Tagebuch

Alt sein und Canossa

Irgendwo da oben liegt der Melo See...

Irgendwo da oben liegt der Melo See…

Mittwoch, den 19. Oktober 2016

Heute hatte ich mein Canossa. Der Papst, das ist mein alter Körper. Den Offenbarungseid leistete ich in der Schlucht der Restonica, die von Corte auf Korsika zu erreichen ist,  etwa 10 Höhenmeter vor dem Ziel, einem Bergsee, der als Wander- oder besser Kletterziel in Frage kommt aber auch als Ausgangspunkt weiterer Wanderungen in den Bergen in Zentralkorsika. Am Eingang des Tals/der Schlucht habe ich zwei Männer mitgenommen, die mit Rucksack und Schlafsack ausgerüstet waren, außerdem mit einer Einkaufstüte von SPAR. Sie haben vor, ein paar Tage in den Bergen zu wandern. Der eine von ihnen, der ein wenig Englisch sprach, kommt aus Bastia. Sie waren ganz wild darauf, ein paar Widder in den Bergen zu sehen. Wir fuhren also die circa 10 – 15 km zum Parkplatz am Ende der D 238. Der auf der Rückbank gesessen hatte, ging pinkeln, der andere sagte: You are a very good driver. Ihm hat wohl imponiert, wie ich zügig und anscheinend furchtlos auf dieser engen Straße gefahren bin, auf der zwei Autos nicht aneinander vorbeikommen. Musste einmal rückwärts setzten, um ein entgegenkommendes Auto passieren zu lassen. In Wirklichkeit habe ich gedacht: Scheiße, wo bin ich hier reingeraten?! Ich wäre lieber ohne Zeugen hier gefahren, dann hätte ich mich sicherer gefühlt. Aber es hat anscheinend gepasst. Die beiden haben mir gezeigt, wo der Pfad zum See beginnt, und waren bald außer Sichtweite. Aber oh jeh! Der Pfad war kein Pfad. Man konnte mit Mühe erkennen, wo vor mir schon mal jemand gelaufen war, ansonsten gab es von Zeit zu Zeit einen Steinhügel und hier und da einen gelben Strich auf einem Felsen, der als Wegmarkierung dienen sollte. Nach einiger Zeit bemerkte ich, dass ich, wenn ich von einem Felsbrocken auf den nächsten springen musste, ganz schön auf meine Balance achtgeben musste. Wenn ich auf einem Fuß stand, konnte es passieren, dass ich von dem Gefühl angegangen wurde, ich könnte umkippen. Was mir auf dem Rückweg auch zweimal passierte, ich landete mit dem Hintern beim zweiten Mal in talwärts rauschendes Wasser, was die Frau, die vor mir unterwegs war, veranlasste, mich zu fragen: Did you hurt yourself? Wahrscheinlich eine Deutsche. Sie war mit ihrem husband unterwegs, die beiden schienen nicht wesentlich jünger als ich, verdammt, was also ist mit mir los? Aber zurück zum Hinweg, zum Aufstieg, der kein ganzer werden sollte. Also etwa 15 Höhenmeter vor dem Ziel kam ein Ehepaar mit einem weißen Schäferhund mir entgegen. Zwei anderen Wanderern sagten sie, der Hund habe die Felsen nicht geschafft, er konnte sich mit seinen Pfoten/Krallen offenbar nicht mehr festklammern. Kurz darauf kam ich an das Corpus delicti: Steile, graue Felsen, an denen rostige Ketten befestigt sind, an denen der Wanderer sich festklammern kann. Das habe ich getan, mich mit den Händen festgeklammert, habe dann den festen Halt meiner Füße aufgegeben und mich erst mal mit einem Fuß gegen die Felsen gestemmt, was nicht lange währte, da ich nicht den geeigneten Mittelpunkt fand in Bezug auf die Befestigung der Kette und somit zur Seite kippte, das heißt mit einer Seite, also einer Schulter, die Felswand küsste, mein verbliebenes Standbein seinen Halt verlor und ich, inzwischen im Beug auf beide Beine standpunktlos, in der Luft schwebte, wenn man mal von meiner linken Schulter absieht, die ja am Felsen klebte. Da habe ich beschlossen, mir die letzten 10 Höhenmeter zum See zu schenken und habe den Abstieg eingeleitet, indem ich mich zuerst aus meiner misslichen Lage befreite und dann abstieg, was bedeutete, dass ich nicht einfach Fuß vor Fuß setzte, das hätte ich gerne getan, aber ich konnte ja nicht wegen der steilen Felsgesteinhanglage. Ich sprang also mehr oder weniger von Felsen zu Felsen, von Stein zu Stein, wobei mir sämtliche Knochen und Muskeln weh taten. Und bei einem dieser Sprünge habe ich nicht hinreichend genau gezielt und bin praktisch in den Bach gefallen. Auf einem sonnigen Felsen habe ich gerastet, aber bin nicht zur Ruhe gekommen. Das am Morgen gekaufte Baguette blieb im Rucksack, die Korsische Wurst sowieso. Nur an der Plastikwasserflasche habe ich genuckelt. Meine Hose verrutschte dauernd, mein Hemd fand immer wieder den Weg in die Freiheit, ein Hineinstopfen in die Hose erwies sich immer mehr als völlig zwecklos. Ich erreichte mein Mietauto mit Mühe und Not. Meine Bergwanderträume – für immer tot.
Die Rückfahrt mit schlottrigen Knien und trotz einiger entgegenkommender Autos mit Bravour (soviel darf ich sagen) bewältigt. Im Duc de Padoue, also meinem Hotel, auf Bett gelegt und ein wenig geruht. Danach in die Eckkneipe gegangen, mit iPad, zwei große biere a la pression getrunken, 12 € bezahlt, worauf der Kellner mir auf 20 € 18 € zurückgab, was aber korrigiert wurde. Weitergezogen, so sagt man doch, in die nächste Kneipe, gleich um die Ecke, auf der Hauptstraße, wo ich schon mal einen Irish Coffee bekommen hatte. Habe wieder einen bestellt und nach kurzer Zeit erhalten. Das ging heute so schnell, dass ich den Verdacht habe, der junge Mann hat beim letzten Mal erst mal Irish Coffee gegoogelt, um nichts falsch zu machen.

