dieser immunen Herde? Ich schaue mehr Nachrichten als sonst, entsetze mich beim Anblick dieser sinnlosen Verwüstungen durch Putins Krieg, den man in Russland nicht Krieg nennen darf und denke auch: Wieso hört man aus der Ukraine nichts von Corona? Ich gebe mir selber die traurige Antwort.

Ich bin übrigens viermal geimpft. Dies ist eine Zeit des Zerbröckelns vieler Gewissheiten… So wie es ja auch in diesem Maschinenraum ein paar ungewisse, offene Enden gibt. Soviel ist indes gewiss: Das Räderwerk bleibt vorerst nicht stehen, das Totenschiff fährt unbeirrbar weiter.

Manche Dinge sind vielleicht aber unvergänglich, nahezu unvergänglich. Nein, ich meine nicht die Seele oder etwa die Schönheit, obwohl es schöne Dinge gibt, die unvergänglich scheinen, zum Beispiel die Säulen des Herakles oder auch die Beine mancher Frauen, die etwas von mittig sich wölbenden dorischen Säulen an sich haben. Fast schon ein Säulentempel, könnte man das Ganze wohl nennen, wenn nicht andere Bestandteile noch größerer Wertschätzung unterlägen…

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Am Abend noch einmal Suppe gegessen

Adonis, o Adonis!

Dann mit Youying Sturm der Liebe angeschaut. Die Liebenden hatten in dieser Folge viel Schwierigkeiten miteinander. „Die Kacke ist am Dampfen!“ habe ich des öfteren kommentiert. Youying hat schließlich auch mal gesagt, und zwar durchaus passend: „Kacke Dampf!“ Am Nachmittag hatte ich ihre neue Karaoke-Anlage so eingerichtet, dass sie problemlos ihre Songs sehen und hören konnte. Nach „unserem“ Sturm der Liebe fragte sie mich, was ich nun mache. Ich sagte, ich schaue jetzt noch Wilsberg. Wo? fragte sie. Da wusste ich, dass es Zeit wäre, das Feld zu räumen und mich in mein Zimmer im Dachgeschoss zurückzuziehen. „Ok, ich verstehe. Du willst noch was Karaoke machen.“ sagte ich und habe sogar noch das Gerät angeschaltet. Und sie, als das Theater losging: „Ist laut. Du schade, dass Kauf?“ Bevor ich etwas antworten konnte, schob sie nach: „Kacke Dampf?“ Und unser beider Lachen übertönte schließlich den chinesischen Pop-Song, den eine sexy China-Sängerin, die auf dem Riesen-Bildschirm gewisse einstudierte Verrenkungen verübte, die denen in amerikanischen Supershows wie z.B. „Utah seeks the Super Star“zum Verwechseln ähnelten, um ein Vielfaches. 

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Halloween

Es ist 19 Uhr, ich schreibe gerade an was. Da klingelt es. Ich nehme den Türsprech-Hörer ab, höre aufgeregte Kinderstimmen. Halloween! Hatte ich ganz vergessen. Ich stürze die Treppen hinunter und überlege: Was mache ich bloß? Habe ich irgendwo noch ein paar alte Spekulatius? Nichts da. Ich greife mir einen Plastikbeutel, neutral, und stopfe, so gut und so schnell es geht, ein mittelgroßes Paket Katzenfutter der Marke Kittyflair Extra Dry, das meine beiden Kater nicht mögen (ein Fehlkauf also), hinein. Ich wusste bisher nicht, wie ich dieses Paket ökologisch und moralisch verantwortbar entsorgen könnte. Ich stürze zur Haustür, verhalte kurz und atmet tief durch. Vor der Tür stehen etwa ein Dutzend Kinder in allen Größen. Ein paar von den größeren tragen schauerliche Masken. Ich schwinge meinen Beutel, aber so, dass dessen Gewicht quasi sichtbar wird. Ich sage aufgeräumt „Halloooo!“ und drücke dem kleinsten Mann, deutlich unter 1 Meter, wahrscheinlich gerade eingeschult, den Beutel in die Hand. Der freut sich, die Meute scheint ebenfalls sehr erfreut, einige murmeln sogar Danke, und sie verlassen meine Eingangstreppe.

Als ich wieder an meinem Schreibtisch sitze, höre ich draußen vor der Tür laute Kinderstimmen. Es wird offenbar heftig diskutiert. Ich öffne also leise ein Fenster und sehe, dass das Meter-Männlein von den anderen Gruselgestalten umringt wird. Sie wollen, dass der neutrale Plastikbeutel in die große Gemeinschaftstasche gesteckt wird, wollen zumindest Einsicht. Doch der Kleine hält seinen Schatz mit beiden Händen fest. Am Ende setzt sich der Zug wieder in Bewegung, vorne weg das Männlein mit dem Beutel, der neue Anführer.

