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Sein und Schein (Middlemarch 5)

Sind Sie schon einmal einem Menschen begegnet, der sich nie mürrisch zeigte, egal, was ihn zu bedrücken oder zu verärgern schien, dem dies und das nicht gelungen war, der sich von anderen vor den Kopf gestoßen fühlen musste, der, umgeben von unleidlichen Zeitgenossen, keine Chance hatte, diesen zu entkommen, der selbst dann seine Stimme nicht erhob, wenn man ihn aufs Unflätigste beschuldigte, der ruhig blieb, wenn alle ihn anschrieen?

Einem solchen Menschen würden wir eine stoische Natur attestieren, würden seinen Gelassenheit bewundern, ihm ein unzerstörbar freundliches Wesen zuschreiben, ihn vielleicht einen weisen Menschenfreund nennen und sogar heimlich bewundern oder zumindest beneiden ob seines Talentes, sich durch nichts aus der Ruhe bringen zu lassen.

„… Rosamunde sah nie mürrisch aus und erhob ihre Stimme nie ungebührlich; sie war fest überzeugt, das niemand mit Recht etwas an ihr auszusetzen haben könne.“  (Kapitel 52)

 

 

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