 

Tag der deutschen Einheit 2016

Klüger Werden

Manchmal wird es ja spät, wenn ich abends am Computer sitze und noch etwas austüfftele. Heute Abend zum Beispiel. Da kam meine Freundin zu mir und schaute sich ein paar Sachen an, die sie betrafen. Ich wollte noch etwas aufbleiben. Nicht zu spät, Schatzi, sagte sie, mit einem gezielten Griff an meine Eier. Ich hab doch schon heute Mittag, warf ich ein. Aber ich nicht, sagte sie lakonisch und ließ ihr gellendes Lachen los. Aber dieses Gellen ist bei ihr, fast genetisch bedingt, glutamatgedämmt, also das Gegenteil einer Kreischsäge, also liebevoll verbindlich, ja liebestoll und dabei selbstgenügsam. Das Lachen trägt sie, bis ich wieder was in den Eiern habe, was keinesfalls heute Abend sein wird, ein Umstand, der uns beiden bewusst ist, was mir noch eine Netznacht am Computer beschert und ihr eine unbeschwerte Nachtruhe. Wir fühlen uns verbunden, vom Reich des Schlafes zum diffusen Halali des Wachseins, wir bleiben beide beieinander, bis dass der Tod auf uns scheißt.

15. April 2016

Älter Werden

Neulich kam ich auf Grund einer Beobachtung in einer Ankleidekabine auf die Idee, mich einmal mit dem Älter Werden zu beschäftigen. Hier ist das Ergebnis.

Auch der Blogger wird älter und alt bis zur Erstarrung. Martin Walser (89), zwar kein Blogger, aber einer von denen, die regelmäßig etwas veröffentlichen, wurde kürzlich von SPIEGEL-ONLINE gefragt: „Leben Sie denn mit Ihrer jungen Co-Autorin in einer Wohngemeinschaft?“ Die lakonische Antwort war: „Mit mir gibt es nur noch eine Todesgemeinschaft.“ (Martin Walser, Ein sterbender Mann. Co-Autorin ist die Sinologin Thekla Chabbi (47), die aber nicht auf dem Cover genannt wird, deren Beitrag aber von der Kritik hochgelobt wird. Walser beim Staffellauf (um das Wort „Löffel“ zu vermeiden)? – Immerhin erwähne ich ja auf meinem BLOG gelegentlich „meine kl. chin. Freundin“.)

