Schlagwort-Archive: Terror

El Mescalero Hotzo

Wer von den 68ern erinnert sich nicht an den Göttinger Mescalero, der 1977 nach der Ermordung von Siegfried Buback ein Pamphlet veröffentlichte mit dem Titel Buback – ein Nachruf, worin es hieß:

„Meine unmittelbare Reaktion , meine ‚Betroffenheit‘ nach dem Abschuß von Buback ist schnell geschildert: Ich konnte und wollte (und will) eine klammheimliche Freude nicht verhehlen.“

Dass der Autor später im Text gegen solche Terrorakte argmentierte, wurde damals so gut wie nie erwähnt.

„Nach dem Attentat auf Trump am Samstagabend hatte Hotz, dem auf X knapp 700 000 User folgen, einen Witz gepostet: Was haben der letzte Bus und Donald Trump gemeinsam? „Leider knapp verpasst.““ (Süddeutsche vom 17.07.2024)

El Hotzo wurde dafür vom RBB gefeuert. Ich habe, als ich die Nachricht in der Süddeutschen Zeitung las, gestutzt und mich erforscht, wie ich denn auf das Bild vom Attentat auf Trump spontan reagiert habe. Und da habe ich gemerkt: Ich finde den Witz gut.

Zur Erläuterung: Für meine spontanen Gefühle kann ich nichts. Wer nur einmal Sturm der Liebe gesehen hat, der weiß, dass man nichts dagegen machen kann, wenn man sich verliebt. Aber im Ernst: Natürlich finde ich einen solchen Terrorakt absolut verwerflich und durch nichts zu rechtfertigen. Und dennoch… Lasst mich das durch eine kleine Änderung im Szenario erläutern. Stellen wir uns doch mal vor, wir hätten miterlebt, wie eine Dachziegel, vom Winde verweht, messerscharf an Trumps Ohr vorbeisegelt und am Boden zerschnellt. Würden wir dann eher „Gottseidank!“ rufen oder „Oh wie schade!“? Ich wünsche niemandem den Tod. Aber die Welt wäre erträglicher, wenn es manche Menschen nicht gäbe.

Übrigens: „Den Eintrag löschte Hotz zwar später, schrieb dann aber: „Ich finde es absolut fantastisch, wenn Faschisten sterben.““ erwähnt Harald Hordych in seinem Artikel in der SZ. Wohlgemerkt: Von „Umbringen“ ist hier nicht die Rede. Es wird lediglich angedeutet, dass Dachziegel wohl auch mal Friedensengel sein könnten. So Gott will…

2 Kommentare

Eingeordnet unter Zeitliches

Sub specie aeternitatis: die „Staatsraison“

Nehmen wir doch mal Abstand von allem, was Israel und die Hamas angeht.

Und stellen Folgendes fest: Die Hamas hat am 7. Oktober in einem scheinbar unmenschlich brutalen Terrorakt 1.200 Menschen geschlachtet. (Sagte ich „scheinbar“? Gestern sah ich einen Film mit Michael Douglas, in dem dieser einen frustrierten Kleinbürger spielte, der seine ganze Wut rausließ und peu à peu zum gnadenlosen Killer wurde. Unglaublich unmenschlich, aber in einem Menschen entstand diese Wut. Im Film irgendwie nachvollziehbar.) In dem Versuch, die Hamas auszurotten, sind inzwischen anscheinend 10 mal so viele unschuldige Palästinenser gestorben, darunter eine immens hohe Anzahl von Kindern.

Two buddies
Two buddies… („Wann hast Du Deinen nächsten Gerichtstermin?“)

Wenn ich jetzt sage: Ein Staat, der das in Kauf nimmt, ist selber unmenschlich. Und dann höre ich Benjamin Netanjahus Statement: Wenn auch alle uns im Stich lassen, wir machen das, was wir für richtig halten. Sagt er das mit der Atombombe im Rücken? Ist nicht angesichts dessen die Rede von der „Staatsraison“ gegenüber Israel eine hohle Phrase? Was wäre z.B., wenn die Israelis in ihrer existentiellen Bedrohung Syrien, den Iran, Ägypten, etc. mit Atombomben einäschern würden? Und würde ich jetzt, wenn ich keinen deutschen Pass besäße, des Landes verwiesen?

Unsere Politiker erteilen Israel einen Freischein, wenn sie von der Staatsraison reden. Ich halte das für nicht zu Ende gedacht. Beziehungsweise für eine dieser Blasen, mit denen sich manche Politiker gern selbst ein wenig aufblasen.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Zeitliches

Folgerichtigkeit

Da wurden in der vergangenen Woche eine ganze Reihe von Paketbomben verschickt, Trump bedauert das und sagt aber: Das war folgerichtig. Denn wer solche FAKE NEWS verbreitet, der soll sich nicht wundern…

Da wurde heute ein Massaker in einer Synagoge in Pittsburgh verübt. Trump bedauert das und sagt aber: Das war folgerichtig. Denn wer sich nicht bewaffnet, begibt sich in Gefahr.

Die Bomben, die Schüsse. Die terrorischtische Gewalt. Sie gehören inzwischen zu etwas, womit wir in unseren Gesellschaften zu rechnen haben.

Womit ich nie gerechnet hätte: Mit diesem ungeheuerlichen   Zynismus eines amerikanischen Präsidenten, der außerdem so ganz nebenbei atomar aufrüsten will.

Was wäre eigentlich jetzt folgerichtig?

Da muss ich spontan an Friedrich Schiller denken…

Aber Schiller war ein Idealist. Und das Wort Genossenschaft dürfte Herrn Trump völlig unbekannt sein. Das heißt: Das Bild, das sich Schiller von seinen Fürsten („Tyrannen“) machte, ist sehr naiv gemessen an dem Bild, das wir uns von Donald Trump machen müssen. Der Autokratismus unserer Tage fällt also weit zurück hinter die autokratischen Regime des 18. Jahrhunderts.

Die Welt ist nicht besser geworden, und wir befinden uns zur Zeit offenbar in einer gewaltigen Abwärtsspirale.

Wie gesagt: God save the Queen. And my testicles.

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Zeitliches