Beim Zahnarzt

Heute war ich beim Herrn Abdo, meinem Zahnarzt. „Wie geht es Ihnen?“ Ich sagte: „Ich habe nachgedacht. Wenn Sie sagen, ein toter Zahn kann viel Unheil anrichten (er verzog sein Gesicht: Das habe ich so nicht gemeint!), und wenn Sie dann an diesem toten Zahn eine Wurzelbehandlung vornehmen, dann wird der tote Zahn dadurch ja nicht lebendig. Mein früherer Zahnarzt, der diese ganzen Kronen bei mir eingesetzt hat, war der Meinung, man sollte tote Zähne ziehen (Herr Abdo verzog sein Gesicht um einige Grad deutlicher). Wenn man das macht, kann doch ein Implantat eingesetzt werden.“ Herr Abdo, mein Zahnarzt, über dessen Herkunft ich mir Gedanken gemacht habe (Ali Abdo ist z.B ein australischer Ringer, Amdurahman Abdo ein äthiopischer Leichtathlet), schluckte sportlich und sagte dann: „Das hat man vor 20 oder 30 Jahren so gemacht. Wir wollen heute den Zahn erhalten.“ Und dann hat er mir noch einmal mit Hilfe der Röntgenaufnahme erklärt, wie die Wurzel behandelt werden kann und soll. Ein Implantat sei natürlich eine Alternative. Er hat mir aber nicht gesagt, warum er sich in meinem Fall für die Wurzelbehandlung entschieden hat. Vielleicht ist er ja ein Erhaltungsfreund, vielleicht sind ja auch Implantate nicht sein Ding. Also wurde nun mit der Behandlung begonnen. Mir scheint, Röntgenaufnahmen dienen nur untergeordnet der Diagnose. Denn eine Karies ist doch wohl in vielen Fällen auch ohne deren Einsatz zu erkennen (Wurden denn in den letzten 75 Jahren meines Lebens mit Zahnärzten so viele Kariesfälle nicht bemerkt?). Sie, die Röntgenaufnahmen, dienen in der Hauptsache als Unterfütterung der Argumentation, mit der der Patient zu einer vom Zahnarzt bestimmten Behandlung motiviert werden soll. Es wird auf Stellen hingewiesen, die kaum erkennbar etwas dunkler sind als der Rest, und dann behauptet, das sei Karies (Oh je, wie kann ich so etwas ungeschützt sagen? Hier ist eine offene Flanke im Reich der Meinungen…).

Die 45-minütige Behandlung unter örtlicher Betäubung verlief sehr glatt, das Team Arzt-Assistentin ist gut eingespielt, ich hatte keine Beschwerden wegen Speichelbildung (es wurde perfekt abgesaugt) und verspürte bei den diversen Bohrungen und Schleifungen und der anschließenden Füllung des Bohrloches keinerlei Schmerz. „Wie war ich“, fragte Herr Abdo, nicht wörtlich so, aber dem Sinne nach. Ich antwortete: „Perfekt.“ Wörtlich so!

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