Nun bin ich ja 20 Jahre jünger als der letzte überlebende Titan der Nachkriegsliteratur und wahrhaft kein greiserTitan, eher ein erfrischendes TicTac (Try me, please!). Aber das Älterwerden habe ich neulich ganz konkret erlebt.

Dazu muss ich vorausschicken: Vor 3 oder 4 Jahren habe ich mal einen älteren Herren in der Umkleide des Fitness Studios beobachtet. Er versuchte verzweifelt, seine Unterhose anzuziehen, hielt diese mit nach unten ausgestreckten Armen vor sich hin und nahm sozusagen Anlauf erst mit dem rechten Bein, dann mit dem linken, um in das richtige Beinloch zu kommen. Da er offenbar nicht mehr besonders gut auf einem Bein verharren konnte, riss er jeweils einen Fuß hoch und zielte schnell auf die richtige Stelle in der Hose. Sobald die gefunden war, drückte er geschwind seinen Fuß da durch, um auf dem Boden wieder Halt zu finden. 

Ich fand das Ganze damals sehr komisch und habe mich sogar bei mir darüber ein wenig lustig gemacht.

 

Ich musste heute an diese Szene denken, während ich mich heute nach dem Fitnesstraining ankleidete. Das Lustige dabei war indes, dass ich mich dabei erwischte, wie ich mich, um in meine Unterhose zu steigen, zuerst einmal mit einer Hand am Schrank festklammerte, während  in der anderen Hand meine Unterhose schlaff baumelte und ich versuchte, das rechte Bein in das richtige, aber ja nicht entfaltete Beinloch einzuführen, was mir nicht recht gelingen wollte, so dass ich beschloss, mich auf die Bank zu setzen und die Hose im Sitzen anzuziehen.

Ich fand das Ganze heute nicht sehr komisch und habe mich sogar bei mir darüber ein wenig geschämt.

 

Bis mir klar wurde:

Mann, du bist älter geworden.

Und jetzt kann ich sagen: Ich werde älter, und ich werde mich ab sofort genau dabei beobachten, ob ich beim Schreiben noch in die Gänge komme.

Erst, wenn ich mich beim Schreiben sozusagen hinsetzen und verschnaufen muss, lösche ich diesen BLOG.

Das Problem könnte sein, dass ich auf Teufel komm raus stehen bleibe, dann aber eines Tages umfalle.

Alles also eine Frage des TIMINGS…

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März 2016

Die Nibelungen

von Friedrich Hebbel, im Schauspielhaus Düsseldorf

Regie: Kurt Josef Schildknecht

Neulich habe ich Die Nibelungen von Friedrich Hebbel im Schauspielhaus Düsseldorf gesehen.

Zickenkrieg zwischen Brunhild und Kriemhild. Der entscheidende Punkt war, dass

Eine üble Kumpanei: Siegfried und Gunther

Eine üble Kumpanei: Siegfried und Gunther

Kriemhild ahnte, dass Siegfried bei Brunhild gewesen war, da sie deren Schmuck gefunden hatte, den sie für ein Geschenk ihres Mannes für sie gehalten hatte.
Die traurigste Figur in dem ganzen Durcheinander ist gewiss König Gunther, der sich von Siegfried abhängig machte. Ein Mann mit einem Stiernacken (der Schauspieler Jakob Schneider), der aber nicht darüber hinwegtäuschen konnte, dass er ein ganz kleines Ringelschwänzchen in der Hose hat (als König Gunther).

Hagen knöpft sich Kriemhild vor...

Hagen knöpft sich Kriemhild vor…

Kriemhild, die verkaufte Braut, dann Skrupellose, die am Schluss, als klar wurde, dass Hagen den Verbleib des Nibelungenschatzes niemals verraten würde, da er seinem König Stillschweigen geschworen hatte, den König, also ihren Bruder, „abknallen“ ließ, um Hagen zum Reden zu bringen. Doch dieser schwieg in der Gewissheit seines sicheren Todes.

Dieses grauenvolle, aus dem Ruder geratene Blutvergießen am Schluss, war – und das wurde durch Regie und Bühnenbild sehr deutlich – absolut sinnlos.

