GERMAN-AMERICAN DAY

neue-datei-40_1GERMAN-AMERICAN DAY CELEBRATION

Ronald Reagan hat offensichtlich, wenn ich das recht verstanden habe, den GERMAN-AMERICAN DAY eingeführt. So wurde es jedenfalls am 6. Oktober in der „Mein Amerika-Talkrunde“ im Nauwieser Viertel in Saarbrücken kolportiert. Vielleicht finden demnächst ja auch Talkrunden statt an den Tagen, an denen die britische Queen sich die Fußnägel schneiden lasst.

Fünf Talker waren eingeladen worden, um etwas zu „Mein Amerika“ zu sagen.

Zur Eröffnung sagte der Direktor des Deutsch-Amerikanischen Instituts etwas zum Sinn dieser Veranstaltung. Ich glaube, er erwähnte Ronald Reagan. Dann hob Steven Steiniger, der US Forces Liaison Officer, zu einem Grußwort an. Sein Fazit: Ich habe deutsche Wurzeln (Pennsylvania Dutch Country), bin aber Amerikaner. Dann sprach noch der Vorsitzende eines Vereins junger Amerika-Fans, der zufällig neben mir saß und, als der Officer gefragt hatte, wer denn schon mal in den USA gewesen sei, brav seine rechte Hand gehoben hatte… Dann eröffnete Roman Bonnaire, Saarländischer Rundfunk, Vorsitzender des DAI, den Talk, witzig, eloquent, wie sich das für einen Mann vom Rundfunk gehört.

Prof. Dr. Astrid M. Fellner von der Univesität des Saarlandes eröffnete den Reigen der Antworten auf Bonnaires Frage: Was gefällt Ihnen besonders an Amerika? Ihre Antwort: Die Kultur!

Jana Burnickel, Studentin, sagte: Die Diversifizierung!

David Zimmer, ein Geschäftsmann, sprach von der Chancenorientiertheit der Amerikaner, die nicht sofort nach den Risiken schielen.

Roland Theis ist Mitglied des Landtags, CDU, und hob vor allem hervor, dass es in Amerika diese grandios funktionierende Demokratie gebe.

Torsten Reif ist zwar (nur) Geschäftsführer der Hurricanes (Football Club Saarbrücken, vermute ich), hat aber durchaus die Statur und das Outfit eines Footballers und betonte vor allem die Sportbegeisterung der Amerikaner.

Die Diskussion drehte sich erst um Allgemeines, dann um Donald Trump („Den wollen wir nicht. Aber die Amerikaner, die auf dem Land Leben, wollen ihn, da die große Mehrheit der Amerikaner sich als chancenlos betrachtet.“) Klingelt‘s da? Aber im Publikum hatte niemand diesen grandiosen Widerspruch bemerkt zu dem was, an anderer Stelle gesagt worden war. Dann um Wirtschaftliches, TTIP. Der ansonsten recht wacker argumentierende Geschäftsmann sagte dazu: Ich habe auf meinem letzen Motorradtripp in den Taschen meiner Harley nur Gen-Hühnchen gehabt und dann auch gegessen. Und ich lebe noch! – Das war kein Argument, sondern eine Anekdote, die außerdem einen Fehlschluss enthält.

Den Hauptpart in dieser Runde spielte aber ein im Programm nicht Genannter: Ein kleiner Mann mit einer großen Filmkamera und einem Stativ, das wahrscheinlich leicht bis in die Höhen des neuen Baumwipfelpfades an der Saarschleife gereicht hätte, wenn die Decke nicht im Weg gewesen wäre. Er sprang von Outlook zu Outlook, um immer wieder neue Perspektiven zu erhaschen, bewegte sich rehfüßig zwischen den Stuhlreihen, um auch die betroffenen oder begeisterten Gesichter des Publikum mit seiner Kamera zu vereinnahmen. Er ging in die Knie, um den einen oder anderen Redner in einer Pose filmen zu können, die von Überlegenheit zeugte.

Ansonsten war der Abend ein wenig flach. Das Publikum recht einssilbig, wenn man mal von dem Zwischenruf: „Haben wir denn schon Weihnachten?!“ absieht, als Bruno, der Direktor, kleine, fein verschnürte Geschenke an die Talker verteilte, als die sich schon verabschieden wollten und Bonnaire schon Witze machte, was Bruno zwang zu sagen: „Lassen Sie mich das noch zu Ende bringen.“

Ich habe geschwiegen. Und hätte doch eigentlich ganz gerne eine Stellungnahme gehört zu einer Feststellung, die ich in Gebhard Falkners neuem Roman „Apollokalypse“ gefunden habe: Die Amerikaner kennen nur Infantilismus und Elephantitis (dem Sinne nach zitiert). Das sind nicht Werte, sondern Grundbefindlichkeiten. Wenn der Bettler dem Geschäftsmann auf der Wallstreet auf die Schultern klopft und neidlos sagt: It‘s great that you made it! Dann zeugt das einerseits von einer gewissen Kindlichkeit, von der Bewunderung für den Vater, der das geschafft hat. Und andererseits und gleichzeitig von einem Glauben an etwas sehr Aufgeblasenes, das keinen Funken Moral enthält. Wenn Trump sagt: Ich habe die Steuergesetze ausgetrickst, so what? Und die Leute applaudieren. Dann zählt bloß noch das Siegen, Der-Größte-Sein. Andere Kategorien haben da keinen Platz.

Der Protagonist des Romans „Apollokalypse“ schildert Folgendes auf Seite 284 des Romans, anlässlich seiner Einreise in die USA:

Beim Ausfüllen des grünen Einreiseformulars mit der Admission Number 38720207208 kreuzte ich alle Punkte wie:

Leiden Sie an einer ansteckenden Krankheit?

Sind Sie körperlich oder geistig behindert?

Betreiben Sie Missbrauch mit Drogen?

Steht hinter Ihrer Einreise die Absicht, sich an strafbaren oder unmoralischen Handlungen zu beteiligen?

Waren Sie in Spionage-, Sabotage- oder terroristische Aktivitäten verwickelt?

wahrheitsgemäß mit Ja an. Ich konnte natürlich unbeanstandet einreisen, weil jeder Beamte allenfalls einen mechanischen Blick darauf wirft, ob alle Kreuzchen untereinander stehen. Kein Mensch, seit es dieses Papier gibt, hatte diese Fragen wohl jemals ernstlich auch nur mit einem Ja beantwortet.

Ist das eine Marginalie? Ich glaube nicht. Amerika (USA) ist paranoid. Und das mit gutem Grund. Fast klang es wie ein verzweifelter Hilferuf, als ein Talker am Schluss darauf hinwies, dass wir eine starke Supermacht Amerika brauchen. Aber Amerika (USA) ist nicht die Lösung, sondern das Problem. „Wir müssen hoffen!“ wurde am Schluss der Veranstaltung immer wieder gesagt. Ja, hoffen wir, dass es Europa bald wieder besser geht.

HEY, IHR GERMAN-AMERICAN DAY CELEBRATIONISTS, HABT IHR DARÜBER SCHON MAL NACHGEDACHT?

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