Im Frühtau zu Berge…

war früher einmal. Nun ziehe ich Richtung seniler Bettflucht. Und das fühlt sich dann etwa so an:

Gestern Abend bin ich um 23 h zu Bett gegangen, nachdem ich drei Kieler Tatorte angeschaut hatte: Drei Filme mit Lars Eidinger als Serienkiller, der sich in die Wohnungen von Frauen begibt und in deren Abwesenheit Gerüche erschnüffelt und haptische Hinterlassenschaften ertastet. Gegen 4 h war ich schon wieder wach, und wenn ich zu solchen frühen Zeiten aufs Klo gehe, weil ich muss, denn am liebsten würde ich einfach unter meiner warmen Decke bleiben, fällt es mir schwer, ja es erweist sich meistens als unmöglich, wieder einzuschlafen. Ich habe das Gefühl, am besten in Seitenlage einschlafen zu können, die Beine etwas angewinkelt und immer etwas unsicher, was ich mit dem Arm machen soll, auf dem ich jeweils notgedungen liege. Meist bekomme ich nach einer gewissen Weile ein taubes Gefühl in dem Arm, auf dem ich NICHT liege. Dafür habe ich noch keine Erklärung. Gelegentlich lege ich mich auch auf den Rücken, strecke entweder beide Beine aus oder winkle ein Bein etwas an, was die Wirbelsäule zu entspannen scheint, und falte die Hände über Bauch oder Brust, richte gelegentlich meinen Schwanz zum Abruf eines haptischen Wetterberichts, meist wird nichts Aufregendes gemeldet. Ich zähle rückwärts ab 10. Dann beginne ich wieder mit der 10. Denn auf-wärts will ich nicht zählen, da ich fürchte, das könnte mich zu sehr auf-regen Ich werde von einem Geräusch geweckt. Oder bilde ich mir nur ein, kurz eingeschlafen zu sein? Um 6 h stehe ich auf und gehe in mein Arbeitszimmer, lege mich dort ins Bett und lese ein paar Seiten in „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“. Ich habe die Tür aufgelassen, also sind meine beiden Kater bald zur Stelle. Aladin kriecht ins Bett, Adonis leckt seine Wunden auf dem Teppich vor dem Bett. Darunter sind krustenartige Schwellungen am ganzen Körper zu verstehen, und wenn er sie leckt, verliert er dabei regelmäßig viele, viele Haare. Dem armen Kerl ist vielleicht nicht mehr zu helfen. Wenn Aladin allein zurückbleiben würde, wäre das eine Katastrophe, nicht nur für ihn… Um 7 h verlässt Aladin das Bett, setzt sich neben Adonis, und im Verein singen sie das Lied: Bitte gib uns unser Nassfutter! Danach gehe ich wieder ins Bett, ins große Bett im Schlafzimmer, und hoffe, noch eine Runde schlafen zu können. Die Hoffnung ist meist vergeblich, denn es kreisen Gedanken in meinem Kopf, auf die ich gern verzichten würde. Ich mache mir Gedanken wegen der neuerlichen Fließgeräusche in der Heizung, nachdem der Heizungsbauer eine neue Therme eingebaut hat. Die Fließgeräusche kriegt der einfach nicht weg. Muss ich jetzt ewig mit Fließgeräuschen leben? Werden die nie aufhören? Werde ich verrückt deswegen? Ich versuche, diesen Gedankenstrom zu stoppen, gerate aber in ein anderes Fahrwasser, das sich nicht besser anfühlt. Warum hat Frau K.-R., diese dumme Kuh, den Hausverwalter in der OK-Straße abgesägt? Weil der nicht sofort machte, was sie wollte? Und Frau K.-R. will viel. Sie will, dass ich meinen Zaun anstreiche. Sie will, dass die Eisenträger im Keller erneuert werden. Sie will, dass ihr Französischer Balkon auf Kosten der ETG absturzsicher gemacht wird. Schnitt. Schluss damit. Ich sollte an angenehme Seiten des Lebens denken oder besser noch: versuchen, an gar nichts zu denken. Nirwana. Doch aus dem Nichts taucht plötzlich wieder ein Geräusch auf: Aladin miaut nachdringlich und bedient sich dabei erstaunlich tiefer Kehllaute. Er hat natürlich längst sein Nassfutter vertilgt, hat Adonis die pickelige Haut unter dem ausgedünnten Fell geleckt und auch völlig unappetitlich daran herumgeknabbert, um diese angewachsenen Krustentierchen zu entfernen, was ihm natürlich keineswegs gelingt, und erinnert mich nun daran, dass es auch für mich an der Zeit wäre, ein wenig Nahrung aufzunehmen. Ich schaue auf die Uhr. Ist es früher als 8 h, öffne ich die Tür und werfe einen Pantoffel in seine Richtung. Das hält allerdings kaum länger als 15 Minuten vor. Nun ist es Zeit zu frühstücken, no matter what time it is. Aber auf dem Berge liegt garantiert immer noch der Frühtau…

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Eingeordnet unter Tagebuch, Zeitliches

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