Ich kann mich erinnern, die Nibelungensage als Kind gelesen zu haben. Damals war Hagen für mich eindeutig der Bösewicht. In dieser Inszenierung wirft Hagen Kriemhild vor, mindestens einen ebenso großen Anteil von Schuld an dem politischen und menschlichen Chaos zu haben. Und diese Schuld ist darin begründet, dass sie es mit ihrer Schwägerin, also der Brunhild, vermasselt hat.

Es leuchtet eigentlich nicht ein, warum sich der Held vom Niederrhein, also Siegfried, ausgerechnet Kriemhild als Braut in den Kopf gesetzt hat, die doch zu Beginn der Handlung eher etwas kindlich und unbeholfen wirkt, vor allem im Vergleich zu ihrer alten Mutter, einer „wahren“ Königin. Aber Siegfried ist in Wirklichkeit der Emporkömmling, der durch ein paar glückliche Umstände (Drachen besiegt, Tarnkappe erobert, Wunderschwert gewonnen) in eine Position geraten ist, in der er „nach den Sternen greift“ und dazu erst einmal eine geeignete Braut braucht.

Nicht auf der Bühne gezeigt, aber als dem Zuschauer vorgestellte Szene äußerst anschaulich: Brunhild scheint Siegfried als ihren wahren Bezwinger dermaßen zu lieben, dass sie wahnsinnig wird und eingesperrt werden muss.

Welche Lehren sind daraus zu ziehen? Es hat keinen Sinn, sich die Dinge zurecht rücken zu wollen, weil die Dinge nun mal sind, wie sie sind.  Aus einem Freundschaftsdienst, der mit einem kleinen Betrugsmanöver verbunden ist, entwickelt sich ein Chaos, an dessen Ende die totale Vernichtung steht. Die Burgunder werden ausgelöscht. Aber König Etzel

Finales Gemetzel: Da waren's nur noch zwei...

Finales Gemetzel: Da waren’s nur noch zwei…

und Kriemhild, die scheinbar mit dem Leben davon kommen, werden künftig als Zombies dahinvegetieren. Beide habe auch noch das Letzte, das sie mit dem Leben verband, verloren. Er seinen Sohn, sie ihre Brüder.
Die Inszenierung kommt alles andere als moralinsauer daher, reizt den Zuschauer gelegentlich zum Lachen, etwa, wenn der tolpatschige Werbel mit Brunhildes Schmuck als Kopfzier auftritt, oder wenn Hagen Etzels Sohn zwischen zwei Tischen ermordet, den blutigen Kopf empor reißt und jeder weiß, dass jetzt der quicklebendige Knabe unter dem Schutz der langen weißen Tischtücher hinter den Kulissen verschwindet. Interessant auch andere Details, etwa die „Maske“ von Gunther. Der war so geschminkt worden, dass es den Anschein hatte, als habe er die Augen geschlossen und ihm seien Augen auf die Augenlider gemalt worden. Man kennt das Motiv: Der blinde König. Und der Rest ist schlimmer als Schweigen, es bedeutet Tod für jedermann…

 

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Stille Tage in Clichy

Karneval 2016

Faust I

Um dem Karnevalstreiben zu entgehen, bin ich dieses Jahr von Saarbrücken nach Düsseldorf geflohen. Hääää? Ja, in Saarbrücken gibt es Familie und Freunde, die feiern, in Düsseldorf bin ich allein und kann folglich machen, was ich will. Ein Privileg, das man erst schätzen lernt, wenn man es hat.

Gestern Abend habe ich Faust I im Düsseldorfer Schauspielhaus, große Bühne am Bahnhof, gesehen. Die Bühne besteht aus drei grauen Wänden, die von diversen Schlupflöchern durchbrochen ist. Der Boden kann sich drehen (Drehbühne), was geschickt eingesetzt wird, um Teufel, Tote und Triebgesteuerte zu entsorgen oder auch zu enthüllen. Der Teufel waren drei, ein fetter, schleimiger Zuhältertyp, eine Sexbombe und ein dürr bebeinter weiblicher Sexderwisch, der  darstellerisch  den anderen beiden Teufeln nicht nachstand und das tödliche Feuer immer wieder wendig schürte, was ja ganz im Sinne Goethes ist.

