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Ist „Spitzweg“ wirklich lesenswert?

Ich habe noch einmal nachgedacht. Und teile Folgendes mit:

Die Antwort hängt allein vom Leser ab. Wer einen Roman lesen will, wird enttäuscht sein. Wer sich für Kunst interessiert, kann begeistert sein.Wer jedoch von diesem Buch erwartet, in einen Künstlerroman eintauchen zu können, in so eine Art Adrian-Leverkühn-Geschichte der modernen Kunst oder der Kunst überhaupt, der wird aufs Tiefste enttäuscht werden. Um es direkt und ohne Schnörkel zu sagen: Der Autor missbraucht seinen Erzähler, der übrigens namenlos bleibt, um seine ureigensten Vorlieben an den Mann zu bringen. Die Romangestalten, angehende Abiturienten, lassen sich über dies und jenes aus, über die Kunst, die Musik, die Literatur, als ob sie von all dem eine Ahnung hätten. Die Ahnung aber hat – der Autor. Der einen ungebändigten Drang zum Bombastischen hat. Das äußert sich in den hyperbolischen Ergüssen über Kunst.

Wenn ich das wohlwollend oder einfach auch nur vorsichtig als mögliche Satire bezeichnet habe, so ziehe ich diese Einschätzung hiermit zurück. Der Autor ist ein Ästhet, ein ziemlich humorloser Ästhet, dem zwar hier und da im Buch ein paar prägnante Formulierungen gelingen, was aber alles verkleinert wird, da er sich in so vielen großbedeutenden Formulierungen verliert. Warum, zum Teufel, sagt Eckhart Nickel in einem Interview/Podcast der FAZ wiederholt auf eine Frage, die er mit „ja“ beantworten könnte: „ABSOLUT!“? Ein „Ja“ reicht ihm nicht. Er will das Besondere, das Einmalige, das Abnormale, das Große, das Absolute.

Auf dem hinteren Bucheinband ist ein Bild von ihm, auf dem er sich die Haare kämmt und dabei offenbar in den Spiegel schaut. Im Buch wird über Egomanie reflektiert. Und darüber, dass die einzig wahre Liebe die Selbstliebe sei. Selten hat ein Autor sich über seine Figuren so rückhaltlos offenbart.

Das Bild ist urheberrechtlich geschützt. Aber es gelangte hier zufällig in den Bildbereich meiner Fotografie dieser kostbaren Davidoff-Zigarre…

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