Monatsarchiv: Oktober 2026

Hühnchen mit roten Fußnägeln…

Seit ein paar Monaten lebt mein Freund Theo nun in einer WG in St. Wendel. Er teilt mit ihr Küche, Bad und – den Korb für die Flaschen, die recycelt werden sollen. Mit Küche und Bad klappt alles sehr gut, keine Selbstverständlichkeit in einer Mulitkulti-WG. Nur das mit dem Recycling-Korb haut noch nicht so ganz hin. Und das liegt schlicht an der liebenswürdigen kleinen Chinesin aus Shanghei. Viele Chinesen leben mehr als 20 Jahre in Deutschland und haben keinen blassen Schimmer von Deklination und Konjugation. Wie sich jetzt herausstellt, gilt das auch für Recyceln. Alle flaschenförmigen Gefäße wandern in den Korb. Das Material ist dabei genau so unwichtig wie etwa die Anwendung eines Akkusativs beim Sprechen. Bei den Deutschen ist das korrekte Recyceln Teil der DNA geworden. Bei den Chinesen ist die Aneinanderreihung unflexierter Wortfolgen Teil ihrer DNA. Was das Recyceln betrifft, so scheint die Sache noch nicht ausgemacht. Wir verfügen da noch nicht über (zeitlich) ausreichende Erfahrungswerte…

Man könnte nun der Meinung sein, die Chinesen seien halt ein bisschen stur. Doch wechseln wir doch mal das Thema und sprechen vom Warenverkehr oder genauer: von der Geldwirtschaft. Auf diesem Gebiet erweisen sich die Deutschen als nicht nur ein bisschen stur. Viele können partout nicht vom Bargeld lassen. Ein Kauf, zumal ein Kauf an jeder Form von Theke, ist für viele nicht denkbar, ohne dass Geldscheine oder auch Münzen dargebracht werden, um das Recht an einem erworbenen Gegenstand zu besiegeln. Und auf der anderen Seite erzwingen manche Verkäufer den bargeldmäßigen Verkehr durch Schilder wie „Kartenzahlung ab 20 Euro!“

Schauen wir aber jetzt mal auf das obige Bild von einem täglichen Markt in China. Zwischen den emporgestreckten Beinen nackter Hühner und auch darüber sind die QR-Codes für die Bezahlsysteme von WeChat und Alipay zu sehen. Die Hühnerfüße sind gespreizt nach oben gestreckt, die langen Nägel scheinen rot lackiert zu sein, alles scheint nach etwas zu schreien, sich nach etwas zu strecken, sich nach etwas zu sehnen: WeChat, 我们爱你!Dieses Bild steht für mich für etwas, das mir in China häufiger begegnet ist. Ich meine das Nebeneinander von Tradition und Moderne. Die Ware liegt auf den Tischen wie vor 300 Jahren. Doch der Warenverkehr wird beherrscht von einer abstrakten Technik. Der Käufer tippt auf eine bestimmte App und hält das Smartphone vor den QR-Code. Dann schnappt er das Hühnchen bei den rotnageligen Füßen und geht nach Hause, – wenn er nicht vorher noch den Code auf dem roten Schild scannt, eine „Hongbao“-Aktion, ein „rotes Geldgeschenk“, das er noch mitnehmen kann.

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Great Wall

里奥·劳费尔向中国致以问候

An eine zufällige Koinzidenz möchte ich eigentlich in diesem Fall nicht glauben. Vor ein paar Tagen habe ich eine Anwaltskanzlei in Nanning, China, kontaktiert wegen einer Anfrage bezüglich einer Immobiliengeschichte. Diese erklärte sich grundsätzlich bereit, den Fall gegen eine Gebühr von 90.000 Yuan zu übernehmen. WOW! Ich musste aus diversen Gründen abwinken.

Seit ich diesen Kontakt zu der chinesischen Kanzlei hergestellt habe, hat sich die Besucherzahl auf diesem BLOG um mehr als 1.000 bis 2.000 % pro Tag erhöht – lauter Besucher aus China, wie mir angezeigt wird. Zufall? Habe ich da echte Fans gewonnen, oder bin ich in den Radar einer hydra-köpfigen Überwachungs-KI geraten?

Ersteres würde mir schmeicheln. Letzteres wäre mir ziemlich egal. Whatever the case: Ich möchte alle, die mich von China aus besuchen, herzlich grüßen. Schreibt mir doch mal einen schönen Gruß… (dr.faustus@t-online.de)

Übrigens ist die chinesische Große Mauer etwas anderes als unsere Brandmauer (Seit Söders Brandrede auf dem Kongress der Jungen Union („Wir brauchen Brandmauern! Vor allem gegen Rechts!„) muss man jetzt wohl von „unseren“ -Plural! – Brandmauern reden.).

很难相信这仅仅是个巧合。几天前,我曾就一桩房地产相关事宜,联系了中国南宁的一家律师事务所。他们同意代理此案,但开出了9万人民币的代理费。哇!出于种种原因,我只能婉拒了。

自从我与那家中国律所取得联系后,本博客的每日访问量便激增了1000%以上——根据我的数据,这些访问者全部来自中国。这是巧合吗?我是多了些真正的粉丝,还是引起了某个由百人团队运营的人工智能监控系统的注意?

如果是前者,那倒令人受宠若惊;如果是后者,我也完全不在意。总之,我想向所有来自中国的朋友们致以亲切的问候。不妨给我留个言,打声招呼吧?(dr.faustus@t-online.de)

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Ein neues kleines DAB-Radio

 Ich bin mit Bus nach Hause gefahren, weil offenbar die Oberkasseler Brücke für die Bahnen gesperrt war. Schienenersatzverkehr also. Mein neues kleines DAB-Radio verbreitet KLASSIK, das Radio, das ich als Prämie für PAYBACK-Punkte erhalten habe. Die Flasche Wein ist halb leer. Oder noch halb voll? Diese Frage hat mich eigentlich noch nie interessiert. Habe sie auch nie ganz verstanden. Geht es da um Optimismus vs. Pessimismus? Scheint mich wenig zu interessieren. Ich bin da wohl eher Fatalist. Also stimmungsmäßig stark abgefedert. Und damit den volatilen Schwankungen der Weltgeschichte weniger ausgesetzt. Meine Mutter war erzkatholisch. Ich verachtete das. Dieses gottestrunkene Ergebenheitsgewebe. Aber oha! Das war es doch, was sie so stark gemacht hat. Dieser gottverbrämte Fatalismus. Mütterlein, ich komm Dir immer näher. – Nun kommt mir nicht mit dieser ganzen Freud-Scheiße! Es kommt halt vor, dass man erst sehr spät gewisse Sachen kapiert. Wer hat das gesagt: Es ist nie zu spät? Wahrscheinlich jemand, der dauernd zu spät kam. Besser (zu) spät als praecox. Amen dem Samen.

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