Die meisten Kritiken zu dieser Inszenierung loben den Mut zur Verkürzung und zur Fokussierung. Die meisten Kritiken streichen auch heraus, wie hervorragend Faust von Stefan Hunstein verkörpert wurde. Das stimmt. Aber nur die Süddeutsche Zeitung hat einen Blick dafür, was wirklich passierte. Es ging in der Inszenierung von Georg Schmiedleitner nämlich um die Eroberung und Vernichtung einer Frau. Am Anfang sah man Faust inmitten endloser Ausdruckseiten eines IBM-Nadeldruckers, er hatte offenbar überproduziert und kam mit der Flut seiner wissenschaftlichen Nadeldruckerseiten nicht mehr klar. Der Teufel führte diesem armen Schwein, das zwar Nadeldruckerseiten produzierte und nebenbei Embryonenforschung betrieb, ein unschuldiges Mädchen zu, das zunächst einmal lange nur an einer Stelle auf der Bühne stand und nicht mehr machte, als seine sexuelle Unschuld und ästhetische Belanglosigkeit zu demonstrieren. Ein bisschen Busen war angedeutet, aber darunter ein Rüschchenkleid voller Unschuld.

Beziehung im Eimer

Beziehung im Eimer

Am Ende nahm er sie, liebte sie ihn, verließ er sie, obwohl er so tat, als täte ihm die Geschichte so unendlich leid.

Eine Geschichte also, wie sie heute passiert, die aber auch schon vor 2000 Jahren so passiert ist.

Was bleibt von dieser Vorstellung aber ist: Die ungeheure darstellerische Leistung von Katharina Lütten, die diese Metamorphose des „Gretchens“, von der unscheinbaren Jungfer, in die sich der weltfremde Faust verliebt, zu der liebesfähigen Frau, die schließlich liebt und zurückgestoßen wird, nachdem der Held erkannt hat, dass auch sie nicht das ist, wonach er strebt, weil es ja gar nichts gibt, was erstrebenswert wäre, so grandios schauspielerisch bewältigt.

Der respektlose Nietzsche hat bekanntermaßen großen Respekt vor Goethe gehabt. Die Inszenierung von Georg Schmiedleitner macht das plausibel. Nicht Faust, nein Goethe war ein Nihilist. Faust ist ein armes Würstchen. Aber der Grund, aus dem er geboren wurde, ist das NICHTS.

 

Karnevalskonzert Tonhalle

Düsseldorf, mit Bully Herbig und Sinfonieorchester

Freitag also in die Tonhalle gegangen. Aufgang A heißt: Ins beste Parkett, sechste Reihe. Ich hatte Platz 14. Nach mir kam ein älteres Ehepaar und besetzte Platz 13 und 15. Ich habe der Dame meinen Patz angeboten, sodass sie neben ihrem älteren Ehemann sitzen konnte. Wurde gemacht. Aber wer weiß, ob der Dame das recht war. Denn während des Konzerts wandte sie sich immer wieder an mich, wenn es um Zustimmung zum Applaus ging. Anstrengend…  Bully Herbig hatte das Publikum im Griff. Er hat gestisch, mimisch, vokalistisch, akustisch dermaßen brilliert, dass ich mich einfach wohlgefühlt habe. Die Musiker bestachen durch Lockerheit, tierische Lockerheit. Eins ist mir aufgefallen: Die zweite Geige war als Mexikaner verkleidet, trug dazu aber elegante Schuhe mit hohem Absatz. Die nächste Geige kam daher in einem orangenen kurzen Kleid und musste infolgedessen während des Konzerts dauernd darauf achten, dass sie ihre Beine beieinander hielt, was entweder dadurch geschah, dass sie ihre Knie aneinander presste, oder dass sie ihren rechten Fuß um das linke Bein schlang.