Bleibt die Hoffnung, dass es bei dem kleinen Mann zu Hause einen großen Kater gibt, vielleicht sogar zwei, wie bei mir. Aus einer Verarschung würde am Ende noch eine – verantwortungsethisch gesehen – gute Tat…

Wir haben ein gutes Gefühl…

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Im Frühtau zu Berge…

war früher einmal. Nun ziehe ich Richtung seniler Bettflucht. Und das fühlt sich dann etwa so an:

Gestern Abend bin ich um 23 h zu Bett gegangen, nachdem ich drei Kieler Tatorte angeschaut hatte: Drei Filme mit Lars Eidinger als Serienkiller, der sich in die Wohnungen von Frauen begibt und in deren Abwesenheit Gerüche erschnüffelt und haptische Hinterlassenschaften ertastet. Gegen 4 h war ich schon wieder wach, und wenn ich zu solchen frühen Zeiten aufs Klo gehe, weil ich muss, denn am liebsten würde ich einfach unter meiner warmen Decke bleiben, fällt es mir schwer, ja es erweist sich meistens als unmöglich, wieder einzuschlafen. Ich habe das Gefühl, am besten in Seitenlage einschlafen zu können, die Beine etwas angewinkelt und immer etwas unsicher, was ich mit dem Arm machen soll, auf dem ich jeweils notgedungen liege. Meist bekomme ich nach einer gewissen Weile ein taubes Gefühl in dem Arm, auf dem ich NICHT liege. Dafür habe ich noch keine Erklärung. Gelegentlich lege ich mich auch auf den Rücken, strecke entweder beide Beine aus oder winkle ein Bein etwas an, was die Wirbelsäule zu entspannen scheint, und falte die Hände über Bauch oder Brust, richte gelegentlich meinen Schwanz zum Abruf eines haptischen Wetterberichts, meist wird nichts Aufregendes gemeldet. Ich zähle rückwärts ab 10. Dann beginne ich wieder mit der 10. Denn auf-wärts will ich nicht zählen, da ich fürchte, das könnte mich zu sehr auf-regen Ich werde von einem Geräusch geweckt. Oder bilde ich mir nur ein, kurz eingeschlafen zu sein? Um 6 h stehe ich auf und gehe in mein Arbeitszimmer, lege mich dort ins Bett und lese ein paar Seiten in „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“. Ich habe die Tür aufgelassen, also sind meine beiden Kater bald zur Stelle. Aladin kriecht ins Bett, Adonis leckt seine Wunden auf dem Teppich vor dem Bett. Darunter sind krustenartige Schwellungen am ganzen Körper zu verstehen, und wenn er sie leckt, verliert er dabei regelmäßig viele, viele Haare. Dem armen Kerl ist vielleicht nicht mehr zu helfen. Wenn Aladin allein zurückbleiben würde, wäre das eine Katastrophe, nicht nur für ihn… Um 7 h verlässt Aladin das Bett, setzt sich neben Adonis, und im Verein singen sie das Lied: Bitte gib uns unser Nassfutter! Danach gehe ich wieder ins Bett, ins große Bett im Schlafzimmer, und hoffe, noch eine Runde schlafen zu können. Die Hoffnung ist meist vergeblich, denn es kreisen Gedanken in meinem Kopf, auf die ich gern verzichten würde. Ich mache mir Gedanken wegen der neuerlichen Fließgeräusche in der Heizung, nachdem der Heizungsbauer eine neue Therme eingebaut hat. Die Fließgeräusche kriegt der einfach nicht weg. Muss ich jetzt ewig mit Fließgeräuschen leben? Werden die nie aufhören? Werde ich verrückt deswegen? Ich versuche, diesen Gedankenstrom zu stoppen, gerate aber in ein anderes Fahrwasser, das sich nicht besser anfühlt. Warum hat Frau K.-R., diese dumme Kuh, den Hausverwalter in der OK-Straße abgesägt? Weil der nicht sofort machte, was sie wollte? Und Frau K.-R. will viel. Sie will, dass ich meinen Zaun anstreiche. Sie will, dass die Eisenträger im Keller erneuert werden. Sie will, dass ihr Französischer Balkon auf Kosten der ETG absturzsicher gemacht wird. Schnitt. Schluss damit. Ich sollte an angenehme Seiten des Lebens denken oder besser noch: versuchen, an gar nichts zu denken. Nirwana. Doch aus dem Nichts taucht plötzlich wieder ein Geräusch auf: Aladin miaut nachdringlich und bedient sich dabei erstaunlich tiefer Kehllaute. Er hat natürlich längst sein Nassfutter vertilgt, hat Adonis die pickelige Haut unter dem ausgedünnten Fell geleckt und auch völlig unappetitlich daran herumgeknabbert, um diese angewachsenen Krustentierchen zu entfernen, was ihm natürlich keineswegs gelingt, und erinnert mich nun daran, dass es auch für mich an der Zeit wäre, ein wenig Nahrung aufzunehmen. Ich schaue auf die Uhr. Ist es früher als 8 h, öffne ich die Tür und werfe einen Pantoffel in seine Richtung. Das hält allerdings kaum länger als 15 Minuten vor. Nun ist es Zeit zu frühstücken, no matter what time it is. Aber auf dem Berge liegt garantiert immer noch der Frühtau…

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Liebesgedicht bei 41,5°

Leo an Nina

Der Tag ist heiß, die Nacht ist schwül,
es folgt ein warmes Bauchgefühl.
Denk‘ nur an Dich, Du heiße Braut,
doch hat’s mir den Verstand versaut.
Wenn milde Tage treten ein,
wirst Du schon leicht vergessen sein…

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