Alles Nebensächlichkeiten. Aber was bleibt denn von solch einem Abend? Gewiss auch dies: Ich habe Bully Herbig live erlebt, der den Karneval der Tiere mit eigenen Texten versehen hatte: Das Schwein hatte sich als Sparschwein verkleidet. Zwei Zebras waren da, ein weißes mit schwarzen Streifen und ein schwarzes mit weißen Streifen, so dass man sie am Ende gar nicht auseinander halten konnte. Dann kamen die Stare (Flöte!), aber einer blieb in einem großen Baumwipfel zurück und rief: „Ich bin ein Star. Holt mich hier raus!“. Schließlich segelte noch eine Schwalbe ins Stadion. Aber natürlich erhielt sie sofort einen Platzverweis (hierbei wandte sich Bully zum Publikum und lachte, aber die meisten im Publikum hatten schon verstanden und johlten bereits). –  Man hat etwas Wunderbares erlebt, man fährt mit der U-Bahn nach Hause, man geht ins Bett und muss erleben, dass solch ein Abend immer tiefer in den Schlünden des Gedächtnisses verschwindet. Oder  geht es gelegentlich auch anders aus? Heute Abend schaute ich am Belsenplatz, wo ich in Düsseldorf aussteige, wenn ich von irgendwo komme, von der Tonhalle z.B., noch in irgend ein Schaufenster, als ich angesprochen wurde: Hallo, Herr Hoppenkamps! Es war die Zweite Geige! Die mit den Stöckelschuhen, die in der Tonhalle als Mexikaner aufgetreten war. Wir haben uns auf dem gemeinsamen Weg nach Hause noch ein wenig unterhalten. Und beim Abschied im Treppenhaus habe ich meiner schönen Nachbarin aus nicht ganz einsichtigen Gründen dafür gedankt, dass ich an diesem Karnevalskonzert teilnehmen durfte.

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Urlaub 2015 Norditalien

Wichtiges und Unwichtiges vom letzten Urlaub…

Aber am Ende hat alles (k)eine Bedeutung…

(Auf die Bilder klicken, um sie zu vergrößern!)

RefektoriumSonntagabend haben wir Koffer gepackt, um am Montagnachmittag bis St. Odile  zu fahren. Beim Abendessen im alten Speisesaal des Klosters habe ich eine ganze Flasche Wein getrunken (mir war nicht klar gewesen, dass You Ying keinen Alkohol trinkt!) und hatte am nächsten Morgen einen dicken Gichtfinger. Am Dienstag, den 7. Juli, in der Schweiz den WasserfaWasserfallll aufgesucht, der Sherlock Holmes und Prof. Moriati angeblich zum Verhängnis wurde. Dann sind wir bis zum Lago Maggiore gefahren und haben ein schönes Hotel direkt am See gefunden, das Hotel Bellvedere & San Gottardo in Verbania Pallanza. Während des Abendessens in einem kleinen Restaurant am See kamen ziemlich große Hagelkörner runter. GottseidaIsola-Bellank nur draußen. Zum Glück hatten wir das Auto in der Garage des Hotels abgestellt. Für ein großes Zimmer mit Klimaanlage und Blick auf den See haben wir einschließlich Frühstück und Garage einen wohlwollenden Preis gezahlt. Den Mittwoch haben wir für eine Fahrt mit dem Schiff zur Isola Bella genutzt, am Donnerstag Mailand besucht. Dort auf dem weitläufigen Dach des Domes herumgMilanoekrabbelt und durch die Galleria Vittorio Emmanuele geschlendert. You Ying verschwand für eine Weile bei Louis Vuitton. Hat dann allerdings doch keine Tasche gekauft… Dann zwei Nächte in einem Vorort von Venedig übernachtet, im Palladio. Unterwegs noch einen Abstecher nach Verona Veronagemacht.  Am Freitagabend mit dem Auto zum Essen nach Venedig gefahren, zwei Stunden lang für 26 € geparkt. Am Samstag fast den ganzen Tag durch Venedig gewandert. Abends in einer Trattoria Dona Onesta gut gegessen
Von Sonntag bis Donnerstag in Völs am Schlern im Hotel Rose – Wenzer übernachtet. Die Fahrt am Sonntag durch die Dolomiten war wunderschön. Manche Strecken gefielen You Ying, die sich nach einer Tankrast mutig ans Steuer des großen Autos setzte, so gut, dass sie sie zweimal fuhr. Und das kam so: In der Gegend von Belluno musste ich tanken, da ein paar Pässe uns bevorstanden. Da die Einfahrt zur Tankstelle nur von einer Seite aus möglich war, musste ich die zweite Einfahrt benutzen, so dass das Auto beim Tanken entgegen unserer Fahrtrichtung stand. Es erwies sich (mal wieder), dass das Tanken in Italien oft gar nicht so einfach ist. Ich hatte 50 € „versenkt“ und erhielt kein Benzin.Canal-Grande Irgendwann habe ich auf „Abbrechen“ gedrückt und erhielt eine Quittung über den „versenkten“ Betrag. Die Tankstelle hatte allerdings geschlossen. Die Frau im Bistro nebenan akzeptierte die Quittung jedoch und warf einen neuen Schein ein und zeigte mir den nächsten Schritt, um das Benzin fließen zu lassen. Inzwischen hatte You Ying den Fahrersitz in die vorderste uPasso-Selland in die höchste Position gebracht und war bereit, die nächste Strecke zu fahren. Natürlich war ich skeptisch, da sie so klein und das Auto so groß ist, sie dieses Auto noch nie gefahren hat und sich auch nicht mit Automatik auskennt und hinter Cortina d’Ampezzo drei Pässe lauerten (Falzarego, Pordoijoch und Sellajoch). Sie fuhr jedoch von der ersten Sekunda an astrein, zügig, ohne mit der Wimper zu zucken jede Serpentine forsch-elegant meisternd. Doch bevor wir zu den Pässen kamen, fuhren wir erst mal eine gewissen Strecke, wie gesagt, zweimal. Denn nach dem Tanken haben wir nicht gewendet und fuhren so in der falschen Richtung. Das merkten wir erst, als ich nach einer Weile das Navi wieder einschaltete und diese Stimme dauernd sagte: „Wenn möglich bitte wenden!“ Das Ganze wurde wegen einer Umleitung an einer Baustelle noch etwas komplizierter. Jedenfalls erkannten wir bald viele Stellen wieder, an denen wir vor einer halben Stunde schon einmal gewesen waren. Aber so etwas ist für You Ying und für mich kein MissgSeiser-Almeschick, da es Anlass zu ausgelassenem Lachen ist. Dann kamen also die drei Pässe, und nach dem dritten Pass übernahm ich wieder, aber nur, weil wir irgendwo geparkt hatten, wo man nicht so leicht wieder rauskam. You Ying, also Shu Ming, kann zwar wie Schumi Auto fahren. Aber nicht parken. – In Völs hat You Ying fast schwimmen gelernt, und ich habe mir einen schniefigen Schnupfen zugezogen. Das ZiVölsmmer in Völs war etwas klein, der Blick von der Terrasse allerdings großartig (Voll der Schlern). Das Essen recht simpel, der Birnenschnaps eine angemessene Kompensation. – Montag 5 h über die Seiser Alm gewandert, Dienstag Ruhetag, Mittwoch nach Jenesien und ins Schnalstal, in Naturns gegessen. Am Donnerstag nach fast 10 h Fahrt wieder in Dudweiler. Haben wegen massiver Staus in Karlsruhe eine Fähre über den Rhein nach Leimersheim genommen. Hatten keinen nennenswerten Stau, aber mussten Umwege durchkleine Dörfer in Kauf nehmen. Dauert dann halt ein bisschen länger, aber man bleibt in Fahrt und hat das KaterGefühl, dem Navi schließlich doch überlegen zu sein, bzw. es intelligent genutzt zu haben. – Zu Hause warteten zwei Kater auf uns, die zwar von Nachbarn hervorragend versorgt worden waren, uns jedoch das Gefühl vermittelten, dass wir vermisst worden waren. Das bedeutet Salbe für die Seele! Danke Aladin! Danke Adonis!

Die Bilder vom Urlaub haben wir Freunden letzte Woche gezeigt, dann gegrillt. Nach drei Stunden wurde es You Ying langweilig, und sie ging duschen. Bei der Verabschiedung der Freunde erschien sie zufällig mit nassen Haaren in der Tür und sagte allen auf Wiedersehen. Ingeborg rief mich gestern an und sagte: „Wie goldig! Das fand ich aber nett, dass Deine Freundin, bevor sie sich von uns verabschiedete, extra geduscht hat.“

Eine Antwort zu “Tagebuch

  1. Pingback: störig – störrisch – stoisch??? | Leo Läufer

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